Clark Spencer über ZOOMANIA: „Alles fängt mit einer Zeichnung an.“
Clark Spencer über ZOOMANIA: „Alles fängt mit einer Zeichnung an.“

Clark Spencer über ZOOMANIA: „Alles fängt mit einer Zeichnung an.“

Kritiken: Sie haben vor 25 Jahren mit traditioneller Animation begonnen. Was gefällt Ihnen selbst besser?

Clark Spencer: Ich weiß, das klingt nach einer sehr simplen Antwort, aber ich mag beides aus sehr verschiedenen Gründen. Der traditionelle Zeichentrick war, womit ich damals mit LILO & STITCH anfing. Das hat eine handgefertigte Qualität an sich, die unglaublich toll ist. Und die auch inspirierend ist, wenn man sieht, wie sie hergestellt wird. Sie ist warmherzig und führt zurück zur Tradition des Studios. Aber CGI-Animation ist sehr ähnlich. Die Künstler tun immer noch dasselbe. Alles fängt mit einer Zeichnung an. Ob handgezeichnet oder am Computer, es sind 24 Bilder pro Sekunde, in beiden Fällen muss man sich darüber Gedanken machen, wie die Figur aussehen und sich verhalten soll. Die CGI-Welt ist darüber hinaus aber stärker darauf ausgelegt, den Zuschauer in die Geschichte hineinzuziehen.

Kritiken: Gibt es einen zeitlichen Unterschied bei der Produktion klassischen Zeichentricks und Computeranimation?

Clark Spencer: Das Interessante an beiden Prozessen ist, dass man bei verschiedenen Bereichen sehr viel Zeit benötigt. Bei Zeichentrick ist es das tatsächliche Zeichnen der einzelnen Bilder. Danach muss man die Hintergründe zeichnen und schließlich beides miteinander kombinieren. Bei der Computeranimation ist es das Gegenteil. Hier muss man im Vorfeld lange daran arbeiten, insbesondere bei der Entwicklung der Figuren. Das kann bis zu einem Jahr dauern, bevor man wirklich mit der Animation der Figuren beginnt. In beiden Fällen dauert es aber vier bis fünf Jahre, um einen Film zu machen.

Kritiken: ZOOMANIA begann mit Byron Howard, der verschiedene Ideen entwickelte. Wie lief das ab?

Clark Spencer: John Lasseter erwartet von allen Regisseuren, dass sie zwei oder drei Ideen vorstellen. Er glaubt, dass man sich damit auch selbst herausfordert, weil man in verschiedene Richtungen denken muss. Oft kommt es dabei vor, dass ein Regisseur zwei Ideen hat, die dann miteinander kombiniert werden. Byron hatte diese Idee einer Stadt der Tiere, stellte sich aber eine Art 007-Abenteuer vor, das schnell aus der Stadt hinausführt, während der Großteil der Geschichte auf einer Insel stattfindet. John fand jedoch, dass die Stadt der interessanteste Aspekt dieser Idee war. Daraus entwickelte sich dann unsere Geschichte.

Kritiken: Bei der Präsentation des Films zeigten Sie auch einige Zeichnungen von Howard, mit dem Film nichts zu tun haben. Rocket Johnson sah faszinierend aus, wie der Häschen-Schwippschwager von Rocket aus GUARDIANS OF THE GALAXY.

Clark Spencer: Das stimmt. Eine von Byrons Ideen war ein Abenteuer, das im Weltall spielt. Der Regisseur muss sich nicht nur Gedanken über die Figuren, sondern auch die Welt machen, in der die Geschichte spielen soll. Rocket Johnson war eine dieser Ideen, die aber zugunsten von ZOOMANIA fallen gelassen wurde.

Kritiken: Mit Rich Moore kam ein zweiter Regisseur hinzu. Das ist bei Animationsfilmen häufig der Fall. Wie kommt das?

Clark Spencer: Mit Jared Bush gab es dann sogar noch einen dritten Regisseur, der als Autor anfing. Es kommt im Produktionsprozess häufig vor, dass man an einem Punkt ist, an dem man das Gefühl hat, dass man eine frische Stimme und eine neue Sicht der Dinge benötigt. Da kam Rich Moore ins Spiel, der schließlich zu unserem zweiten Regisseur wurde. Er hatte Ideen, die der Story zugutekamen. Und er harmonierte perfekt mit Byron. Beide haben diesen tollen Sinn für Humor.

Kritiken: War von Anfang an klar, dass die Hauptfiguren ein Fuchs und ein Hase sein sollten?

Clark Spencer: Ja. Byron liebt ROBIN HOOD. Darum wollte er einen Fuchs haben. Wenn er für sich zeichnet, zeichnet er meist Häschen. Darum entschieden wir uns für einen Hasen als zweite Hauptfigur. Es gibt bei der Produktion aber immer den Punkt, wo man versucht, Abstand zu gewinnen und hinterfragt, ob man die richtigen Tiere gewählt hat. Hier waren wir uns sehr schnell sicher, besonders auch, weil es sich eben um natürliche Feinde handelt.

Kritiken: Wie verlief die Besetzung der Sprecher?

Clark Spencer: Das kann unterschiedlich sein. Manchmal weiß der Autor schon beim Schreiben, wen er gerne als Sprecher hätte. Später wählt man dann einen aus. Man heuert den Schauspieler an, bevor man mit der Animation beginnt. Manchmal weiß man aber auch sofort, wen man will. Wir wussten immer, dass Jason Bateman der Fuchs sein sollte. Das hilft beim Schreiben, ihn sich in der Rolle vorzustellen. Das Problem ist dabei natürlich, dass der Punkt kommt, an dem man ihn fragen muss, und wenn er ablehnt, dann bricht einem das das Herz. Aber das ist die beste Methode zu arbeiten. In dem Fall dachten wir sofort an Jason Bateman und Ginnifer Goodwin und holten uns früh ihre Zusage ab.

Kritiken: Shakira hat auch eine Sprechrolle.

Clark Spencer: Wir wollten immer einen Popstar in dieser Welt haben, aber keinen stereotypen, der total egoman ist. Wir wollten jemanden, der sich um die Welt Sorgen macht. Darum fragten wir Shakira, weil sie die Art Mensch ist, nach der wir suchten. Ein unglaublicher Superstar, der sich aber um das Wohl der Welt sorgt. Sie gibt im Film eine sehr emotionale und kraftvolle Rede zum Besten. Darum wollten wir sie.
Sie hatte keine Schauspielerfahrung, aber es lief alles gut. Wir fuhren nach Barcelona, um sie dort aufzunehmen. Sie war ein Naturtalent. Wir sagten zu ihr: Wir wollen dich. Stell dir vor, wie du vor einer Gruppe Menschen über eine wichtige Idee sprechen würdest. Wie würdest du das tun? Wie würdest du deine Leidenschaft dafür einbringen? Das ist, was wir von dir wollen. Du musst keinen anderen Akzent haben, wir wollen dich.

Kritiken: Haben Jason Bateman und Ginnifer Goodwin ihre Szenen zusammen eingesprochen?

Clark Spencer: Tatsächlich ja. Das tun wir nocht häufig, weil es meist sehr schwer ist, die Terminpläne der Schauspieler miteinander in Einklang zu bringen. Aber auch, weil die Cutter es vorziehen, wenn jeder für sich spricht. Ansonsten kann es vorkommen, dass die Schauspieler übereinander reden, womit die ganze Aufnahme verdorben ist. Bei einzelnen Takes hat man mehr Auswahlmöglichkeiten. Als Filmemacher mögen wir es jedoch, wenn die Schauspieler zusammen spielen. Ganz besonders mit jemandem wie Jason Bateman, der einem bei jedem Satz 20 verschiedene Versionen bietet. Da möchte man auch gerne, dass Ginnifer Goodwin ebenso divers reagieren kann. Wir wollten, dass sie so viel wie möglich zusammen spielen – und haben das mehrheitlich auch verwirklichen können.

Kritiken: Für den Film wurde mit Keep Alive eine neue Technologie entwickelt.

Clark Spencer: Ja. Sie erschafft Wind bzw. den Effekt, den er auf Dinge hat. Wir benötigten 16 Monate, um den Wind zu erschaffen, der durch die Blätter eines Baumes zieht, und neun bis zwölf Monate für den, der auf Fell trifft. Es ist dieselbe Technologie, aber doch sehr unterschiedlich. Bei der einen geht der Wind durch etwas hindurch, bei der anderen trifft er auf ein Objekt und muss darüber hinweggehen. Das lässt die Welt sehr viel realer und lebendiger erscheinen und war nur mit einer Technologie möglich, da man nicht von Menschenhand jedes einzelne Bild derart manipulieren kann.

Kritiken: Gibt es Überlegungen für eine Ausweitung von ZOOMANIA?

Clark Spencer: Am Anfang spielt das nie eine Rolle. Man will nur einen tollen Film machen, aber in der Mitte oder zum Ende des Produktionsprozesses kann man schon weitere Ideen haben. Ich glaube, dass dieser Film eine sehr reichhaltige Welt erschaffen hat, in der man sehr viele unterschiedliche Geschichten erzählen kann.

Kritiken: Das ist auch das Schöne an ZOOMANIA. Im Grunde ist er ein Buddy-Action-Film, wie es sie in den 1980er Jahren gab.

Clark Spencer: Das stimmt, in der Art von NUR 48 STUNDEN und ähnlichen tollen Filmen über sehr unterschiedliche Figuren, die sich nicht mögen, einen Fall lösen müssen und darüber zu Freunden werden. Disney und Pixar haben noch nie einen Mystery-Film gemacht. Damit einher geht eine Komplexität, die sehr schön ist. Wir wollen Filme machen, die für Zuschauer jeden Alters sind. Es muss verschiedene Schichten geben, den Humor für die Kids und das Mystery-Element für die Erwachsenen. Das ist immer unser Ziel: Ein Film, der für jeden Zuschauer funktioniert und vielschichtig ist.

Kritiken: Wie mit der Hommage an DER PATE.

Clark Spencer: Ja, das ist ein gutes Beispiel. Menschen, die den Film kennen, sind in der Regel Erwachsene, vielleicht gerade noch Teenager. Kinder kennen ihn nicht, aber das ist egal, weil die Geschichte funktioniert. Sie wissen, das ist der Schurke, der das Leben der Helden bedroht. Auf einem weiteren Level funktioniert die Szene aber für ein älteres Publikum und bietet so einen Mehrwert.