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Teenage Mutant Ninja Turtles 2

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kritiken.de Redaktion 11.08.2016
Teenage Mutant Ninja Turtles 2© Paramount Pictures Germany
A ca. 1548 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Teenage Mutant Ninja Turtles 2 - Nostalgie, Mutation und die Logik des Hollywood-Blockbusters

Einleitung

Teenage Mutant Ninja Turtles 2 tritt an als Fortsetzung eines modernen Franchises, das seit den 1980er Jahren immer wieder neu verhandelt worden ist - eine Mischung aus Comic-, Spielzeug- und Zeichentrickkultur, die kontinuierlich in die Formate des Mainstream-Kinos eingespeist wird. Der Film ist kein nostalgischer Rückgriff allein, sondern ein Produkt seiner Zeit: Er verwandelt ikonische Figuren in digitale Effektkörper und versucht, sie in eine Gegenwart zu integrieren, in der Superhelden und CGI-Action den Markt dominieren.

Von besonderer Relevanz ist diese Produktion, weil sie an der Schnittstelle steht zwischen kommerziellem Blockbusterdenken und einer populärkulturellen Ikone, die immer wieder ihr Identitätsversprechen erneuern muss. Als Fortsetzung will der Film nicht nur die Fans bedienen, sondern auch ein jüngeres Publikum gewinnen - ein Anspruch, der seine formale und erzählerische Energie prägt. Die Relevanz ergibt sich weniger aus radikaler Neuerfindung als aus der Frage, wie ein massenmediales Franchise heute seine Legitimationskrise meistert.

Für den Regisseur markiert der Film eine Verschiebung: Erclustert Elemente aus Jugendspektakel, Popästhetik und Effektkinetik und sucht nach einer eigenen Handschrift in einem Dschungel von Produzentenvisionen. Im weiteren Sinn spiegelt die Produktion den Zeitgeist der 2010er Jahre wider - eine Ära, in der nostalgische Remakes und Reboots zur Industrieform geworden sind und in der sich Fragen von Identität, Anderssein und medialer Sichtbarkeit vielfach über das Genre des Blockbusters artikulieren.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Regie dieses zweiten Teils liegt in den Händen eines Filmemachers, der zuvor im Bereich des familienorientierten Abenteuerkinos arbeitet und hier erstmals in großem Stil ein Franchise verantwortet. Die Produktion steht unter dem Dach großer Studios und Produzenten, die in den letzten Jahren das Turtles-Universum in eine moderne, kommerzialisierbare Form gebracht haben - mit einem Budget, das den Film eindeutig als Effekthaus klassifiziert. Das Bemühen um Spektakel und die massenhafte Inszenierung von Actionsequenzen gehören zum Produktionskalkül.

Die Handschrift des Regisseurs zeigt sich weniger in radikalen formalen Experimenten als in der Balance zwischen Humor, jugendlicher Vitalität und actionorientierter Präzision. Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Effektteams und Stuntkoordinatoren ergibt ein Produkt, das sich textlich und visuell an aktuellen Blockbuster-Konventionen orientiert - schnelle Schnitte, großflächige CGI-Settings und eine klare Dramaturgie von Eskalation und Konfrontation.

Im Gesamtwerk des Studios nimmt der Film die Rolle eines typischen Franchise-Kapitels ein: Er soll die Markenbekanntheit festigen, Varianten der Figuren einführen und dramaturgische Stellschrauben für mögliche Fortsetzungen anlegen. Insofern ist er weniger als Einzelwerk zu lesen denn als Teil einer industriellen Serienlogik - eine Lesart, die seine Stärken und Beschränkungen gleichermaßen erklärt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Megan Fox, als prominente Besetzung des Ensembles, tritt wieder in der Rolle der April O'Neil auf - eine Figur, die sowohl als Verbindung zur menschlichen Welt als auch als Reflexionsfläche für die Medienlogik der Geschichte fungiert. Fox bringt die bekannte Pop-Ikone-Persona mit, die ihre Figur zwischen investigativem Eifer und Hollywood-Glamour ausbalanciert.

Will Arnett liefert die Stimme eines beredten Sidekicks - eine Haltungsarbeit, die seine komödiantischen Register aus früheren Serien- und Synchron-Credits nutzt. Stephen Amell, bekannt geworden durch die Serie Arrow, fügt der Palette eine physische Präsenz hinzu; seine Casey Jones ist die erdige, vigilante-getriebene Kontrapunktfigur zu den Schildkröten.

Die vier Titelträger selbst werden von einer Mischung aus Motion-Capture-Performern und Sprechern getragen: Alan Ritchson, Pete Ploszek, Jeremy Howard und Noel Fisher bilden das ensembleartige Rückgrat der Handlung als Raphael, Leonardo, Donatello und Michelangelo - Figuren, deren unterschiedliche Temperamente die narrative Koeffizienten für Humor, Pathos und Teamdynamik bereitstellen. Brian Tee übernimmt die Rolle des klassischen Widersachers Shredder und fungiert als personifizierte Bedrohung innerhalb der urbanen Topographie des Films. Weitere bekannte Namen wie Tony Shalhoub, Tyler Perry und Gary Anthony Williams besetzen Neben- und Stimmenpartien; ihre Präsenz unterstreicht die Mischform aus Starbesetzung und Effektfigur, die der Film anstrebt.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film entfaltet eine klar strukturierte Abenteuerdramaturgie: Eine Serie von eskalierenden Bedrohungen zwingt die Figuren, ihre Dynamiken neu zu verhandeln und Allianzen zu schmieden. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen den titelgebenden, mutierten Protagonisten und einer sich technologisch und politisch formierenden Gegenseite, die das urbane Gefüge New Yorks instrumentalisiert.

Die zentralen Figuren bilden ein heterogenes Kollektiv - die Schildkröten als Familie, April als Vermittlerin zur menschlichen Welt und Casey als ambivalenter Außenseiter. Der dramatische Konflikt beruht weniger auf psychologischer Verfeinerung als auf funktionaler Absteckung: Wer übernimmt Führung, wie reagiert die Gesellschaft auf das Andere, und welche Mittel gelten als legitim im Kampf gegen eine eskalierende Gefahr? Tonal bewegt sich der Film zwischen slapstickartiger Leichtigkeit, heroischer Exposition und actiongeladener Intensität; die Atmosphäre ist urban, visuell opulent und auf unmittelbare Wirksamkeit angelegt.

Zentrale Themen und Motive

Teenage Mutant Ninja Turtles 2 stellt Fragen nach Zugehörigkeit und Außenseitertum, ohne in philosophische Tiefen abzutauchen. Mutation dient hier als Metapher für Differenz - sie provoziert Reaktionen, die von Angst bis Bewunderung reichen, und konfrontiert das visuelle Spektakel mit sozialen Implikationen: Wie begegnet eine Stadt dem Anderen, und welche Rollen nehmen Medien, Milizen und das Militär in der öffentlichen Wahrnehmung ein?

Weiterhin arbeitet der Film mit dem Motiv der Familie - nicht als biologischer Kategorie, sondern als geteilte Loyalität und kollektive Identität. Die Turtles sind eine Einheit, deren Zusammenhalt immer wieder auf die Probe gestellt wird; daraus resultieren Motive von Vertrauen, Verantwortung und Selbstfindung. Nicht zuletzt reflektiert die Produktion die Ökonomie der Nostalgie: Figuren und ikonische Setpieces werden in eine moderne Effektästhetik überführt, wodurch Fragen nach Authentizität, Kommerzialisierung und kulturellem Gedächtnis berührt werden.

In seiner Gesamtheit liest sich der Film als Produkt einer industriellen Kultur, die bekannten Stoffen neues visuelles Kapital zuschreibt. Er verhandelt populäre Themen auf einer Oberfläche, die spektakulär funktioniert und zugleich die Grenzen eines Genres offenlegt, das sich zwischen Kinderunterhaltung, Actionkino und Franchise-Logik bewegt.

Filmkritik von Gregor Ries

Komödiant Will Arnett dürfte über den Umstand erfreut sein, dass „Wetten dass“ inzwischen nicht mehr existiert. Bei seiner Promotiontour zum Reboot von „Teenage Mutant Ninja Turtles“ musste er nach Germany reisen und seine Zeit auf der fahrbaren Markus Lanz-Couch absitzen, worüber er sich bei seiner Rückkehr in der „Jimmy Kimmel Show“ bitterlich beschwerte. Doch Arnett als großspuriger Kameramann Vernon Fenwick kommt in der Fortsetzung „TMNT 2“ ohnehin eine eher marginale Rolle zu, obwohl ihn der Prolog noch in den Fokus stellt. Als gefeierter Retter von New York City wird ihm den Schlüssel zur Stadt überreicht, während die mutierten Schildkröten als wahre Helden Pizza kauend im Untergrund verweilen müssen.

Nur die Zuschauer und Vernons Kollegin April O’Neill wissen es besser, dass die kalauernden Gesellen in Wahrheit die Pläne des maskierten Schurken Shredder vereiteln konnten. Als Wesen jenseits der Norm residieren die Krieger unerkannt im Verborgenen. Darunter leidet immer stärker ihr Selbstwertgefühl, denn jenseits aller Pizzagenüsse und Frotzeleien würde das Quartett doch lieber im Rampenlicht stehen. Die Problematik des Outings soll dem knalligen Stoff etwas mehr Tiefgang verleihen, was schon der Originaltitel „Out of the Shadows“ unterstreicht. Streckenweise treibt die Frage, wie die Öffentlichkeit mit den Außenseitern umspringen würde, einen Keil in die verschworene Gemeinschaft. Man könnte den Untertitel allerdings noch auf Shredders neue Aktivitäten auslegen, denn mit seinen aktuellen Plänen treiben der asiatische Gangster und seine Fußsoldaten die Zivilisation erneut an den Rand des Abgrunds.

Zudem müssen sich die Turtles weiteren Widersachern stellen, die innerhalb des „TNMT“-Universums längst keine Unbekannten mehr sind: Zusammen mit Shredders rechter Hand Karai (Brittany Ishibashi) plant der verrückte Wissenschaftler Baxter Stockman (Tyler Perry) den verhafteten Bandenführer (Brian Lee) während dessen Überführung per Transporterstrahl zu befreien. Obwohl die Turtles Donatello (Jeremy Howard), Leonardo (Pete Ploszek), Michelangelo (Noel Fisher) und Raphaelo (Alan Ritchson) zusammen mit April O’Neill (Megan Fox) Wind davon bekamen, können sie den Ausbruch nicht mehr verhindern. Aber nicht alles läuft für die Kriminellen rund: Shredder landet in einer anderen Dimension bei Alien-Warlord Krang, der von ihm Unterstützung bei der Unterjochung der Erde verlangt.

Dazu übergibt die schleimige Kreatur Shredder ein Mutagen namens Ooze. Probeweise verwandelt der Finsterling seine ebenfalls entflohenen Mitgefangenen Bebop (Gary Anthony Williams) und Rocksteady (Stephen Farrelly) in ein punkiges Warzenschwein und ein Nashorn, was April O’Neill heimlich mitverfolgt. Als die Turtles davon Wind bekommen, erweckt es bei ihnen insgeheim die Hoffnung, sich dank dieses Mittels in echte Menschen transformieren zu können. Unterstützung erhalten sie bei der Jagd auf ihren Erzfeind durch den in Ungnade gefallenen Polizisten Casey Jones (Stephen Amell), dem die Gefangenen entwischten. Mit einer Hockeymaske verkleidet, begibt er sich zunächst solo auf Verbrecherhatz.

Dass es Casey relativ einfach gelingt, die Flüchtigen aufzuspüren, zeigt schon, wie wenig sich die Autoren Josh Applebaum und André Nemec sowie Regisseur Dave Green um Logik oder Kohärenz bemühten. Ebenso überhastet wirkt das Finale, in dem manchem der einführten Charakteren kaum noch Relevanz zukommt. Stärker baut man auf rasante Actioneinlagen, auf den Zuschauer zurasende Elemente oder einen knalligen Live-Comic-Look. Spätestens das Ende mit dem sich auflösenden Raumschiff weckt zu deutliche Reminiszenzen an die „Transformers“-Reihe. Wenigstens wurde das aus vielen Michael Bay-Werken vertraute Schnittgewitter auf ein erträgliches Minimum reduziert.

Größeres Gewicht kommt dem aus den früheren Filmen vertrauten Humor zu. Mancher Gag verfehlt seine Wirkung nicht, andere Einfälle fielen dagegen zu albern aus. Den Fans dürfte diese Entwicklung aber ebenso zusagen wie die Rückkehr bewährter Figuren aus der „Turtles“-Welt. Neben Achtziger-Illustrationen während des Nachspanns greifen die Auftritte von Charakteren wie Casey Jones, Baxter Stockman, Krang, Bebop oder Rocksteady auf das von Peter Laird und Kevin Eastman kreierte Franchise zurück. Obwohl die aufgeworfene Außenseiterthematik eher an der Oberfläche bleibt, befindet sich der zweite Teil des „Turtles“-Reboots auf einem besseren Pfad als sein uninspirierter Vorgänger.

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