Man of Steel - moderne Mythologie zwischen Gewalt, Exil und ikonischer Bildsprache
Einleitung
Man of Steel trat 2013 in eine Phase, in der das Superheldenkino nicht länger nur Unterhaltung, sondern auch kultureller Spiegel wurde. Die Neuinterpretation der bekanntesten Figur aus dem amerikanischen Comicschatz kam nicht zufällig zu einer Zeit, in der Fragen nach Macht, Sicherheit und medialer Deutung von Heldenfiguren neu verhandelt wurden. Als Filmereignis markiert Man of Steel weniger eine Rückkehr zu traditionellen Werten als eine Neubesichtigung des Mythos unter dem Druck gegenwärtiger Ängste.
Regie führte Zack Snyder, dessen visuelles Vokabular bereits in früheren Arbeiten einen Hang zur monumentalen Bildgestaltung, dramatischen Lichtsetzung und zur Verfestigung von Comic-Ästhetik im Kino erkennen ließ. In diesem Kontext verhandelt der Film nicht allein die Herkunft einer Legende, sondern auch die filmische Übersetzung kollektiver Sehnsüchte und Befürchtungen des frühen 21. Jahrhunderts. Die Entscheidung, den Stoff in einem ernsteren, fast dokumentarisch anmutenden Ton zu erzählen, steht für eine bewusste Geste der Zeitgenossenschaft.
Die Relevanz des Films ergibt sich daher nicht ausschließlich aus seinem Box-Office-Erfolg, sondern aus der Spannung, die er zwischen mythologischer Größe und konkreter Weltvernichtung aufbaut. Man of Steel ist weniger eine nostalgische Wiederholung als ein Versuch, den Superman-Mythos durch die Optik nacherlebbarer Gegenwart zu lesen - mit allen ästhetischen wie ethischen Konsequenzen, die daraus erwachsen.
Kurzüberblick zur Produktion
Man of Steel entstand unter dem Dach von Warner Bros. und wurde von einem hochbudgetierten Studioapparat getragen. Als Produzenten fungierten unter anderem Christopher Nolan und Emma Thomas, wodurch dem Projekt ein Hang zur ernsthaften, narrativen Fundierung verliehen wurde, der sich mit Snyders visuellem Überschwang verband. Das Budget des Films bewegte sich im Bereich großer Blockbusterproduktionen, was sich in aufwendigen visuellen Effekten und spektakulären Set-Pieces niederschlägt.
Die Produktionsumstände zeichneten sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Drehbuchautor David S. Goyer und einem breiten Team von Effektstudios aus. Diese Konstellation zielte darauf ab, die physischen Gesetzmäßigkeiten eines außerirdischen Superhelden glaubhaft in zeitgenössische Kriegs- und Katastrophenbilder zu übertragen. Zugleich verzeichnete die Postproduktion intensive Stimmen zur stilistischen Ausrichtung, was die Diskussion um Eingriffe in Tonfall und Schnitt nach der Premiere nährte.
Im Gesamtwerk Snyders nimmt Man of Steel eine Scharnierfunktion ein. Es verbindet die stilistische Monumentalität von früheren Arbeiten mit einem gesteigerten Interesse an narrativer Verdichtung und moralischer Ambivalenz. Der Film gilt als Ausgangspunkt für die spätere, intensivere Auseinandersetzung mit der Superman-Figur in nachfolgenden Studioproduktionen.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Henry Cavill steht in der Rolle des Kal-El/Clark Kent im Zentrum der Erzählung. Cavill, zuvor in Fernseh- und kleineren Filmrollen bekannt, übernimmt hier die Aufgabe, eine ikonische Figur in ihrer Menschlichkeit zu verankern. Seine Interpretation setzt weniger auf karikaturhafte Überhöhung als auf eine nüchterne, gedrungene Präsenz, die die Zerrissenheit der Figur betont.
Amy Adams verkörpert Lois Lane, die investigativ-pragmatische Gegengewichtsperson, deren Skepsis und moralische Klarheit den filmischen Blick auf die Welt des Protagonisten moderieren. Russell Crowe als Jor-El und Ayelet Zurer als Lara geben dem Ursprung des Helden Gewicht und pathosreiche Gravitas, während Kevin Costner und Diane Lane als Jonathan und Martha Kent die irdische, fürsorgliche Kontur der Identität bilden.
Michael Shannon als General Zod bringt eine rigorose, militärisch geprägte Gegenmacht ins Spiel, deren radikale Logik die ethischen Koordinaten der Handlung verschiebt. Laurence Fishburne tritt in der Rolle einer redaktionellen Autorität auf, während Christopher Meloni und Tahmoh Penikett militärische Repräsentanten spielen, die die Spannungen zwischen Staat, Sicherheit und individueller Verantwortung widerspiegeln. Antje Traue als Faora-Ul liefert zudem eine wichtige personifizierte Bedrohung mit körperlicher Präsenz und choreografischer Härte.
Handlung (spoilerfrei!)
Man of Steel erzählt die Herkunftsgeschichte eines übermenschlichen Wesens, das zwischen zwei Welten steht - seiner außerirdischen Herkunft und einem Adoptivleben auf der Erde. Der Film führt durch Stationen der Selbstfindung, konfrontiert seinen Protagonisten mit politischen und militärischen Machtstrukturen und stellt ihn vor die Frage, in welcher Form seine Fähigkeiten in einer verletzlichen menschlichen Gesellschaft wirken dürfen.
Der dramatische Konflikt entsteht aus der Kollision zweier Logiken: der Suche eines Einzelnen nach Identität und moralischer Orientierung und der geopolitischen Angst vor einem Andersartigen, das als mögliche Bedrohung begriffen wird. Zentral sind dabei die Figurenkonstellationen zwischen Mentorinnen und Mentoren, Adoptiveltern und antagonistischen Kräften, die zusammen die ethische Spannbreite des Films ausmachen. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen intimen Vater-Sohn-Momenten und großmaßstäblichen, visuell dichten Auseinandersetzungen, die den Film immer wieder in ein kriegerisches Vokabular überführen.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum stehen Fragen nach Identität, Verantwortung und der öffentlichen Lesbarkeit von Macht. Man of Steel stellt die klassische Heldenfrage neu: Was bedeutet es, übermenschliche Fähigkeiten in einer Welt einzusetzen, die selbst durch staatliche Gewalt und technologische Überwachung geprägt ist? Die Figur des Außenseiters fungiert zugleich als Einwandererfigur und als Projektionsfläche für kollektive Hoffnungen und Ängste.
Philosophisch verweist der Film auf das Spannungsverhältnis zwischen utilitarischer Effizienz und moralischer Integrität. Entscheidungen werden in einer Logik dringlicher Folgen abgewogen, während die Bildsprache die Heiligkeit und zugleich die Verletzlichkeit eines Mythos evoziert. Gesellschaftspolitisch lässt sich eine Reflexion über Angst vor dem Fremden, über Militarisierung als Reaktion auf Unsicherheit und über die Medialisierung von Heldentum lesen.
Motivisch arbeitet der Film mit Bildfeldern der Zerstörung, der Einsamkeit des Helden und ikonischen Vaterfiguren, die Normen und Narrative weitergeben. Ästhetisch wird das Thema durch eine kraftvolle, oft monumentale Bildgestaltung und eine dichte Klangwelt unterstützt, die den mythischen Kern der Figur in eine moderne, manchmal brutale Realität übersetzt. Dadurch ergibt sich eine Produktion, die weniger einfache Antworten liefert als ein komplexes Geflecht von Fragen - zur Natur des Helden, zur Verantwortung von Macht und zur Rolle des Kinos als ideengeschichtlichem Medium.
Filmkritik von Lukas Foerster
Überdimensioniert ist schon der Prolog: Eine gute halbe Stunde nimmt sich der neue Superman-Film Zeit für ein sphärisch-buntes Vorspiel auf dem Planeten Krypton, dessen Herrscherdynastie in eine Krise geraten ist und vom autoritären General Zod (Michael Shannon) bedroht wird. Kurz vor dem intergalaktischen Showdown gelingt es dem alten Herrscher Jor-El (Russell Crowe), seinen neugeborenen Sohn in die Weiten des Alls zu befördern, mit Kurs auf die Erde. Andere Filme hätten daraus höchstens ein paar nette Grafiken für die Titelsequenz gemacht – Zack Snyders Man of Steel erschafft einen kleinen Film im Film, eine hochdramatische Weltraumoper im Stil naiver Science-Fiction-Heftchen längst vergangener Jahrzehnte. Und wenn Man of Steel dem Krypton-Baby schließlich doch auf die Erde folgt, trifft er ihn gleich auf einem Fischerdampfer wieder, erwachsen, austrainiert, bärenstark und gleich im heldenhaften Einsatz auf hoher See: Eine Ölplattform kollabiert und droht zu explodieren, der bürgerlich Clark Kent gerufene Stahlmensch (diesmal verkörpert von Henry Cavill, der seine Sache ausgesprochen gut macht) wird in der Feuerbrunst zum lebendigen Stützpfeiler. Stahl ist legiertes Eisen; vielleicht formt sich in diesem Moment die Materie, die einmal Superman werden wird.
Der Hollywood-Blockbuster der Gegenwart ist die kapitalintensivste Form des Filmschaffens der ganzen Kinogeschichte: Jedes Jahr entstehen dutzendweise Effektspektakel, die Hunderte von Millionen Dollar verschlingen, und im Grunde selbst wie eigenständige, ausgewachsene Wirtschaftsunternehmen funktionieren. Nur sehr selten übersetzt sich dabei der ökonomische Exzess in einen ästhetischen, und ausgerechnet die zuletzt besonders erfolgreichen Superheldenfilme wirkten ziemlich gezähmt: Da dreht man schon Filme über Typen, deren Kräfte über jedes menschliche Maß hinaus reichen, hat dafür den fettesten Geldbeutel aller Zeiten zur fast völlig freien Verfügung – und heraus kommen doch wieder nur brav heruntererzählte, ironisch abgefederte Abenteuerfilmchen, die nicht nur vor ungeheuren Gefühlen, sondern komischerweise auch vor allzu knalligen Bildern zurückschrecken.
Zack Snyder dagegen, dessen immer schon außergewöhnliche Ambitionen sich hier zum ersten Mal zu einem wirklich großartigen Film fügen, knallt einem den Boden unter den Füßen weg. Schon deshalb passt es, dass man den ausgewachsenen Clark Kent nicht, wie in den zahllosen Comic- und Filmvorlagen, in einem Zeitungsbüro kennenlernt, sondern von Wellen durchschüttelt inmitten einer feindseligen Natur: Von Anfang an ist somit klar, dass es um die Erfahrung von Extremen geht. Passend dazu die dynamische, aber nie bloß hektische Handkamera, die den Bilderfluss nicht zur Ruhe kommen lässt: Man of Steel legt auch dem Zuschauer keine Sicherheitsgurte an, wirft ihn hin und her in der Welt, hin zum Nordpol zum Beispiel, wo er dem Geheimnis von Kents Herkunft auf die Spur kommt; wirft ihn aber auch vor und zurück in der Zeit, zurück in seine Kindheit nach Kansas zum Beispiel, wo er im amerikanischsten aller denkbaren Elternhäuser aufgewachsen ist. Dabei konfrontiert Snyder uns mit einer Supermensch gewordenen Wucht, für deren angemessene Wahrnehmung dem Normalmensch mindestens ein Organ zu fehlen scheint.
In älteren Versionen des Superman-Mythos ging es vor allem darum, dass der Held durch die Gegend fliegt, schnell natürlich, aber trotzdem fast entspannt. Am jeweiligen Ziel angekommen konnte er seine Gegner dann mit ein paar Faustschlägen und der Unterstützung einiger harmloser Spezialeffekte ausschalten. Snyders Superman dagegen fliegt nicht, er schießt – und zwar sich selbst, als Waffe und Geschoss zugleich, knallt gegen seine Widersacher (vor allem gegen den sich bald ebenfalls auf der Erde einfindenden Zod), knallt durch immer abgehobenere Fantasywelten, und knallt am Ende dann doch wieder das gute alte Chicago kurz und klein. Und zwar in einer Manier, die – ein für die zweite Hälfte des Films offensichtlicher Vergleich – Michael Bay vor Neid erblassen lassen dürfte. Dessen Materialschlachten blieben schließlich stets noch einem fast altmodisch anmutenden Jahrmarktsgedanken verhaftet: Hauptsache grell, laut, schnell, von allem und für jeden etwas. Man of Steel dagegen ist ein genuin manischer Film, der von seiner Hauptfigur regelrecht besessen ist, und der deshalb nichts und niemanden neben ihr bestehen lassen kann. Nicht Zor, nicht Chicago, nicht die arme Louis Lane (Amy Adams), die bei aller Bemühung mit dem Objekt ihrer Begierde nicht im Geringsten Schritt halten kann, nur gerade noch so, dass es für einen ersten Kuss und das Verspechen auf ein Sequel reicht.
Fazit
Der beste aller bisherigen amerikanischen Superheldenfilme findet endlich eine angemessene Form – nicht nur für den Comic-Mythos, der ihm zugrunde liegt, sondern auch für die ökonomische Form des Blockbusters: Wenn schon Geld in die Luft jagen, dann wenigstens so gründlich, dass man die Explosion auch noch drei Galaxien entfernt mitbekommt.
Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger
Die Geschichte beginnt auf Supermans Heimatplaneten Krypton, der dem Untergang geweiht ist. Wissenschaftler Jor-El (Russell Crowe) sieht als Einziger die Ausweglosigkeit der Situation und schickt seinen neugeborenen Sohn in einem Raumschiff zur Erde, um das Überleben ihrer Art zu sichern. Das sieht der Krieger General Zod (Michael Shannon) gar nicht gerne und auch wenn es ihm nicht gelingt, den Abflug des Säuglings zu verhindern, so schwört er doch blutige Rache. Etwa 25 Jahren später ist Clark Kent (Henry Cavill), wie der kleine Junge vom Planeten Krypton nun heißt, zu einem Mann herangewachsen, der sich auf Grund seiner besonderen Fähigkeiten jedoch von der Gesellschaft isoliert. Dies ändert sich schlagartig, als die Journalistin Lois Lane (Amy Adams) ihm auf die Schliche kommt. Während er diese Gefahr noch abwenden kann, droht bald eine viel ernstere Bedrohung: Zod hat ihn auf der Erde ausfindig gemacht und strebt die Vernichtung der gesamten Menschheit an, um ein neues Krypton zu errichten. Clark muss eine Entscheidung treffen: Ist er ein Mensch und verteidigt die Erde gegen die Invasoren oder ist das neue Krypton auch seine Heimat?
Drehbuchautor David Goyer, der von niemand Geringerem als Christopher Nolan unterstützt wurde, gibt uns hier nicht einen Einblick in die früheste Kindheit Supermans. In kurzen Rückblinden zeigt er auch die Schwierigkeiten, mit denen sich der kleine Clark auf Grund seiner Andersartigkeit auseinandersetzen musste. Vor allem aber findet er ganz neue Antworten auf die brennenden Fragen, woher Supermans Anzug stammt und was eigentlich das S auf seiner Brust bedeutet. Bei der Dramaturgie haben sich die Autoren ein wenig zu sehr auf die - zugegebener Maßen gelungene - Action verlassen. Spannung entsteht in „Man of Steel“ weniger durch die Erzählung als durch Explosionen und kämpferische Auseinandersetzungen.
Mit der Ausarbeitung der Charaktere wurde sich augenscheinlich viel Mühe gegeben. Die Hauptfiguren verfügen über differenzierte Persönlichkeiten, die stets sowohl Schwächen als auch Stärken beinhalten. Lois Lane ist nicht nur die klassische „damsel in distress“, sie ist überaus taff und tatkräftig und schießt damit zuweilen gar über das Ziel hinaus. Im Laufe der Geschichte muss sie erkennen, dass es noch höhere Ziele gibt, als eine packende Story zu verkaufen. Selbst General Zod ist kein eindimensionaler Bösewicht. Zuweilen kann der Zuschauer mit dessen verzweifelter Mission, die verlorene Heimat wieder aufzubauen, gar Sympathie empfinden. Bedauerlicher Weise ist es ausgerechnet Superman, dessen Charakterisierung weniger gut gelungen ist. Seine Unbesiegbarkeit ist selbstverständlich in der Comicvorlage begründet. Doch leider gelingt es Goyer und Nolan nicht, diese Übermacht durch kleinere Schwächen auszugleichen. Clark Kent ist mutig, stark und vor allem moralisch integer. Den in der Handlung angelegten Loyalitätskonflikt bewältigt er viel zu schnell. Seine Figur generiert schlichtweg zu wenig Tragik, um beim Publikum Mitgefühl auszulösen. Doch ebenso wie der Bösewicht auch eine sympathische Komponente braucht, um überzeugen zu können, muss auch der Held zuweilen einmal in Ungnade fallen oder doch zumindest anecken, um als ganzer Mensch zu erscheinen, mit dem sich der Zuschauer identifizieren möchte. In Zach Snyders Version jedoch, ist Clark Kent Superman durch und durch. Ohne jeden Makel gibt es kein Problem, das er nicht zu lösen imstande wäre. Das lässt ihn so künstlich erscheinen, dass wir Lois Lanes amouröse Begeisterung für den Helden nur schwer nachvollziehen können.
An Henry Cavill liegt es nicht, dass Clark Kent nicht überzeugt. Der Hauptdarsteller scheint wie für diesen Part gemacht und steht den prominenten Nebendarstellern wie Kevin Costner, Laurence Fishburne und Diane Lane in nichts nach. Seine Physis kommt Cavill bei der Verkörperung des Superhelden definitiv entgegen, doch es wäre ungerecht seine Überzeugungskraft nur auf seinen Bizeps zurückzuführen. Auch wenn Henry Cavill wohl nie in die Oberliga renommierter Charakterdarsteller aufsteigen wird, lässt sich hier definitiv von einer soliden Leistung sprechen.
Weniger solide ist bedauerlicher Weise die Inszenierung. Die Arbeit mit der Handkamera ist eine Fehlentscheidung Zach Snyders. Was Realitätsnähe suggerieren soll, mag sich einfach nicht in das Genre der Comicverfilmung und die damit verbundenen Unwahrscheinlichkeiten fügen. Zudem verschenkt Snyder durch die Handkamera das Potential der 3D Technik, die auf diese Weise natürlich nur im Nachhinein ergänzt werden konnte. So bleibt die dritte Dimension hier leider ein weitgehend funktionsloses Gimmick. Das haben wir in anderen Actionfilmen schon deutlich besser gesehen!
Wo die Kamera versagt, überzeugen die Kulissen. Die Kombination aus Modellbau und Computertechnik sowie der sparsame Einsatz von Greenscreens zu Gunsten von realen Drehorten lässt beim Zuschauer niemals den Geringsten Zweifel an den Bildern aufkommen. Na gut: Wenn Superman wie ein Torpedo über Landschaften fegt, dann mag das manchmal ein wenig unfreiwillige Komik entfalten, doch insbesondere die außerirdischen Settings überzeugen mit ihrer Liebe zum Detail. Sogar eine eigene Sprache mit entsprechenden Schriftzeichen wurde eigens für den Film entwickelt. An dieser Stelle ist es jedoch ein großer Wermutstropfen, dass die Bewohner Kryptons statt dieser Sprache durchgehend Englisch sprechen.
Hier zeigt sich das größte Problem des Films. Auf der einen Seite versuchen die Handkamera und die komplexen Nebencharaktere die Illusion eines fehlplatzierten Realismus zu erschaffen. Gleichzeitig aber brechen der eindimensionale Held, kleinere Logikfehler und das fließende Englisch der Außerirdischen immer wieder diese Illusion und erinnern daran, dass es sich hier eben doch „nur“ um eine Comicverfilmung handelt. Fans des großangelegten Actionkinos werden an „Man of Steel“ trotz allem ihre Freude haben. Den Kultstatus der Hauptfigur kann Zach Snyders Verfilmung jedoch vermutlich nicht erreichen.
