„Das Thema sprach mich an“ - Brian Cox über DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN

Brian Cox
Interview mit Brian Cox (Darsteller) über Das etruskische Lächeln geführt Filmkritik von

Kritiken: Wie sind Sie denn zu diesem Projekt gestoßen?

Brian Cox: Den Roman hatte ich nicht gelesen, weil es ihn auch noch nicht in englischer Sprache gab. Aber ich habe das Skript gelesen, das mir von Produzent Arthur Cohn aus heiterem Himmel zugeschickt wurde. Es gefiel mir sofort. Das Thema sprach mich an. Die Geschichte eines Mannes, der ziemlich unglücklich wird, krank wird und der sich selbst von der Welt zurückgezogen hat. Im Grunde hat er sich von dem abgeschnitten, was ihn stärkt – und das spürt er nun auch. Darum versucht er, unterbewusst einen Weg zurückzufinden, da er weiß, dass er nicht mehr lange haben wird. Das ist ein tolles Thema, insbesondere auch die Beziehung des alten Mannes zu seinem Enkel. Solche Filme gibt es heutzutage gar nicht mehr so viele. Zu oft geht es nur um Explosionen und dergleichen, aber diese menschlichen Filme, die sich mit den täglichen Schwierigkeiten des Lebens befassen, fehlen etwas.

Kritiken: Sie haben nach langer Zeit wieder mal einen Schotten gespielt. War das etwas Besonderes für Sie?

Brian Cox: Das habe ich früher schon getan, ja, aber es hat mir gefallen, einen Film zu machen, der auf den Inseln um Schottland angesiedelt ist. Das ist ein anderes Setting als im Roman, aber es funktioniert sehr gut. Für mich war dieses schottische Setting dann auch sehr sinnig.

Kritiken: Ich mochte die Fehde zwischen den MacNeills und den Campbells, die seit Jahrhunderten anhält. Ist das eine echte Darstellung der schottischen Seele, um es mal so zu nennen?

Brian Cox: Schottland hat eine komplizierte Historie. Ich bin zum Teil irisch, aber auch keltisch. Sie sind notorisch dafür, nie eine Heimat zu finden und herumzuwandern. Sehr stark ist in Schottland auch das Clan-Denken verankert. Das hat viel Positives, aber eben auch Negatives, beginnend mit all den Kriegen zwischen den unterschiedlichen Clans. Aus einer schottischen Sichtweise heraus ist das eine der Schwierigkeiten der Schotten, aber es gibt auch einen tiefen Sinn für Gleichberechtigung. Es gibt ein gutes Sprichwort in Schottland: Wir sind alle gleich unter Gottes Augen. Keiner ist etwas Besonderes, und jeder ist etwas Besonderes. Aber diese Rivalitäten, die es zwischen den Clans gibt, kommen mit Demarkationslinien daher – Religion, Kasten und dergleichen – und darum können diese Konflikte auch recht brutal werden. Die Fehde zwischen den MacNeills und den Campbells geht weit zurück, bis zum Massaker von Glencoe. Dieses Fehdendenken gibt es heute immer noch, es wird weniger, aber es existiert. Mir wurde mal eine Geschichte von einem Amerikaner erzählt, der in der Air Force war und im Lift auf einen Kerl traf, der sehen konnte, dass sein Name Campbell ist. Der Mann wiederum war ein MacDonald. Zwischen den MacDonalds und den Campbells gab es eine ganz große Fehde. Als die anderen Leute aus dem Lift ausstiegen, sah der MacDonald-Mann Campbell an und sagte zu ihm: „Wenn nicht Leute hier im Lift gewesen wären, hätte es handgreiflich werden können.“ Das ist in der DNS der verschiedenen Clan-Mitglieder – und das reicht Jahrhunderte zurück.

Kritiken: In manchen Szenen des Films sprechen Sie Gälisch. Können Sie die Sprache wirklich?

Brian Cox: Ich musste es für den Film lernen. Es war wirklich hart, aber ich hatte einen tollen Lehrer. Einen Mann, der in San Francisco lebt und Gälisch spricht. Wir haben sehr viel trainiert und auch gesungen. Es ist eine grandiose Sprache, aber sie ist extrem schwer. Sie hat keinerlei Ähnlichkeiten zu Englisch. Deutsch oder Französisch zu lernen, ist leichter, als Gälisch zu lernen, weil es eine gemeinsame Basis gibt.

Kritiken: Die Zeiten sind heutzutage hektisch. Denken Sie, dass die Zuschauer bei diesem Film auch besonders Rorys simpleres Leben anspricht?

Brian Cox: Ja, das spielt sicherlich hinein. Der Kontrast ist auch toll, zwischen den Szenen in Schottland und denen in San Francisco, gerade auch mit den tollen, menschenleeren Landschaften auf der einen und dem Großstadtleben auf der anderen Seite. Man kann im Film sehen, wieso dieses Leben für Rory so wichtig ist, aber man merkt auch, dass sein Leben nicht vollständig ist, weil er die Beziehung zu seinem eigenen Sohn vermisst. Darum versucht er, die Realität des Lebens, das er früher mal hatte, wiederherzustellen. Aber dieses Leben war auch hektischer, so wie es auch in San Francisco ist. Aber auch dort findet er sich am Strand im Wasser wieder und singt keltische Lieder.

Kritiken: Das Baden im Pazifik war sicherlich angenehmer als die Badeszene am Anfang an der schottischen Küste.

Brian Cox: (lacht) Ja, das kann man sagen. Das Wasser in Schottland war wirklich sehr, sehr kalt.

Kritiken: Was hat Ihnen an der Produktion dieses Films am meisten gefallen?

Brian Cox: Ich liebte die Arbeit mit dem Baby. Das Baby war so unvorhersehbar. Als wir den Film begannen, konnten sie – es waren Zwillinge – noch nicht mal gehen. Wir nannten sie „Boom“ und „Kapow“, weil sich um sie herum immer etwas rührte. Diese Kinder waren toll. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten. Sehr schön war die Szene, in der Rorys Enkel aus dem Gitterbett herausklettert. Das konnten die Kinder hier noch nicht. Der Vater musste ihn fast rausschubsen.

Kritiken: Ihre Karriere umspannt mehr als 50 Jahre, gibt es da eine Rolle, die Sie gerne gespielt hätten, die aber immer an Ihnen vorbeigegangen ist?

Brian Cox: Es gab viele Rollen, die ich nicht bekommen habe. Ich bedauere davon nichts. Generell versuche ich, im Leben nichts zu bedauern. Eine Rolle hätte es aber gegeben, die ich gerne gespielt hätte: Beethoven. Einen tauben Komponisten hätte ich gerne gespielt. Das ist eine außergewöhnliche Figur. Als ich jung war, war ich mal im Rennen um die Rolle des Beethoven, aber ich habe sie nicht erhalten. Doch ich kann mich über meine Karriere nicht beschweren. Das Leben war gut zu mir.

Kritiken: Und was dürfen wir als nächstes von Ihnen erwarten?

Brian Cox: Ich habe gerade eine HBO-Serie namens SUCCESSION abgeschlossen. Sie besteht aus zehn Episoden. Das Skript ist ausgesprochen gut. Die Serie spielt in New York und erzählt von einer Familie, die das größte Medienimperium der Welt besitzt. Ich spiele den Patriarchen, dessen Kinder allesamt hochgradig dysfunktional sind. Das Ganze ist eine schwarze Komödie, in der es um Gier geht, aber auch darum, wie privilegierte Kinder von der Realität abgeschnitten sind und in einer Art Phantasiewelt leben. Bedauerlicherweise unterstützt sie dabei jeder, außer der Patriarch, der auf die harte Tour zu seinem Reichtum gekommen ist. Seine Kinder mögen ihn nicht besonders. Er ist ein skrupelloser, aber interessanter, weil sehr einsamer Mann, der möchte, dass seine Kinder mehr sind, als sie wirklich sind. Das frustriert ihn zusehends. Die Serie startet in den USA im Juni und ist kurz darauf auch in Europa über Sky Atlantic zu sehen.

Kritiken: Vielen Dank für das Gespräch.

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