„Ich mochte lieber Captain Future“ – Jan Delay über DIE BIENE MAJA 2

Jan Delay und die Biene Maja
Interview mit Jan Delay (Darsteller) über Die Biene Maja 2 - Die Honigspiele geführt Filmkritik von

Kritiken: Wie sind Sie denn das erste Mal mit BIENE MAJA in Kontakt gekommen?

Jan Delay: Da war ich so fünf oder sechs Jahre alt. Woran ich mich noch erinnere, ist, dass ich mit meiner Oma auf Sylt in einer Art Pension war. Die Familie dort hatte so eine Art Anbau mit Gästezimmern. Die Kinder der Familie haben in der Stube BIENE MAJA gekuckt und ich durfte nicht, wobei es hier nicht um die Sendung an sich ging, sondern um Fernsehen. Ich habe mich dann aber reingeschlichen.

Kritiken: Welche Figur mochten Sie damals am liebsten?

Jan Delay: Willi.

Kritiken: Heute auch noch?

Jan Delay: (lacht) Klar. Auf jeden Fall. Für mich war BIENE MAJA damals eher so eine Mädchenserie, weil ein Mädchen die Hauptrolle spielt. Ich mochte lieber Captain Future.

Kritiken: Mochte ich auch lieber.

Jan Delay: Das war mein Ding. Aber Willi fand ich halt immer schon cool. Und den Grashüpfer auch. Vor den Soldaten hatte ich ein bisschen Angst. Und vor der Spinne hatte ich Angst. Die fand ich gruselig.

Kritiken: Und wie sind Sie damals zum ersten BIENE MAJA-Film gekommen?

Jan Delay: Da hatte ich schon ein paar Sachen gesprochen und wenn man dann sagt, man macht einen neuen BIENE MAJA-Film, dann gibt’s doch eigentlich nur zwei Namen, die einem einfallen, um Willi zu sprechen. Der eine ist meine, der andere ist Martin Semmelrogge, aber wer weiß, wieso der verhindert war (lacht).

Kritiken: Haben Sie ihren Text dann vor Beginn der Animation eingesprochen?

Jan Delay: Es gibt so eine Art Rohfassung. Ich sehe ohnehin nur die Szenen, die ich spreche, aber fertig sind sie nicht. Bei DER KLEINE RABE SOCKE war es so, dass es nur Bleistiftskizzen war, woraufhin es anhand dessen, was ich gesprochen habe, gezeichnet wird. Bei BIENE MAJA ist das schon weiter, aber es ist teilweise schon sehr rudimentär. Beim ersten Teil war das aber noch krasser. Da gab es nur ganz grobe Animationen.

Kritiken: Sind Sie beim Einsprechen alleine im Studio?

Jan Delay: Man ist eigentlich immer allein. Das ist konzentrierteres Arbeiten und ist effektiver. Wenn da fünf einen Dialog haben und einer versaut es, dann muss man wieder von vorne loslegen. Alleine kann man das zwar auch versauen, aber dann geht es dennoch schneller. Der Regisseur muss wiederum wissen, wie die Einzelteile aussehen. Der hat das große Ganze im Kopf. Das interessiert mich gar nicht. Das ist das schöne hier. Ich bin nur der Dienstleister. Das ist ganz anders als bei meiner Musik. Ich komme einfach hin und sage: Hier bin ich, was soll ich machen? Das mach ich dann und wenn ich wieder zuhause bin, habe ich das nicht mehr im Kopf. Das ist sehr befreiend.

Kritiken: War DER KLEINE RABE SOCKE Ihre erste Synchronarbeit?

Jan Delay: Nein, davor debütierte ich in einem eher schlechten Animationsfilm namens DIE ROTKÄPPCHEN-VERSCHWÖRUNG. Da sprach ich einen Ziegenbock. Und in ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH war ich der Schurke. Danach kam DER KLEINE RABE SOCKE.

Kritiken: Als Sie das erste Mal Synchron machen sollten, hatten Sie da irgendwie Sorgen, dass Sie es vielleicht nicht hinkriegen könnten?

Jan Delay: Ja. Bei dem ersten Film war ich der betrunkene Ziegenbock – und da war ich schon aufgeregt, weil alles so neu war. Für mich war gut, weil fast meine gesamte Performance ein Song war. Davor musste ich nur zwei Sätze oder so sagen. Damit war ich mehr auf meinem Terrain, so dass das ein deutlich einfacherer Job war. Beim zweiten Mal war es schon schwieriger, da ich da viel sprechen und darauf achten musste, das auch einigermaßen synchron zu machen. Ich musste einerseits den Text verinnerlichen, da man ihn nicht zeitgleich lesen kann, wenn man das Bild ankucken muss, um das einigermaßen synchron zu sprechen. Und wenn man nicht vom Fach ist, ist das schon schwierig. Aber da fuchst man sich dann rein und der Regisseur hilft auch. Zudem kann man den Text mithilfe der Technik auch verrücken kann, so wie bei der Musik halt auch. Ab da war es leicht.

Kritiken: Und würden Sie gerne mal selbst als Schauspieler vor der Kamera stehen?

Jan Delay: Nein, niemals. Das Warten alleine schon. Ich kenne das schon von den Musikvideos. Wenn ich die nicht gemacht hätte, wäre es vielleicht anders. Aber das Warten zwischen den einzelnen Einstellungen ist nicht mein Ding. Das ist beim Synchronisieren so schön: Man ist allein im Kämmerlein, arbeitet das ab und ist dann fertig.

Kritiken: Wie lange hat es dann gedauert, Ihre Rolle einzusprechen?

Jan Delay: Nicht besonders lange. Zwei Tage. Wenn es da gut läuft, dann schaffe ich am zweiten Tag auch noch, Making-of-Interviews zu machen. Da macht man noch ein paar Takes neu, die beim ersten Mal nicht so gut waren, aber das geht alles recht schnell.

Kritiken: Wie oft müssen Sie denn bei den einzelnen Takes rumprobieren, bis es Ihnen gefällt?

Jan Delay: Das muss dann der Regisseur sagen. Selbst hat man nicht die Objektivität. Ich höre mir das nur dann an, wenn der Regisseur es sich noch mal anhört, und das gefällt mir dann schon. Aber der Regisseur hört Sachen, die ich gar nicht hören würde, weil es nicht mein Metier ist. Manchmal ist man beim ersten Take perfekt, manchmal braucht man zehn Takes und ist genervt und dann wird doch der erste Take genommen. Oder man macht am nächsten Tag noch mal denselben Take, weil der Regisseur es sich noch mal angehört hat und denkt, dass man noch was verbessern kann. Generell ist es auch so, dass man am nächsten Tag die zehn ersten Takes des Vortags noch mal macht, weil man da noch nicht drin war und sich erst in die Rolle einfindet.

Kritiken: Wird das dann chronologisch aufgenommen?

Jan Delay: Ja. So eine Willi-Rolle hat zwischen 400 und 600 Takes, das kann ein Wort sein, das können auch Monologe mit vier Sätzen sein. Das ist dann ein Take, egal, wie lange der ist. Das rattert man dann runter. Neben dem Synchronsprecher sitzt dann auch noch eine Cutterin, die alles mit durchgeht und auf Dinge achtet, die einem selbst gar nicht auffallen würden. Es ist schon krass, wie anstrengend dieser Job eigentlich ist. Man ist immer hochkonzentriert. Ich muss da richtig viel essen. Nach einer halben Stunde Synchron kriege ich Hunger und esse was, mache wieder eine halbe Stunde und hab wieder Hunger. So was habe ich sonst nie. Zudem brauch ich richtig viel Zucker. Das brauche ich nicht mal bei meinen Auftritten, und da springe ich viel rum und schwitze. Natürlich hab ich danach Hunger, aber das ist kein Vergleich zum Synchron, wo ich ständig Nachschub brauche.

Kritiken: Vielleicht, weil Sie bei Ihren Auftritten auch freier in dem sind, was Sie machen.

Jan Delay: Möglich. Beim Synchron muss ich halt machen, was man von mir erwartet.

Kritiken: Und wie ist es für Sie, wenn Sie den Film dann sehen und sich selbst hören?

Jan Delay: Das ist lustig, das mag ich gerne. Weil ich den Film zuvor auch nur in rudimentären Schnitten gesehen habe. Das dann am Stück zu sehen ist cool. Das wird dann auch nachher bei der Premiere lustig.

Kritiken: Und wenn es nach diesem Film weitergeht, wie lange wollen Sie Willi noch sprechen?

Jan Delay: Solange, wie dich mich wollen.

Kritiken: Ein gutes Schlusswort.

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