BOY7 : David Kross und Emilia Schüle im Interview
BOY7 : David Kross und Emilia Schüle im Interview

BOY7 : David Kross und Emilia Schüle im Interview

Kritiken.de: Was bedeutet Mut für euch?

David Kross: Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, wenn man ein mulmiges Gefühl hat, weil man ein bisschen Angst hat, sich aber dennoch auf etwas einlässt und über sich hinauswächst. Aber das ist eine Antwort, die wohl jeder geben würde. Für mich ist es, dass man sich einer Herausforderung stellt.

Emilia Schüle: Dass man sich aus seiner eigenen Wohlfühlzone herausbewegt und eigene Ängste bewältigt.

Kritiken.de: Sucht man das auch in Rollen?

Emilia: Ja.
David: Bei mir kommt das auch automatisch. Es gibt natürlich schwierigere oder herausforderndere Rollen, aber es ist Teil des Berufs als Schauspieler, dass man mit einem mulmigen Gefühl oder Nervosität umgehen muss.

Kritiken.de: Gibt es Angstrollen?

David: Ich bin vor jedem Dreh aufgeregt. Gerade am ersten Drehtag.

Emilia: Da kann ich auch gar nicht schlafen in der Nacht davor.

David: Es fühlt sich immer so an, als ob es mein erster Film wäre und ich gar nicht genau weiß, wie alles funktioniert. Da muss ich mich erst wieder reinfinden.

Kritiken.de: Also die Arbeit mit dem Regisseur und den Kollegen?

David: Alles zusammen. Auch einfach, wie man schauspielt. Gerade, weil ich auch keine Ausbildung habe, sondern alles bei den Projekten gelernt habe und von Kollegen lernen konnte. Es ist eine Nervosität, die auch gar nicht schlecht ist, weil es wachsamer macht.

Kritiken.de: Ist dann so etwas wie die angedeutete Sexszene in BOY 7 eine Herausforderung?

David: Die „angedeutete“ Sexzene. (lacht). Der Ton, wie du das gesagt hast, ist sehr gut.

Emilia: Wovor man sich eher fürchtet, ist, sich auf eine Figur einzulassen, die ganz anders ist. Ich habe mich selbst auch krass verändert und hatte vor der Rolle schon etwas Schiss, weil Lara total anti ist. Das macht mir mehr Angst als so eine Kussszene.

David: Eine „angedeutete“ Sexszene.

Kritiken.de: Ist die Rolle der Lara dann auch der Versuch eines Image-Wechsels?

Emilia: Das weiß ich nicht. Ich war schon seit dem TATORT auf der Suche nach Rollen, die mich herausfordern und gar nichts mit mir zu tun haben. Das hat auch gut geklappt.

Kritiken.de: Gibt es dann in der Rolle der Lara etwas, das dir entspricht?

Emilia: Ich finde, in allen Rollen, die man spielt, findet man etwas, das alle eint. Alle Figuren verbindet das Gleiche, egal, hinter welcher Fassade man sich verbirgt. Alle wollen nur Liebe. Das ist eine Parallele bei jeder Figur, was ich kenne und mich auch anspricht.

Kritiken.de: Ihr habt sehr früh mit der Schauspielerei begonnen. Würdet ihr euch als frühreif bezeichnen?

Emilia: Was meinst du dabei mit „frühreif“?

Kritiken.de: Dass ihr früher Sachen könnt, zu Sachen bereit seid, als eurem Alter entsprechen würde?

Emilia: Letzte Woche habe ich festgestellt, dass ich das seit zehn Jahren mache.

David: Krass.

(Pause)

David: Ehrlich. Das war nicht ironisch gemeint.

Emilia: Man ist total früh mit erwachsenen Leuten zusammen. Ich hatte früh Freundschaften mit Leuten die über 40 waren. Man muss ganz früh unterschiedliche Welten vereinen. In dem Sinn ist man dann schon frühreif. Man führt eine Art Doppelleben, muss die Schule meistern, arbeiten, aber hat auch viel Verantwortung. Man lernt schnell, wenn man den Text nicht kann, arbeiten 80 Leute länger.

David: Man hat viel mehr Verantwortung. Es ist nicht so wie in der Schule, wo man einfach vor sich hinleben kann. Aber die Schauspielerei ist auch eine Arbeit. Dadurch muss man relativ früh erwachsen werden, da gerade auch bei Hauptrollen viel Verantwortung auf einem liegt.

Emilia: Ich finde auch, dass ich viel verpasst habe, weil ich in meiner Freizeit immer gedreht habe.

Kritiken.de: Was gehört da dazu?

Emilia: Hobbys wie Tanzen oder Musik. Oder auch Freunde.

David: Briefmarkensammeln.

Emilia: Genau.

Kritiken.de: Hast du das Gefühl, dass du vielleicht coole Sachen nicht gemacht hast, die andere gemacht haben?

David: Ich hab jetzt wieder angefangen mit dem Briefmarkensammeln. Aber klar, ja, es gibt so einen gewissen Teil, den alle Jugendlichen nach der Schule machen, den gibt es nicht. Also so etwas wie Herumreisen nach dem Schulabschluss. Aber ich muss auch sagen, dass ich das gar nicht so richtig vermisst habe, weil ich durch Job auch so viele Möglichkeiten bekommen habe. Zum Beispiel zu reisen oder viele Leute kennen zu lernen.

Kritiken.de: Wie reagiert ihr denn auf die Popularität, dass man bekannt ist, auf der Straße erkannt wird und seine Anonymität einbüßt? Hat sich das auch darauf ausgewirkt, dass man einige Sachen nicht machen kann?

Emilia: Ich habe da nie irgendwelche Einschränkungen gespürt. Berlin ist echt eine große Stadt, so dass eigentlich alles beim Alten geblieben ist.

David: Ich glaube, Emilia wird auch öfters erkannt als ich. Das Lustigste, was mir passiert ist. Als wir bei BOY 7 in der U-Bahn gedreht haben, war gerade Pause und da kam jemand auf mich zu und fragte mich, ob mir schon mal jemand erzählt hätte, dass ich genau aussehe wie David Kross.

Kritiken.de: Was hast du geantwortet?

David: Dass mir das noch nie jemand gesagt hat. Die hat mich dann nur geschockt angekuckt und ist weitergegangen. Aber ich fühle auch überhaupt keinerlei Eingrenzung.

Emilia, wie ist es, mit einem Hollywood-Star zusammenzuspielen?

David: Ach.

Emilia: Darüber hab ich noch nicht nachgedacht.

Kritiken.de: Stellt man aber Fragen darüber, wie die Arbeit bei amerikanischen Filmen ist?

Emilia: Wir hatten mal so einen Mega-Flash am Set, als es total spät war. Es war so vier oder fünf Uhr morgens. Da musste er mir etwas vorlesen, bedeutungsschwer das Buch nehmen, es vor sich halten und das war…

David: …einfach DER VORLESER 2. Das war der einzige Hollywood-Moment.

Kritiken.de: Wenn man eine internationale Karriere hat wie du, David, muss eine einheimische Produktion dann schon etwas Besonderes bieten?

David: Ich sehe das gar nicht so mit der internationalen Karriere und dergleichen. Für mich war BOY 7 einfach ein spannendes Projekt, bei dem ich mitmachen wollte. Das Drehbuch war gut, und es ist schön, dass jemand in Deutschland mal einen Genre-Film macht, der auch kein Abklatsch von amerikanischen Filmen ist, sondern etwas Eigenes macht. Darum wollte ich da mitmachen.

Kritiken.de: Du spürst also nicht den Druck, dass es immer größer werden muss? Spürst du den Erwartungsdruck, dass gleich ein größeres Projekt innerhalb von zwei Jahren kommen muss, um in den USA nicht gleich wieder vergessen zu sein?

David: Ich glaube, das ist ein bisschen Teil des Jobs. Als Schauspieler ist man abhängig von Rollen. Es gab auch eine Zeit, wo es nicht so viel Auswahl gab, aber dann hat man Phasen, wo alles auf einmal kommt. Das gehört zum Job dazu und macht ihn dadurch auch spannend.

Kritiken.de: Vorhin sprachen wir über Nervosität. Ist man vor einer Liebesszene mit einem Hollywood-Star, der auch noch viel älter ist, aufgeregter als bei einer Szene mit einer Gleichaltrigen, die einem vielleicht auch näher steht?

Emilia: Bitte sag, dass du aufgeregter warst.

David: Weil Emilia auch so wahnsinnig hübsch ist. Ich finde Kussszenen – oder „angedeutete“ Sexszenen – immer eigenartig.

Kritiken.de: Das Gefälle war aber nicht so riesig?

David: Es war halt auch die Tatsache, dass es hier halt nur eine „angedeutete“ Sexszene war und beim VORLESER war es wirklich eine Sexszene. Das war schon ein Unterschied.

Kritiken.de: Da musstest du auch erst 18 werden, oder?

David: Genau. Ich musste sozusagen an meinem 18. Geburtstag diese Sexszene drehen.

Kritiken.de: Aber auch da war es ja nur angedeutet.

Emilia: (lacht)

David: Ja, natürlich, es ist meistens, glaube ich, nur angedeutet. (lacht)

Kritiken.de: Wie bereitet man sich auf eine Figur vor, die sich an nichts erinnert?

David: Das ist auch eine gute Frage. Man versucht, sich vorzustellen, wie man sich an nichts erinnert. Es gibt diesen Moment, wenn man aufwacht, und für eine Sekunde nicht mehr weiß, wo man ist und wie man da hin gekommen ist. Ich habe versucht, dieses Gefühl herzustellen. Aber es ist schwierig. Natürlich hab ich mir Filme wie BOURNE IDENTITY angekuckt, aber das Spannende ist auch, dass Sam in dem Film immer wieder Neues erfährt und er ständig einen Aha-Effekt hat, der das Spiel dann auch beeinflusst.