„Ich mag Sachen, die ein bisschen schräg sind.“ - Eva Habermann im Gespräch über MARA und…
„Ich mag Sachen, die ein bisschen schräg sind.“ - Eva Habermann im Gespräch über MARA und…

„Ich mag Sachen, die ein bisschen schräg sind.“ - Eva Habermann im Gespräch über MARA und LEXX

Kritiken: Wie hast du dich auf die Rolle der Sigyn in MARA UND DER FEUERBRINGER vorbereitet?

Eva Habermann: Eine Göttin zu spielen war ein interessantes Angebot, eine, die erhoben über allem anderen steht. Das hat so etwas Würdevolles. Das gefiel mir sehr gut. Und ich habe mir einfach vorgestellt, ich bin als Sigyn eine Frau, die einfach in sich ruht. Was anderes kann man bei Loki auch nicht machen. Sie kümmert sich ja rührend um ihn. Wenn eine Frau irgendwie tausend Jahre eine Schale über seinen Kopf hält, dann scheint sie ihn sehr zu lieben und sich sehr um ihn zu sorgen. Ich hab sie mir als eine Frau vorgestellt, die selbst, wenn sie komplett verdreckt und verrußt ist, immer noch ihre Würde hat und immer noch eher an andere Leute als an sich selbst denkt. Eine spannende Rolle und ganz nach meinem Geschmack.

Kritiken: Wie war die Zusammenarbeit mit Christoph Maria Herbst?

Eva Habermann: Großartig. Als Schauspieler und Kollege ist er genial und in sich geruht. Ich fand ihn sehr angenehm und er war aüßerst präzise am Set.

Kritiken: Hast Du die weiteren Romane gelesen, so aus Neugier, was sich mit deiner Figur tun wird?

Eva Habermann:Ich hab den zweiten und dritten Teil noch nicht gelesen. Tommy hat mir schon gesagt, dass meine Rolle da größer sein wird und entscheidenden Einfluss auf die Story nimmt. Da bin ich supergespannt, aber das wollte ich im Vorfeld dann nicht wissen, weil ich schon erst mal sehen will, ob die Leute den Film genauso lieben wie ich – und dann lese ich auch die beiden anderen Teile. Vorher nicht.

Kritiken: Hast Du ein Faible für phantastische Stoffe?

Eva Habermann: Total. Ich bin jemand, der gerne verreist, aber als Schauspielerin finde ich es noch viel besser, wenn man historische oder phantastische Filme dreht, weil man die Möglichkeit hat, wirklich was anderes zu erleben – und das liebe ich über alles. Ich hatte ja ursprünglich mit LEXX – THE DARK ZONE angefangen, was mittlerweile schon fast 20 Jahre her ist. Das darf man schon gar nicht mehr sagen. Als Kind habe ich total gerne Wolfgang Hohlbein und Michael Ende gelesen. Es sind einfach schöne Märchen und so weit weg von unserer Welt und der Realität. Das ist eine aufregende Reise.

Kritiken: LEXX – THE DARK ZONE habe ich damals auch gesehen und mag ich auch heute noch sehr gerne.

Dankeschön. Das ist sehr lieb.

Kritiken: Fast 18 Jahre ist LEXX – THE DARK ZONE her. Wenn du darauf zurückblickst, was denkst du da?

Eva Habermann: Ich wollte es damals ja nicht mehr weitermachen, weil die mir gesagt hatten, dass meine Rolle sexueller wird. Das Budget wurde halbiert und es sollten nur noch 45-Minüter werden. Da habe ich gesagt: „Ne, das mag ich nicht, ich hab keinen Bock. Das ist nicht mein Ding.“ Jetzt im Nachhinein hätte ich das wahrscheinlich doch eher gemacht, weil’s eine so abgefahrene Produktion war, dass es mir ein bisschen leid tut. Ich hatte dann gleichzeitig ein Angebot für STRANDCLIQUE. Das war der Nachfolger von GEGEN DEN WIND. Das war etwas handfester und normaler. Ich hatte in dem Moment das Gefühl, dass mir das alles etwas zu viel ist. Aber wenn ich jetzt in der gleichen Situation wäre, hätte ich LEXX weitergemacht. Doch das ist völlig in Ordnung so und ich bereue es auch nicht.

Kritiken: Die Filme waren auch besser als die wöchentliche Serie.

Eva Habermann: Ich weiß. Wir hatten jedes Mal ganz tolle Gaststars. Mit Rutger Hauer zu drehen, ist ja wirklich ein Geschenk. Und bei der Serie hatten sie nur die Hälfte des Budgets, aber die meinten: „Okay, dann machen wir es trotzdem irgendwie, und Zev wird halt noch etwas sexueller.“ Und ich meinte: „Hallo? Meine Rolle? Was wollt ihr eigentlich jetzt von mir?“

Kritiken: In der IMDb ist als eines deiner nächsten Projekte GOBLIN 2genannt. Worum geht’s?

Eva Habermann: Das ist ein Fantasy-Film. Eine Horrorkomödie, könnte man auch sagen. Ich spiele eine alleinerziehende Mutter und es gibt einen Troll, der seit 800 Jahren als Salzsäule versteinert ist. Der wird dann beim Ausgraben bei einer Baustelle gefunden und wieder zum Leben erweckt. Er übernimmt als Tarnung meine Person und sperrt meine Seele weg. Meine Rolle, die zuvor schon schräg war, wird auf einmal noch schräger. Ich habe schon lange kein so lustiges Drehbuch mehr gelesen. So absurd. Simon Gosejohann hat das Drehbuch noch mal gegengelesen und perfektioniert. Und ich hab wirklich auch Tränen beim Lesen gelacht. Es ist schräg, es ist mutig. Manche Leute werden sagen: Das ist totaler Schrott. Andere werden sagen: Das ist supergenial. Ich mag das. Ich mag Stoffe, an denen sich die Geister scheiden.

Kritiken: Und DIE BOTEN DES TODES?

Eva Habermann: Da hatte ich nur eine Minirolle. Das war ein Gefallen, dem ich einen Freund von mir getan habe. Ich hatte in dem Kurzfilm EIFERSUCHT mit Thomas Pill aus Augsburg gespielt. Da hab ich eine zutiefst eifersüchtige Person gespielt, wozu ich nur selten die Gelegenheit habe. Oft ist man im Fernsehen in einer Schublade. So in der Art: Die ist immer süß und nett und lieb. Und hier hab ich eine vor Eifersucht kranke Frau gespielt, die zu allem in der Lage ist. Und dann hab ich bei DIE BOTEN DES TODES eine Minirolle übernommen. Das waren mehrere Horrorfilmregisseure, die kleine Geschichten erzählt haben, die alle aneinandergehängt werden.

Kritiken: Das klingt ziemlich cool.

Eva Habermann: Das sind noch ganz junge und talentierte Leute. Der Regisseur hat bisher nur einen Film gemacht: DER GRÜNDER. Bei den BOTEN DES TODES sind alle so voller Inbrunst, so voller Liebe dazu. Ich mag mich gerne mit Leuten umgeben, die voller Leidenschaft für Film sind

Kritiken: Wann soll der Film kommen?

Wir drehen im Mai, also kommendes Jahr denke ich. Da spielen auch interessante Leute mit. Katy Karrenbauer ist eine tolle Schauspielerin, sie spielt meine verrückte Cousine und es wird bestimmt ein tolles Erlebnis sein.

Kritiken: Spielst du lieber ernsthafte oder lustige Rollen?

Eva Habermann: Ich glaube, lieber Lustigeres. Meine Spielfreude blüht dann noch mehr auf. Ich hab Lust, was zu spielen, an das sich andere nicht ran trauen und sagen: „Um Gottes Willen, was ist das denn?“ Aber ich mag solche Sachen, das ist für mich eine größere Herausforderung. Normal zu spielen, so dass man das jemandem abnimmt, dass er so ist, das ist schon auch eine große Kunst. Aber ich selbst bin eher ein bisschen durchgeknallt und ich mag gerne Sachen, die ein bisschen schräg sind.

Kritiken: Wie bei LEXX damals.

Eva Habermann: Ja, aber das war Zufall. Damals wurde in ganz Deutschland gecastet. Ich war bei einer Agentur in Hamburg, habe aber mehr moderiert. Von der Agentur hab ich mich damals getrennt. Die Caster haben dann tatsächlich bei der Agentur nachgefragt, ob ich noch dort bin, woraufhin die erklärten, ich würde nichts mehr mit der Schauspielerei machen. Aber dadurch, dass ein Freund mich beim Casting ins Rennen gebracht und ein Foto von mir gezeigt hatte, wollten die mich unbedingt zum letzten Casting einladen. Obwohl eigentlich alles gegen mich stand, bin ich trotzdem eingeladen worden, durch die Tür gekommen und der Casting Director meinte einfach: „It’s you. You are Zev.“ Und ich meinte, lass mich doch erst mal vorspielen (lacht).

Kritiken: Gibt’s eine lustige Geschichte zu LEXX?

Eva Habermann: Also der „schlimmste“ Tag war, als ich die Kuss-Szene mit Rutger Hauer hatte. Weil: Wir haben morgens um 7 Uhr gedreht. Wir hatten alle Jetlag, weil wir gerade aus Deutschland kamen und dann in Kanada weitergedreht haben. Rutger Hauer hatte zum Frühstück Spiegeleier verspeist. Ich erinnere mich also nur noch an diesen Geruch von Spiegeleiern, der um mich rum wehte, und an einen Rutger Hauer, der in jeder Szene was Neues machte. Ein sehr kreativer Mensch, aber unberechenbar (lacht). Das klingt komisch: Man denkt immer, Knoblauch sei schlimm. Aber ich sage, Spiegeleier sind noch schlimmer.

Kritiken: Das ist eine gute Geschichte.

Eva Habermann: Und was ich auch großartig fand, war der Besuch beim Japaner mit dem Regisseur, dem Team und Rutger. Da hatte er uns im Restaurant die Todesszene aus BLADE RUNNER live vorgespielt. Das fand ich so cool von ihm, weil er einfach so entspannt war. Er hatte einfach Spaß. Er hatte auch tausend Ideen bei LEXX und hat sich eingebracht.

Kritiken: Welche Art Filme magst du selbst denn gern?

Eva Habermann: Das ist ganz verschieden. Ich mag BEFORE SUNRISE und BEFORE SUNSET sehr gerne. Ich habe gehört, dass die Schauspieler viel improvisiert haben. Aber auch DER HERR DER RINGE oder Klassiker von Hitchcock. Ich bin ein Filmfreak. Ich liebe gute gemachte Filme.

Kritiken: Vielen Dank für das Gespräch.