Interview mit Milla Jovovich und Anton Yelchin zu "Cymbeline"
Kritiken.de: Was hat Dich an „Cymbeline“ gereizt?
Mila Jovovich: Niemand würde mich in einem großen Film in einer besonders ungewöhnlichen Rolle besetzen. Um mich als Schauspielerin auszuprobieren, muss ich diese kleineren, unabhängigen Filme machen. Es war auch eine gute Gelegenheit, mit Anton zu arbeiten, was ich schon seit einigen Jahren machen wollte. (...) Und es ist Shakespeare! Welche Schauspielerin möchte nicht zeigen, dass sie diesen Dialog beherrscht. Und es ist ja auch nicht nur der Dialog, sondern es geht auch darum, dem Zuschauer den Zugang zur Figur zu ermöglichen.
Kritiken.de: Und was hat Dich an der Figur der Königin interessiert?
Milla Jovovich: Das Haus, in dem die königliche Familie lebt, ist total runtergekommen und mir gefällt, dass diese Menschen offenbar ein völlig falsches Selbstbild haben, das an der Realität vorbei geht. Nichts an ihnen ist wirklich „königlich“. Sie sind jenseits von würdevoll. Cymbeline selbst hat etwas Erhabenes, aber das was er tut ist würdelos. Dieser Kontrast ist toll.
Kritiken.de: Was war die größte Herausforderung hinsichtlich der Sprache? Wie habt ihr euch vorbereitet?
Milla Jovovich: Ich muss verstehen, was der Text bedeutet, so dass ich es auf eine Weise formulieren kann, die dem Publikum einen Zugang ermöglicht. Denn wenn ich nicht verstehe was ich sage, wie sollst Du es dann verstehen? Ich übersetze mir den Text sozusagen in eine normale Sprache und dann sage ich mir: „Ich spreche diese Wörter, aber was ich eigentlich sagen will, ist...“
Anton Yelchin: Bei mir ist es genauso. Man verbringt viel Zeit damit, am Text zu arbeiten und den Charakter zu verstehen. Das macht man sowieso immer, aber normaler Weise ist es eben deutlich einfacher. (...) Aber wenn man diesen Schritt erst mal getan hat, zu verstehen, was die Figuren sagen, ist es genau dasselbe wie immer. Man muss die Figur kennenlernen und verstehen.
Kritiken.de: Wie kann man Shakespeare in die heutige Zeit überführen?
Anton Yelchin: Wir reden hier von 400 Jahren Geschichte. (...) Jetzt kann man mit dem Text experimentieren, weil man sich in diesem historischen Raum bewegt. Du durchstreifst 400 Jahre Geschichte und kannst Dir die Rosinen rauspicken. Ich denke, Michael macht das mit dem Film genauso. Das Stück „Cymbeline“ hat mit Shakespeare begonnen, aber das heißt nicht, dass es immer gleich bleibt. Im Film gibt es einen Dillon Song aus dem Jahr 1985, ein Auto aus dem Jahr 1967 – da sind all diese historischen Momente. Ich bin mir sicher, wenn Michael so etwas wie eine Büste aus dem Jahr 1795 gehabt hätte, wäre auch die im Film, denn es ist ein Film, der sich innerhalb der Geschichte abspielt.
Kritiken.de: Shakespeare ist offenbar besonders lohnenswert. Aber was ist der Vorteil an kommerziellen Projekten?
Anton Yelchin: Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Shakespeare so offensichtlich lohnenswert ist. Ich glaube, alles ist lohnenswert. Der Begriff „lohnenswert“ ist so schwierig. Manch einem geht es vielleicht total auf die Nerven, diesen ganzen Text zu lernen, und er hat das Gefühl, dass es ihm gar nichts bringt. Ich glaube, der Prozess einen Film zu machen, ist an sich immer lohnenswert. Etwas zu lernen und zu durchdringen. Und das macht man immer, egal ob es ein großer oder ein kleiner Film ist. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass große Hollywoodfilme denselben Grad an intellektuellem „rigueur“ besitzen. Aber die Arbeit ist dieselbe und Du kannst jetzt nicht sagen: Oh, das ist ein großer Film, also gebe ich mir jetzt lieber keine Mühe und hebe mir mein ganzes Mojo für „Cymbeline“ auf.
Mill Jovovich: Es gibt diese Redewendung, dass es nicht um das Ziel, sondern um den Weg dorthin geht, also um den Prozess. Und daran glaube ich wirklich. Denn am Ende kannst Du den größten Film und alles Geld der Welt gemacht haben, aber macht dich das glücklich? Die meisten Leute mit viel Geld, die ich kenne, sind total unglücklich. Vielleicht ist das der Preis dafür.
Kritiken.de: Milla, glaubst Du, dass die Arbeit an „Cymbeline“ Deine Karriere in eine neue Richtung lenkt?
Milla Jovovich: Ich kann mich glücklich schätzen, mit so talentierten Menschen zu arbeiten. Ich habe sehr jung angefangen und bin jetzt seit 25 Jahren in dem Business. Aber nach 25 Jahren ist es ein bisschen spät, um so richtig mit Shakespeare anzufangen. (lacht)
Kritiken.de: Kannst Du Dir vorstellen, Shakespeare auch auf der Bühne zu spielen?
Milla Jovovich: Als Sängerin stehe ich gerne auf der Bühne, aber ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, Theater zu spielen. Ich denke, dazu muss man sich hingezogen fühlen. Es muss eine Leidenschaft sein. Und die habe ich im Moment noch nicht. Aber wer weiß!
Kritiken.de: Ihr habt beide auch an großen Blockbustern wie Start Trek oder Das Fünfte Element gearbeitet. Ist „Cymbeline“ in gewisser Weise eine intimere Erfahrung?
Milla Jovovich: Auf jeden Fall. Es ist wirklich angenehm in einem Umfeld zu arbeiten, in dem die Leute auch mal auf der Straße abhängen und nicht gleich in ihre Garderobe zurückrennen. Alle sind mit dem Herzen dabei. Ich habe auch für „Das Fünfte Element“ nicht viel Geld bekommen. Ich weiß nicht, wie die anderen bezahlt wurden. Aber ich habe es nicht für das Geld gemacht. (lacht) Ich war 19 und habe eher Modeljobs und Musik gemacht. Ich hatte ewig keinen Film gedreht. „Das Fünfte Element“ war mein Durchbruch. Aber ja, ich liebe die Intimität kleiner Filme. Die familiäre Atmosphäre. Dass alle irgendwie auf Augenhöhe sind. Es gab große Stars in „Cymbeline“, aber niemand hat sich wie einer verhalten. Der gab’s niemanden, der in seinen Trailer zurückgerannt ist.
Kritiken.de: War es einschüchternd mit Ed Harris zu arbeiten? Er ist ja quasi eine Legende.
Milla Jovovich: Er wollte kein Foto für Instagram mit mir machen.
Anton Yelchin: Ed hat Instagram?
Milla Jovovich: Nein, aber ich habe es ihm erklärt. Das hätte ich wohl nicht tun sollen. Das war so: Ich wollte ein Selfie mit ihm machen und das war auch in Ordnung. Und natürlich habe ich ihm gesagt, dass ich es auf Instagram posten will. Darauf meinte er: Ach weißt Du, das ist echt nicht mein Ding.
Anton Yelchin: Ich mag Ed unheimlich gerne. Er ist auf wunderbare Weise wunderbar.
Milla Jovovich: Ich war sehr überrascht, wie entspannt und nett er ist. Und lustig. Er ist wirklich hinreißend. Er macht ständig Witze und lacht. Abgesehen von der Instagram-Geschichte ist er wirklich ein total unkomplizierter, entspannter Kerl.
Kritiken.de: Macht Du viel auf Instagram?
Milla Jovovich: Seit ich schwanger bin weniger.
Kritiken.de: Wirst Du Dein Baby auf Instagram zeigen?
Milla Jovovich: Ich poste tatsächlich manchmal Bilder von meiner Tochter, aber von weit weg oder von hinten. Ich poste keine Nahaufnahmen. Es gibt zu viele Idioten da draußen.
Kritiken.de: In Deinem nächsten Film, "Survivor", stehst Du mit Pierce Brosnan vor der Kamera. Worum geht’s da?
Milla Jovovich: (spricht geheimnisvoll) Das ist ein politischer Thriller. Ich gerate in diese Verschwörung und ich weiß zu viel. Und dann versuchen sie mich aufzuhalten, damit ich sie nicht aufhalte. (lacht) Sorry, ich werde albern. Das ist meine Schwangerschaft. Ich muss immer herumalbern und kann einfach nicht ernst bleiben.
Das Interview führte Sophie Charlotte Rieger
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