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Das Böse

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kritiken.de Redaktion 31.05.2018
Das Böse© Bildrechte beim jeweiligen Verleiher / Promotional Material (siehe Impressum)
A ca. 1341 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Das Böse - Retro-Genese und ritualisiertes Grauen in zeitgenössischem Horrorkino

Einleitung

Dass ein Film wie Das Böse im Jahr 2018 erscheint, liest sich als bewusste Rückwendung zu einer bestimmten Tradition amerikanischen Horrorkinos: Nicht das splatterhafte Spektakel, sondern das langsame Hervortreten des Unheimlichen, getragen von Figuren mit Genregeschichte. Die Besetzung mit Namen, die in den Köpfen von Genrefans eine eigene Ikonografie tragen, macht den Film zu einem kulturgeschichtlichen Knotenpunkt - er behauptet sich als Kommentar über Erinnerung, Autorenschaft und die fortdauernde Attraktivität eines archaischen Schreckensbildes.

Rezeptionell relevant ist Das Böse vor allem wegen seiner Reflexion über Alter und Vermächtnis im Horrorgenre. In einer Zeit, in der Remakes, Reboots und Fortsetzungen die Kinosäle prägen, interessiert hier weniger die bloße Nostalgie als die Auseinandersetzung mit der Präsenz alter Figuren und dem Gewicht ihrer Implikationen. Das Werk fordert dazu auf, das Genre nicht nur als Effektmaschine, sondern als Speicher kultureller Angst zu lesen.

Stilistischer Bezug und Einordnung in die Handschrift, die sich durch das Werk des Regisseurs zieht, lassen sich weniger über personalisierte Autorenmythen als über formale Entscheidungen beschreiben: ein langsamer Rhythmus, starke Arbeit mit negativen Räumen, die Betonung von Klang und Schweigen als atmosphärische Träger. In diesem Sinne liest sich Das Böse weniger als Einzelstück und mehr als Episode einer anhaltenden Debatte darüber, wie Horror Erinnerung, Körper und Gemeinschaft verhandelt.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Produktion von Das Böse folgt der Logik vieler gegenwärtiger Independent-Horrorfilme - ein überschaubares Budget, ein klares inhaltliches Konzept und die bewusste Verpflichtung von Darstellern, die den Film mit einer bereits existierenden Aura aufladen. Solche Entscheidungen erlauben eine Fokussierung auf Atmosphäre und Figurenanmutung statt auf kostspielige Effektschlachten. Die visuelle Palette setzt häufig auf gedämpfte Farben, klaustrophobische Innenräume und pointierte Kameraeinstellungen, die mehr andeuten als zeigen.

Eine erkennbare Handschrift des Films liegt in der Präzision des Klangs und der Montage: Geräusche werden nicht nur begleitet, sondern als narrative Signale verwendet, Schweigen erhält Bedeutung und der Schnitt verweigert oft die klare, konventionelle Auflösung. Als Stellung im Gesamtwerk des beteiligten kreativen Teams fungiert Das Böse als Brückenschlag zwischen klassischen Genreformen und einer zeitgenössischen, reflexiven Herangehensweise an Horror - ein Film, der sich als Dialog mit der eigenen Vergangenheit versteht.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung ist programmatisch: A. Michael Baldwin, Bill Thornbury, Reggie Bannister und Angus Scrimm sind Namen, die im Horrorgenre bereits geläufig sind und die hier weniger als reine Stars denn als Träger einer kulturellen Biografie wirken. Baldwin hat seine Karriere mit Figuren verbracht, die zwischen Skepsis und verletzlicher Standhaftigkeit oszillieren; Thornbury wirkt oft als stoischer Kontrapunkt; Bannister bringt die Erschöpfung und zugleich zähe Resilienz des Überlebenden ein; Scrimm als archetypische Verkörperung des Fremden und Unheimlichen formt weiterhin eine ikonische Präsenz.

Die übrigen Beteiligten wie Kathy Lester, Terrie Kalbus, Kenneth V. Jones und Susan Harper übernehmen klassische Funktionstypen des Genres - Opfer, Zeuginnen, Angehörige - wobei ihre Figuren weniger eindimensional gezeichnet sind als durch subtile Nuancen in Beziehungen und Reaktionen. Die Entscheidung, erprobte Genregesichter zu casten, verschiebt den Blick des Zuschauers: Was hier erzählt wird, ist zugleich eine Fortsetzung einer kollektiven Erinnerung an frühere Rollentypen und deren Transformation in eine Gegenwart voller Ambivalenzen.

Handlung (spoilerfrei!)

Das Böse verfolgt die Konfrontation einer kleinen Gemeinschaft mit einer inkrustierten Bedrohung, deren Ursprung und Natur sich nur schrittweise offenbaren. Im Zentrum stehen eine Gruppe von Figuren, die aus unterschiedlichen Motivationen heraus versuchen, Ordnung in eine zunehmend destabilisierte Wirklichkeit zu bringen. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall von persönlicher Vergangenheit und einem externen Störfaktor, der soziale Bindungen und individuelle Gewissheiten in Frage stellt.

Die Erzählung entfaltet sich in einer langsamen Steigerung - weniger auf klassische Plot-Twists denn auf die Verdichtung von Atmosphäre und zwischenmenschlichen Spannungen bedacht. Zentrale Figuren sind nicht Superhelden, sondern Menschen mit etablierten Verletzungen und Erinnerungen, deren Reaktionen auf das Unheimliche die moralische und emotionale Temperatur der Geschichte bestimmen. Der Ton bleibt durchweg bedrohlich und melancholisch, getragen von einer Inszenierung, die lieber etwas unterschlägt als laut zu deklarieren.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films steht die Frage nach der Natur des Bösen - nicht als metaphysische Schlagzeile, sondern als soziales und psychologisches Phänomen. Das Böse wird als etwas verstanden, das sich in Beziehungen einnistet, über Generationen wirkt und immer wieder neue Gesichter annimmt. Themen wie Erinnerung, Trauer und die Unabgeschlossener Vergangenheit durchziehen den Film und werden formal durch wiederkehrende Bild- und Klangmotive untermauert: Türen, Spiegelungen, monoton wiederkehrende Geräusche, die Sinnbildcharakter erlangen.

Psychologisch öffnet der Film einen Raum für die Erkundung von Schuld und Überlebensstrategien; philosophisch stellt er das Verhältnis von Freiheit und Determination in Frage - inwieweit handeln Figuren, und inwieweit werden sie von einer größeren Ordnung gelenkt? Gesellschaftlich lässt sich Das Böse auch als Kommentar auf die Sehnsucht nach Verankerung in unsicheren Zeiten lesen - das Genre fungiert hier als Projektionsfläche für kollektive Ängste um Identität, Erinnerung und die Kontrolle über die eigene Geschichte.

Formal wie inhaltlich bewegt sich der Film an der Schnittstelle von Retro-Ästhetik und zeitgenössischer Reflexion. Seine Bedeutung liegt nicht in der finalen Enthüllung eines Geheimnisses, sondern in der Art und Weise, wie er das Grauen als kulturelles Gedächtnis befragt und so dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, den Horror als historisches wie als aktuelles Phänomen zu denken.

Filmkritik von Peter Osteried

„Phantasm“: Das Böse kehrt ins Kino zurück!

Fast genau 39 Jahre nach dem Erstkinostart von Don Coscarellis PHANTASM kehrt der Film in die Kinos zurück – und das schöner denn je. Denn der Film wurde von J.J. Abrams Firma Bad Robot remastert. Der STAR WARS-Regisseur ist ein großer Fan des Films und hat die Figur Captain Phasma auch in Anlehnung an PHANTASM so genannt. Über viele Jahre hinweg war dieses Werk hierzulande beschlagnahmt, nun ist es aber endlich wieder freigegeben. Das feiert man am besten, indem man diesen Albtraum auf der großen Leinwand sieht.

Bei der Beerdigung eines Freundes beobachtet der junge Tommy, wie der Bestatter, den er bald nur noch den Tall Man nennt, den Sarg alleine trägt. Das weckt sein Misstrauen, weswegen er dem Mann nachspioniert und in seinem Mausoleum nicht nur auf fliegende, tödliche Sphären, sondern auch auf garstige Zwerge trifft, die dem Tall Man dienen. Zuerst glaubt ihm sein Bruder Jody nicht, doch dann zeigt er ihm einen Beweis – und beide versuchen, den Machenschaften dieses Mannes ein Ende zu setzen.

PHANTASM ist einer der großen Klassikers des Genres, ist aber tatsächlich nicht nur einem zugehörig. Er präsentiert sich als Vertreter des Horrorfilms, ist aber ebenso sehr Science Fiction, wie sich im Verlauf der Geschichte zeigt. Der mit kleinem Budget verwirklichte Film gehörte nie zu den rabiateren Vertretern des Genres. Er setzt nicht auf blutrünstige Effekte. Nur eine Szene gibt es, bei der die Sphäre, jene silberne Kugel mit den Klingen und dem Bohrer, aktiv wird. Aber davon abgesehen setzt der Film vor allem auf eine unheimliche Atmosphäre, die fast von der ersten Minute an existiert.

Unterstützt von der elektronischen Musik ergibt sich ein Gefühl des Unbehagens, dem der Film auch dadurch Vorschub leistet, dass er sich nicht an die narrativen Regeln hält, sondern tatsächlich mehr ein auf Zelluloid gebannter Traum ist. Ob bewusst oder unbewusst hat Coscarelli, der auch das Drehbuch verfasst hat, hier eine Geschichte erzählt, die nach Traummechanismen funktioniert. Man steigt mitten in Szenen ein und man springt in der Erzählebene, etwa immer dann, wenn der Tall Man gänzlich unerwartet auftaucht, so etwa, als er vor Tommys Haus wartet, direkt vor der Tür, bis der Junge herauskommt. Das folgt keiner logischen Form, das ist die Konzentration auf die Maximalwirkung, die sich mit einer konstanten Konzentration auf das Unheimliche ergibt.

Genau damit punktet PHANTASM, weil er mit Wahrnehmung und Realität spielt. Zum Ende hin gibt es den last scare, der damals noch frisch und nicht so klischiert war wie heutzutage, aber er illustriert auch, dass nichts ist, wie es scheint. Figuren, die sterben, leben wieder, und solche, die leben sollten, sind tot. Das lässt den Film diffus erscheinen, ganz einhergehend mit der traumhaften Atmosphäre, die Coscarelli konstant am Laufen hält.

PHANTASM ist ein großartiger Genre-Film, der abseits ausgetretener Pfade wandelt und auch fast 40 Jahre nach seiner Entstehung noch nichts von seiner albtraumhaften Wirkung, aber auch seiner immensen Funktionalität verloren hat.

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