„Es war sehr cool.“ – Charlie Cox über seine Rolle als DAREDEVIL
„Es war sehr cool.“ – Charlie Cox über seine Rolle als DAREDEVIL

„Es war sehr cool.“ – Charlie Cox über seine Rolle als DAREDEVIL

kritiken.de: Ich war ziemlich beeindruckt, wie Sie einen Blinden spielen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Charlie Cox: Ich habe eng mi einem blinden Berater zusammen gearbeitet, der seit 20 Jahren nichts mehr sehen kann. Es war wirklich wichtig, sicherzustellen, dass die Blindheit – wie auch immer entschieden worden wäre, sie zu zeigen – in sich konsistent sein musste.

kritiken.de: Wie schwer war es denn dann, die Kampfszenen zu drehen, während Sie blind spielten?

Charlie Cox: Als wir die Actionszenen drehten, hatte ich eine Maske auf. Bis zu einem gewissen Grad konnte ich nichts sehen. Das war hilfreich. Aber es war dennoch eine Herausforderung, denn immer, wenn ein Schlag oder Tritt in Richtung von Matt Murdock kam, durfte es nicht so wirken, als würde er das sehen. Es musste wirken, als würde er diese Schläge fühlen.

kritiken.de: Wie viel konnten Sie denn unter der schwarzen Maske sehen?

Charlie Cox: Durchaus etwas. Mehr, als man meinen sollte.

kritiken.de: Denn es sieht ja schon so aus, als wäre es ein Mann, der auf seine Augen komplett verzichten kann.

Charlie Cox: Die Maske war aus einem Material gefertigt, das miteinander verflochten wurde. Man konnte tatsächlich ein bisschen hindurchsehen.

kritiken.de: Erhielten Sie Kampftraining?

Charlie Cox: Ja, hab ich. Ich arbeitete mit dem Martial-Arts-Trainer, vor allem aber mi dem Stuntteam und meinem Stunt-Double.

kritiken.de: Der Schlusskampf zwischen Wilson Fisk und Daredevil in der Gasse ist ziemlich groß geworden. Mussten Sie dafür lange proben?

Charlie Cox: Wir hatten wohl eine Nacht, um die Szene zu proben. Geprobt haben wir sie Stück für Stück und dann kleine Teile davon gedreht. Ich arbeitete da manchmal mit Vincent D’Onofrio, manchmal aber auch mit seinem Stunt-Double. Und er arbeitete manchmal mit meinem Stunt-Double. Zudem benutzten wir sehr viele verschiedene Blickwinkel. Ich würde sagen, dass wir die Szene in ein oder zwei Nächten gedreht haben.

kritiken.de: Was hat Sie an der Figur Matt Murdock am meisten gereizt?

Charlie Cox: Wahrscheinlich seine Verletzlichkeit. Es war interessant für mich, einen Superhelden zu spielen, der nahe dran ist, unterzugehen. Er ist kein Superheld in dem Sinn, dass er Superstärke oder undurchdringliche Haut oder dergleichen besitzen würde. Er ist unglaublich verletzbar und manchmal fehlt nicht viel, dass er getötet werden würde. Ich glaube auch, dass er emotional verwundbar ist, was irgendwie eine neue Idee für einen Superhelden ist.

kritiken.de: Matt wandelt immer am Abgrund. Er ist bisweilen so gewalttätig, dass man sich schon fragt, ob das noch ein Held sein kann.

Charlie Cox: Ja. In diese Richtung wollten wir auch gehen. Wir wollten uns mit jemandem beschäftigen, der einen sehr schmalen Grat begeht. Das ist manchmal moralisch ambivalent, wenn die Frage gestellt wird, ob das, was er macht, richtig oder falsch ist. Ich denke, manchmal kann er nicht mehr aufhören, wenn er gewalttätig wird.

kritiken.de: Am Ende der Staffel erhält Matt sein echtes Kostüm. Was für ein Gefühl war es, das Superheldenkostüm erstmals anzuziehen?

Charlie Cox: Es war sehr cool. Sehr, sehr cool. Es ist echt schwer, diesen Moment mit Worten zu beschreiben. Aber das war ein Moment, den ich nie vergessen werde. Es war eine wilde Erfahrung.

kritiken.de: Kannten Sie die Comics im Vorfeld?

Charlie Cox: Nein, gar nicht. Ich bin nicht mit Comics aufgewachsen. Als ich den Job erhielt, hatte ich noch nie einen Daredevil-Comic gelesen.

kritiken.de: Haben Sie danach welche gelesen?

Charlie Cox: Oh ja. Seitdem habe ich nonstop Daredevil-Comics gelesen. Es gibt eine ganze Reihe von Variationen dieser Figur.

kritiken.de: Wie würden Sie den Film aus dem Jahr 2003 mit der Serie vergleichen?

Charlie Cox: Ich glaube, der größte Unterschied ist die Tonalität. Der Ton des Films ist ganz anders als unsere Show. Ich mag den Film tatsächlich. Er ist einfach nur eine andere Version des Materials. Was ich an unserer Show besonders mag, ist, dass sie dem Quellmaterial so gerecht wird. Wenn man eine Show macht, die so dunkel, grimmig, düster und kühn ist, dann muss man die Figur, mit der man das machen will, sehr weise auswählen. Man könnte diese Geschichte nicht mit jedem anderen Helden wie Spider-Man erzählen. Daredevil ist wiederum ideal dafür. Man braucht eine Figur wie ihn, um die Serie reif sein zu lassen.

kritiken.de: Die zweite Staffel wurde kürzlich bewilligt. Hat man Ihnen schon gesagt, was Sie erwarten können?

Charlie Cox: Unglücklicherweise habe ich keine Ahnung. Man hat mir gar nichts gesagt. Ich bin nur aufgeregt zu sehen, was mit den Figuren und ihren Beziehungen zueinander passiert, besonders, was Matt und Foggy betrifft. Ich möchte sehen, wie die zwei versuchen, ihre Freundschaft neu aufzubauen.

kritiken.de: Was wünschen Sie sich für Staffel 2?

Charlie Cox: Ich habe ein paar Ideen aus den Comics, die ich mag. Kleine Momente hier und da, die ich gerne in der Serie sehen würde, aber ich möchte da nur ungern etwas herauspicken. Nicht, dass jemand noch einen falschen Eindruck bekommt, was zu erwarten ist.

kritiken.de: DAREDEVIL bekommt seine zweite Staffel und in THE DEFENDERS wird er auch dabei sein. Ist Ihnen da schon bekannt, wann THE DEFENDERS gemacht wird?

Charlie Cox: Ich weiß es nicht. Dazu hat man mir noch gar nichts gesagt.

kritiken.de: Könnte Daredevil Aufritte in künftigen Marvel-Filmen haben?

Charlie Cox: Das wäre wunderbar. Ich weiß nicht, ob es eine Möglichkeit gibt, dass das passiert. Offensichtlich ist alles miteinander verbunden und die Filmabteilung produziert Stoffe wie CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR, aber um ehrlich zu sein, ist mir nicht bekannt, ob es Pläne gibt, Daredevil dort irgendwo auftauchen zu lassen.

kritiken.de: Was hat Sie an der Serie am meisten angesprochen?

Charlie Cox: Die ganze Erfahrung war großartig. Wir hatten eine ganz tolle Gruppe von Leuten. Die Drehbücher waren spektakulär und alles war so anders. Wir dachten, dass wir etwas sehr Eigenes und Neues erschaffen und waren darum auch aufgeregt. Ich liebe die Idee, einen Superhelden zu nehmen, die Actionsequenzen zu haben, aber auch langgezogene Szenen zu bieten, in denen zwei Leute nur über ihre Gefühle oder ihr Leben reden. Das hat Spaß gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass das für Marvel auch etwas Neues war.

kritiken.de: Ich fand interessant, dass die Show mehr eine Crime- als eine Superhelden-Serie ist. Die Korruption und das organisierte Verbrechen sind ein essenzieller Bestandteil.

Charlie Cox: Das war der Plan. Wir wollten eine Crime-Show machen, die nicht auf das Superhelden-Element angewiesen ist, um eine gute Serie zu sein. Es sollte eine Serie sein, die aufgrund der Qualität ihrer Geschichte, der interessanten Beziehungen und der faszinierenden Figuren überleben sollte. Aber zu dem kommt auch noch das Superhelden-Element, das noch mehr daraus macht.

kritiken.de: Wie war die Zusammenarbeit mit Vincent D’Onofrio?

Charlie Cox: Ich bin damit aufgewachsen, ihn in Film und Fernsehen zu sehen, von FULL METAL JACKET bis zu CRIMINAL INTENT. Mir war seine Arbeit nur zu gut bekannt und ich habe ihn bewundert. Er ist einer der großen amerikanischen Schauspieler, einer jener, die andere Schauspieler lieben. Als er besetzt wurde, war mir klar, dass man bei der Serie auf die ganz großen Kaliber setzt. Ich war aufgeregt, dass ich mit ihm arbeiten konnte. Er ist ein unglaublicher Schauspieler, aber auch ein Gentleman und ein absoluter Profi. Ich konnte viel von ihm lernen – er wurde ein guter Freund.

kritiken.de: Ist es für Sie schwer, von ihrem natürlichen britischen zum amerikanischen Akzent zu wechseln?

Charlie Cox: Oh ja. Das bedarf sehr viel Arbeit. Man muss lange mit einem Stimm-Coach trainieren, bis man den Ton hat, der für die Umgebung, in der die Figur ist, natürlich ist.

kritiken.de: Gab es lustige Ereignisse während der Dreharbeiten?

Charlie Cox: Das haben mich schon ein paar Leute gefragt. Wir kamen alle gut aus und hatten eine tolle Zeit, aber nichts wirklich Witziges ist passiert. Die Kampfsequenzen waren sehr toll und haben der ganzen Crew gefallen. Auch ich habe sie bestens im Gedächtnis behalten, aber im Großen und Ganzen waren es recht ereignislose Dreharbeiten. Jeder hat sich professionell benommen, wir fanden Freunde und wir zogen weiter.

kritiken.de: Wurde Ihnen schon gesagt, wann die Dreharbeiten zur zweiten Staffel von DAREDEVIL beginnen werden?

Charlie Cox: Nein, ich habe keine Ahnung. Aber ich freue mich schon sehr darauf.