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Money Monster

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kritiken.de Redaktion 26.05.2016
Money Monster© Sony Pictures Germany
A ca. 1329 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Money Monster - Das Inszenieren von Schuld und Aufklärung im Zeitalter der Finanzmedien

Einleitung

Money Monster tritt in eine Gegenwart, in der Finanzmärkte und Medien nicht mehr nur parallel existieren, sondern sich wechselseitig produzieren. Der Film verhandelt die Schnittmenge von ökonomischer Abstraktion und medialer Sichtbarkeit und tut dies mit der Absicht, nicht nur einen Thriller zu erzählen, sondern ein Reibefeld zwischen Verantwortung, Publikumserwartung und öffentlicher Mythologie zu eröffnen. Diese Relevanz ergibt sich weniger aus der Aktualität eines einzelnen Skandals als aus dem fortgesetzten Zweifel an Institutionen, die Alltagserfahrungen in Zahlen übersetzen.

Aus filmhistorischer Perspektive ist Money Monster auch deshalb bedeutsam, weil er von einer Regisseurin stammt, deren Karriere sich zwischen Schauspiel und Regie zugunsten einer präzisen, oft psychologisch fokussierten Handschrift bewegt hat. Das Projekt verschiebt ihr Werk in Richtung einer performativen Gegenwartsdiagnose, die weniger im Intimen verharrt als eher das Set als Bühne begreift, auf der ökonomische Dramen öffentlich ausgehandelt werden.

Der Film ist zugleich ein Spiegel für den gegenwärtigen Zeitgeist: Misstrauen gegen Experten, mediale Beschleunigung und die Suche nach greifbaren Verantwortlichen in einem System, das zunehmend entpersonalisiert erscheint. Money Monster macht daraus keine einfache Anklage; er provoziert die Frage, wer in der Kette von Akteur, Meinungsmacher und Markt zur Rechenschaft gezogen werden kann - und wie die Kamera diese Schuld sichtbar macht.

Kurzüberblick zur Produktion

Money Monster wurde 2016 als Hollywood-Thriller produziert und brachte prominente Namen vor und hinter die Kamera zusammen. Regie führte Jodie Foster, deren filmische Handschrift eine Kombination aus präziser Darstellerführung und einem Hang zur analytischen Inszenierung ist. In ihrer Regiearbeit zeigt sich hier eine Neigung zu eng geführten, theatralischen Settings, die psychologische Spannung in realzeitlichen Abläufen und öffentlichen Konfrontationen erzeugen.

Die Produktion positioniert sich als Studiofilm mit hochkarätiger Besetzung und entsprechender Ausrichtung auf ein internationales Publikum. Auffällig ist die Ökonomie der Mittel im Dienst einer dichten, oft klaustrophobischen Atmosphäre: Ein Großteil der dramatischen Energie entfaltet sich auf dem begrenzten Raum eines Fernsehstudios und in der Live-Übertragung, was den Eindruck einer minutiös choreografierten Medienperformanz verstärkt. Damit steht Money Monster in einer Reihe von Arbeiten, die das Fernsehen selbst als Ort der Spannung begreifen.

Innerhalb des Gesamtwerks der Regisseurin markiert der Film einen strategischen Schritt - weg von intimeren, psychologisch orientierten Charakterstudien hin zu einer politisierten, medienkritischen Erzählform. Die Entscheidung, ein so gegenwartsbezogenes Thema zu behandeln, verweist auf den Drang, filmische Mittel zur Kommentierung öffentlicher Debatten einzusetzen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

George Clooney tritt hier in die Rolle eines markanten Mediengesichts - einer Person, die Expertise mit Entertainerqualitäten verbindet. Clooneys lange Karriere, von der Fernsehserie über große Hollywoodproduktionen bis zu politisch aufgeladenen Rollen, bringt eine ausgeprägte Star-Agenda mit sich, die im Film gezielt ironisiert und zugleich instrumentalisiert wird: Sein Charisma wird zum Element der Dramaturgie, das Vertrauen und Distanz gleichzeitig evoziert.

Julia Roberts bewegt sich als Produzentin hinter den Kulissen und bringt eine Praxis- und Vernunftgestalt in das Gefüge ein. Ihr öffentliches Image als wandlungsfähige, kompetente Darstellerin wird genutzt, um die Gratwanderung zwischen redaktioneller Verantwortung und ökonomischem Druck zu beleuchten. Die Besetzung ist nicht zufällig - Roberts fungiert als Stabilitätsanker in einer Welt, die Stabilität nur noch simuliert.

Jack O'Connell spielt die Figur, die den Konflikt ins Zentrum rückt: ein Individuum, dessen Verhältnis zu den Märkten und deren Repräsentation eskaliert. O'Connell, bekannt aus intensiven, körperlichen Darstellungen in Werken wie Unbroken, liefert hier eine rohere, unmittelbarere Energie, die als Kontrast zur polierten Medienwelt wirkt. Unterstützt wird das Ensemble durch eine Reihe von Charakterdarstellern, die unterschiedliche Facetten des Systems repräsentieren - Analysten, Technikerinnen, PR-Profis - und so ein Mikrokosmos entstehen lassen.

Handlung (spoilerfrei!)

Money Monster entfaltet seine Spannung in einem engen zeitlichen Rahmen: Ein Finanzsender, eine Live-Sendung und eine unerwartete Konfrontation zwischen einem verzweifelten Zuschauer und den Verantwortlichen der Sendung bilden die zentralen Elemente. Die Erzählung fokussiert auf das unmittelbare Geschehen - die Übertragung, die Reaktion der Redaktion, die Dynamik zwischen Geisel und Geiselnahme - ohne die Auflösung vorwegzunehmen.

Der dramatische Konflikt wird aus dem Zusammenprall zweier Wissensformen gespeist: abstraktes ökonomisches Wissen, das in Kursen und Charts manifestiert ist, und die persönliche Erfahrung eines Verlustrisikos, das sich nicht in Zahlen fassen lässt. Zentrale Figuren sind der mediale Experte, die Produzentin und der Zuschauer, deren Interaktionen die moralischen und narrativen Spannungen des Films erzeugen. Tonal bewegt sich Money Monster zwischen nüchternem Thriller und aufgeladenem Kammerspiel, wobei die Atmosphäre durch die ständige Präsenz von Kameras und Bildschirmoberflächen geprägt ist.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Verantwortung - moralischer, professioneller und institutioneller Art. Wer trägt Verantwortung für eine falsche Prognose, für einen Vertrauensverlust, für die Verschiebungen, die Menschen existenziell treffen? Money Monster lotet die Ambivalenz von Schuld und Sühne in einer Welt aus, in der Ursachen oft im Verborgenen liegen und Entscheidungen kollektivem Handeln entspringen.

Ein weiteres Motiv ist die Medialität des Wissens: Der Film untersucht, wie Information durch Formate, Gesichter und Zeitfenster vermittelt wird und welche Effekte dies auf Wahrnehmung und Handeln hat. Die Live-Übertragung steht symbolisch für die Unmittelbarkeit, in der komplexe Systeme plötzlich persönliche Dramen werden. Dies führt zu einer Reflexion über Authentizität, Inszenierung und den performativen Charakter moderner Öffentlichkeit.

Schließlich verhandelt Money Monster die Kluft zwischen Abstraktion und Lebenskosten: Finanzielle Mechanismen wirken wie entfernte Prozesse, bis sie konkret werden - dann erweisen sie sich als geradezu physisch wirksam. Der Film macht sichtbar, dass die Ökonomie nicht nur Zahlen, sondern Geschichten erzeugt - und dass diese Geschichten, wenn sie medial aufgeladen werden, zu Instrumenten politischer und moralischer Auseinandersetzung werden.

Filmkritik von Peter Osteried

Ist das Geld das Monster – oder die Menschen, die danach gieren?

So häufig nimmt sich Jodie Foster eines Films gar nicht an. Wenn sie aber dann mal auf dem Regiestuhl Platz nimmt, dann kommt in der Regel auch ein sehenswertes Produkt heraus. Im Bestfall ist es sogar ein Genie-Streich, aber davon ist Money Monster dann leider doch weit entfernt – weil das Drehbuch die nötige Grundlage hierzu nicht bietet.

TV-Moderator Lee Gates (George Clooney) ist mit seiner Finanz-Show ein Star im Fernsehen – und genießt den Ruf, in Gelddingen ein Genie zu sein. Wenn er eine Aktie in seiner Show empfiehlt, dann ist das für seine Zuschauer immer ein guter Deal. Damit kann man Geld verdienen. Doch dann empfiehlt er eine High-Tech-Aktie, deren Kurs gleich im Anschluss rasant stürzt und unzählige Anleger ruiniert. So auch Kyle Budwell (Jack O’Connell), der daraufhin im Studio auftaucht und Gates und sein Team live on air als Geiseln nimmt.

Money Monster wurde von gleich drei Autoren geschrieben. Es wäre vermessen, hier von den vielen Köchen zu sprechen, aber man merkt dem Streifen schon an, dass hier verschiedene Kräfte am Werk waren. Geeint wurden sie vor allem dadurch, dass sie alle offenbar dieselben Inspirationsquellen hatten. Man fühlt sich unwillkürlich an zwei Klassiker von Sidney Lumet aus den 1970er Jahren erinnert: an die Mediensatire Network und den Geiselfilm Dog Day. Ein wenig mutet Jodie Fosters Werk wie ein Amalgam aus diesen an, allerdings erreicht er nie deren Brillanz.

Das liegt vor allem daran, dass Money Monster etwas zerfällt. Die erste Hälfte ist großartig, und das nicht nur wegen der in den Bann ziehenden Prämisse, sondern auch, weil hier das Zusammenwirken von Medien und Geschäftswelt unter die Lupe genommen wird. An eine Verschwörung zu glauben, fällt da leicht, weswegen man dem verzweifelten Geiselnehmer auch durchaus Sympathie entgegenbringt. Auf Basis dieses starken Anfangs hätte Money Monster zu mehr, zu einem wirklich wichtigen Film werden können. Aber dann zerfällt die Geschichte. Immer mehr orientiert sie sich in Richtung eines gewöhnlichen, ja geradezu ordinären Thrillers, während zudem die melodramatischen Elemente stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Das ist Erzählen auf dem größten gemeinsamen Nenner, eine Verbeugung vor dem Mainstream, die helfen soll, Kinotickets zu verkaufen, aber der Film, der eigentlich in dieser Geschichte steckt, wäre weit spannender, packender und auch aussagekräftiger gewesen. Dementsprechend ist es schade, dass nun eben „nur“ ein solider, ordentlicher Thriller herausgekommen ist, der auch dadurch zu überzeugen weiß, dass das Ensemble bis in die kleinsten Nebenrollen exzellent ist. Als Unterhaltungsfilm funktioniert das Ganze gut, man betrauert nur das, was dieser Film eigentlich hätte sein können.

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