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Zwischen Zwei Leben - The Mountain Between Us

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kritiken.de Redaktion 19.10.2017
Zwischen Zwei Leben - The Mountain Between Us© Fox Deutschland
A ca. 1406 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Zwischen Zwei Leben - The Mountain Between Us: Isolation als Prüfstand emotionaler und moralischer Bindung

Einleitung

Zwischen Zwei Leben - The Mountain Between Us ist weniger ein konventionelles Liebesdrama als ein Studie über die Bedingungen menschlicher Bindung unter extremen Umständen. Die lakonische Prämisse - zwei Fremde, getrennt von der Zivilisation, gezwungen zur Kooperation - dient hier nicht als bloßer Plotmotor, sondern als szenischer Resonanzboden für Fragen nach Verletzlichkeit, Verantwortung und Selbstdefinition. In der filmischen Umsetzung verbindet das Werk Elemente des Survival-Films mit einem intimen Psychodrama, das sich in langen Atemluftzügen ebenso wie in Detailaufnahmen von Körpern und Blicken abspielt.

Relevanz gewinnt der Film dadurch, dass er populäres Genrekino mit einer scheinbar altmodischen Figurendramaturgie koppelt: Two-Hander, Inszenierung von Isolation, Gradmesser zwischen zivilisatorischem Habitus und nackter Existenz. Gerade in einer Zeit, in der mediale Nähe und soziale Distanz zugleich zunehmen, liest sich diese Konstellation als ästhetische Verhandlungszone darüber, wie Bindungen in Krisen stabilisiert oder aufgelöst werden.

Die Tonalität des Films bewegt sich zwischen lakonischer Härte und sentimentaler Präzision. Statt einer simplen Gefühlsökonomie setzt die Erzählung auf Ambivalenzen: Verantwortung wird nicht narrativ als Belohnung inszeniert, Leid nicht zur reinen Katharsis veredelt. Auf diese Weise fordert der Film sein Publikum auf, Zuschreibungen zu hinterfragen - wer hilft wem und aus welchem Antrieb heraus, wann ist Selbstbehauptung nüchternes Kalkül, wann Überforderung?

Kurzüberblick zur Produktion

Die Verfilmung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Charles Martin und bewegt sich handwerklich in einem Feld zwischen kommerzieller Studioproduktion und artifizieller Naturästhetik. Als Regisseur führte Hany Abu-Assad Regie, dessen bisheriges Werk vor allem durch politisch aufgeladene, nahe am Körper inszenierte Charakterdramen bekannt ist. Mit Zwischen Zwei Leben betritt er eine andere Sphäre: statt großstadtthematischer Konflikte verlagert sich sein Interesse auf die Bühne der Natur, auf eine existenzielle Minimalarchitektur, die Figuren und Landschaft in ein wechselseitiges Bedeutungsverhältnis setzt.

Die Produktionsumstände zeichnen ein Bild konventioneller Studiofinanzierung mit dem Einsatz von Aufnahmen in gebirgigen Außenlandschaften und ergänzenden Studio- oder Setsequenzen für die intimsten Momente. Solche Mischformen erfordern eine präzise Abstimmung von Kamera, Licht und Produktionsdesign, um den Wechsel zwischen großer, fast dokumentarischer Weite und enger, psychologisch aufgeladener Nähe zu ermöglichen. In der Werkbiografie des Regisseurs stellt der Film eine geläuterte Bewegung dar - weg von politischer Explizitheit, hin zu einer Form, die das Persönliche als politisch lesbar lässt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Charlie Hunnam und Rosamund Pike übernehmen die tragenden Partien in diesem Zwei-Personen-Drama. Hunnam, bekannt geworden durch die Serie Sons of Anarchy und Kinorollen in Genreproduktionen wie Pacific Rim, bringt eine körperliche Präsenz und eine rauhe Simplizität mit, die für die Darstellung eines pragmatischen Überlebenskämpfers prädestiniert ist. Rosamund Pike, deren darstellerische Bandbreite von subtiler Kälte in Gone Girl bis zu sensiblen Charakterstudien reicht, bietet ein konträres Bild - kontrolliert, analytisch, innerlich registrierend.

In ihren Figuren treffen zwei Moden des modernen Männlichkeits- und Weiblichkeitsverständnisses aufeinander: Hunnam verkörpert den im Äußeren robusten, im Inneren oft verbal zurückhaltenden Typus; Pike die professionelle, auf Regeln und Selbstkontrolle gestellte Frau, deren Identität durch die Ausnahmesituation neu verhandelt wird. Die Schauspieler müssen dabei physische Glaubwürdigkeit mit psychologischem Tiefgang verbinden - ein Balanceakt, der das filmische Interesse primär auf Mimik und Körperlichkeit lenkt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film beginnt mit einem alltäglichen Ausgangspunkt, der schnell in eine existenzielle Krise umschlägt: Zwei Personen, Fremde füreinander, finden sich nach einem Unfall in einer abgeschiedenen Bergwelt wieder. Ohne unmittelbaren Zugang zu Hilfe oder technischen Mitteln sind sie gezwungen, sich aufeinander zu verlassen, um zu überleben. Die Erzählung strukturiert sich entlang der notwendigen Alltagsentscheidungen - Nahrung, Schutz, Transport - und der seelischen Verarbeitung von Isolation und Verlust.

Der dramatische Konflikt entspringt weniger einem äußeren Antagonisten als der rückläufigen Zivilisation: Die beiden Protagonisten stehen im Spannungsfeld zwischen Selbstbehauptung und Kooperation, zwischen dem Bedürfnis nach Eigenständigkeit und der Notwendigkeit, sich verletzlich zu zeigen. Die zentralen Figuren sind damit zugleich handelnde Subjekte und Projektionsflächen, ihre Entwicklung verläuft in Etappen, in denen jede überstandene Nacht die Beziehungsebene neu justiert. Ton und Atmosphäre bleiben dabei ambivalent - die Natur erscheint als gleichermaßen bedrohlich und reinigend, die Kamera wechselt zwischen monumentaler Distanz und intimer Nähe.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Abhängigkeit, Würde und der Artikulation von Schmerz. Wie formen Krisensituationen die Identität? Welche moralischen Verpflichtungen ergeben sich, wenn rechtliche und soziale Institutionen nicht greifen? Der Film rekonstruiert menschliche Bindung nicht als romantische Auflösung, sondern als Prozess, in dem Vertrauen verdient und Verhaltensmuster infrage gestellt werden.

Auf einer philosophischen Ebene lotet das Werk die Spannung zwischen Autonomie und Solidarität aus. Psychologisch interessiert sich der Film für die Mechanismen des Traumas und der Bewältigung - wie Sprache versagt, wie körperliche Präsenz kommuniziert. Gesellschaftlich kann die Erzählung als Spiegel dafür gelesen werden, wie moderne Individuen mit der Erwartung umgehen, jederzeit unabhängig und zugleich permanent vernetzt zu sein. Motive wie die unbarmherzige Landschaft, der abgenutzte Proviant, die allmähliche Veränderung von Kleidung und Körpern fungieren als visuelle Metaphern für den Prozess der Entblößung - äußerlich wie innerlich.

Zwischen Zwei Leben - The Mountain Between Us bietet somit weniger eine klare Lebensweisheit als eine Reihe filmischer Fragen: Wie verhandeln Menschen Moral jenseits von Normen? Wie wird Nähe in der Abwesenheit der Zivilisation möglich? Der Film lädt dazu ein, diese Fragen nicht in einfachen Antworten zu lösen, sondern in der Beobachtung von Handlungen, Blicken und kleinen Gesten zu lesen - ein Anspruch, der ihn im zeitgenössischen Kino als reflexive Studie über Bindung und Identität positioniert.

Filmkritik von Bianka Piringer

Überlebenskampf zu zweit in den Bergen

Zwei Menschen erfahren auf einem Flughafen in Idaho, dass wegen eines aufziehenden Sturms keine Maschine mehr startet. Die Fotojournalistin Alex (Kate Winslet) aber hat es eilig, der Bräutigam wartet. Und der Neurochirurg Ben (Idris Elba) muss einen kleinen Patienten operieren. Also chartern die beiden Reisenden, die sich völlig fremd sind, ein kleines Flugzeug. Der betagte Pilot (Beau Bridges) aber, der den Flug gar nicht anmeldet, erleidet unterwegs einen Schlaganfall und die Maschine stürzt mitten in einem einsamen, verschneiten Bergmassiv in Utah ab. Der Pilot ist tot, Alex hat ein verletztes Bein und so weit das Auge reicht, gibt es nirgends ein Haus, eine Straße oder einen Menschen. Der Arzt kümmert sich um Alex' Verletzung und macht Feuer, damit sie beide im Rumpf des Wracks nicht erfrieren.

Nach und nach wird den beiden die Ausweglosigkeit der Lage bewusst. Niemand weiß, wo sie sich befinden, und von der hoch oben auf einem Gipfel gelegenen Absturzstelle führt kein gerader Weg ins Tal. Ben findet es sicherer, beim Wrack zu bleiben und auf Hilfe zu warten. Doch Alex will nach einigen Tagen den Weg hinab suchen und Ben schließt sich ihr an. So beginnt eine Odyssee durch Schnee und Kälte, die ihnen alles abverlangt. Alex und Ben schenken sich gegenseitig moralischen Halt, damit sie sich dem Hunger und der Erschöpfung nicht ergeben.

Der palästinensische Regisseur Hany Abu-Assad („Paradise Now“) inszeniert die auf einem Roman von Charles Martin basierende Geschichte als ziemlich verwegene Mixtur aus Romantik und Überlebensdrama. Recht bald wird klar, dass die zwei Menschen ihr Herz füreinander entdecken. Dieser Prozess der emotionalen Annäherung rückt den Überlebenskampf streckenweise etwas zu sehr in den Hintergrund. Besonders Kate Winslet überzeugt mit ihrem glaubhaften, natürlichen Spiel, aber sie kann gegen den klischeehaften Verlauf auch nicht viel ausrichten. Dass sich der schwarze Ben als perfekter Gentleman und Retter um die weiße Frau kümmert, wirkt schon beinahe der kitschigen Fantasie eines Groschenromans entsprungen. Aber die filmische Behauptung, dass ein solcher Trip, bei dem es um Leben und Tod geht, die Beteiligten zusammenschmieden muss, ist natürlich nachvollziehbar.

Gelegentlich hapert es mit der Plausibilität. Wie sähen unter solchen Umständen die Überlebenschancen für einen mitgeführten Hund aus? Hier wird der Hund des Piloten unterwegs nicht verzehrt, sondern fürsorglich gesucht, wenn er sich verirrt. Dennoch schenkt gerade das Erleben der Wildnis dem Drama die stärksten Momente. Abu-Assad hat ein Talent dafür, die Unerbittlichkeit der Natur in den Bergen atmosphärisch einzufangen. Und er spitzt die Gefahren, die von Alex und Ben zu meistern sind, wiederholt zu veritablen Schrecksekunden zu, die dem Geschehen Thrillerqualität verleihen. Der Anlass kann ganz banal sein, wie ein Ausrutschen auf einem verschneiten Hang, oder die Gefahr kündigt sich, wie oft in der Realität, durch einen unscheinbaren Hinweis an.

Die Doppelnatur des Films als Romanze und Survival-Abenteuer ist also für den zwiespältigen Gesamteindruck verantwortlich. Einerseits gelingen authentisch wirkende Szenen, vor allem wenn es um den Kampf gegen die Elemente und die Erschöpfung geht. Andererseits verläuft die emotionale Annäherung von Alex und Ben etwas zu gewollt und glatt, während die Figuren relativ undifferenziert gezeichnet bleiben. Hier hätte weniger Zielstrebigkeit wohl zu mehr Wahrhaftigkeit geführt.

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