Im Gespräch mit Michael David Pate: „Da scheiden sich die Geister“

Interview mit Michael David Pate über Heilstätten geführt Filmkritik von

Kritiken: Was war denn die Grundidee hinter HEILSTÄTTEN?

Michael David Pate: Die Grundidee kam nicht von mir, sondern vom Produzenten Till Schmerbeck, der sie eine Weile mit sich herumgetragen hat. Die Prämisse, Found Footage in den Heilstätten zu machen, war der Kern. Das fand ich wiederum interessant, wobei ich die Idee einbrachte, das mit dem YouTube-Thema auszubauen.

Kritiken: Damit ergibt sich ja auch durchaus eine Metaebene.

Michael David Pate: Ja. Das ist meines Wissens der erste Found-Footage-Horrorfilm, der auf diese Art mit YouTube arbeitet. Das sollte mit einem Geist kombiniert und so die junge Zielgruppe abgeholt werden. Ich machte dann den Vorschlag, vom Dokumentarischem wegzukommen. Das ist bei Found-Footage-Filmen häufig so, dass die Figuren eine Dokumentation über ein Mysterium machen, weswegen die Kameras laufen. Dann geht alles schief, die Leute sterben und die Kameras laufen immer noch. Darum fand ich die Idee interessant, das über Figuren, die für ihren YouTube-Channel etwas machen, zu erzählen, da diese Leute vielleicht auch nicht so gut recherchiert haben, worauf sie sich einlassen. Das empfand ich als etwas Neues.

Kritiken: Es wirkt auch natürlicher, dass die Kamera noch läuft, während schreckliche Sachen passieren. Normalerweise wirft man die Kamera doch weg und fängt an zu laufen. Aber die haben halt weiterhin das Handy in der Hand.

Michael David Pate: Das ist generell eine Schwierigkeit. Wenn ich solche Found-Footage-Filme sehe, frage ich mich immer, wieso in dieser extremen Situation überhaupt noch die Kamera läuft und wer das überhaupt zusammengeschnitten hat. Mit diesem Gedanken bin ich an HEILSTÄTTEN herangegangen, da ich am Ende auch erklären wollte, was wir hier gesehen haben. Und was das Laufen der Kameras betrifft, so habe ich mir zum Ziel gemacht, dass der Zuschauer dem Film abkaufen muss, dass die Figuren einfach voyeuristisch an die Sache herangehen und einfach immer die Kamera laufen lassen. Später brauchen sie dann das Kameralicht, weil sie schlecht vorbereitet sind.

Kritiken: Die Heilstätten waren von Anfang an der Ort, an dem der Film spielen sollte?

Michael David Pate: Ja, das war schon in der Entwicklungsphase so, als das Drehbuch geschrieben wurde. Das Skript, das ich zu sehen bekam, spielte schon dort.

Kritiken: Die Heilstätten sind außerhalb Berlins vielleicht nicht so bekannt. Ranken sich denn um diese Gebäude urbane Legenden oder Spukgeschichten?

Michael David Pate: Ja, die gibt es tatsächlich. Es wird immer wieder von paranormalen Aktivitäten berichtet und dass Leute Schreie aus Gebäuden hörten, in denen niemand war. Auch merkwürdige Todesfälle sollen da stattgefunden haben. Daraus einen Stoff für einen Horrorfilm zu machen, liegt natürlich irgendwo nahe.

Kritiken: Wie schwer ist es denn, einen Found-Footage-Film im Vergleich zu einem Film mit klassischer Erzählform zu machen?

Michael David Pate: Schon sehr unterschiedlich. Die Kameras sind nicht nur Requisiten, sondern auch so etwas wie Hauptdarsteller. Es ist aufwendiger, als einen „normalen“ Film zu drehen. Hier muss man sich überlegen, wie würden diese Figuren an die Sache rangehen, wo würden sie die Kameras hinstellen und wie gestaltet man das alles, dass es glaubwürdig bleibt, der Zuschauer dem Ganzen aber auch folgen kann.

Kritiken: Bestand die Idee, echte YouTube-Stars einzusetzen?

Michael David Pate: Es war am Anfang eine Option, aber wir haben gemeinsam mit dem Verleih entschieden, dass es besser ist, mit Schauspielern zu arbeiten, weil das ein häufig unterschätzter Beruf ist und ihn nicht jeder machen kann. Es gibt sicher YouTuber, die auch schauspielern können, aber wir sind auf Nummer Sicher gegangen.

Kritiken: Der Film ist relativ kritisch in Hinblick auf die YouTube-Stars und ihre Channel, wenn eine der Figuren sagt, dass damit die Jugend verdummt wird. Macht man sich da nicht beim Zielpublikum unbeliebt?

Michael David Pate: Das kann sein, aber natürlich ist das nur die Meinung einer der Figuren im Film – und es sind ja immerhin sechs. Mein Ziel war es nicht, die große belehrende Kehle rauszuholen. An erster Stelle stand der Spaßfaktor. Keine Ahnung, wie die Zielgruppe das auffasst, aber ich glaube, die kann einiges vertragen.

Kritiken: Gab es während der Dreharbeiten irgendwelche interessanten Ereignisse? Habt ihr Geister gehört?

Michael David Pate: Ich glaube an Geister, das ist ja gar keine Ob-Frage, denn hier sprechen gerade zwei Geister miteinander. Die Frage ist nur, wer glaubt an Geister, die nicht in Körpern unter uns weilen und da scheiden sich die Geister (lacht). Ich kann aber nicht behaupten, dass ich Schiss vor Gespenstern hätte. Es gab natürlich merkwürdige Geräusche in den Gebäuden, aber gerade, weil ich sehr gläubig bin, bin ich der Meinung, dass der liebe Gott Spielraum für Zweifel lässt. Es gibt immer auch Erklärungen und Wissenschaftler, die selbst solche Dinge wie die Existenz des Grabtuchs von Turin in irgendeiner Weise logisch begründen können. Für mich persönlich war das ergreifendste Ereignis das Besuchen einer Kinderklinik in den Heilstätten. Da ich selbst Kinder habe, hat mich das mit diesen abgewrackten Räumen und Fluren sehr hart getroffen. Da sind noch Wandmalereien von Zeichentrickfiguren zu sehen und man merkt, dass hier Kinder lebten, die vielleicht auch nicht überlebt haben. Das hat mich sehr ergriffen, da ich mich natürlich auch fragte, was wäre, wenn meine Kinder schwer krank werden würden.

Kritiken: Und eine gute Anekdote?

Michael David Pate: Ganz gut war vielleicht meine erste Anweisung an die Darsteller, als ich ihnen gesagt hab, sie dürfen nicht ihren Job machen, also nicht schauspielern. Es wäre ein fataler Fehler gewesen, zu sehr zu spielen. Found Footage ist die Königsdisziplin und muss auch in der Darstellung glaubwürdig wirken, auch und gerade in der Banalität und Flapsigkeit, die sich im normalen Leben ergibt. Herausfordernd war es, daraus dann Spannung zu generieren.

Kritiken: Blieb viel auf dem Schneidetisch liegen?

Michael David Pate: Ja, vieles ist nicht in die Endfassung gekommen, um den Erzählfluss nicht zu stören. Im Voraus ist es immer schwer, gerade einen Found-Footage-Film einzuschätzen, was das Tempo angeht. Einige schöne Sachen mussten darum weichen, aber vielleicht gibt es sie später auf DVD und Blu-ray.

Kritiken: Ist das Genre Horror etwas, das du besonders gern magst?

Michael David Pate: Ich finde Horror spannend und sehe darin Potenzial. Ein Verfechter von Gewalt bin ich nicht, aber mit dem Genre kann man anhand von Extremsituationen Fragen aufwerfen und anders thematisieren. Horror um des Horrors Willen ist mir zu wenig. Mit dem Genre kann man einiges überspitzen und gut unterhalten, Horror kann aber ein sehr gutes Vehikel für gewisse Themen sein.

Kritiken: Und wenn HEILSTÄTTEN nun gut läuft, würdest du dann auch ein Sequel machen?

Michael David Pate: (lacht) Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Sicher kann ich mir einiges dazu vorstellen, aber in erster Linie ist mir wichtig, dass der Film für sich eine Daseinsberechtigung hat. Eine Fortsetzung müsste also schon eine interessante Geschichte bieten, die aus dramaturgischer Sicht erzählenswert ist. Dann wäre ich auch für HEILSTÄTTEN 2 offen.

Kritiken: Gibt es schon ein neues Projekt?

Michael David Pate: Ein paar sind in der Pipeline, davon auch eines aus dem Horror-Genre, am Wahrscheinlichsten ist jedoch ein Biopic. Eine wahre Geschichte als Dramödie.

Kritiken: Und worum soll es da gehen?

Michael David Pate: Man darf zwar nie über ungelegte Eier reden, denn beim Film gibt es nie etwas, bis der Streifen auch im Kino läuft. Es würde aber um die Gründung des Wacken-Festivals gehen – und hier um die Gründe. Das ist eine Stehaufmännchengeschichte.

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