Jurassic World: Das gefallene Königreich
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Jurassic World: Das gefallene Königreich

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Inhalt:
  1. Jurassic World: Das gefallene Königreich - Vom Rückprall der Natur zur Inszenierung des Risikos
    1. Einleitung
    2. Kurzüberblick zur Produktion
    3. Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
    4. Handlung (spoilerfrei!)
    5. Zentrale Themen und Motive
  2. Filmkritik von Christopher Diekhaus

Jurassic World: Das gefallene Königreich - Vom Rückprall der Natur zur Inszenierung des Risikos

Einleitung

Jurassic World: Das gefallene Königreich stellt sich nicht nur als weiteres Kapitel einer der commerziell erfolgreichsten Filmreihen des Spätkapitalismus dar, sondern als ein Stück Popkultur, das fortschreitende Fragen nach Verantwortung, Eigentum und medialer Aufbereitung von Bedrohung neu verhandelt. Der Film tritt in eine Zeit, in der Diskussionen um Biodiversität, genetische Technik und die Folgen menschlichen Eingreifens in natürliche Systeme sichtbarer geworden sind - und übersetzt diese Debatten in die Sprache des Großkinos.

Als Fortsetzung des 2015er-Revivalfilms Jurassic World verbindet der Film Franchise-Ökonomie mit einer gröberen, teils gothisch angehauchten Bildsprache. Die Relevanz liegt weniger in origineller Erzählung als in der Frage, wie ein Blockbuster die Spannung zwischen Sensationsästhetik und ethischer Reflexion hält - und welche filmischen Mittel er wählt, um dieses Spannungsverhältnis auszustellen.

Die Wahl des Regisseurs und der Produktionsentscheidungen prägen diese Intention merklich. Mit einem Regisseur, der in vorherigen Arbeiten bereits eine Neigung zu emotionaler Dichte und atmosphärischer Verdichtung gezeigt hat, verändert sich der Ton der Reihe zugunsten einer dunkleren, melancholischeren Note. Der Film liest sich somit als Versuch, Franchise-Maschine und Autorenhandschrift zu koppeln - eine Gratwanderung zwischen Massentauglichkeit und feuilletonistischer Form.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte J. A. Bayona, der sich zuvor mit Filmen wie The Orphanage und A Monster Calls ein Profil als Regisseur mit Hang zu emotional aufgeladenen, visuell ausdrucksstarken Bildern erarbeitet hatte. Seine Handschrift - eine Kombination aus klaustrophober Bildkomposition, sorgfältig choreografierten Emotionalmomenten und einer Vorliebe für düstere, beinahe gotische Räume - wirkt im Kontext eines Hollywood-Blockbusters ungewohnt, aber nicht fremd.

Die Produktion stand unter dem Banner der klassischen Franchise-Maschine - Studios wie Universal Pictures in Kooperation mit Amblin Entertainment sorgten für die finanziellen und logistischen Rahmenbedingungen. Das Projekt operierte mit einem typischen Blockbusterbudget - im Bereich hoher zweistelliger bis niedriger dreistelliger Millionenbeträge - und setzte massiv auf visuelle Effekte, aufwendiges Szenenbild und technische Postproduktion. Die Zusammenarbeit großer VFX-Studios und die Einbindung etablierter Franchise-Produzenten prägten den Entstehungsprozess.

Innerhalb des Gesamtwerks markiert der Film die zweite Phase der Jurassic-Reboot-Ära - nicht nur als Fortsetzung, sondern als Verschiebung der Tonalität. Er fungiert weniger als bloße Fortführung vergangener Attraktionen, vielmehr als Versuch, die mythologische Struktur der Reihe - Menschen gegen wiederkehrende Urzeitwesen - um Fragen nach Folgen, Verantwortung und Ökonomie zu erweitern.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Bryce Dallas Howard kehrt in der Rolle der Claire Dearing zurück, einer Figur, die seit dem Reboot von einer primär karrieristischen Managerin hin zu einer ambivalenteren, moralisch reagierenden Protagonistin geformt wurde. Howard bringt die Fähigkeit mit, einen inneren Wandel mit kontrollierter Gestik und präziser Mimik zu markieren - Qualitäten, die im Zusammenspiel mit Bayonas direktionaler Intention besonders sichtbar werden.

Chris Pratt übernimmt erneut die Rolle des Owen Grady, des pragmatischen Tierpflegers und Trainers mit militärischem Hintergrund. Pratts populäre Präsenz - gebildet aus komödiantischer Leichtigkeit und Action-Physikalität, bekannt aus Formaten wie Parks and Recreation und dem Marvel-Universum - vermittelt dem Charakter eine unkomplizierte Verlässlichkeit, die als Gegenpol zu den institutionellen Interessen der Handlung fungiert.

Die Besetzung setzt auf Kontinuität innerhalb des Franchise. Die Szenen, in denen Howard und Pratt agieren, sind weniger vom Starvehikel im klassischen Sinne als von der Arbeit an Beziehungskonflikten und ethischen Dilemmata geprägt - ihre Figuren dienen als Vermittler zwischen Publikumsperspektive und den filmisch ausgestellten Machtmechaniken.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne in Details zu verfallen, lässt sich die Prämisse des Films so skizzieren: Nach den katastrophalen Ereignissen des Vorgängers steht eine Insel mit neu erschaffenen oder wiedererweckten Geschöpfen vor einer existenziellen Bedrohung. Die Handlung entspinnt sich aus einem moralisch aufgeladenen Rettungsauftrag, der schnell zwischen humanitären Motiven, wissenschaftlichem Forscherdrang und wirtschaftlichen Interessen oszilliert. Diese Konstellation bildet den dramatischen Kern des Films.

Die zentrale Spannung entsteht durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Akteursgruppen - Menschen, die Tiere schützen wollen, und solche, die sie instrumentalisieren möchten - sowie durch die sich daraus ergebenden praktischen Gefahren. Die Figuren agieren in einem Klima von Unsicherheit und Eskalation, in dem Entscheidungen unmittelbare, oft irreversible Konsequenzen haben.

Ton und Atmosphäre bewegen sich zwischen opernhaftem Pathos, klaustrophobischer Bedrohung und visueller Opulenz. Der Film setzt auf lange, inszenierte Tableaus ebenso wie auf verdichtete Actionsequenzen, ohne sich ausschließlich auf eine der beiden Formen zu stützen.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum steht die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Nichtmenschlichen - ein Thema, das biologisch, moralisch und ökonomisch verhandelt wird. Der Film stellt implizit die Frage, was es bedeutet, Lebewesen als Eigentum, als Forschungssubjekt oder als mediales Spektakel zu begreifen. Daraus resultieren weiterreichende Überlegungen zur Biopolitik, zur Regulierung von Forschung und zur Grenzziehung zwischen menschlicher Hybris und naturgesetzlicher Vulnerabilität.

Motivisch arbeitet der Film mit Bildern von Zerfall und Wiedererweckung, mit dem Kontrast von luxuriösen, kontrollierten Räumen und entgrenzter Wildnis. Feuer, Ruinen und architektonische Monumente fungieren als visuelle Metaphern für einen Zustand nach der Gewissheit - ein Anthropozän, in dem die Folgen menschlicher Eingriffe sichtbar und oft nicht mehr rückgängig zu machen sind. Die Inszenierung fragt auch nach der Rolle von Erinnerung und Trauma - sowohl kollektiver als auch individueller Natur - und nach der Art, wie Bilder von Gefahr medial vermittelte Angst formen und ökonomisch verwerten.

Schließlich operiert der Film auf einer zweiten Ebene als Reflexion über das Kino selbst: Was bedeutet es, Gefahr zu inszenieren? Wie wird Mitgefühl erzeugt und wie wird es instrumentalisiert? Die Verbindung von Spektakelästhetik und moralischer Anspruchsform macht Jurassic World: Das gefallene Königreich zu einem Feld, in dem Fragen moderner Verantwortung ins Bild gesetzt werden - ohne einfache Antworten, aber mit einem klaren Bewusstsein für die Dimensionen des Problems.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Dinos am Scheideweg

Weit über 1,6 Milliarden Dollar spülte das von Colin Trevorrow („The Book of Henry“) inszenierte Dino-Abenteuer „Jurassic World“ 2015 in die Kinokassen und schwang sich damit nach Einspielergebnissen zum fünfterfolgreichsten Spielfilm aller Zeiten auf. Selbst eingefleischte Branchenkenner staunten über den Siegeszug des vierten Kapitels der „Jurassic Park“-Reihe, die 1993 von Steven Spielberg mit einem vor allem in tricktechnischer Hinsicht wegweisenden Abenteuerstreifen ins Leben gerufen wurde. Trevorrow zauberte eine kurzweilige Mischung aus Fortsetzung und Neustart aus dem Ärmel, konnte sich von einigen dämlichen Klischees und Blockbuster-Einschränkungen allerdings nicht freimachen und lieferte unter dem Strich einen passablen, aber sicher nicht bahnbrechenden Popcorn-Actioner ab. Während der Kalifornier als Drehbuchautor und ausführender Produzent auch am Folgeprojekt beteiligt war, übernahm Juan Antonio Bayona das Regiezepter, was emotional mitreißende Spektakelunterhaltung zu versprechen schien. Immerhin stellte der Spanier mit seiner vorangegangen Arbeit, der Romanadaption „Sieben Minuten nach Mitternacht“, eindrucksvoll unter Beweis, dass Spezialeffekte und eine anspruchsvolle Geschichte durchaus Hand in Hand gehen können. Den hohen Erwartungen wird der Filmemacher, der 2007 mit „Das Waisenhaus“ debütierte, nicht gerecht. Zu einer großen Enttäuschung mutiert der von ihm verantwortete „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ aber ebenso wenig.

Drei Jahre nach der Aufgabe des gigantischen Dinosaurier-Freizeitparks auf der im Pazifik gelegenen Isla Nublar haben es sich die Urzeitechsen in der Wildnis ohne eine ordnende menschliche Hand bequem gemacht. Als jedoch ein Vulkan auf dem Eiland aktiv wird und auszubrechen droht, entbrennt eine Diskussion über den Umgang mit den Tieren. Soll man sie retten oder ihrem Schicksal überlassen? Die ehemalige Einrichtungsmanagerin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) setzt sich leidenschaftlich für den Schutz der Dinos ein und ist erfreut, dass Benjamin Lockwood (James Cromwell), der frühere Geschäftspartner des ersten Jurassic-Park-Gründers John Hammond, ihre Ansichten teilt und die dem Tod geweihten Riesenechsen evakuieren lassen will. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund, dem Velociraptoren-Spezialisten Owen Grady (Chris Pratt) bricht sie zur Isla Nublar auf, wo jedoch eines schnell deutlich wird: Irgendjemand scheint mit den Sauriern andere, ungeheuerliche Pläne zu verfolgen.

Nach Sichtung der „Jurassic World“-Fortsetzung drängt sich der Verdacht auf, dass das menschliche Allmachtsstreben und die schrankenlose Genmanipulation langsam, aber sicher keine ergiebigen Erzählmotoren mehr sind. Bayona und die Drehbuchautoren Trevorrow und Derek Connolly begnügen sich mit einigen Stichworten und einer Stippvisite des schon im Ursprungsteil auftretenden Chaostheoretikers Ian Malcolm (Jeff Goldblum), der den moralischen Zeigefinger schwingen darf. Viele Handlungselemente sind dem Kenner des Vorgängers bestens vertraut. Und noch dazu legt das Skript in manchen Momenten eine ärgerlich bequeme Haltung an den Tag, wenn es darum geht, die Protagonisten aus brenzligen Situationen zu manövrieren. Exemplarisch für die manchmal etwas unbeholfene Erzählführung ist auch die viel zu beiläufig eingebundene Offenbarung rund um Lockwoods Enkeltochter Maisie (Isabella Sermon), deren emotionale Sprengkraft komplett verschenkt wird.

Zeichnete Bayona im Fantasy-Drama „Sieben Minuten nach Mitternacht“ noch erstaunlich präzise und sensible Charakterbilder, muss der Spanier hier mit Stereotypen vorliebnehmen, was sowohl für Claire, Owen und ihre Helfer Zia Rodriguez (Daniella Pineda) und Franklin (auf die comic-relief-Funktion reduziert: Justice Smith) als auch für die in Stellung gebrachten Gegenspieler gilt. Sonderlich einprägsam ist keine der Figuren, wobei man lobend erwähnen muss, dass die Macher zumindest ein wenig aus der um „Jurassic World“ entbrannten Sexismus-Debatte gelernt haben. Stapfte die karrieristisch gezeichnete Claire dort die ganze Zeit in Stöckelschuhen durch unwegsames Terrain und war ständig auf die Hilfe des zupackenden Velociraptoren-Trainers angewiesen, darf sie nun bequemeres Schuhwerk tragen und kann etwas häufiger eigene Akzente setzen. Von echter Gleichberechtigung ist „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ allerdings noch ein Stück entfernt.

Auch wenn der Regisseur manche Momente zu sehr mit Pathos auflädt, tröstet seine insgesamt souveräne, temporeiche Inszenierung über einige Handlungsschwächen hinweg. Bayona versteht es, Actionpassagen wie den Vulkanausbruch auf der Isla Nublar wuchtig zu orchestrieren, nutzt die Möglichkeiten seines üppigen Budgets für beeindruckende Effekte und lässt immer wieder sein Gespür für eine unheimliche Atmosphäre aufblitzen. Schon der düstere Einstieg zehrt mit seinen Schattenspielen an den Nerven des Publikums, das regelmäßig kleine Schocks über sich ergehen lassen muss. Die Affinität des Spaniers zum Horrorkino zeigt sich nicht zuletzt in der zweiten Filmhälfte, die vorwiegend in Lockwoods riesigem, verwinkeltem Anwesen spielt und entfernt an ein Spukhausszenario erinnert. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die dynamische Kameraarbeit von Óscar Faura, die sich zuweilen spannungsfördernd auswirkt. Rollt nach einem etwas zu lang geratenen Showdown schließlich der Abspann über die Leinwand, weiß man nicht so recht, ob man sich auf den bereits angekündigten nächsten „Jurassic World“-Beitrag freuen oder eher skeptisch sein soll.