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The Call - Leg nicht auf!

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kritiken.de Redaktion 11.07.2013
The Call - Leg nicht auf!© Universum Film GmbH
A ca. 2348 Worte Lesezeit ca. 8 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

The Call - Leg nicht auf! - Überleben, Verantwortung und die Ethik der Zivilisation im Thriller

Einleitung

The Call - Leg nicht auf! tritt in eine lange Tradition nervenzerrender, auf minimalem Raum maximal spannender Thriller, die ihr Konfliktpotenzial aus Kommunikation und Zeitdruck beziehen. Der Film rückt die unspektakuläre, aber existenzielle Arbeit von Notrufdisponentinnen in den Fokus und macht aus einem unsichtbaren, hörbaren Moment eine moralische Prüfzone. Gerade in einer Zeit, in der digitale Vermittlung und unmittelbare Hilfeleistung öffentlich diskutiert werden, wirkt dieses Sujet weniger nur als Suspense-Mechanismus denn als Gegenstand gesellschaftlicher Reflexion.

Regisseur Brad Anderson, dessen Namen mit psychologisch aufgeladenen Genrebeiträgen wie Session 9 und The Machinist verknüpft ist, wählt eine reduzierte ästhetische Zugangsweise - der Thriller entfaltet seine Spannung oft in Off-Kommunikation und in der Verlagerung von Gefahr hinter geschlossene Türen. Andersons Interesse an Isolation, Wahrnehmungslücken und dem langsamen Aufbrechen persönlicher Bürden lässt The Call als konsequente, wenn auch konventionellere Fortsetzung seiner formalen Untersuchung erscheinen.

Vor dem Hintergrund eines US-amerikanischen Alltags, in dem Technik und Institutionen einerseits Schutz verheißen und andererseits auf systemische Versäumnisse verweisen, fragt The Call nach individueller Verantwortungsübernahme. Der Film tritt damit in einen aktuellen Diskurs über die Grenzen der Rolle staatlicher und privater Instanzen und die moralische Last des Handelns in Extremsituationen.

Kurzüberblick zur Produktion

The Call entstand 2013 unter der Regie von Brad Anderson und wurde von einem Studioumfeld produziert, das auf effiziente Genreproduktion setzte. Das Drehbuch stammt von Richard D'Ovidio - eine Knappheit an Schauplätzen und die Konzentration auf dialogische Spannung erlaubten eine vergleichsweise schlanke Budgetierung. Die Verleihstruktur und die Positionierung im Markt zielten auf ein breites Kinopublikum, das konventionellen Nervenkitzel mit psychologischer Tiefe erwartet.

Andersons Handschrift zeigt sich weniger in gewagten formalen Experimenten als in der sorgfältigen Inszenierung psychischer Zustände und der Nutzung von Raum zur Spiegelung innerer Konflikte. Die Produktion nutzt technisches Design - Callcenter-Architektur, Klangregie, enge Bildkompositionen - um die Schnittstelle zwischen Alltag und Ausnahmefall sichtbar zu machen. Im Gesamtwerk des Regisseurs nimmt The Call eine Zwischenposition ein: weniger radikal als seine früheren psychologischen Horrortitel, zugleich stringenter in der Anwendung genretypischer Spannungsmechaniken.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Halle Berry als erfahrene 911-Operatorin Jordan Turner - eine Rolle, die Berry primär psychologisch trägt. Ihre Jordan ist nicht nur sachkundige Fachkraft, sondern eine Figur mit Vergangenheit und Belastungen, deren Berufsethos und persönliche Dämonen zusammenfallen und den dramatischen Motor des Films speisen. Berry bringt hier die ruhige Entschlossenheit und die latente Vulnerabilität, die sie in variierenden Genres bereits gezeigt hat.

Abigail Breslin tritt als Casey Cooke auf, ein junges Opfer, dessen Stimme und Reaktionen den emotionalen Kern des Films bilden. Breslins früheres Image aus Little Miss Sunshine ist der Rolle nicht fremd - sie kann kindliche Verletzlichkeit und unerwartete Widerständigkeit zugleich vermitteln. Das Ensemble wird ergänzt von bekannten Nebenakteuren wie Morris Chestnut, Michael Eklund, David Otunga und Michael Imperioli, die in Nebenfiguren die institutionellen und privaten Seiten der Rettungsszenerie verkörpern. Diese Besetzung bringt unterschiedliche Genretraditionen zusammen - vom Kriminalfilm bis zum Familiendrama - und erlaubt eine multifacettierte Ausleuchtung der Krisensituation.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne zu verraten, wie die Ereignisse sich konkret entfalten, lässt sich die Dramaturgie von The Call entlang eines klaren, minimalen Konflikts skizzieren - eine Notruf-Operatorin nimmt einen panischen Anruf eines entführten Mädchens entgegen und muss über Distanz und begrenzte Informationen Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod entscheiden können. Der filmische Raum teilt sich zwischen der rationalen, technisch geprägten Welt des Callcenters und der körperlich bedrohten, isolierten Welt des Opfers. Diese Zweiortigkeit erzeugt eine Spannung, die nicht aus Actionszenen, sondern aus Deutungsspielräumen, Zeitdruck und der Ungewissheit des Gehörten gespeist wird.

Der dramatische Konflikt besteht weniger in klaren Antagonismen als in der Konfrontation unterschiedlicher Handlungslogiken - Protokolle gegen Improvisation, institutionelle Abläufe gegen individuelle Dringlichkeit. Zentrale Figuren sind die Operatorin, das entführte Mädchen und die an den Rand gedrängten Helfer - durch ihre Perspektivwechsel wird die Spannung zugespitzt, während Ton und Atmosphäre oft auf Reduktion, klaustrophobische Enge und eine dichte Klanggestaltung setzen, die das Off genauso bedrohlich macht wie das Sichtbare.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen nach Verantwortung - wer trägt sie, wenn Systeme versagen, und wie weit darf oder muss eine Einzelne gehen, um ein Leben zu retten? Diese ethische Dimension durchzieht die Erzählung. Parallel dazu steht die Untersuchung von Trauma und Schuld - berufliche Belastung als psychische Last, die private Beziehungen belastet. The Call verhandelt damit nicht nur einen einmaligen Notfall, sondern auch die Nachwirkungen von Entscheidungssituationen auf jene, die entscheiden.

Technologie und Vermittlung sind weitere Leitmotive - das Telefon als Medium fungiert hier nicht nur als Werkzeug der Rettung, sondern auch als Ort der Ambivalenz: Stimme statt Blick, Distanz statt Körperlichkeit. Die Inszenierung betont, wie Kommunikation selbst zum dramaturgischen Prüfstand wird - Missverständnisse, zeitliche Verzögerungen und das Ringen um Deutungshoheit sind strukturelle Konfliktquellen. Schließlich arbeitet der Film mit dem Thema Geschlecht - die spezifische Verwundbarkeit von Frauen und Mädchen in städtischen Räumen und die Frage, wie Institutionen auf diese Verwundbarkeit reagieren oder sie reproduzieren.

In der Summe präsentiert The Call einen Thriller, der seine Spannung aus moralischen Entscheidungen und aus der Form der Vermittlung bezieht. Der Film lädt zur Reflexion über die Bedingungen moderner Hilfeleistung ein - eine Reflexion, die Brad Andersons Interesse an isolierten Figuren und psychologischer Verdichtung in ein zugängliches, zugleich thematisch gewichtetes Genreformat überführt.

Filmkritik von Carsten Moll

Ein entführtes Mädchen im Kofferraum und ein durch einen glücklichen Zufall unentdecktes Handy werden für die Telefonistin Jordan Turner (Halle Berry) zu einer ganz besonderen Zerreißprobe. Jordan arbeitet in der Notrufzentrale von Los Angeles, Anrufe von Unfallschauplätzen gehören genauso zu ihrem Alltag wie Suizide, Verbrechen aller Art und Fledermäuse im Schlafzimmer. Doch als sich die junge Casey (Abigail Breslin) direkt aus dem Wagen ihres psychopathischen Entführers (Michael Eklund) meldet, steht Jordan nicht nur vor einem besonders nervenaufreibenden Arbeitstag, sondern wird auch mit ihren inneren Dämonen und der eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Als einen vom Stimmengewirr summenden Bienenstock inszeniert Regisseur Brad Anderson die riesige Notrufzentrale und das geschäftige Treiben, das sich darin Tag für Tag abspielt. Nicht weniger als das Gehirn der Megastadt stellt dieses besondere Call Center dar, lebenswichtiges Organ für ein Los Angeles, das aus der Vogelperspektive immer wieder zu einem gigantischen Organismus wird; wie Adern, durch die der Verkehr pumpt, ziehen sich die Straßen durch die Metropole. Es ist ein Amerika der Freeways und Shopping Malls, und dass hier alles in halbwegs geordneten Bahnen abläuft, scheint vor allem das Verdienst eines gut vernetzten Sicherheitsapparats mit der Notrufzentrale als wichtigem Knotenpunkt zu sein.

Das detailreich und authentisch gestaltete Set dieser Zentrale bildet das Herzstück des Films, ein Mikrokosmos, der dem Publikum die Telefonoperatoren menschlich näher bringt und als Helden des Alltags präsentiert. Mit seinem Personal aus überwiegend Frauen, fast alle davon Women of Color, und einem Rollstuhlfahrer ergänzt The Call so ganz nebenbei die Riege der klassischen und oft männlichen, weißen Helden aus Feuerwehrleuten, Polizisten und Leistungsportlern um einige Facetten und einen weiteren Berufszweig.

Spätestens aber mit dem Anruf des panischen Teenagers rückt der Fokus weg von dieser Routine. In der Inszenierung des Telefonats zwischen Casey und Jordan ist der Film am stärksten, beinahe kammerspielartig konzentriert er sich ganz auf den Dialog zwischen den beiden Frauen. Da braucht es nicht viel mehr als Berrys nuanciertes Spiel in Großaufnahme und Breslins parallel montierten Überlebenskampf, um eine ungeheure Spannung zu erzeugen. Auch dem winzigen und auf den ersten Blick wenig verheißungsvollen Handlungsort des Kofferraums kann Anderson erstaunlich viel abgewinnen: Ein Eimer weißer Farbe wird da zum Hoffnungsschimmer, ein Schraubenzieher zur tödlichen Waffe. Die zahlreichen Wendungen und Einfälle mögen nicht immer ganz logisch sein, wirkungsvoll sind sie allemal.

Störender sind da eher der wenig subtile Soundtrack, der so manches Mal die Gehörgänge malträtiert, und die drastischen Gewaltausbrüche, die zwar weitestgehend im Off stattfinden, aber trotzdem für so manchen Schockmoment und einigen Ekel sorgen dürften. The Call ist Affektkino, das die Emotionen weitaus mehr beansprucht als den Verstand und sich dabei nicht selten in Effekthascherei verliert. Im Unterschied zum Genreklassiker Das Schweigen der Lämmer[LINK] (The Silence of the Lambs, 1991), dem hier mal mehr, mal weniger erfolgreich nachgeeifert wird, beschränkt sich der Subtext von The Call auf das Nötigste: Feministische und gendertheoretische Aspekte, die Jonathan Demmes Thriller um eine komplexe Bedeutungsebene bereicherten und für Kontroversen sorgten, werden hier nur oberflächlich gestreift.

Ähnlich wie Das Schweigen der Lämmer zieht es auch Andersons Film immer mehr zum Horror. Gegen Ende wandelt sich The Call vom Psychothriller zum klassischen Slasherfilm und setzt mit Casey und Jordan gleich zwei Final Girls mit passenden Unisex-Namen auf den Serienkiller an. Dieser Showdown ist im Vergleich zum gelungenen Mittelteil nicht bloß konventionell und uninspiriert in Szene gesetzt, vor allem die Figurenzeichnung leidet mit voranschreitender Laufzeit. Die Konventionen des Horrorgenres werden zwar pflichtbewusst erfüllt, im Kontext des Films aber muss die Entwicklung der Charaktere unplausibel erscheinen. Wo Berrys Figur anfangs noch recht vielschichtig und glaubwürdig porträtiert wird, da stilisiert Anderson seine beiden Progatonistinnen gegen Ende allzu plakativ zu Powerfrauen.

The Call ist gut gespieltes und über weite Strecken nervenaufreibendes Kino. Leider verschenkt die konventionelle Inszenierung viel Potenzial und verliert sich im Laufe der Handlung immer mehr in Klischees. So kann der Film dem Thrillergenre nur wenig Originelles hinzufügen.

Filmkritik von Mattes Teschabai

Unsere urbane Massenkultur diktiert die Wege unserer Kommunikation. Wo irgendwann einmal die tatsächliche Begegnung stand, dominieren schon lange die Medien und neben dem irrsinnig wuchernden Internet erweist sich das Telefonat noch immer als Kommunikationsgarant. Brad Andersons (The Machinist, Transsiberian) Entführungsthriller „The Call – Leg nicht auf“ spielt sich hauptsächlich in einer Notrufzentrale und dem Kofferraum eines Kidnappers ab und trifft in dieser Struktur durchaus Ängste und Ohnmacht einer medial gesteuerten Gesellschaft. Der Dialog zwischen Telefonistin Halle Berry und Entführungsopfer Abigail Breslin erweist sich als herrlich aufreibende Konzept-Idee, die Anderson technisch einwandfrei in einen rhythmisch nervösen Reigen verwandelt, auch wenn der Film teils ins Trashige hineinschnuppert. Die beiden Hauptdarstellerinnen machen Laune, der klaustrophobische Trip ist mit guten 90 Minuten schön knackig – und trotzdem verlässt man das Kino mit einem unschönen Geschmack im Mund.

Jordan (Halle Berry) hat Glück in der Liebe und im Spiel – sie ist erfolgreich und populär an ihrem Arbeitsplatz, der Notrufzentrale L.A., und außerdem glücklich verliebt. Ein Code-Red Anruf ändert alles: Jordan erlebt am Telefon wie ein Mädchen ermordet wird, wofür sie aufgrund mangelnder Konzentration teilverantwortlich zeichnen muss. Beruflich wie privat gebrochen, entscheidet sich Jordan nach kurzer Zeit Ausbilderin zu werden und den Einsatz am Telefon Unversehrten zu überlassen. Ihre neue Lehrer-Routine wird harsch beendet, als der Anruf der jungen Casey (Abigail Breslin) aus dem Kofferraum ihres Kidnappers (Michael Eklund) in die Zentrale durchkommt und ausgerechnet an einen unerfahrenen Frischling geleitet wird. Jordan übernimmt das Steuer und muss sich ihren eigenen Schuld-Dämonen stellen.Sie muss die Alptraumverfolgung navigieren und nebenbei eine stärkende Beziehung zu Casey aufbauen, damit diese keine Fehler macht.

Wer gerne Drehbuch-Schnitzer sucht, kann sich auf 90 Minuten selbstzufriedenes Schenkelklopfen einstellen. Das absurde Script in seiner Unlogik jedoch einmal akzeptiert, bietet „The Call“ ein unglaubliches Tempo und eine interessante narrative Idee, die schon auf dem Kinoplakat deutlich wird: 188 Millionen Notrufe im Jahr, einer wird persönlich – Drehbuch-Autor Richard D´Ovidio erzählt die Geschichte von Jordans Entscheidung, die eigentlich verpflichtende Distanz zum Anrufer aufzuheben und Caseys Fall von Anfang bis Ende nachzuvollziehen. Die Notrufzentrale wird von den Mitarbeitern bezeichnenderweise „The Hive“ (dt. Bienenstock) genannt und ist von einer insektoiden Netzwerk-Anonymität geprägt, die es Mitarbeitern ermöglichen soll, Abstand und Fassung zu den unzähligen Horrorgeschichten zu wahren, die sie täglich annehmen. Doch Jordan lässt alle Hüllen fallen. Sie versenkt sich in Caseys Fall, identifiziert sich nahezu mit ihr und wird zum Teil der Geschichte. „Rear Window“ am Telefon.

Brad Anderson findet die richtigen Umsetzung für diese Entwicklung. Während er in „The Machinist“ Christian Bales abgemagerten Körper in kafkaesken Halbnahen verrätselt, entwickelt Anderson gemeinsam mit Kameramann Tom Yatsko und Cutter Avi Youabian für „The Call“ eine dynamische Bildersprache, die hart zwischen klaustrophobisch nahen Detaileinstellungen im Auto, weiten Highway-Vogelperspektiven und dem organisierten Gewusel im Hive hin- und herschneidet. Zwar kann die Kamera-Arbeit von Fernseh-Routinier Tom Yatsko nie ganz den CSI-Geschmack abschütteln, doch lässt sich darüber locker hinwegsehen. Die Handlungsmöglichkeiten der Figuren definieren sich über die Räume, in denen sie sich befinden: Casey spaziert zu Beginn des Films entspannt mit einer Freundin durch die Shopping-Mall, eingeschränkt nur durch die ständig besorgten Anrufe der Mutter – Minuten später ist es der Kofferraum, der sie einschränkt und das versteckte Ersatztelefon in ihrer Tasche wird zur einzigen Hoffnung auf Freiheit. Alles läuft in der Notrufzentrale zusammen: hier sammeln sich die Informationen und gehen wieder heraus, an Helikopter und Streifenwagen, an die Augen und Hände der Geschichte.

Dass einige Dialoge quälend grob geschrieben sind und sich auch die letzte Reihe mehr als einmal an den Kopf fassen muss, weil wieder ein hanebüchener Zufall eingetreten ist – darüber lässt sich locker hinwegsehen. Doch „The Call“ leistet sich besonders gegen Ende ein paar Unverzeichlichkeiten: der von Michael Eklund ohnehin etwas unklar gespielte Bösewicht erlebt eine Vorschlaghammer-Überpsychologisierung und gleichzeitig versucht der Film noch hastig die ästhetische und dramaturgische Wendung in düsterste Rape-and-Revenge-Gefilde. Das passt nicht zusammen und wirkt zynisch. Das Finale ist zwar spannend und wie alles Vorige mit technisch einwandfreiem Suspense gefüllt, doch hat es auch nichts mehr mit dem Rest des Films zu tun. Die dramatische Zusammenführung von Jordan und Casey auf dem Schlachtfeld des echten Lebens jenseits des Bienenstocks wirkt geichzeitig mechanisch lieblos und nimmt bitter patriotische Züge an.

Ob diese unorganische Brechung des Films allein am druchwachsenen Drehbuch des Richard D´Ovidio liegt oder auf die Rechnung der sich gerade noch positionierenden Produktionsfirma Troika Pictures geht, ist fraglich. Im letzten Drittel des Films versteht der Zuschauer jedenfalls endlich, weshalb er zu Beginn neben dem Troika-Logo auch den Schriftzug der WWE Studios zu sehen bekommen hat. Halle Berry vom Telefonstühlchen in einen Rachefeldzug voller Amerika-Flaggen zu schicken, passt ja irgendwie in die Welt des WorldWrestlingEntertainment. Das eigentlich als Fernsehserie gedachte Erzählkonzept des Notruf-Hives wird einem Versatzstück-mäßigem Finale geopfert, das beim Verlassen des Saals einen nervig bis zynischen Geschmack im Mund hinterlässt. Trotzdem: Brad Anderson beweist mit The Call ein sicheres Händchen für ein weites Spektrum an filmischer Darstellungskunst. Er schafft es Tempo, Action und Spannung in Bilder zu stecken, die an einigen Stellen durchaus einen bleibenden Mehrwert bieten.

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