„Keanu war immer unser Favorit“ – Eli Roth über KNOCK KNOCK
kritiken.de: Wie kam es denn zu der Idee, den relativ obskuren TÖDLICHE SPIELE neu zu verfilmen?
Eli Roth: Colleen Camp ist eine Freundin von mir und zeigte mir diesen Film, in dem sie mitgespielt und von dem ich noch nie gehört hatte. Denn in den USA ist TÖDLICHE SPIELE fast schon ein verloren gegangener Film. Er lief vor etwa 40 Jahren mal kurz im Kino und ein paar alte VHS-Videos sind noch im Umlauf, aber das war es auch. Ich habe mir den Film mit Nicolás Lopez angesehen und uns gefiel die Idee von Anfang an. Wir hatten auch das Gefühl, dass die Geschichte heute noch immer relevant ist. Uns gefiel, dass die Mädchen in das Haus kommen und einfach nicht mehr verschwinden.
Nach THE GREEN INFERNO, den ich so tief im Dschungel wie keine andere Film-Crew gedreht habe, wollte ich auch einen Film machen, der deutlich enger eingegrenzt ist. Zudem sollte der Film auch kein Blut haben. Ich musste zeigen, dass ich auch andere Genre-Stoffe beherrsche, zumal ich das Gefühl habe, dass das Blut in meinem anderen Filmen häufig die Schauspieler überschattet hat.
Ich wollte nun einen Film machen, der mehr wie ein alter, sexuell aufgeladener Thriller ist. Etwas wie VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE oder ein alter Paul-Verhoeven- oder Roman-Polanski-Film. Die Idee war, wie wäre VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE verlaufen, würde er heute spielen, mit all der Technik und den sozialen Medien, die wir haben.
Alles, was man im Privaten tut, es würde vielleicht von der Frau oder den Kindern herausgefunden. Nichts mehr ist privat, alles wird öffentlich – und das für die ganze Welt. Das, aber auch den Generationen-Unterschied wollte ich aufzeigen – zwischen Leuten wie mir, die in ihren 40ern sind und analog aufwuchsen und jenen Mädchen, die Digital Natives sind.
Kritiken.de: Sondra Locke ist ausführende Produzentin, Colleen Camp Produzentin. Sie spielt aber auch mit. Gab es Bestrebungen, für Locke auch eine Rolle zu finden?
Eli Roth: Wir haben nach einem Weg gesucht. Sie ist ein wirklich toller Mensch und eine großartige Schauspielerin, aber terminlich war es schwierig, da wir in Chile drehten. Colleen war dort vor Ort, so dass wir sie leichter involvieren konnten. Aber sowohl die Zwei als auch der Regisseur des Originals unterstützten unseren Film von Anfang an.
kritiken.de: Sie haben in verschiedenen Ländern wie der Tschechischen Republik, Deutschland oder nun eben Chile gedreht. Gibt es da essenzielle Unterschiede bei der Arbeit am Set?
Eli Roth: Durchaus. Ich habe an den unterschiedlichsten Orten wie Prag oder Berlin gedreht. Die Erfahrung an sich ist gleich, aber ich habe es besonders genossen, in Chile zu drehen. Dort gibt es ein ganz eigenes System. Man kennt auch kein anderes. Zudem bin ich mit der Crew vertraut gewesen, da wir zuvor schon AFTERSHOCK und THE GREEN INFERNO gemacht hatten. Das Team ist wie eine Familie. Diesen Film in Chile zu drehen, war perfekt.
kritiken: Sorgen die Sprachunterschiede für Schwierigkeiten?
Eli Roth: Manchmal schon, da einige natürlich kein Englisch sprechen. Ana de Armas ist aus Kuba, darum spricht sie Spanisch. Das war kein Problem. Für Keanu hatten wir einen Übersetzer am Set. Ich arbeite seit etwa zehn Jahren immer mal wieder dort. Ich mag es, in anderen Ländern zu drehen, weil ich es liebe, mich in andere Kulturen zu begeben. Das war überall so, auch in Deutschland, als wir in Berlin INGLORIOUS BASTERDS drehten. Es ist toll, außerhalb der USA zu leben und ein Gefühl für eine andere Lebensart zu bekommen. Man kann da in andere Leben, andere Kulturen eindringen und erhält dadurch auch eine ganz andere Perspektive. Das ist etwas sehr Kostbares, weil man für ein paar Monate in andere Leben hineinschnuppert. Als ich in Prag war und in der Tschechischen Republik lebte, war das toll. Und als ich in Berlin war und in Kreuzberg lebte, fühlte ich mich auch anders. Das war eine großartige Zeit.
Ich mache Filme für die ganze Welt, nicht nur für Amerika. Mein Publikum ist global, darum ist es toll, wenn ich in verschiedenen Ländern leben kann, weil es mir hilft, ein Verständnis für den Rest der Welt zu erhalten. Ich glaube, das macht meine Filme auch interessanter.
kritiken.de: War denn Keanu Reeves der Schauspieler, an den Sie dachten, als Sie das Drehbuch schrieben?
Eli Roth: Wir schrieben es und zeigten es dann unserem Produzenten Miguel Asensio, der es las und meinte: Das wäre ideal für Keanu Reeves. Fanden wir auch, hielten das aber für völlig unrealistisch. Aber dann wurde das Skript seinem Agenten gegeben, Keanu las es und liebte es. Wir hatten echt Glück, ihn zu bekommen. Keanu war immer unser Favorit, nur dachten wir, dass er niemals zusagen würde.
kritiken.de: Es muss für ihn eine Herausforderung gewesen sein, mal nicht der Held zu sein. War die Transformation für ihn leicht?
Eli Roth: Keanu ist jetzt an einem Punkt in seiner Karriere, an dem er gewillt ist, auch Risiken einzugehen. Dies ist das erste Mal, dass er einen Vater gespielt hat. Und er hat sich völlig auf diese Rolle eingelassen, auch darauf, dass ihm das Haar geschnitten wird. Keanu ist ein wundervoller Mensch. Er gibt einfach alles. Jeder liebt ihn seiner Actionfilme wegen, aber er kann und ist weit mehr als das. Hier hat er eine phänomenale Darstellung abgeliefert. Sehr warm, sehr menschlich. Ich hatte echt Glück, mit ihm arbeiten zu dürfen.
Und ja, es machte Spaß, ihn auch deshalb zu haben, weil die Leute erwarten, dass seine Figur zum Held wird. Aber dass er sich dann zweier Mädchen nicht erwehren kann und die Maus in einem Katz-und-Maus-Spiel ist, ist großartig.
kritiken.de: Wie in der Szene, al s er mit einer Gabel gestochen wird. Man erwartet, dass er jetzt zurückschlägt.
Eli Roth: Er ist einfach nur ein normaler Kerl, der nicht weiß, wie man kämpft. Und er erwartet auch nicht, dass die Mädchen tun, was sie tun. Darum reagiert er, wie er reagiert.
kritiken.de: Wie war es denn, mit Ihrer Frau zusammenzuarbeiten?
Eli Roth: Lorenza ist einfach wunderbar. Wir verlobten uns während des Drehs. Sie war zuvor schon mit mir im Dschungel bei THE GREEN INFERNO. Am Set sind wir totale Profis. Wir wollen, dass alles großartig läuft und sind füreinander da. Wir fordern einander aber auch heraus, wobei wir am Set absolut vorbereitet erscheinen. Es ist toll, mit ihr zu arbeiten. Sie ist eine unglaubliche Schauspielerin. Mit THE GREEN INFERNO und diesem Film sieht man erst, was für eine unheimliche Bandbreite sie hat. Zudem sie in Englisch dreht, was nicht ihre Muttersprache ist. Es war einfach toll, mit ihr zu arbeiten. Und mit dem Rest des Casts. Mit Ana. Mit Keanu. Ich hatte viel Glück, sie alle an Bord zu haben.
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