kritiken.de› Filme›
Filme

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr

kritiken.de
kritiken.de Redaktion 13.06.2013
Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
A ca. 1613 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr: Post-heroische Eskalation und die Ästhetik der Verwundbarkeit

Einleitung

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr tritt als exemplarischer Actionfilm der frühen 2010er Jahre auf, der sich an der Schnittstelle von politischem Thriller und zugespitztem Genrekino bewegt. Seine Relevanz ergibt sich weniger aus narrativer Originalität als aus der Art, wie er existentielle Ängste einer nachkrisenhaften Gegenwart in eine komprimierte, visuell markante Form gießt. Als Spiegel eines Kinos, das Sicherheit als Auslöser von Spannung begreift, verlangt der Film eine erneute Auseinandersetzung mit den symbolischen Zentren moderner Macht - und mit ihrer plötzlichen Verletzlichkeit.

Regisseur Antoine Fuqua, bekannt geworden durch Training Day, bringt seine charakteristische Verbindung von rauer Kameraphysik und moralischer Zweideutigkeit mit in dieses Projekt. Olympus Has Fallen fügt sich in eine Werkspur ein, die zwischen intimen Charakterporträts und groß angelegten Actionsequenzen oszilliert. Anstatt das Politische ausschließlich als Hintergrund zu nutzen, macht Fuqua das Interieur der Macht zur Arena physischer und psychologischer Konfrontation.

Im kulturpolitischen Kontext der Veröffentlichung 2013 steht der Film zwischen zwei Diskursen: Einerseits die anhaltende Besorgnis über externe Bedrohungen und die Verwundbarkeit staatlicher Institutionen, andererseits die Popularität einer Aktionserzählung, die auf persönliche Sühne und heldische Einzelakte setzt. Diese Konfiguration spiegelt den Balanceakt der Zeit - zwischen technischer Überwachung, politischem Misstrauen und dem Bedürfnis nach klar identifizierbaren Rettern.

Kurzüberblick zur Produktion

Antoine Fuqua übernahm die Regie für ein Projekt, das als kommerziell angelegter Actionthriller mit internationaler Ausrichtung entwickelt wurde. Die filmische Handschrift Fuquas zeigt sich in der ruppigen, dicht komponierten Visualität und in einer Neigung zu unmittelbarer Körperlichkeit - Longtakes weichen schnellen, handgeführten Einstellungen, die den Zuschauer mitten in die Eskalation versetzen.

Produktion und Vertrieb richteten sich auf ein mittleres bis hohes Budgetprofil, das die aufwendigen Innenaufnahmen der Präsidialräume und groß angelegte Actionsequenzen ermöglichte. Die filmische Konstruktion orientiert sich an einem Hollywood-Modell, das Spannung, Starbesetzung und klares Dramengerüst zusammenführt, um ein weltweites Publikum zu erreichen. In der Folge wurde der Stoff zu einer Trilogie erweitert, was seine ökonomische Ausrichtung als fruchtbares Genreprodukt unterstreicht.

Innerhalb von Fuquas Gesamtwerk nimmt der Film die Rolle eines kommerziellen Höhepunkts ein - weniger ein intimer Charakterfilm als vielmehr eine Demonstration seines Könnens im Umgang mit Massenszenen, pfeilschneller Montage und der Arbeit mit Starpower. Er zeigt eine Seite Fuquas, die die physische Präsenz von Figuren und die architektonische Inszenierung von Machtzentren priorisiert.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Gerard Butler spielt den Mittelpunkt der Handlung - Mike Banning, einen ehemaligen Secret Service Agenten mit persönlicher Bindung an die Präsidentschaft. Butler bringt die rauhe, körperbetonte Präsenz mit, die er bereits in früheren Rollen erprobt hat, und konzeptualisiert den Protagonisten als Verkörperung eines stressresistenten, handlungsorientierten Retters.

Aaron Eckhart tritt als Benjamin Asher, der unter Belagerung stehende Präsident, auf. Eckharts Hintergrund in Rollen, die oft Ambivalenzen politischer und moralischer Natur ausloten, verleiht dem Amtsträger eine verletzliche Würde, die im Kontrast zu den actiongeladenen Vorgängen steht. Morgan Freeman fungiert als institutioneller Ruhepol - er spielt Allan Trumbull, eine Figur, die in der politischen Hierarchie als alternder Staatsmann den repräsentativen Gegenpart zur körperlichen Härte des Protagonisten bildet.

Rick Yune übernimmt die Rolle des Angreifers - eine Antagonistenfigur, die als intellektuell kalkulierter Drahtzieher die Krise organisiert. Finley Jacobsen ist als Connor Asher, der Sohn des Präsidenten, einer der emotionalen Anker des Films und verleiht der Belagerung eine familiäre Dimension. Die weiteren Ensemblemitglieder wie Ashley Judd, Dylan McDermott, Melissa Leo, Angela Bassett, Radha Mitchell, Robert Forster und Cole Hauser besetzen die administrativen und privaten Sphären des politischen Zentrums - sie fungieren als Berater, Sicherheitskräfte und persönliche Bezugspersonen, deren Präsenz das Geflecht aus Verantwortung, Loyalität und Angst dichter webt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film entfaltet seine Ereignisse in einem kompakten Szenario: Ein Angriff auf das höchste Machtzentrum der Nation konfrontiert eine kleine Schicht an Entscheidungsträgern, Sicherheitskräften und Angehörigen mit einem unmittelbaren, existenziellen Konflikt. In diesem Setting wird die Handlung getragen von einer einfachen Prämisse - Eindringling gegen Verteidiger -, die jedoch in ihrer Ausformung zahlreiche Ebenen berührt: taktische Gegenmaßnahmen, moralische Entscheidungen und die private Betroffenheit der handelnden Personen.

Der dramatische Konflikt besteht weniger in komplexen politischen Intrigen als in der unmittelbaren Konfrontation zwischen persönlicher Pflicht und übergeordneten Staatsinteressen. Zentrale Figuren sind der ehemalige Agent, der sich dem Schutz eines abstrakten Amtes verpflichtet fühlt, der Präsident als Symbol nationaler Identität und die Angreifer als Katalysatoren der Krise. Ton und Atmosphäre sind geprägt von einer dichten, oft beklemmenden Intensität - die Bildsprache setzt auf klaustrophobische Innenräume, harte Beleuchtung und eine Soundgestaltung, die den Puls der Handlung akzentuiert.

Zentrale Themen und Motive

Olympus Has Fallen stellt Fragen nach der Stabilität institutioneller Macht und nach der Rolle individueller Handlung in Zeiten der Ausnahme. Der Film verhandelt das Spannungsverhältnis von Sicherheit und Legitimität: Wie reagiert ein Staat, wenn seine symbolischen Zentren handlungsunfähig werden? Welchen moralischen Preis zahlen diejenigen, die den Schutz garantieren sollen? Diese Fragen werden nicht als theoretische Abhandlungen, sondern als unmittelbare Handlungsimperative inszeniert.

Auf einer psychologischen Ebene erkundet der Film Schuld, Sühne und die Mechanismen von Traumabewältigung. Der Protagonist ist weniger ein stoischer Superheld als ein durch Erfahrung gezeichneter Mensch, dessen Kompetenzen durch private Verluste und berufliche Verpflichtungen definiert werden. Gesellschaftlich betrachtet reflektiert die Produktion die Fremdheitsängste und Sicherheitsdiskurse der Gegenwart - sie nutzt dabei das vertraute Motiv des Außenangriffs, um Innenräume politischer Macht zu beleuchten.

Ästhetisch interessiert sich der Film für die Materialität von Macht - Räume, Protokolle, Schutzmechanismen - und für ihre plötzliche Auflösung. Durch diese Fokussierung entsteht eine Spannung, die weniger in geopolitischen Statements als in der Darstellung von Verwundbarkeit und Handlungsfähigkeit liegt. So wird der Film zu einer Studie darüber, wie öffentliches Vertrauen, private Verantwortung und mediale Darstellung in Krisenzeiten ineinandergreifen.

Filmkritik von Till Kadritzke

Eine Karawane Staatskarossen in Schnee und Regen. Der US-Präsident (Aaron Eckhart) ist mitsamt Familie an Bord, der ansteigende Schnittrhythmus und die dramatische Musik verheißen nichts Gutes. Eine unübersichtliche, aber durchaus spannende Action-Sequenz später hängt ausgerechnet das wichtigste Auto über einem Abgrund, Präsident und Gattin schweben in Lebensgefahr – und Secret-Service Agent Mike Banning (Gerard Butler) muss handeln: Den Präsidenten zieht er in letzter Sekunde aus dem Wagen, für die First Lady kommt sein Eingriff zu spät.

In einem der früheren Filme von Antoine Fuqua wäre eine solch Szene noch ein Höhepunkt an Action gewesen. Sein noch immer überzeugendstes Werk Training Day (2001) lebte eher von der körperlichen Energie der Straße als von aufwändig inszenierten Sequenzen. Doch hier will Fuqua mehr, viel mehr – und die beschriebene Szene dient ihm gerade mal zur Etablierung einer Hintergrundgeschichte für seinen Helden: Mehr aus therapeutischen Gründen als wegen einer direkten Schuldzuweisung will der Präsident mit Banning vorerst nichts mehr zu tun haben, und so quält den Agenten ein tristes Bürodasein. Durch ein nicht minder tristes Gespräch mit seiner Lebensgefährtin wird ihm sein verletzter Stolz überdeutlich unter die Nase gerieben. Aber zum Glück wartet Olympus has hallen mit genügend Terrorismus auf, um entmännlichte Patrioten wieder auf den rechten Weg zu führen.

Der Autocrash der Eingangsszene ist jedenfalls nichts gegen das, was Fuqua schon bald darauf inszenieren darf: einen aufwändigen Luftangriff auf Washington D.C., bei dem das Washington Monument in 9/11-Manier zugrunde geht und das Weiße Haus mitsamt Umgebung unter Dauerbeschuss genommen wird. Doch die mit viel Spaß an CGI choreografierte Terror-Attacke ist nur Element eines noch viel perfideren Plans: Eine angebliche Delegation aus Nordkorea, die zur selben Zeit mit dem Präsidenten und weiteren Kabinettsmitgliedern im Regierungssitz diskutiert, wird im Zuge des Ausnahmezustands mit dem wichtigsten Mann der westlichen Welt in einen Schutzbunker gebracht – und entpuppt sich schnell als gefährliches Team von Top-Terroristen.

Es ist lange her, dass eine Hollywood-Produktion uns den guten alten Blockbuster-Patriotismus derart vor den Latz geknallt hat wie jetzt Fuqua und sein Team. Olympus, das ist das Codewort für das Weiße Haus, und dieses fällt binnen einer knappen Viertelstunde in die Hände der Terroristen, die zerschossenen Stars and Stripes segeln in Zeitlupe vom Dach des Regierungspalasts – eine filmische Zelebrierung des Traumas. Es ist das ultimative Schreckensszenario, das in Olympus has fallen beschworen wird, und es provoziert die ultimative Reaktion. Wo der Feind überhaupt keinen Anstand mehr kennt, das US-Kabinett verprügelt, den Präsidenten erpresst und die Hauptstadt aus der Luft angreift, da darf auch der Widerstand mal etwas happiger ausfallen, ohne sich mit Fragen von Gewalt und Moral auseinandersetzen zu müssen. Und so kann sich Banning, der, wie es das Drehbuch so will, in den Katakomben des Weißen Hauses gelandet ist, auf seinem Weg zum Präsidentenbunker möglichst brutale Rachemethoden überlegen und genüsslich Bösewichte foltern.

Olympus has fallen treibt das Prinzip Einzelkämpfer vs. Terroristen, das seit Stirb Langsam (1988) immer mal wieder über die Leinwände spukt, auf die Spitze. Nach Stationen auf amerikanischen Kriegsschiffen (Alarmstufe: Rot, 1992), der Air Force One (1997) und im Cyber-Zentrum der Nation (Stirb Langsam 4.0, 2007) ist dieses Prinzip nun im Weißen Haus angekommen, im Kern US-amerikanischer Macht und Verwundbarkeit. Die Motive sind freilich nicht neu, aber werden aufeinander geschichtet: Terrorangriff auf die Hauptstadt, Entführung des Präsidenten, und schließlich geht es sogar um nichts weniger als den US-amerikanischen Nuklearschild.

Die Ernsthaftigkeit, mit der hier Fahneneide aus blutig geschlagenen Mündern gestammelt und inmitten einer in Flammen aufgegangenen Hauptstadt bedeutungsschwere Fernsehansprachen an die Nation gerichtet werden, lässt Olympus has fallen fast veraltet wirken, manchmal gar wie eine Parodie jenes Genres, dessen sich der Film bedient. Fuquas inszenatorisches Talent jedenfalls ist höchstens noch in den Paranoia-Szenen auf den unterirdischen Gängen des Weißen Hauses zu spüren, und was das Politische angeht, scheinen die Filmemacher nur an diffusen Botschaften von patriotischer Erneuerung interessiert.

Filmhistorisch könnte das Werk aber wohl doch einmal interessant werden, vor allem im Verbund mit dem ebenfalls im Sommer in die Kinos kommenden und absurd ähnlich klingenden White House Down von Roland Emmerich. Der erspart uns wenigstens schon mal den kryptischen Titel und schreibt bereits auf die Verpackung, was man vom Inhalt erwarten kann.

Newsletter

Einmal pro Woche die besten Essays, Analysen und Kritiken – direkt in Ihr Postfach.

kritiken.de