„Schnabelsynchron“ - Kostja Ullmann über seine Rolle als Sam O‘Cool
kritiken.de: Ist das Ihre erste Synchronarbeit?
Kostja Ullmann: Nein, ich hab schon mit elf, zwölf Jahren im Studio Hamburg synchronisiert, in Serien wie BAYWATCH durfte ich einige Rollen übernehmen. Und vor etwa zwei Jahren habe ich schon einen Animationsfilm machen dürfen. Der hieß DIE CROODS. Dann kam das Angebot für SAM O’COOL und mir war auch recht schnell klar, dass ich das machen will.
kritiken.de: Wie kamen Sie denn zu diesem Projekt?
Kostja Ullmann: Da kam ganz normal eine Anfrage über meine Agentur. Danach habe ich mir dann den originalen Trailer angeschaut und mich etwas über das Projekt schlau gemacht. Danach wusste ich gleich, dass ich die Rolle sprechen will. Vor allem hatte ich noch im Hinterkopf was es für einen Spaß macht im Synchronstudio zu stehen.
kritiken.de: Wie muss man sich den Ablauf vorstellen? Sehen Sie sich erst den Film an oder lesen Sie das Dialogbuch?
Kostja Ullmann:Der größte Unterschied zur Schauspielerei ist dass man erst im Synchronstudio zum ersten Mal die Szenen sieht, die man gleich sprechen muss. Dann sieht man sich den Text an, merkt ihn sich und spricht ihn dann in kleinen Blöcken ein.
kritiken.de: Wie lange dauert es, eine Rolle wie die von Sam einzusprechen?
Kostja Ullmann: In meinem Fall waren es drei Tage. Profis machen es vielleicht ein bisschen schneller. Aber ich war schon dankbar, drei Tage zu haben, da es schon auch anstrengend ist, die ganze Zeit in einem Raum zu stehen und konzentriert zu sprechen. Und zur Überraschung vieler steht man komplett alleine vor dem Mikrofon. Man hört sich zwar die Texte im Original oder die schon aufgenommenen Stimmen an, muss dann aber eben allein darauf antworten.
kritiken.de: Das wäre auch meine nächste Frage gewesen. Ob mehrere Leute zugleich vor dem Mikrofon stehen und spielen, was ja sicherlich sehr viel natürlicher wäre.
Kostja Ullmann: Ja, aber das ist natürlich kompliziert. Wenn sich einer bei einer großen Szene verspricht, dann müssen alle noch mal anfangen. Das kann dann schon sehr anstrengend werden. Alleine kann man das ganz entspannt machen, zumal man auch die Texte der anderen hört und darauf reagieren kann. Es gibt so viele Sachen, auf die beim Synchron geachtet werden muss. Man muss deutlich sprechen. Dann heißt es, hinten raus muss man schneller werden oder bei jenem Wort muss man anziehen, damit das am Ende alles lippensynchron – oder in dem Fall schnabelsynchron – ist. Es gibt einfach viel, das man beachten muss, was ein riesiger Aufwand wäre, wenn gleich mehrere Leute interagieren müssen.
kritiken.de: Was hat Ihnen an SAM O’COOL besonders gefallen?
Kostja Ullmann: Ich bin von Animationsfilmen immer begeistert. Wie die heute gemacht sind, das ist schon was Tolles. Man hat immer tolle Gags für die Kinder, aber auch viel Zweideutiges was dann oft nur die Erwachsenen verstehen und lustig finden. SAM O’COOL ist unheimlich liebevoll gemacht. Das ist eine ganz warmherzige Geschichte von einem kleinen Vogel, der über sich hinauswächst, seine Grenzen austestet und darüber hinaus geht. Das ist ein schönes Abenteuer, das auch sehr berührend ist.
kritiken.de: In erster Linie sind Sie ja als Schauspieler bekannt. Fragt man Sie auch wegen Synchronarbeiten an, wenn es nicht um Animationsfilme geht?
Kostja Ullmann: Das habe ich als Kind viel gemacht, aber das ist eine ganz andere Arbeit. Als Synchronsprecher benutzt man die Stimme ganz anders als als Schauspieler. Weil man alle Emotion in die Stimme legen muss, während man als Schauspieler auch sein Gesicht und seinen Körper zur Hilfe nehmen kann.
Nach den Synchronarbeiten zu „Sam O’Cool“ und einer CartoonNetwork Serie die ich im Anschluss noch sprechen durfte, habe ich einen noch größeren Respekt vor den hauptberuflichen Synchronsprechern bekommen, da es eine unglaublich hohe Konzentration erfordert, im Studio zu stehen und diese Arbeit zu machen.
kritiken.de: Was war das für eine Cartoon-Serie?
Kostja Ullmann: Die heißt HINTER DER GARTENMAUER, die lief auf Cartoon Network. Eine wirklich sehr abgefahrene Serie die ich weiterempfehlen kann. Im Original hat meine Rolle Elijah Wood gesprochen. Bei so besonderen Projekten hat man dann auch das Privileg mit sehr erfahrenen Synchronsprechern zu arbeiten, wie z.B. Christian Brückner, die Stimme von Robert De Niro oder auch Regina Lemnitz, die Stimme von Whoopi Goldberg. Ein wenig aufregend war es dann aber schon wenn man Robert De Niro oder Whoopi Goldberg über die Studioboxen hörte.
kritiken.de: Was machen Sie als nächstes?
Kostja Ullmann: Ich drehe momentan SMARAGDGRÜN, die Fortsetzung zu RUBINROT und SAPHIRBLAU. Danach freue ich mich auf einen Aufritt im nächsten BIBI & TINA-Film. Im August fangen dann die Dreharbeiten zu MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN in München an.
kritiken.de: Worum geht’s in dem Film?
Kostja Ullmann: Es wird die wahre Geschichte von einem jungen Mann erzählt, der über 15 Jahre verschwieg dass er nur noch knapp 10 Prozent sehen kann. Was er trotzdem alles in seinem Leben erreichen konnte, wird im Film erzählt.
kritiken.de: Vielen Dank für das Gespräch.
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