Detlev Buck im Gespräch über BIBI & TINA – VOLL VERHEXT
Detlev Buck im Gespräch über BIBI & TINA – VOLL VERHEXT

Detlev Buck im Gespräch über BIBI & TINA – VOLL VERHEXT

Kritiken: Der zweite Teil folgt nun ja recht zügig auf den ersten. Wurden beide Filme back-to-back gedreht?

Detlev Buck: Wir haben die Filme dieses Jahr und letztes Jahr gemacht.

Kritiken: War man sich dann sicher, dass das Publikum BIBI & TINA gut aufnehmen würde?

Detlev Buck: Dazwischen lag eine Karenzzeit. Der erste Teil wurde gedreht und dann hat man sich darüber Gedanken gemacht, worum es im zweiten Film gehen könnte. Am Anfang war es eine Unsicherheit, ob das mit den Songs auch funktioniert und ob es akzeptiert würde. Normalerweise kann man bei Filmen mit Pferden und Mädels vielleicht von 800.000 Zuschauern ausgehen, aber da lag der Film weit drüber. Dadurch war klar, dass das angenommen wird. Wir hatten eine Geschichte parat und konnten auch die Finanzierung schnell sichern. Allerdings haben wir da einen Fehler gemacht. Es blieb bei derselben Summe, so dass ich von den Drehtagen, die ich mir gewünscht hatte, wieder auf 29 herunterkommen musste. Das ist hart, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Kritiken: Vor den BIBI & TINA-Filmen haben Sie nur einen anderen Kinderfilm inszeniert.

Detlev Buck: HÄNDE WEG VOM MISSISSIPPI war sehr erfolgreich und hat auch einige Preise gewonnen. Für Kinder ist das so eine Art Kultfilm. Das ist eine Geschichte, die kleiner ist. Man muss sich aber, wenn man einen Kinder/Jugendfilm macht, in die eigene Kinder- oder Jugendzeit hineinversetzen. Das hab ich bei HÄNDE WEG VOM MISSISSIPPI schon sehr stark gemacht und mich von alten Erinnerungen inspirieren lassen, aber hier ist es eher Pop, bei dem man sagt, wenn der Song anfängt, dann kann man auch mal richtig die Leinen loslassen. Bei Kindern und Jugendlichen ist alles erlaubt, Hauptsache, man langweilt nicht. Da ist auch Irrationales oder Übertriebenes erlaubt. Es kommt keiner und sagt: „Ja, das glaube ich nicht.“ Entweder die Welt und die Geschichte überzeugen oder eben nicht. Darum mag ich das Publikum so gerne. Es wird nicht durch den Kopf, sondern mit dem Bauch gekuckt.

Kritiken: Ist das innere Kind in Ihnen dann noch richtig am Leben?

Detlev Buck: Ja, das ist es, und das ist auch wichtig. Das sollte man niemals verschütten.

Kritiken: Wie verlief es denn bei der musikalischen Umsetzung?

Detlev Buck: Bei der Komposition bin ich nicht dabei, aber ich sag schon, dass ich hier am Anfang bei „98 Prozent“ mehr Rhythmus brauche, dass es schneller und kantiger sein muss, weil ich mir dazu eine Action-Sequenz überlegt habe. Es sollte nicht nur ein Song sein, den die Kommissarin Greta Müller singt, sondern Action sollte auch dabei sein, man sieht ja, wie sie alle möglichen Täter festsetzt. Dabei muss sich der Rhythmus ändern. Und darüber musste man im Vorfeld reden.

Kritiken: Sie hatten in einem Interview gesagt, der erste Teil sei nicht wirklich ein Musical, beim zweiten hat man aber schon den Eindruck, dass die Songs sich aus der Handlung heraus ergeben.

Detlev Buck: Ich glaube, es ist weniger ein Musical als GLEE oder HIGH SCHOOL MUSICAL. Aber die würde ich auch weniger als Musical bezeichnen. Da wird einfach zwischendrin mal gesungen. Ich sage immer: Die Emotion wird zu groß, man kann sich nicht ausdrücken und dann wird gesungen. So etwas wie MAMMA MIA mag ich auch als Film. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal mache, aber das ist gerade auch das Gute an diesem Beruf.

Kritiken: Wie schwer ist es, einen seit gut 20 Jahren bekannten Stoff zu nehmen und neu zu interpretieren? Oder bleibt man nahe dran am Etablierten?

Detlev Buck: Nein, wenn man das zu ernst nimmt, ist man ja ein Gefangener. Kinder sind neben ihrer Flexibilität und ihrer Neugier aber auch konservativ. Sie haben eine sehr feste Meinung. Man muss sie schon auf dem rechten Fuß erwischen, dass sie nicht darüber nachdenken, dass das Schloss nicht weiß ist oder dass es eben anders aussieht. Von dem, was sie kennen, wollen sie nicht weg, aber das geht so halt auch nicht. Es gibt den Comic, aber man muss den auch neu definieren. Manchmal hat man aber auch Glück wie mit Michael Mertens, der tatsächlich aussieht wie Falko von Falkenstein. Und auch Lina Strahl als Bibi passt wunderbar.

Kritiken: Ist Bibi für die Kinder von heute so etwas wie eine Superheldin?

Detlev Buck: Ja, klar. Bibi kann es mit jedem Superhelden aufnehmen. Batman hätte keine Chance. Superman hätte keine Chance. Sie kann ja hexen.

Kritiken: Wenn wir von Superhelden sprechen, im Stil von Marvel und ähnlichem, wäre ein solcher Film in Deutschland denkbar? Für Sie denkbar?

Detlev Buck: Die Kultur der Superhelden mit den Marvel-Comics in den 1960er und 1970er Jahren mit Hulk, Captain America, Spider-Man und all diesen Figuren ist eher amerikanisch. In Deutschland gab es solche Superhelden aus eigener Produktion nicht. Fix und Foxi gab es, das könnte als Film kommen. Die Superhelden sind aus der Populärkultur Amerikas entstanden, während die Franzosen Asterix und Obelix haben. Ich kenne von früher noch das „Zack“-Comic, da gab es so was wie „Michel Vaillant“, aber das waren auch französische Comics. Dass das letzten Endes dermaßen überhandnimmt, liegt auch daran, dass bei Budgets von Hunderten von Millionen Dollar eine Materialschlacht stattfinden muss, bei der die Leute zwar „Wow“ sagen, aber die Handlung doch immer dieselbe ist. Es geht ja irgendwie immer um dasselbe. Das wundert mich auch. Das ist wie eine Ritualisierung, die die Menschen in unsicheren Zeiten brauchen, da sie dadurch ein Gefühl von Sicherheit haben. Die Mehrheit findet es eben auch cool. Das wird aber schon etwas stumpf. Mich freut es dann, wenn es mit Filmen wie INTERSTELLAR auch mal in andere Richtungen gehen kann. Das kann man in Deutschland weniger. Da gibt’s Komödien, Jugend- und Literaturverfilmungen und die anspruchsvolleren Filme. Es ist schon auch eine andere Gesellschaft, die das im Kino konsumiert.

Kritiken: Bei einem deutschen Superheldenfilm würde das Publikum also ausbleiben, weil es erwartet, dass ein kleiner budgetierter Film mit den amerikanischen Materialschlachten nicht mithalten kann?

Detlev Buck: Die alten Mythen gibt es hier natürlich auch, aber dann muss es schon eher Winnetou sein. Man kann nicht dasselbe machen. Die Muster der amerikanischen Superhelden zu kopieren, ist etwas, wovon ich abraten würde. Dafür sind die Mittel zu begrenzt. Ich sehe Bibi als Superheldin, weil sie eine Hexe ist, mit der man alles passieren lassen kann. Es gibt tatsächlich Journalisten, die mir sagten, der Film sei nicht wie HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI und gar nicht so naturalistisch, aber das kann er auch nicht sein, es geht ja schließlich um eine Hexe.
Ansonsten ist die Superhelden-Comic-Kultur amerikanisch. Bei französischen Figuren wie Michel Vaillant könnte man es sich auch hierzulande überlegen. Es gibt auch neue populäre Comics, die aber hinter den Klassikern zurückstehen. Ich glaube, man hat sogar „Leutnant Bluberry“ verfilmt. Aber das ging auch nicht auf.

Kritiken: Ja, das war ein eher esoterischer Film.

Detlev Buck: Der erste Comic war ja auch durchaus so, aber das kann man nur schwer übertragen. Da muss es schon gleich immer um die Weltherrschaft gehen und richtig krachen. Bond ist in dem Sinne auch nichts anderes als ein Superheld, der wie Batman mit Gadgets ausgestattet wird. Michael Caine könnte auch bei Bond rumlaufen.

Kritiken: Der könnte Q spielen, ja.

Detlev Buck: Kein Ding, aber da würde der gute Schauspieler komplett zum Stichwortgeber verkommen. Aber immerhin kann er davon gut leben.

Kritiken: Würden Sie auch einen dritten Teil von BIBI & TINA machen wollen?

Detlev Buck: Wir sind da schon weiter, als Sie denken.

Kritiken: Was genießen Sie nun mehr, die Arbeit als Regisseur oder als reiner Schauspieler wie bei MÄNNERHORT?

Detlev Buck: Ich bin gerne auch Schauspieler, weil man dann eben nicht die Verantwortung für die Postproduktion und dergleichen hat. Man kann sich dann ganz auf die Figur konzentrieren, aber abends ist man trotzdem müde. Nur das eine oder das andere wäre aber auch langweilig, der Mix macht es.

Kritiken: Denken Sie sich als Schauspieler dann manchmal, dieses oder jenes würden Sie als Regisseur anders machen?

Detlev Buck: Da ich mich nicht in die Lage versetze, dass ich die Regie machen würde, denke ich darüber nicht nach. Wenn mir was einfällt, sage ich das auch, aber wenn es abgelehnt wird, ist es halt so. Da habe ich kein Problem mit.

Kritiken: Es gibt die alte Binsenweisheit, dass man als Regisseur nie mit Kindern und Tieren arbeiten sollte. Das haben Sie nun zweimal getan. Ihre Meinung?

Detlev Buck: Und wir hatten auch noch Schnee. Den alten Regeln sollte man immer versuchen zu widersprechen.

Kritiken: Das ist auch ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.