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Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

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kritiken.de Redaktion 15.02.2018
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers© Bildrechte beim jeweiligen Verleiher / Promotional Material (siehe Impressum)
A ca. 1426 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Shape of Water - Das Flüstern des Wassers: Eine lyrische Allegorie über Liebe, Einsamkeit und Fremdheit

Einleitung

Guillermo del Toros Shape of Water - Das Flüstern des Wassers tritt als eine der markantesten Filmarbeiten der späten 2010er Jahre auf, weil er etablierte Genrekonventionen zugunsten einer bewusst kunstvollen Verschränkung aus Märchenbild und politischer Allegorie aufbricht. Der Film interessiert weniger an oberflächlicher Spektakelunterhaltung als an der Frage, wie Intimität und Mitgefühl unter Bedingungen von Angst und Kontrollzwang möglich bleiben. Seine Relevanz liegt darin, dass er das klassische Motiv des "Monsters" nicht als bloße Bedrohung, sondern als Spiegel für gesellschaftliche Ausgrenzung und menschliche Verarmung nutzt.

Im Kontext von del Toros Werk setzt Shape of Water dessen wiederkehrende Themen konsequent fort - die Neigung zu phantastischer Bildsprache, die Darstellung von Außenseitern und die Verbindung von politischer Historie mit persönlicher Sensibilität. Del Toro betreibt eine Ästhetik des Mitgefühls, die Monster notgedrungen humanisiert, und schafft damit eine filmische Sprache, die zugleich nostalgisch und subversiv wirkt. In diesem Film kulminieren seine früheren Ansätze zu Körperlichkeit, Handwerk und emotionaler Verweigerung.

Zugleich reflektiert der Film einen bestimmten Zeitgeist: Er verhandelt Genderrollen, die Angst vor dem Anderen und institutionelle Gewalt in einem Amerika der frühen 1960er Jahre - einer Epoche, die del Toro als Kulisse nutzt, um heutige Konflikte zu spiegeln. Diese historische Verortung verleiht dem Film nicht nur atmosphärische Dichte, sondern erlaubt eine politische Komponente, die subtil und doch deutlich die Spannungen zwischen individueller Sehnsucht und staatlicher Macht hervorhebt.

Kurzüberblick zur Produktion

Shape of Water entstand unter der Regie von Guillermo del Toro, einem Regisseur, der sich durch seine Liebe zu praktischen Effekten, detailreicher Produktionsgestaltung und einer Vorliebe für das Phantastische profiliert hat. Die Zusammenarbeit mit Kameramann Dan Laustsen und Komponist Alexandre Desplat trägt das Werk in eine visuelle und akustische Sphäre, in der Licht, Farbe und Klang die erzählerischen Motive spiegeln. Die Produktion, unterstützt von einem Studio mit internationaler Reichweite, arbeitete mit einem moderaten Budget - genug, um aufwändige Sets und sorgfältige Maskenbildnerarbeit zu finanzieren, ohne die Narration in reines CGI zu entlassen.

Bekannt wurde der Film nicht zuletzt durch seine handwerklichen Besonderheiten: ausgedehnte Nutzung von praktischen Kostümen und Make-up, eine präzise Ausleuchtung, die den visuellen Rückgriff auf Filmklassiker der 1950er und 1960er Jahre evoziert, sowie eine Musikkomposition, die Del Toros Fokus auf Atmosphäre und Emotionalität unterstreicht. Im Gesamtwerk des Regisseurs markiert Shape of Water einen Punkt, an dem seine formalen Vorlieben und seine thematische Konsistenz eine besonders dichte Synthese finden.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Sally Hawkins übernimmt die zentrale Rolle der Elisa - eine Frau mit eingeschränkter verbaler Kommunikation, deren innere Welt durch Hawkins' feine Mimik und Körperausdruck gezeichnet wird. Hawkins baut auf Erfahrung in Rollen, die subtile, nonverbale Komik und tiefe Menschlichkeit verbinden, und sie verwandelt Elisa in eine Figur von stiller Autorität und verletzlicher Kraft.

Doug Jones steht für die körperliche Gestalt des anderen Lebewesens - seine Karriere ist geprägt von physisch anspruchsvollen Interpretationen nicht-menschlicher Figuren, häufig in Zusammenarbeit mit del Toro. Jones' Performance ist handwerklich auf Körperlichkeit, nuanciertes Bewegungsrepertoire und eine expressiv-maskierte Präsenz angelegt - eine Stimme des Körpers, die Gefühle vermittelt, ohne vordergründige Sprache.

Octavia Spencer fungiert als Vertraute und Mitstreiterin, eine Figur, die sowohl pragmatische Intelligenz als auch moralische Klarheit bringt. Michael Shannon verkörpert den Sicherheitsmann - eine Rolle, die an seine bisherige Typisierung als eindringlicher Antagonist und emotional aufgeladener Charakter anknüpft. Richard Jenkins spielt einen isolierten Nachbarn, dessen Lebenshunger auf diskrete Weise die Themen Freundschaft und verlorene Identität reflektiert. Michael Stuhlbarg gibt eine ambivalente wissenschaftliche Gestalt, deren Loyalitäten die politischen Spannungen des Films spiegeln.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film spielt in einem geheimen Forschungslabor der frühen 1960er Jahre, einer Umgebung, die im Zeichen des Kalten Krieges und technologischer Mystik steht. Im Zentrum steht eine Frau mit begrenzter Sprache, deren Alltag sich in Reinigungsarbeit und stillen Ritualen vollzieht. Das Auftauchen einer ungewöhnlichen, in Gefangenschaft gehaltenen Kreatur versetzt den ruhigen Kosmos der Protagonistin in Aufruhr und eröffnet einen Kontakt, der mehr als Neugier ist - er ist ein Beginn emotionaler Bindung.

Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall persönlicher Gefühle und institutioneller Macht - aus der Begegnung von Zärtlichkeit und Bürokratie, von Intimität und Sicherheitsdenken. Zentrale Figuren sind die stumme Protagonistin, das gefangene Wesen, ihre engsten Vertrauten im Umfeld sowie die Repräsentanten einer Ordnung, die das Fremde kontrollieren will. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen melancholischem Realismus und märchenhafter Bildsprache, wodurch eine Stimmung von Sehnsucht und latenter Bedrohung entsteht.

Zentrale Themen und Motive

Shape of Water stellt Fragen nach Sprache und Schweigen - danach, wie Kommunikation jenseits von Worten möglich ist, und wie Berührung, Blick und gemeinsames Erleben als Ausdrucksformen tiefgreifender Verbundenheit fungieren. Der Film verhandelt das Thema Otherness - die Logik der Ausgrenzung, die Projektion von Angst auf das Fremde und die Umkehrung dieser Logik durch Empathie. Dabei wird das Motiv des Wassers zum leitenden Bild: Es steht für Wandelbarkeit, Einschluss und Befreiung - zugleich für die Grenze zwischen Welten.

Philosophisch rührt del Toros Arbeit an Fragen nach der Menschlichkeit selbst - was macht einen Menschen aus, wenn nicht die Fähigkeit zu Fürsorge, zu Trauer, zu Nähe? Gesellschaftlich lässt sich der Film als Kommentar zur Mechanik von Macht und Normierung lesen - wie Institutionen Angst produzieren, wie Rollenbilder marginalisieren und wie Widerstand in Form kleiner menschlicher Gesten wirksam wird. Psychologisch ist er ein Porträt von Einsamkeit und der Suche nach Verbündeten in einer feindlichen Umgebung - eine Erzählung über das Recht, anders zu sein.

Filmkritik von Bianka Piringer

Tauchgänge zu ungehobenen Schätzen

Dieser Liebesfilm von Guillermo del Toro hat viele Zutaten eines Fantasymärchens und wirkt doch sehr real. Das liegt nicht nur daran, dass er in der Wirklichkeit des Kalten Krieges zu Anfang der 1960er Jahre angesiedelt ist, sondern vor allem an der Natur des Menschen und besonders des Kinogängers, der sich ständig nach guten Geschichten sehnt. Das gilt auch für die Putzfrau Elisa (Sally Hawkins) in Baltimore, die wegen eines Kindheitstraumas nicht sprechen kann.

Das Saubermachen in einem geheimen Forschungslabor der Regierung ist nicht das, was Elisas Leben Glanz verleiht. Die Stunden, die die Fantasie beflügeln, verbringt sie bei ihrem älteren Nachbarn Giles (Richard Jenkins), einem einsamen Werbezeichner, mit dem sie gerne Musicals im Fernsehen sieht. Elisa teilt mit den altmodisch wirkenden Figuren im TV eine unschuldige Romantik, die sie neugierig sein lässt.

Und dann kommt der Tag, an dem Elisa im Labor einem Wesen begegnet, das gar nicht von dieser Welt zu sein scheint. Es ist ein prähistorischer Amphibienmensch (Doug Jones) aus dem Amazonas, der letzte seiner Art, in Südamerika als Gott verehrt. Er hat zwei Atmungssysteme, weswegen sich die Regierung für ihn interessiert, könnte das Prinzip doch auch beim Wettkampf im All nützlich sein, den sich Amerika gerade mit den Sowjets liefert. Elisa bringt dem Wesen heimlich kleine Überraschungen ans Wasserbecken. Sie lehrt den blau schimmernden Wassermann, in den sie sich verliebt, auch ein paar Wörter in Zeichensprache.

Aber dann hört Elisa zu ihrem Entsetzen, dass das Wesen getötet und seziert werden soll, wie es der Regierungsagent Richard Strickland (Michael Shannon) möchte, der es einfing und mit Elektroschocks quält. Sie beschließt, das Wesen mit Hilfe von Giles zu entführen. Ein sowjetischer Spion (Michael Stuhlbarg) und die afroamerikanische Putzfrau Zelda (Octavia Spencer) sind auch auf ihrer Seite.

Eine Gruppe sozialer Außenseiter paktiert also gegen das Establishment, das noch gar nicht begreift, was die Stunde geschlagen hat. Der repressive Geist der 1950er Jahre ist ungebrochen, der weiße Amerikaner Strickland hält sich für die Krone der Schöpfung. Der Glaube an den technologischen Fortschritt sorgt zwar für eine diffuse Aufbruchstimmung, in der sich bereits die nahende Zeitenwende ankündigt. Strickland aber ist kein neugieriger Mensch, er will Wohlstand und Macht und alles aus dem Weg schaffen, was sich ihm nicht unterordnet. Michael Shannon spielt diesen Filmbösewicht hervorragend, der die Engstirnigkeit verkörpert, mit der auch die Forschung früher alle Geschöpfe behandelte, die sie für abnorm oder minderwertig hielt. So hat er keinen Blick dafür, wie intelligent das Wesen aus dem Amazonas ist.

Der dezent humorvolle Film huldigt im Verlauf auch immer wieder dem alten Kino – etwa mit einer Szene, in der das Wesen einmal im Kinosaal unter Elisas Wohnung steht und staunend ein Sandalenepos betrachtet. Die Kamera ist ständig in Bewegung, wie das titelgebende Wasser als Medium der Durchdringung. Sie lädt dazu ein, die Gedanken frei flottieren zu lassen und den forschenden Blick mit Staunen zu verbinden.

Das gedimmte Licht badet oft in Grün- und Blautönen, die so unterkühlt, aber auch belebend sein können. Und die wie del Toros Regie mit einem Golden Globe prämierte Musik von Alexandre Desplat spiegelt die Wandlungsfähigkeit, die die ganze Geschichte aufweist, wenn sie in der unheimlichen Noir-Stimmung beherzt auf den Unterstrom von Hoffnung und Liebe setzt.

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