Ghostbusters 2016 - Reboot, Geschlechterpolitik und die Verhandlung von Nostalgie im Mainstreamkino und Kommerz
Einleitung
Der Neustart von Ghostbusters aus dem Jahr 2016 lässt sich nicht allein als weiterer Beitrag zum Franchise lesen. Er ist ein kulturpolitisches Signal inmitten einer Ära, in der Filmreboots, Fan-Erwartungen und die Sichtbarkeit von Frauen im kommerziellen Kino aufeinanderprallen. Die Neuauflage fungiert als Bühne für Debatten über Urheberschaft, Erinnerung und die Bedingungen, unter denen populäre Mythen neu verhandelt werden.
Regisseur Paul Feig, zuvor bekannt geworden mit Ensemblekomödien wie Bridesmaids und Screwball-geschulten Actionkomödien wie Spy, bringt seine charakteristische Handschrift in ein Projekt, das sowohl die Erwartungen des Blockbusterkinos bedient als auch die Mechanik des Genrehumors auf eine weibliche Besetzung überträgt. Die Relevanz des Films liegt weniger in der erzählerischen Überraschung als vielmehr in der Art und Weise, wie er kulturelle Referenzen, Publikumserwartungen und industriepolitische Parameter bündelt.
Die Veröffentlichung 2016 fiel in eine Zeit verstärkter Debatten über Repräsentation und Internetkultur. Das Projekt wurde vorab zum Kristallisationspunkt für eine Kulturauseinandersetzung, in der Online-Toxizität, nostalgische Besitzansprüche und Marketingstrategien sich wechselseitig bedingten. Diese Umstände sind Teil dessen, was den Film als Objekt der Film- und Medienanalyse interessant macht - weniger als Ursache für Kontroversen, mehr als Ausdruck verschränkter Diskurse der Gegenwartskultur.
Kurzüberblick zur Produktion
Ghostbusters 2016 entstand im Rahmen eines großen Studioprojekts von Columbia Pictures, angelegt als Neuinterpretation des 1984 von Ivan Reitman begründeten Phänomens. Unter Paul Feigs Regie verlagert sich die Tonalität in ein bekanntermaßen komödiantisches Terrain, ergänzt durch das technische Rüstzeug moderner Effekte. Das Produktionsbudget bewegte sich im hohen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Millionenbereich, was die Ambition der Studios, ein marktfähiges Blockbusterprodukt zu liefern, unterstreicht.
Feigs Handschrift zeigt sich in der Betonung von Ensemblechemie, in der Balance zwischen körperlicher Komik und ironischer Selbstreflexion sowie in einem Interesse an Figurenkonstellationen, die lange Zeit männlich dominiert waren. Produktionsseitig bestand die Herausforderung darin, nostalgische Bezüge zum Original zu verknüpfen mit einer Neuformulierung, die dem zeitgenössischen Publikum Aktualität und Identifikationsangebote bietet. Diese Gratwanderung - zwischen Tribut und Innovation - prägt die formale und dramaturgische Anlage des Films.
Im Produktionskontext fällt außerdem die bewusste Besetzungspolitik ins Auge: Neben jungen Komödiendarstellerinnen treten etablierte Gesichter der Originalreihe in Nebenrollen auf, wodurch der Film eine explizite Verbindung zur Franchise-Historie herstellt. Die Produktionsgestaltung setzt auf eine visuelle Mischästhetik - retrofuturistische Apparaturen treffen auf digitale Effekte - und macht den Film zum Versuchsfeld für die Frage, wie Nostalgie handhabbar bleibt, ohne in reinen Verweis zu verfallen.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Das Ensemble wird von Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon und Leslie Jones getragen, die die neue Kerntruppe bilden. McCarthy, bekannt durch ihre laute, körperbetonte Komik in Filmen wie Bridesmaids und The Heat, bringt eine impulshafte Energie in die Rolle einer impulsiven Wissenschaftlerin. Kristen Wiig, zuvor berühmt geworden durch ihre Arbeit bei Saturday Night Live und durch fein austarierte, neurotische Figuren, bietet hier die rationalere Komponente. Kate McKinnon liefert als Exzentrikerin mit hoher physischer und intellektueller Komik eine markante, anarchische Note. Leslie Jones, mit Stand-up-Hintergrund, fügt der Gruppe eine stadtkulturelle Perspektive hinzu.
Chris Hemsworth übernimmt eine untypische Nebenrolle als naiver Frontmann, dessen Präsenz weniger auf Heroismus als auf komödiantischem Kontrast beruht. Ergänzt wird das Ensemble durch Gastauftritte und Nebenrollen von Altmeistern wie Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson und Sigourney Weaver, deren Anwesenheit den Film bewusst in die Kontinuität des Franchise einbettet. Schauspieler wie Charles Dance und Andy García fungieren als externe Autoritäten innerhalb der Narration, die die institutionelle Dimension der Handlung markieren.
Handlung (spoilerfrei!)
In groben Zügen führt der Film ein Team von Forscherinnen und Pragmatikerinnen zusammen, die sich mit ungewöhnlichen Phänomenen in einer Großstadt auseinandersetzen. Aus zunächst wissenschaftlicher Neugier entsteht ein öffentlich wirksames Unternehmen, das sich der Untersuchung und der Eindämmung übernatürlicher Erscheinungen widmet. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall von Expertise und Skepsis, von persönlichen Beziehungen und institutioneller Ablehnung, sowie aus der steigenden Intensität der phänomenologischen Bedrohung.
Zentrale Figuren sind dabei gleichermaßen Experten, Außenseiter und Performer, deren Interaktion sowohl komödiantische Momente als auch erzählerische Spannungen erzeugt. Tonal ist der Film auf ein Gemisch aus Screwball-Energie, slapstickartiger Exzentrik und auf visuellem Grusel angelegt; die Atmosphäre wechselt zwischen urbaner Alltäglichkeit und eskalierendem Übernatürlichen, wobei das komödiantische Moment als Vermittler zwischen Realismus und Fantastik fungiert.
Zentrale Themen und Motive
Der Film verhandelt Fragen der kulturellen Autorität - wer darf Geschichten fortschreiben und wie legitimiert sich eine Erzählung gegenüber ihrem Publikum. In diesem Zusammenhang tritt Geschlechterpolitik nicht nur als thematischer Unterton auf, sondern als strukturbildendes Element: Die Besetzung als Statement trifft auf das Bedürfnis des Studios nach Marktgängigkeit, was Produktions- und Rezeptionsbedingungen gleichermaßen prägt.
Weitere Motive betreffen das Verhältnis von Wissenschaft und Sensation; die Protagonistinnen bewegen sich in einem Feld, das zwischen empirischer Methode und medialer Inszenierung oszilliert. Die Stadt selbst wird zum Schauplatz kollektiver Ängste und zur Projektionsfläche für Verunsicherung, wodurch der Film Anschluss an traditionelle Großstadtkapitel des Genres findet. Schließlich geht es um Erinnerungskultur: Der Umgang mit dem Erbe eines populären Textes - Tribut, Revision, Zitat - ist stets auch ein Kampf um das Recht auf Aneignung und Neuinterpretation.
Als Filmobjekt eignet sich Ghostbusters 2016 vor allem dazu, die Mechanismen des zeitgenössischen Mainstreamkinos zu beleuchten: Wie reagieren Studios auf Forderungen nach Diversität, wie wird Nostalgie instrumentiert, und auf welche Weise kann Komik zum Vehikel für eine breitere kulturelle Neuverhandlung werden. Damit bleibt der Film weniger für sich selbst interessant als für das, was er über Produktionsästhetik, Rezeptionskultur und die politische Ökonomie des Pop erzählt.
Filmkritik von Peter Osteried
Besser als erwartet, aber nicht richtig gut: Ghostbusters!
Der neueste Film des Ghostbusters-Franchise hat den zweifelhaften Ruf, den am schlechtesten bewerteten Trailer aller Zeiten aufgefahren zu haben. Als der Trailer debütierte, ergossen sich Häme und Spott über den Film. Der Marketing-Abteilung von Sony ist das egal. Oder zumindest tut man so. Man erklärte jüngst, dass die „Hasser“ nur einen kleinen Prozentteil des Publikums ausmachen würden. Mag sein, mag aber auch Zweckoptimismus sein, denn ein Trailer, der das Publikum gar nicht anspricht, ist natürlich nicht dazu geeignet, es überhaupt ins Kino zu locken. Selbst, wenn der Film gut sein sollte – und dieser neue Ghostbusters ist kein großer Wurf, auch wenn er nicht so übel wie befürchtet ist.
Vor Jahren haben Erin (Kristen Wiig) und Abby (Melissa McCarthy) ein Buch über Geister geschrieben. Nun holt Erin dies ein, da man ihr einen Lehrposten an der Columbia University verweigert. Seit Jahren haben Erin und Abby nicht mehr miteinander gesprochen, nun treffen sie sich jedoch wieder - und bekommen es mit einem Geist zu tun. Teil des Teams sind auch Jillian (Kate McKinnon) und Patty (Leslie Jones). Zusammen sind sie die Ghostbusters, die Manhattan vor einer Geisterplage retten müssen.
Angesichts der Promotion, aber auch dem Verhalten von Melissa McCarthy und Leslie Jones, die sich im Vorfeld damit hervorgetan hatten, über Kritiker herzuziehen, läuft der Film in den USA besser als erwartet, aber nicht so gut, dass ein Sequel eine ausgemachte Sache wäre. Dabei ist Potenzial vorhanden, da sich dieser neue Ghostbusters gar nicht so übel anlässt. Wenn man denn darüber hinwegsieht, dass es im Grunde nur ein Remake des Originals ist. Sicherlich gibt es einige Veränderungen, auch und gerade, weil die Geisterjäger jetzt weiblich sind, aber letzten Endes bleibt man nahe an der Vorlage – inklusive eines Auftritts des Marshmallowmans und des Slimers, auch wenn die Umstände anders sind.
Enervierend ist Melissa McCarthy, die nun endgültig den Punkt erreicht hat, der auch in der Karriere von Komödianten wie Adam Sandler unweigerlich gekommen ist: Sie ist nicht länger komisch, nur noch nervend. Den Zenit ihrer Karriere dürfte sie damit auch überschritten haben. Der eigentliche Star ist aber Kate McKinnon, die man hierzulande kaum kennt, in den USA aber durch Saturday Night Live bekannt wurde. Als flippige, voll auf Risiko gehende Holtzmann ist sie der X-Faktor in dieser Gruppe. Sie ist cool und sie ist witzig – hier passt die Mischung. Bei ihren Kollegen sieht das anders aus. Lediglich Chris Hemsworth als dämlicher Rezeptionist hat noch die Lacher auf seiner Seite. Der Mann hat einfach ein Gespür dafür, komische Akzente zu setzen.
Es gibt Cameo-Auftritte von Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson und Sigourney Weaver. Damit wird dieser Reboot wohl ein wenig geadelt, in gewisser Weise ist es aber kurios, gerade Murray zu sehen, da es über Jahre hinweg an ihm scheiterte, dass ein dritter Teil der ursprünglichen Reihe produziert wurde.
Ein paar Gags funktionieren, ein paar Figuren sind gut getroffen und ein paar der Geisterszenen machen durchaus Spaß. Das reicht nicht, um diesen Streifen auch nur annähernd auf dasselbe Podest wie das Original aus dem Jahr 1984 zu rücken, aber es ist genug für einen mehr oder minder vergnüglichen Kinoabend. Sollte es mit dieser Inkarnation der Ghostbusters jedoch weitergehen, sind dringend einige Änderungen vonnöten.

