„Hat schon mal auf einem Pferd gesessen.“ – Katja von Garnier über OSTWIND 2
„Hat schon mal auf einem Pferd gesessen.“ – Katja von Garnier über OSTWIND 2

„Hat schon mal auf einem Pferd gesessen.“ – Katja von Garnier über OSTWIND 2

kritiken.de: OSTWIND 2 ist das erste Sequel, das Sie gemacht haben. Warum ausgerechnet dieser Film?

Katja von Garnier: Ewa Karlström (Produzentin) und ich haben immer gesagt, dass wir nur eine Fortsetzung machen, wenn uns auch etwas einfällt, das es wert ist, erzählt zu werden. Als wir dann gemeinsam mit den Autoren anfingen, uns Gedanken darüber zu machen, kamen uns schnell viele Ideen, die dann auch die Basis für OSTWIND 2 gebildet haben. Ich hab auch viel darüber nachgedacht, was ich selber gerne sehe würde, und was es Neues geben könnte mit Pferden. Ich habe im Lauf der Jahre auch bei einigen anderen meiner Filme über Fortsetzungen nachgedacht, aber hier bei OSTWIND 2 ging alles sehr schnell und passte einfach. Die Ideen waren aufregend und das Projekt nahm fast von selbst Gestalt an.

kritiken.de: Haben Sie ein Faible für Pferde?

Katja von Garnier: Ja, ich habe selbst zwei Pferde. Ich verbringe mit ihnen gerne Zeit. Nicht mal notwendigerweise beim Reiten. Das tue ich zwar auch, aber es ist mehr die Verbindung zum Pferd und zur Natur, die mich dabei fasziniert.

kritiken.de: Waren die beiden OSTWIND-Filme dann auch so etwas wie Traumprojekte für Sie?

Katja von Garnier: Definitiv. Das war auch der Grund, warum ich den ersten Film angenommen hatte. Ich wollte sehr gerne diese Geschichte erzählen und auch mit den Pferden arbeiten. Auch und gerade, weil sich hier die Möglichkeit ergab, meine eigene Philosophie in Sachen Umgang mit Pferden einem größeren Publikum zu vermitteln. Ich bin eine Anhängerin der Natural Horsemanship, das heißt, man geht mit Pferden partnerschaftlich um. Es geht vor allem darum, eine Beziehung zum Pferd aufzubauen. Es soll nicht bei einem sein, weil es am Zügel geführt wird, sondern weil es das will. Darüber hinaus hatte ich mit OSTWIND 2 auch die Möglichkeit, im Rahmen einer spannenden Geschichte, aufzuzeigen wie es sich anfühlen kann, wenn Pferde frei sind. Und eben Fragen zu stellen hinsichtlich fragwürdigen Umgangs von Menschen mit Pferden. ZB Pferdehaltung auf zu engem Raum. Wenn man in manche Ställe hineinsieht und diese großen Tiere in den kleinen Boxen sieht, dann fühlt sich das für mich merkwürdig an. Irgendwie falsch. Filmzitat: „Das wäre, als müssten wir in einer Dusche leben“.

OSTWIND 2 hat auch eine Botschaft. Pferde, aber auch Menschen, sein zu lassen, wie sie sind und sie nicht in ein Korsett zu pressen.

Katja von Garnier: Das kann man so sehen, aber so würde ich das gar nicht nennen. Ich finde schon, dass man gerade in Beziehungen und engen Freundschaften den anderen auch beeinflussen kann, wenn es – salopp gesagt – „Wachstumspotenzial“ gibt. Ich finde es auch gut, wenn meine Freunde da keine Scheuklappen haben und mir sagen: „Das, was du da getan hast, fand ich jetzt aber nicht gut.“

kritiken.de: Mika ist eine Rebellin, wie so viele weibliche Figuren in Ihren Filmen. Es geht auch um Freiheit, nicht nur die von Mika, sondern auch die von Ostwind. Ist Mika so etwas wie eine idealisierte Version von Ihnen?

Katja von Garnier: Das ist eine schwere Frage, die man auch nur schwer beantworten kann, besonders, wenn das Gesagte dann nur Schwarz auf Weiß dasteht, ohne die Nuancen, die beim Reden vor- und beim Gegenüber ankommen. Aber Mika ist sicherlich die idealisierte Version, von der ich mir wünschen würde, dass junge Mädchen so sind.

kritiken.de: Haben Sie vor Drehbeginn schon bestimmte Bilder im Kopf, die Sie umsetzen wollen?

Katja von Garnier: Auf jeden Fall. Ich habe vor allen Dingen ein sehr konkretes Gefühl, wie sich der Film anfühlen soll. Und das versuche in allem umzusetzen. Ich suche dann die Musik, die zu dem Gefühl passt, und höre dann diese Musik, um mir Bilder auszudenken. Bilder und Musik dann im Film aufeinander anzupassen ist ja sowieso dann das Tollste, und das, was den Zuschauer bewegen kann.

kritiken.de: Eine Sequenz des Trainings von Ostwind wird von Ravels „Bolero“ unterlegt. Haben Sie das Stück ausgesucht?

Katja von Garnier: Das stand schon so im Drehbuch als Vorschlag der Autorin. Ich war mir zuerst unsicher, ob es funktionieren würde, wir haben die Sequenz aber dann geschnitten und mit „Bolero“ unterlegt, was wunderbar funktioniert hat.

Den „Bolero“ hört man ja sehr häufig bei Dressurakten oder Sportkür. Er hat diese Erhabenheit. Im Film machen wir es dann aber so, dass Mikas Mittbewerberin, die direkt vor ihr dran ist, auch „Bolero“ nutzt, weswegen sie ganz schnell umdisponieren muss und dann auch dem Rat des alten Herrn folgt, es ganz und gar auf ihre Art zu machen.

Die Bolero-Sequenz mit dem Training war übrigens auch eine, bei der wir mit dem Wetter Glück hatten. Auch wenn das anfangs gar nicht erst so aussah. Denn als es regnete, dachten alle, wir müssen den Dreh der entsprechenden Szenen verschieben, aber dann stellte sich heraus, dass genau das ideal war. Wir haben mit Pferd und Trainerin im strömenden Regen improvisiert. Dann fing plötzlich die Sonne an zu scheinen, das war irres Licht und ein magischer Moment. Das sind wunderschöne Bilder, die dem Film auch definitiv ganz viel Gefühl verleihen.

kritiken.de: Dauert es lange, die Szenen mit den Pferden vorzubereiten?

Katja von Garnier: Es war schon eine Herausforderung, weil Pferde Fluchttiere sind und wenn dann 60, 70 Leute herumstehen, dann werden sie schon etwas nervös. Auch wenn man sie am Zügel hat. Unsere Pferde sind jedoch meistens ganz frei und das ist noch mal eine ganz andere Herausforderung. Da braucht man riesiges Vertrauen zwischen Pferd und Trainer. Und wir haben manche Szenen, die im Film vorkommen, schon Monate vorher mit den Pferden geübt.

Zudem hatten wir diesmal ja nicht nur Ostwind als Hauptpferd, sondern auch noch 33. Die Szenen mit beiden Tieren, die ganz frei agieren konnten, waren schon eine besondere Herausforderung.

kritiken.de: Wie lange musste man denn mit Hanna Binke und Atila trainieren für all die Szenen mit Mika und Ostwind. Besonders, da Fräulein Binke ja ohne Sattel und Zaumzeug reitet.

Katja von Garnier: Sie konnte ja mittlerweile reiten. Als wir den ersten Film drehten, da suchten wir ausdrücklich nach jemandem, der reiten kann. Hanna hatten wir zum Casting eingeladen, aber sie war die Einzige die nicht reiten konnte: Auf dem entsprechenden Formular stand dann: „Hat schon mal auf einem Pferd gesessen.“

Sie war auch sehr ehrlich damit. Tatsächlich konnte sie nicht reiten, aber sie war wunderbar für die Rolle, weil Mika im ersten Film auch keinerlei Erfahrungen mit Pferden hat, diese erst kennen lernen und sich auf Ostwind einlassen muss. Da spielte die Realität der Fiktion in die Hand. Ich wollte Hanna unbedingt haben, was bedeutet hat, dass sie dann in den nächsten Monaten sehr viel trainieren müsste, was sie auch getan hat.
Nach den Dreharbeiten des ersten Films hat sie aber kaum mehr auf einem Pferd gesessen. Als wir dann aber mit OSTWIND 2 anfingen, da war ihr das alles wieder sehr vertraut. Diese Souveränität sieht man ihr auch an. Sie lässt es leicht aussehen, ohne Sattel zu reiten, dabei ist das richtig, richtig schwer.

kritiken.de: Es gibt die alte Binsenweisheit, dass man als Regisseur nie mit Kindern und Tieren arbeiten soll. Was entgegnen Sie da?

Katja von Garnier: Alles Quatsch. Das ist ja oft so mit diesen Binsenwahrheiten. Ich kann schon verstehen, woher das kommt, nachdem ich OSTWIND 1 und 2 gemacht habe, aber es war ein toller Dreh, ein tolles Projekt, auch und gerade, weil ich mit jungen Leuten und Tieren arbeiten konnte. Das bringt sicherlich eigene Herausforderungen mit sich, aber es lohnt sich.

kritiken.de: Denken Sie schon über OSTWIND 3 nach?

Katja von Garnier: Naja, jetzt haben wir gerade erst vor ein paar Tagen OSTWIND 2 abgeschlossen. Zuerst möchte ich jetzt erst mal diesen Film im Kino zeigen und dann arbeite ich auch an anderen Projekten, so dass ich gar nicht sagen kann, ob ein dritter Teil direkt im Anschluss oder erst viel später käme. Aber wenn wir eine gute Idee haben, könnte man grundsätzlich darüber nachdenken.