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After Earth

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kritiken.de Redaktion 06.06.2013
After Earth© Sony Pictures Releasing GmbH
A ca. 1648 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten  📋 Inhalt

After Earth als postheroische Flucht: Über Vaterschaft, Angst und technisierte Weltbilder im Kino des 21. Jahrhunderts

Einleitung

After Earth tritt in eine Reihe von Hollywood?Blockbustern, die nicht nur auf Spektakel setzen, sondern sich als moralische Parabeln geben. Der Film spielt mit archetypischen Motiven - der Prüfung des jungen Helden, der väterlichen Figur als Leitstern und der Natur als Prüfstein - und bietet damit einen Stoff, der über seine Oberfläche hinaus Fragen nach Erziehung, Verantwortung und Angstkultur aufwirft. Seine Relevanz liegt weniger in radikaler Neuerfindung als in der Konstellation aus familiärer Besetzung, Hochglanzproduktion und philosophischem Anspruch, die das Werk in die kulturpolitische Diskussion um Film, Celebrity und Moralik der 2010er Jahre rückbindet.

Regisseur M. Night Shyamalan, der für seine prägnanten Atmosphären und sein Faible für moralische Dilemmata bekannt ist, bringt mit After Earth eine Mischung aus Survival?Drama und Science?Fiction, die seine Handschrift - das Interesse an inneren Konflikten und dozierender Deutlichkeit - in ein klassisch amerikanisches Genrekorsett einschnürt. Der Film lässt sich so als Versuch lesen, die intime Konfliktdramaturgie seiner früheren Werke in ein blockbustertaugliches Vokabular zu übertragen - mit allen Spannungen, die diese Vermählung zwischen Intimität und Marktmechanik erzeugt.

Budgetäre Ambitionen, familiäre Starpower und eine postapokalyptische Welt geben dem Film seinen zeitdiagnostischen Ton. In einer Dekade, in der Sicherheit, Risiko und das Verhältnis von Individuum zu Technik im öffentlichen Diskurs verhandelt werden, evoziert After Earth eine Gegenwelt, in der Angst selbst zur greifbaren Antagonistin wird. Damit wird der Film eine Art Spiegel - nicht nur der erzählten Welt, sondern auch der kulturellen Lage, in der Sicherheitspolitik, Erziehungsideale und mediale Inszenierung von Verantwortung zusammenlaufen.

Kurzüberblick zur Produktion

After Earth entstand als großes Studioprojekt, getragen von prominenter Besetzung und einem für Science?Fiction typischen Produktionsaufwand. Regie führte M. Night Shyamalan, dessen formaler Zugriff sich in atmosphärischer Dichte und klar konturierter Figurenführung zeigt. Das Filmprojekt wurde in einem klassischen Produktionsrahmen realisiert - mit einem hohen Budget, modernen CGI?Setpieces und einem Anspruch auf globale Vermarktung.

Die Produktionsumstände prägen das Resultat: Ein starbesetztes Vehikel, das persönliche Biografien und kommerzielle Interessen verzahnt und dabei die Grenzen zwischen Autorenfilm und Franchisekino austestet. Innerhalb von Shyamalans Oeuvre markiert After Earth eine Phase, in der der Regisseur vermehrt große Studiosettings und gröberen erzählerischen Gesten den Vorzug gibt - eine Entwicklung, die seine früher experimentelleren Erkundungen von Alltag und Mystik in konventionellere, groß angelegte Formen überführt.

Die Stellung des Films im Gesamtwerk ist ambivalent - er trägt die typische Neigung Shyamalans zur Moralisierung und zur Verlangsamung narrativer Offenbarungen, gleichzeitig bemüht er sich um eine kommerzielle Zugänglichkeit, die mit der Ästhetik eines zeitgenössischen Actionfilms verschmilzt. Dieses Spannungsfeld zwischen Intimität und Monumentalität bestimmt seine dramaturgische Gestalt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum der Besetzung stehen Will Smith und Jaden Smith, deren reale Vater?Sohn?Beziehung dem Film eine zusätzliche Metaebene verleiht. Will Smith, seit Jahrzehnten als führende Figur des amerikanischen Mainstreamkinos etabliert, bringt die Erfahrung großer Genreproduktionen und die Fähigkeit, Autorität und Verletzlichkeit simultan zu verkörpern, in die Rolle ein. Er steht hier für die traditionelle Vaterfigur - eine Mischung aus Mentor, Krieger und moralischer Instanz.

Jaden Smith, der den Übergang vom Kindstar zum jungen Darsteller durchläuft, übernimmt die Rolle des angehenden Protagonisten, dessen innerer Kampf zwischen Furcht und Mut die erzählerische Achse bildet. Seine Performance ist an das Format des Initiationsdramas gebunden - eine Lernreise, die statistisch und psychologisch durch Prüfungen und Entscheidungen vorangetrieben wird. Die Verknüpfung von persönlicher Biografie und filmischer Rolle erzeugt zusätzliche Leseschichten, wenn es um Autorität, Erbe und öffentliche Darstellung familiärer Bindungen geht.

Das Ensemble wird flankiert von jüngeren Gesichtern und Charakterdarstellern, die weniger eigenständige, dafür prägnant gezeichnete Funktionen erfüllen - als Foils, Unterstützer oder symbolische Figuren innerhalb der Prüfungsstruktur des Films. Diese Rollen sind eher dramaturgische Marker als psychologisch tiefgearbeitete Individuen, was die Konzentration auf den Vater?Sohn?Konflikt noch stärker akzentuiert.

Handlung (spoilerfrei!)

Without spoilers erzählt After Earth die Reise eines jungen Mannes, der nach einem katastrophalen Absturz auf einer veränderten Erde ums Überleben kämpfen muss. Das narrative Zentrum bildet die Beziehung zwischen einem geachteten, aber strengen Vater und seinem Sohn, der sich in der ruhigen wie harschen Umgebung beweisen soll. Die äußere Handlung - eine Reihe physischer Herausforderungen, die das Überleben sichern oder gefährden können - bündelt sich in einem inneren Konflikt, in dem Angst, Selbstbehauptung und moralische Entscheidung aufeinandertreffen.

Der dramatische Konflikt ist weniger ein Kollektivkrieg als ein persönlicher Lehrgang: Der Protagonist ist gezwungen, seine Ausbildung und seine eigenen Grenzen praxisnah zu erproben. Die zentralen Figuren bleiben dabei fokussiert auf ihre Beziehung zueinander - der junge Mensch als Prüfender seiner eigenen Nerven, der Vater als letzte Instanz von Maß und Moral. Ton und Atmosphäre des Films oszillieren zwischen klaustrophischer Spannung und meditativer Ruhe; die Bildsprache betont Weite und Isolation, die Soundarchitektur artikuliert Gefahr oft über Stille und subtile akustische Signale.

Zentrale Themen und Motive

After Earth stellt Fragen nach der Natur von Angst, der Funktion von Autorität und der Formung von Mut. Angst wird hier nicht nur als psychische Disposition behandelt, sondern als narrative Antagonistin - etwas Messbares, das zu überwinden ist. Daraus resultiert eine philosophische Dimension: Welche Rolle spielt Erziehung in der Herausbildung ethischer Handlungsfähigkeit? Wie viel Schutz ist förderlich, wie viel Kontrolle zerstörerisch? Der Film verhandelt diese Fragen in einer Sprache, die sowohl pädagogische Parabel als auch actiongeladene Allegorie sein will.

Gesellschaftlich spricht der Film Bedenken an, die über die individuelle Prüfungsstätte hinausgehen - den Umgang mit Risiko, die Mechanismen des Schutzes und die Ambivalenz technischer Allmacht gegenüber naturnahen Gefahren. Psychologisch liegt das Interesse auf der Initiation: Der Übergang vom Kind zum selbstverantwortlichen Erwachsenen wird als existentielle Konfrontation mit der eigenen Wahrnehmung und dem Körper gedacht. Formale Motive - die Willenskraft erzählend, die Kamera als Nähegeber, die Soundgestaltung als Angstverstärker - unterstreichen diese inhaltlichen Anlagen und machen After Earth zu einem Film, der mehr sein will als ein reines Spektakel.

Filmkritik von Michael Kienzl

Wenn es alle Prominenten in Hollywood wie die Familie Pinkett-Smith machen würden, müsste man sich um den Schauspielnachwuchs keine Sorgen machen. Schon seit frühen Kindesjahren werden die Sprösslinge von Will Smith mit sanftem Druck ins Showbusiness eingeführt, ob nun mit kleinen Rollen in großen Filmen oder parallel zu einer Gesangskarriere. Jaden Smith war bei seinem ersten Filmauftritt in Men in Black 2 (2002) gerade einmal vier Jahre alt. Seitdem hat er sich mit einem immer etwas zu kalkuliert in Szene gesetzten Welpenblick schon durch einige Filmrollen gespielt. Eine Konstante in seiner noch kurzen Laufbahn ist dabei die schützende Hand des Vaters. Wenn Will Smith den Film nicht gerade produziert hat, spielt er zumindest selbst mit. Und warum sollte man dann die Verwandtschaft nicht gleich thematisieren? Das war schon in Das Streben nach Glück (The Pursuit of Happyness, 2004) der Fall, und jetzt, im Science-Fiction-Film After Earth, ist es wieder so.

Der alte Smith verkörpert darin einen Patriarchen mit besonderen Fähigkeiten. Nach einem Krieg mit Aliens wurde die Menschheit von der Erde evakuiert und hat sich auf dem Planeten Nova Prime neu eingerichtet. General Cypher Raige hat sich derweil als verlässlichster Kämpfer gegen die Ursas – von den Aliens geschaffene Monster, die Menschen durch ihre Angst aufspüren können – bewährt. Zwar brilliert der von Will Smith mit steifem Körper und eingefrorenem Gesichtsausdruck gespielte Cypher im Beruf, die Beziehung zu seinem Sohn Kitai (Jaden Smith) ist allerdings unterkühlt. Als er ihn zu seinem letzten Einsatz vor dem Ruhestand mitnehmen möchte, stürzt das Raumschiff auf der Erde ab. Das Heck, in dem sich das Notrufgerät befindet, wurde 100 Kilometer weit weggeschleudert, und der heldenhafte Vater ist verletzt. Es bleibt nur eine Möglichkeit: Der ängstliche Kitai muss sich durch den Dschungel schlagen, mit ungeahnten Gefahren fertig werden und vor allem dem Papa beweisen, was er für ein harter Kerl ist.

Nach dem Überraschungserfolg mit The Sixth Sense (1999) hatte die einstige Regiehoffnung M. Night Shyamalan wenig Glück bei der Kritik. Seine familienkompatiblen, oft auch ökologisch bewussten Genreentwürfe waren meist eine Spur zu esoterisch, zu kitschig, zu einfach gestrickt, um wirklich überzeugen zu können. Statt sich darauf zu konzentrieren, dass seine Horrorfilme gruselig sind, hat Shyamalan lieber Familienpsychologie betrieben. Das ist diesmal nicht anders. Lässt man einmal die Raumschiffe und menschenfressenden Paviane beiseite, erzählt After Earth vor allem eine simple und, bis auf einen kurzen Bruch am Ende, recht konservative Coming-of-Age-Geschichte. Eine lebensgefährliche Exkursion als Metapher für den steinigen Weg zum Erwachsenwerden.

Abgesehen vom Filmanfang und von Rückblenden, die langsam die Umstände des geheimnisvollen Todes von Kitais älterer Schwester enthüllen, funktioniert After Earth erzählerisch erschreckend banal: Während Will Smith als verletzter Vater im Raumschiff sitzt und vor sich hin siecht, kämpft sich sein rehäugiger, durch Funk mit seinem Erzeuger verbundener Sohnemann durch eine ihm feindlich gesinnte Umwelt. Dabei scheint er in jeder Szene entweder damit beschäftigt, der übermächtigen Vaterfigur zu entsprechen oder die eigene Angst als etwas Unnatürliches zu überwinden. Doch obwohl sich der Film durch seine eindimensionale Handlung erstaunlich leer anfühlt, kann man Shyamalan seine handwerkliche Versiertheit nicht absprechen. Es sind nur wenige Versatzstücke, die er auf seinem dramaturgischen Schachbrett hin- und herschiebt – eine begrenzte Anzahl an Sauerstoffkapseln, ein zu überwindendes Trauma und schließlich die abgebrochene Funkverbindung zum Vater. Zumindest gelingt es ihm damit, die Spannung so weit aufrechtzuerhalten, dass man sich als Zuschauer nur selten langweilt.

Es ist nicht so, dass man für einen guten Blockbuster unbedingt viel Substanz benötigt. Man sehe sich aktuell nur mal Joseph Kosinskis Science-Fiction-Oper Oblivion (2013) an, die mit einer ähnlichen Geschichte einen sehr viel stärkeren Eindruck hinterlässt. Doch wo Kosinski ganz auf eine ästhetisch perfekte Verpackung setzt, ist bei Shyamalan alles ein bisschen zu viel. Ein gigantischer Wasserfall wird von einem märchenhaft wirkenden, milchigen Schleier überzogen, und die computeranimierten Tiere sehen aus wie leicht deformierte Disney-Geschöpfe. Und dann ist da noch der Drang, jedes noch so kleine Handlungselement symbolisch aufzuladen. So spiegelt sich das Vater-Sohn-Verhältnis unter anderem in der Begegnung mit einem Adler und seinen Jungen, und wenn Kitai schließlich zum entscheidenden Gefecht aufbricht, muss er zunächst einen lavaspeienden Berg erklimmen. Es ist eine Heldenreise entlang an überdeutlichen Symbolen. Der Geschmack bleibt dabei auf der Strecke.

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