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The Big Wedding

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kritiken.de Redaktion 30.05.2013
The Big Wedding© Concorde Filmverleih GmbH
A ca. 1468 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

The Big Wedding als Spiegel amerikanischer Familieninszenierung - Komödie zwischen Farce und Versöhnung

Einleitung

The Big Wedding tritt in eine lange Tradition Hollywoods, die große Stars zu einer kleinen, privaten Tragikomödie versammelt. Das Ensemble mit Diane Keaton und Robert De Niro an der Spitze macht den Film zu einem Fallbeispiel dafür, wie gegenwärtige Komödien mit Prominenz, Altersbildern und familiären Ritualen spielen. In einer Zeit, in der die Öffentlichkeit intime Lebensentscheidungen zunehmend konsumiert, fungiert die Hochzeit als Brennglas sozialer Erwartungen und filmischer Darstellungskonzepte.

Für den Schreiber und Regisseur Justin Zackham ist The Big Wedding mehr als ein launiges Gesellschaftsstück; es ist eine Gelegenheit, als erzählerischer Gestalter die Erfahrung aus dem Drehbuchschreiben in eine Regiehaltung zu übersetzen. Zackham war zuvor als Autor auffällig - sein Name ist unter anderem mit populären Stoffen verbunden - und hier versucht er, sein Feingefühl für menschliche Widersprüche in eine ensemblegetriebene Komödie zu überführen. Das Ergebnis lässt sich als Versuch lesen, klassische Hollywood-Komödie mit zeitgenössischen Themen zu verknüpfen.

Der Film ist auch ein Produkt seines Jahrzehnts. Im frühen 21. Jahrhundert verschiebt sich das Bild von Ehe und Familie in den USA, die mediale Darstellung von Beziehungen wird zunehmend ironisch kommentiert, und das Genre der Hochzeitskomödie erlebt eine Renaissance als Bühne für Fragen nach Identität, Loyalität und öffentlicher Scham. In diesem Kontext bietet The Big Wedding eine Reflexionsfläche - nicht im Sinne eines patenten moralischen Urteils, sondern als Beobachtung dessen, wie Familienrituale performativ und verletzlich zugleich sind.

Kurzüberblick zur Produktion

The Big Wedding ist als starbesetzte Studioproduktion konzipiert, die auf die Anziehungskraft ihrer Namen setzt. Die Finanzierung und Produktion folgen dem üblichen Modell einer Hollywood-Komödie mittleren Budgets, deren Kalkül auf breitem Publikumsinteresse beruht. Für Zackham, der bisher vor allem als Drehbuchautor auffiel, bedeutete das Projekt zugleich den Schritt hinter die Kamera - ein Transfer, der von der klaren Handschrift des Autors geprägt ist.

Die filmischen Mittel bleiben überwiegend dem Genre verpflichtet: räumlich konzentrierte Schauplätze, ein Tempo, das auf Timing und Dialogwitz baut, sowie Montageentscheidungen, die emotionale Rhythmik und komödiantische Überraschungen steuern. Entsprechend liegt die formale Herausforderung weniger in radikalen visuellen Effekten als in der Inszenierung von Nähe und Peinlichkeit - dem filigranen Balanceakt, den Ensemblekomödien verlangen. Die Stellung des Films im Gesamtwerk des Regisseurs ist daher vor allem eine programmatische: die Versuchsanordnung, persönliche, schriftstellerische Handschrift mit filmischem Ensemblehandwerk zu verbinden.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Robert De Niro bringt seine lange Karriere mit den stereotypischen Assoziationen an Autorität und Kontrolle ein. In The Big Wedding verkörpert er die Gestalt des Patriarchen, deren Ausstrahlung die familiären Spannungen kanalisiert. Diane Keaton, deren Filmografie von Woody Allen bis zu Figuren großer Intimität reicht, kontrastiert De Niro mit einer lakonischen, gebrochenen Wärme - die Matriarchin, die sich zwischen Eigenständigkeit und Nostalgie bewegt.

Robin Williams fungiert als komödiantischer Katalysator; seine Präsenz evoziert eine Mischung aus Improvisationskraft und existenzieller Melancholie, die in Nebenhandlungen der familiären Dynamik Raum verschafft. Amanda Seyfried und Katherine Heigl repräsentieren die jüngere Generation und bringen in ihre Figuren die Perspektive von Verantwortung, Liebesstau und dem Umgang mit modernen Beziehungskonventionen. Sie stehen für die emotionalen Stellvertreterinnen des Films, deren Konflikte und Unsicherheiten die Handlung vorantreiben.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film konzentriert sich auf die Zusammenkunft einer Familie zu einer Hochzeit, die als Katalysator für lang unterdrückte Spannungen fungiert. Die Erzählung entfaltet sich überwiegend in einem engen sozialen Raum - schließlich ist die Hochzeit die Bühne, auf der Loyalitäten, alte Verletzungen und neue Sehnsüchte sichtbar werden. Kleine Lügen, alte Gewohnheiten und unausgesprochene Wahrheiten geraten durch die Konfrontation mit einem feierlichen Ritual an die Oberfläche.

Im Zentrum steht der dramatische Konflikt zwischen der öffentlichen Inszenierung der Ehe und der privaten Realität individueller Beziehungen. Die Figuren wechseln zwischen Versöhnungsbemühungen und komischem Selbstschutz, während der Rhythmus des Films von Begegnungen, Missverständnissen und pointierten Dialogen getragen wird. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen heiterer Farce und sentimentaler Note - nie vollkommen ernst, aber auch nicht völlig leichtfertig.

Zentrale Themen und Motive

Als thematisches Rückgrat fungieren Fragen nach Authentizität, Rolle und Ritual. The Big Wedding lädt dazu ein, über die Performanz familiärer Bindungen nachzudenken: Wer spielt welche Rolle, wenn die Erwartungen der Gesellschaft auf persönliche Imperative treffen? Die Hochzeit ist dabei nicht nur Anlass, sondern Metapher - sie steht für die Konvergenz von Tradition und Selbstdarstellung in einer Kultur, die private Angelegenheiten zunehmend ins öffentliche Licht rückt.

Weiterhin verhandelt der Film das Altern und die Neuberechnung von Partnerschaften. Die Anwesenheit älterer Hauptdarsteller macht das Altern nicht zum Scherzobjekt, sondern zum Element, das alte Narrative von Versöhnung und Selbstbehauptung in Frage stellt. Psychologisch gesehen interessiert sich der Film für die Mechanismen der Komik als Abwehrstrategie: Wie erzeugen Menschen Lachen, um Unsicherheit zu überspielen, und welche Verletzungen bleiben dennoch sichtbar?

Schließlich arbeitet The Big Wedding mit dem Motiv des Missverständnisses als motorischer Kraft - nicht nur als Quelle plumper Pointen, sondern als diagnostisches Mittel einer Familie, die sich selbst nicht mehr vollständig versteht. Der Film fragt damit less nach moralischen Gewinnen oder Verlusten als vielmehr nach der Art und Weise, wie Gemeinschaft in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche organisiert und repräsentiert wird.

Filmkritik von Jochen Werner

Martin Scorsese, so ist anzunehmen, wird bittere Tränen vergießen, wenn er in diesen Tagen einmal den Fehler begeht, sich einen aktuellen Film mit Robert De Niro anzuschauen, jenem vielleicht bedeutendsten Schauspieler seiner Generation, mit dem Scorsese von Hexenkessel bis Casino eine scheinbar nie abreißende Serie großer Filme inszenierte – bis sie dann aus heiterem Himmel eben doch abriss. Nach der finalen Zusammenarbeit mit Scorsese an Casino standen für De Niro noch ein paar bemerkenswerte Arbeiten für Michael Mann oder Quentin Tarantino an – und dann, nach der Jahrtausendwende, nichts. Oder schlimmer noch: eben gerade nicht nichts, sondern eine bis heute nicht enden wollende Flut biedersten Mittelmaßes. Alberne Komödien, in denen De Niro sich an der Seite von Ben Stiller oder Eddie Murphy blamierte, klischeesatte Kriminalfilm-Stapelware oder langweiligste Horrorstreifen, die vor Jahrzehnten schon angestaubt gewirkt hätten. Mit Justin Zackhams bodenloser Familienklamotte The Big Wedding ist jetzt ein weiterer Tiefpunkt in De Niros jüngerem Schaffen erreicht.

Zu dessen Verteidigung kann im Grunde lediglich vorgebracht werden, dass er nicht der einzige größerformatige Schauspieler ist, der sich in diesen Nonsens verirrt hat. Diane Keaton, die sich ohnehin seit Jahren darauf spezialisiert zu haben scheint, reifere Frauen im komödiantisch ausgeschlachteten zweiten Liebesfrühling zu verkörpern, demonstriert hier an der Seite der ähnlich unterforderten Susan Sarandon nachhaltig, dass man einen Nancy-Meyers-Film immer noch einmal ein Stück schlechter machen kann, wenn nicht Nancy Meyers (Was Frauen wollen, Wenn Liebe so einfach wäre) auf dem Regiestuhl sitzt. Und mit Katherine Heigl, Amanda Seyfried und Topher Grace verlaufen sich dann auch einige mehr oder minder charismatische Jungdarsteller in diesen Stoff, der ihnen so rein gar kein Arbeitsmaterial an die Hand gibt, um ihre Figuren auch nur ein kleines bisschen lebendig oder gar interessant auszugestalten. Von Robin Williams' schwer erträglicher Kleinrolle als eigenwilliger Priester soll weiter gar nicht die Rede sein.

Worum aber geht es nun in The Big Wedding, sofern man im Falle dieses höhepunktfrei vor sich hinplätschernden Streifens überhaupt davon sprechen mag, dass es um etwas ginge? Nun, im Zentrum des Geschehens steht die titelgebende Hochzeit von Alejandro, dem kolumbianischstämmigen Adoptivsohn von Don und Ellie Griffin – einem seit langer Zeit geschiedenen Ex-Ehepaar, das nun für einige Tage wieder glückliche Zweisamkeit mimen soll, um der strenggläubigen biologischen Mutter Alejandros eine heile Familienwelt vorzutäuschen. Da dieser Film aber in der Tat völlig ohne Fokussierung zwischen seinen diversen Handlungssträngen irrlichtert, die allesamt in die knappe Spielzeit von unter anderthalb Stunden gequetscht wurden, geht es irgendwie immer um alles und nichts: um alles gleichzeitig und um nichts richtig.

Da wäre etwa noch der fast dreißigjährige und aufgrund eines merkwürdigen Keuschheitsgelöbnisses im Teenageralter – true love waits heißt das wohl in den USA – noch immer jungfräuliche Sohn Jared (Topher Grace), der aus ähnlich merkwürdigen Gründen urplötzlich nichts Anderes im Sinne hat als den möglichst sofortigen Beischlaf mit seiner kolumbianischen Adoptivschwester Nuria. Seine Schwester Lyla (Katherine Heigl) indes schlägt sich mit Trennungsschmerz und der eigenen (vermeintlichen) Unfruchtbarkeit herum, ein Handlungsstrang, der ebenfalls niemals die Kurve zu echter, nachvollziehbarer Dramatik bekommt. Und dann wäre da noch das Liebesdreieck zwischen den Ex-Eheleuten Don (Robert De Niro) und Ellie (Diane Keaton) sowie Dons neuer Partnerin Bebe (Susan Sarandon), das nun plötzlich aufgrund eines aktuellen und eines Jahrzehnte zurückliegenden Seitensprungs mit Konfliktpotenzial aufgeladen wird.

Mehr noch als die völlige Belanglosigkeit der meist auffällig läppischen Geschehnisse, die der Plot in den Raum wirft und die die Regie uninspiriert abhakt, ist das Ärgerliche an diesem Film, wie angestaubt, mitunter ultrakonservativ und letztlich gar halboffen homophob dieser als luftig-lockere Familienunterhaltung angepriesene Film daherkommt: Die eine offen bisexuelle Figur unter den Protagonisten des Ensemblefilms wird zuerst ganz willkürlich zurechtskandalisiert und dann ganz umstandslos aus dem Film entfernt. Wäre The Big Wedding nicht ohnehin schon so schmerzhaft belanglos und so fürchterlich langweilig, so würde er spätestens durch sein altbackenes, konservatives und letztlich heteronormatives Weltbild einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen.

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