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Wer ist Daddy?

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kritiken.de Redaktion 15.02.2018
Wer ist Daddy?© Warner Bros. GmbH
A ca. 1248 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Wer ist Daddy? - Familiäre Identitäten, komische Masken und die Politik des Unbehagens im Kino

Einleitung

Wer ist Daddy?, im Februar 2018 in den USA erschienen, präsentiert sich zunächst als konventionelle Ensemblekomödie, doch der Film verwebt in seinem humoristischen Apparat Fragen von Herkunft, Legitimität und emotionaler Bindung. Die Relevanz des Films liegt gerade darin, wie er populäre Gags und prominente Gesichter nutzt, um diffuse Ängste über Familie und Verantwortung sichtbar zu machen. In einer Zeit, in der Biografie, Reputation und die Suche nach Zugehörigkeit in öffentlichen Debatten häufiger medial ausgetragen werden, tritt der Film als spiegelnde, manchmal unangenehm genaue Reflexion jenseits banaler Witze auf.

Der Ensemblecharakter der Besetzung - von Comedy-Ikonen bis zu dramatischen Schwergewichten - erzeugt ein literarisch anmutendes Registerwechselspiel: Komik und Pathos existieren nebeneinander, ohne dass der eine den anderen vollständig absorbiert. Diese Dialektik macht Wer ist Daddy? zur Sache einer Zeit, in der Genregrenzen fließend sind und Komödie oft als Vehikel für soziale Beobachtung fungiert. Das Stück bleibt dabei weniger eine bloße Fingerübung als ein Versuch, populärästhetische Mechaniken für existenzielle Fragen zu instrumentalisieren.

Ohne den Namen des Regisseurs prominent voranzustellen, arbeitet der Film im Gefüge einer Regieführung, die den Schauspielerinnen und Schauspielern Räume zur Darstellung individueller Exzentrik einräumt, gleichzeitig aber strukturelle Konstellationen des Familiendramas kartografiert. Die Regie entscheidet sich wiederholt für einen Takt, der Pointen mit Momenten stiller Irritation verbindet und so den Blick des Publikums zwischen Gelächter und Gänsehaut oszillieren lässt. Dieses Wechselspiel ist der Kern dessen, warum der Film in kulturkritischer Perspektive Beachtung verdient.

Kurzüberblick zur Produktion

Wer ist Daddy? entstand in einem Produktionsumfeld, das den typischen Merkmalen der amerikanischen Ensemblekomödie folgt: eine handvoll erprobter Comedians, einige dramatische Stars zur Erhöhung der Schlagkraft und eine Erzählstruktur, die sich in mehreren Nebenhandlungen verästelt. Konkrete Studiozuordnungen und Budgetzahlen sind hier nicht im Detail vorgelegt, doch der Eindruck ist der eines mittleren Budgets mit ausreichend Ressourcen für prominente Gastschauspieler und aufwändige Sequenzen, ohne die künstlerische Flexibilität einer kleineren Indie-Produktion aufzugeben.

Die Regiearbeit zeichnet sich durch eine Vorliebe für beobachtende Einstellungen und eine präzise, rhythmisch abgestimmte Montage aus. Szenen sind so komponiert, dass sie sowohl als eigenständige komische Setpieces funktionieren als auch als Bausteine einer größeren, thematischen Erzählung - eine Handschrift, die weniger in der Geste als in der Dosierung entsteht. Innerhalb des filmischen Schaffens ist Wer ist Daddy? insofern ein Stück, das in der Tradition der amerikanischen Familienkomödie steht, gleichzeitig aber versucht, die Genrekonventionen durch eine nachdenklichere Tonlage zu dehnen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzungsliste liest sich wie ein Who is Who amerikanischer Film- und Fernsehfiguren: Robert Jon Mello erscheint hier in einer zentralen Rolle und trägt als geduldeter Protagonist die erzählerische Suche nach Identität. Ed Helms, bekannt aus The Office und der Hangover-Reihe, bringt seine typische Kombination aus neurotischem Timing und unterschwelliger Verletzlichkeit ein, während Retta als komische Unterstützerin und Herzstück häufig als moralischer Kompass fungiert. Owen Wilson steuert seine vertraute, lakonische Lässigkeit bei, die oft eine beruhigende Gegenstimme zur familialen Hysterie bildet.

Glenn Close, deren Karriere sonst zwischen großer Dramatik und prägnanter Charakterarbeit oszilliert, verleiht der Ensemblekomödie eine unerwartete Schwere und signalisiert durch ihre Präsenz eine ernstere Dimension hinter dem Gag. J.K. Simmons fungiert als Autoritätsfigur mit zugespitzter Gravitas, und Ving Rhames bringt physische Präsenz und eine Zurückhaltung ins Spiel, die Konflikte eher durch Blick und Haltung als durch laute Gesten markiert. Komiker wie Katt Williams setzen punktuelle Explosivität, während ältere Darstellerinnen wie June Squibb eine generative Weisheit einbringen, die dem Plot Emotionalität und historische Tiefe verleiht.

Handlung (spoilerfrei!)

Wer ist Daddy? erzählt von einer aufgeladenen Suche nach Abstammung und Zugehörigkeit, die das private Feld der Familie mit gesellschaftlichen Erwartungen kollidieren lässt. Der Film setzt bei einem familiären Anlass an, dessen Routinen durch eine überraschende Behauptung oder Enthüllung gestört werden. Aus diesem Kern entwickelt sich eine Reihe von Verwicklungen, in denen Missverständnisse, identitätsstiftende Rituale und rechtlich-biologische Fragen aufeinandertreffen.

Der dramatische Konflikt besteht weniger in einem äußeren Antagonisten als in der Spannung zwischen öffentlicher Rezeption und privatem Erleben: Wer definiert Vaterschaft, und welche Rolle spielen Blut, Gesetz und Zuneigung in dieser Definition? Zu den zentralen Figuren zählen der suchende Protagonist, mehrere mögliche Verwandte sowie Freundinnen und Freunde, die mal als Katalysatoren, mal als Spiegel fungieren. Die Stimmung wechselt zwischen laut-komödiantischen Setpieces und leiseren, introspektiven Momenten; die Atmosphäre ist zumeist ironisch-wohlwollend, gelegentlich scharfzüngig.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Authentizität, Rollenperformanz und der Legitimation sozialer Bindungen. Wer ist Daddy? fragt, ob Vatersein primär eine biologische Tatsache, eine rechtliche Kategorie oder eine Praxis des Sich-Kümmerns ist. Der Film lotet die Kluft zwischen dokumentierbarer Wahrheit und emotionaler Legitimation aus und zeigt, wie leicht die gesellschaftliche Gültigkeit familiärer Labels ins Wanken geraten kann.

Motivisch wiederkehren Verkleidung, Verstellung und die Komödie als Mechanismus, mit dem Unbehagen verhandelt wird. Das Werk nutzt klassische Mittel der Verwechslungskomödie - Türen, Enthüllungen, abruptes Timing - um zugleich moderne Fragen nach Erbe, Ruhm und medialer Darstellung zu spiegeln. Psychologisch geht es um die Suche nach Kohärenz in fragmentierten Biographien; sozial betrachtet hinterfragt der Film Normen, die Zugehörigkeit und Autorität konstruieren. Diese thematische Doppelschichtigkeit macht Wer ist Daddy? zu einem vielschichtigen Beitrag der zeitgenössischen Komödie, der mehr leisten will als reine Belustigung.

Filmkritik von Peter Osteried

„Wer ist Daddy?“: Vorhersehbare Komödie

Bei manchen Filmen fragt man sich im Grunde, wieso sie überhaupt den Weg ins Kino gefunden haben. WER IST DADDY? ist ein solcher Film, denn während elementar nichts wirklich falsch an diesem Streifen ist, ist doch auch wenig richtig. Oder anders gesagt: Hier gibt es Unterhaltung, die streng nach Checkliste produziert wurde. Originalität sieht anders aus.

Die Brüder Peter (Ed Helms) und Kyle Reynolds (Owen Wilson) dachten Zeit ihres Lebens, dass ihr Vater gestorben sei, als sie noch klein waren. Doch wie sich herausstellt, war das nur eine Lüge ihrer Mutter, denn tatsächlich lebt ihr Vater noch sehr wohl. Allerdings weiß sie nicht, wer es ist, da sie früher mit einigen Männern verkehrte. Die Brüder beschließen also, nach ihrem wahren Vater zu suchen, finden dabei aber auch mehr über ihre Mutter heraus, als sie eigentlich wissen wollten …

Dass der Film über große Strecken einigermaßen unterhält, liegt vor allem an Ed Helms und Owen Wilson. Letzterer spielt zwar wieder mal die ewig gleiche Rolle, die er scheinbar in jedem Film abfeiert (was den Verdacht nahelegt, dass er sich einfach selbst spielt), die Chemie mit seinem Ko-Star stimmt aber. Wo Wilson der joviale Typ ist, ist Helms – natürlich – der etwas steife Bruder, der erst auftauen muss. Die Schauspieler fühlen sich offenkundig in ihren Rollen wohl.

Der Film selbst ist nichts, was besondere Wellen schlagen würde. Hinzu kommt, dass der Humor nicht immer vollends durchschlagend ist. WER IST DADDY? ist die Art Komödie, bei der die Macher offenbar nach dem Motto vorgingen, so viel wie möglich an die Wand zu werfen und zu sehen, was hängen bleibt. Manches funktioniert, anderes nicht. Einige Gags sind zum Brüllen, andere allenfalls lauwarm, und mitunter gibt es auch ein paar unschöne Fremdschämmomente.

Kennt man die Trailer, hat man zudem schon einige der besten Lacher gesehen – ein gängiges Problem bei Komödien. Entsprechend fühlt sich der Film im weiteren Verlauf immer altbekannter aus und man spürt, dass den Autoren zum Ende hin die zündenden Ideen ausgingen. Die Gag-Quote sinkt, die Qualität auch. Was bleibt, ist eine passable, aber niemals ihre Wohlfühlzone verlassende Komödie, die in jeder Sekunde vorhersehbar ist. Das kann durchaus auch unterhaltsam sein, ob aber gerade das den mittlerweile doch recht hohen Ticketpreis für den Kinobesuch rechtfertigt? Die bittere Wahrheit ist nämlich, dass ein Film wie dieser im Heimkino besser aufgehoben ist.

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