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Promised Land

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kritiken.de Redaktion 20.06.2013
Promised Land© Universal Pictures International Germany GmbH
A ca. 1510 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Promised Land - Amerikanische Idylle unter Druck: Ökonomie, Moral und die Risse des Gemeinsamen

Einleitung

Promised Land tritt in eine Debatte, die Anfang des 21. Jahrhunderts den amerikanischen öffentlichen Raum durchzog: Die Spannung zwischen ökonomischer Notwendigkeit und ökologischer Verantwortung, zwischen dem Versprechen von Fortschritt und den Kosten sozialen Wandels. Gus Van Sants Film signalisiert weniger eine einfache Parabel als vielmehr eine Versuchsanordnung, in der persönliche Integrität, rhetorische Verführung und strukturelle Macht im Zentrum stehen. Die Relevanz des Films liegt darin, wie er ein lokales Konfliktfeld zum Kristallisationspunkt nationaler Fragen macht.

Innerhalb des Schaffens von Gus Van Sant steht Promised Land für eine bewusste Überschneidung seiner avantgardistischen Sensibilität mit erzählerischer Klarheit. Van Sant, der immer wieder zwischen experimentellen und mainstreamnahen Arbeiten oszilliert, sucht hier eine Balance: die Genauigkeit der Figurenzeichnung ohne Verflachung moralischer Ambivalenzen. Das Werk ordnet sich damit ein in eine Phase des Regisseurs, in der gesellschaftliche Brennpunkte durch behutsame Bildsprache und ein Interesse an innerer Zerrissenheit untersucht werden.

Der Zeitgeist zur Entstehungszeit des Films - Debatten um Fracking, Landverkäufe und die Regulierung von Energieunternehmen - macht ihn zu einem Spiegel jener Jahre. Promised Land arbeitet mit diesem politischen Substrat, ohne auf plakative Antworten zurückzugreifen; stattdessen legt er die Mechanik der Überzeugung offen und konfrontiert Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Schwierigkeit, individuelle Verantwortung von strukturellen Zwängen zu trennen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Gus Van Sant, dessen Handschrift sich durch eine ruhige, beobachtende Kameraführung und ein Interesse an Räumen des Übergangs auszeichnet. In Promised Land adaptiert Van Sant seine Mittel an ein konventionelleres Drama, bewahrt jedoch seine Vorliebe für kleine, präzise Szenen, die durch Pausen und Unausgesprochenes aufgeladen sind. Die Inszenierung bevorzugt einen naturalistischen Zugriff, der das Politische in das Private verlagert und so die globale Dimension lokaler Entscheidungen sicht- und spürbar macht.

Produziert wurde der Film in einem Umfeld, das eher unabhängig als studiogetrieben wirkt - eine Zusammenarbeit, in die auch die Hauptdarsteller kreativ involviert waren. Matt Damon fungierte nicht nur als Darsteller, sondern war auch am Drehbuch beteiligt; die Produktionsumstände tragen daher die Handschrift einer Arbeit, die zwischen Schauspiel-Engagement und politischem Anliegen vermittelt. Auffällig ist, dass Van Sant hier bewusst auf plakative Bilder verzichtet und stattdessen die materielle Welt - Felder, Häuser, Werkzeuge - als Erzählraum nutzt.

Im Gesamtwerk Van Sants lässt sich Promised Land als Brücke lesen zwischen seinen intimen Studien von Außenseitern und seinen größeren gesellschaftlichen Statements. Er verzichtet auf die theatralische Zuspitzung einiger früherer Arbeiten zugunsten einer präzisen, fast klinischen Beobachtung von Entscheidungsprozessen und deren Folgen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Matt Damon, dessen Karriere von der Identifikation mit dem amerikanischen Everyman geprägt ist, steht hier in einer doppelten Rolle - als Schauspieler und als Autor. Bekannt geworden durch Filme wie Good Will Hunting und die Bourne-Reihe, bringt Damon eine routinierte Vertrautheit mit Figuren mit, die zwischen moralischer Verpflichtung und pragmatischer Anpassung schwanken. In Promised Land ist seine Präsenz weniger heroisch als durchsetzungsfähig; er verkörpert den Vertreter einer Industrie, der überzeugt, seinem eigenen Handlungsspielraum und dem vermeintlichen Gemeinwohl zu dienen.

John Krasinski, der zuvor vor allem als charmant-resoluter Fernsehstar in The Office wahrgenommen wurde, trägt zur filmischen Spannung bei, indem er eine Figur spielt, die eine andere Autoritätsebene repräsentiert - rhetorisch gewandt, doch innerlich fragiler, als ihre Fassade suggeriert. Rosemarie DeWitt ergänzt das Ensemble als Verkörperung häuslicher Vertrauensstrukturen; in früheren Arbeiten wie Rachel Getting Married hat sie bereits ein feines Gespür für komplexe Alltagsgefühle bewiesen. Frances McDormand bringt die Erfahrung einer Schauspielerin mit, die seit Fargo für ihre Fähigkeit bekannt ist, Widerstände und Standpunkte mit ruhiger Vehemenz auszustatten. Lucas Black erscheint als lokal verankerter junger Mann - seine Rolle verweist auf die Generationenfragen, die die ökonomische Umwälzung nach sich zieht.

Handlung (spoilerfrei!)

Promised Land konzentriert sich auf das Zusammentreffen zweier Männer, die in ländliche Gegenden gehen, um Flächen für ein großes Energieprojekt aufzukaufen, und auf die Begegnungen mit den Bewohnern, deren Lebensgrundlagen auf dem Spiel stehen. Der dramatische Konflikt entsteht weniger aus einem einmaligen Ereignis als aus einer Serie allmählicher Konfrontationen - rhetorischer Verhandlungen, persönlicher Bindungen und des Wachstums von Zweifel und Misstrauen. Zentrale Figuren sind dabei die Vertreter der Firma, die Landwirte und einige wenige Vermittler, die zwischen den Interessen vermitteln.

Ton und Atmosphäre des Films sind zurückhaltend und gespannt; die Landschaft fungiert als stiller Zeuge der Aushandlungen. Van Sant verzichtet auf melodramatische Zuspitzung und lässt stattdessen den Druck in kleinen, präzisen Momenten wachsen - in Gesprächen am Küchentisch, in Blicken über Felder, in der Banalität administrativer Abläufe. Diese Entscheidungsstruktur macht den Film zu einer Studie über Überzeugungsarbeit und über die Art, wie persönlicher und struktureller Druck miteinander verwoben sind.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum von Promised Land stehen Fragen der Verantwortung - individuell wie kollektiv. Der Film fragt, wer das Recht hat, Zukunft zu planen, und welche Kosten diese Pläne für bereits bestehende Gemeinschaften bedeuten. Er thematisiert die Moralität von Überzeugungsstrategien: Wie viel Macht hat Sprache, wie lassen sich materielle Interessen durch Argumente legitimieren, und wo endet legitime Überzeugung, wo beginnt Manipulation?

Philosophisch lässt sich der Film als Untersuchung der Bedingungen praktischer Rationalität lesen - also der Frage, wie Menschen Entscheidungen treffen, wenn Knappheit und Versprechen gleichermaßen in Betracht gezogen werden müssen. Gesellschaftlich richtet er den Blick auf die Fragmentierung des Gemeinwesens unter ökonomischem Druck und auf die Art, wie Globales im Lokalen ankommt. Psychologisch interessiert sich Promised Land für das Auseinanderfallen von Rollen - die öffentliche Rolle des Überzeugenden versus die private Zerrissenheit des Handelnden - und für die moralischen Dilemmata, die daraus erwachsen.

Filmkritik von Till Kadritzke

Es hätte alles so einfach werden können, denn eigentlich ist Steve (Matt Damon) ein absoluter Profi. Als eiskalter Verhandlungsführer im Dienste des großen US-amerikanischen Energiekonzerns Global steht er sogar kurz vor einer Beförderung – sein Auftrag in einem kleinen Ort in Pennsylvania könnte sein letzter Einsatz „auf der Straße“ sein, den er gemeinsam mit seiner Partnerin Sue (Frances MacDormand) zu erfüllen hat. Die beiden sollen den lokalen Grundbesitz über Pachtverträge unter ihre Kontrolle bringen, damit Global mithilfe des umstrittenen Fracking-Verfahrens nach den tief unter den Böden liegenden Ölvorkommen bohren kann. Doch während Steve und Sue die meisten Landbesitzer von den finanziellen Vorteilen eines Eigentumstransfers überzeugen können, erweist sich eine Gemeindeversammlung, auf der über die generelle Unterstützung des Projekts abgestimmt werden soll, als deutlich schwierigere Hürde. Denn die Interventionen des Dorfschullehrers und Wissenschaftlers Frank Yates (Hal Holbrook), der Steves Selbstsicherheit mit ein paar einfachen Nachfragen erschüttert, hat zur Folge, dass die Wahl verschoben wird. Steve und Sue müssen also in Pennsylvania bleiben und finden sich alsbald in einem waschechten Wahlkampf wieder.

Hauptsächlicher Gegner in diesem Kampf ist aber nicht der pensionierte Wissenschaftler, sondern der junge Dustin (John Krasinski), Aktivist einer Umweltorganisation, der alsbald im Ort auftaucht und die Einwohner davon zu überzeugen versucht, dass eine Zustimmung zum Projekt der Gemeindekasse zwar kurzfristig guttun könnte, aber nachhaltige Schäden für Böden und Grundwasser nach sich ziehe. Dustin verkörpert damit die kritische Haltung zur Fracking-Debatte, zu der sich auch die Filmemacher rund um Damon (der mit Krasinski gemeinsam das Drehbuch verfasst und den Film mitproduziert hat) bekennen. Zu einem filmischen Helden taugt der allzu smarte Aktivist, der seinen Idealismus ziemlich professionell zu verkaufen weiß, aber nicht. Und auch Steve und Sue sind oberflächlich betrachtet zwar die Handlanger eines skrupellosen Unternehmens, vor allem Steve ist aber durchaus davon überzeugt, das Richtige zu tun, und handelt ebenso wie der „gute“ Dustin vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen–, dem Sterben seines eigenen Heimatortes nach der Schließung einer Fabrik.

In der Entwicklung dieses Grundkonflikts vor dem Schauplatz einer über weite Strecken durchaus liebevoll dargestellten Dorfgemeinde ist Promised Land zunächst sehr gelungen, vor allem weil sich das in der Handlung angelegte Gut-Böse-Schema in einem Kräfte- und Charmemessen zwischen Damons und Krasinskis Figur auflöst. So ist es hier weniger ein Kampf zwischen dem guten Idealisten und dem bösen Konzernmitarbeiter ohne Moral, sondern eher zwischen einem neoliberalen und einem umweltethischen Idealismus. Das Schlachtfeld ist dabei die öffentliche Meinung der Gemeinde. Auf ihm überzeugen nicht mehr nur die besseren Argumente, sondern auch die Performance – wie vor allem Sue nach einem Karaoke-Abend in der Dorfkneipe verstehen muss. Dass Steve und Dustin auch noch beide um die Gunst der Lehrerin Alice (Rosemarie DeWitt) werben, kann man mit viel gutem Willen noch als ironischen Kommentar auf die Logik dieser Auseinandersetzungen lesen.

Doch obwohl Promised Land vor allem wegen der flotten Dialoge und der gut aufgelegten Darsteller Spaß machen kann, kommt selten die Spannung auf, mit der andere Filme dieser Art – von Erin Brockovich(2000) bis Michael Clayton(2007) –aufwarteten. Und vor allem gegen Ende tilgen die gut meinenden Filmemacher alle Mehrdeutigkeiten der Handlung zugunsten einer einfachen und recht banalen Message. Das ist vor allem deshalb enttäuschend, weil Promised Landimmerhin von einem Regisseur wie Gus Van Sant inszeniert ist. Dieser hat sein Image als experimentierfreudiger Filmemacher zwar immer mal wieder mit konventionelleren Werken gebrochen, aber auf eine derart plumpe Auftragsarbeit im Dienste einer guten Sache hatte sich Van Sant bislang noch nicht eingelassen. Und selbst diese „gute Sache“ steht am Ende nur noch als vereinfachte Anklage der Macht von Großkonzernen dar, wie sie das liberale Hollywood über Stars wie Matt Damon oder George Clooney gerne mal formuliert.

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