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Lights Out

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kritiken.de Redaktion 04.08.2016
Lights Out© Warner Bros. GmbH
A ca. 1374 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Lights Out - Dunkle Räume, helle Ängste: Die Ästhetik des häuslichen Schreckens

Einleitung

Lights Out tritt in eine lange Tradition des psychologischen Horrors ein, der nicht vorrangig auf monströse Opulenz setzt, sondern auf die rasselnde Intimität familiärer Räume. Der Film erscheint 2016 und nutzt das einfache, ikonische Motiv von Licht und Dunkelheit als dramaturgische Zwangsjacke, in der persönliche Traumata und übernatürliche Präsenz ineinanderfließen. Seine Relevanz liegt weniger in einer Neuerfindung des Genres als in der präzisen Verdichtung einer modernen Angstform: der Angst vor dem Vertrauten, das sich plötzlich als gefährlich erweist.

Innerhalb des Schaffensweges seines Regisseurs markiert Lights Out den Übergang von einem viral erfolgreichen Kurzfilm zu einem Spielfilmdebüt mit internationaler Sichtbarkeit. Die Arbeit zeigt eine junge Regiehand, die aus sparsamen Mitteln ästhetische Konsequenz zieht und dabei filmtechnische Regeln - Beleuchtung, Perspektive, Timing - zum narrativen Kern macht. In dieser Leistung lässt sich eine Handschrift erkennen, die späteres Wirken in kommerzielleren Genres vorwegnimmt.

Der Film setzt sich zugleich in den Zeitgeist der Mitte der 2010er Jahre: Die Demokratisierung filmischer Sichtbarkeiten durch Internetplattformen und die damit verbundene Koppelung von Indie-Format und Studioförderung. Lights Out fungiert als Beispiel für einen Kulturtransfer - vom Kurzfilm-Phänomen ins große Kino - und dokumentiert, wie genreaffine Ideen in einem Markt, der sowohl Nostalgie für klassische Schauergeschichten als auch Effizienz im Produktionsbereich verlangt, kanalisiert werden.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Verfilmung basiert auf einem kurzen Internetphänomen und brachte seinem Regisseur die Aufmerksamkeit internationaler Produzenten. Die Adaption wurde von etablierten Genreproduzenten unterstützt, was dem Projekt den Übergang von Low-Budget-Kurzfilm-Ästhetik zu einem professionellen Studiofilm ermöglichte. Die Produktionsbedingungen zeichnen sich durch diesen hybriden Charakter aus - die ökonomischen Zwänge eines ökonomisch-effizienten Horrorkinos gepaart mit dem Rückgrat einer größeren Verleihanbindung.

Die Handschrift des Regisseurs ist durch eine stringente Konzentration auf formal gestützte Angst erzeugt. Technisch wird das Prinzip des Films durch eine rigide Dramaturgie des Sehens bestimmt: Licht wird nicht nur als atmosphärisches Element genutzt, sondern als aktive Figur im Filmgefüge. Kameraarbeit und Montage arbeiten zusammen, um das Wechselspiel von Sichtbarkeit und Verbergen präzise zu modulieren. Obwohl Lights Out formal anschlussfähig an konventionelle Mainstream-Horrorästhetik ist, bleibt die Regieführung bemerkenswert auf die Mikrostruktur des Schreckens fokussiert.

In der Gesamtstellung des Werkes fungiert der Film als Ausgangspunkt - ein Versuch, die kompositorischen Qualitäten eines Kurzfilms auf Spielfilmlänge auszuweiten. Diese Herausforderung prägt sowohl Erzähltempo als auch die Entscheidung, die zentrale Prämisse nicht durch zahllose Set-Pieces zu verwässern, sondern als konsequente, in sich geschlossene Form zu behandeln.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Teresa Palmer übernimmt die dramatische Zentralfigur und stellt die filmische Achse dar, an der sich familiäre Verantwortung und private Erinnerung verknüpfen. Bekannt geworden durch frühe Arbeiten in Genre- und Independent-Produktionen, bringt sie eine gelassene Intensität ein, die den psychologischen Druck ihres Charakters greifbar macht. Maria Bello, als erfahrene Charakterdarstellerin mit einem Repertoire aus Kinofilmen und Fernsehrollen, verkörpert eine ambivalente Elternfigur, deren Verletzlichkeit die narrative Spannung des Films trägt.

Bei den jungen Darstellern liegen die Stärken in der Glaubwürdigkeit der familiären Dynamik. Gabriel Bateman und Emily Alyn Lind liefern die jugendliche Seite der Erzählung, die das traumahaft Verbindende zwischen Vergangenheit und Gegenwart verkörpern. Lotta Losten, Schauspielerin des ursprünglichen Kurzfilms, erscheint als stilistisches Bindeglied zwischen Ursprung und Erweiterung, ihre Präsenz fungiert als Echo der frühesten Form der Idee. Billy Burke und weitere Ensemblemitglieder vervollständigen das Milieu, in dem häusliche Routinen abrupt in Ausnahmezustände kippen.

Handlung (spoilerfrei!)

Lights Out erzählt von einem scheinbar banalen, häuslichen Setting, das durch das Eindringen einer unnahbaren Präsenz destabilisiert wird. Die zentrale Figur sieht sich gezwungen, familiäre Bindungen und eigene Erinnerungen neu zu verhandeln, während eine Kraft, die in der Dunkelheit zu existieren scheint, die Linie zwischen realer Bedrohung und psychischem Zusammenbruch verwischt. Raum und Licht werden zu den wesentlichen Akteuren: Sicherheiten, die im Alltag selbstverständlich sind, verlieren plötzlich ihre Verlässlichkeit.

Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus dem Widerstreit zwischen Schutz und Offenlegung - zwischen dem Bedürfnis, das Unheimliche zu verstecken, und dem Zwang, es ins Licht zu zerren. Zentrale Figuren sind die Angehörigen einer Familie, deren inneres Gefüge durch vergangene Ereignisse belastet ist. Der Film setzt weniger auf eine Vielzahl an Schauwerten als auf die sukzessive Verdichtung einer Atmosphäre, die klaustrophobisch und zugleich banal wirkt. Ton und Atmosphäre bewegen sich konstant im Bereich des Beklemmenden, wo jeder Schatten eine potentielle Erzählspur darstellt.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum des Films steht die Auseinandersetzung mit Angst als sozialem und privatem Phänomen. Lights Out fragt nach der Grenze zwischen dem, was als psychische Störung gelesen wird, und dem, was als übernatürliche Manifestation auftritt. Dabei spielt die Frage nach Zeugenschaft und Glaubwürdigkeit eine wesentliche Rolle: Wer wird erinnert, wer wird gehört, und wie entscheiden äußere Umstände über die Wahrnehmung innerer Realitäten?

Eine weitere Ebene betrifft die materielle Dimension der Angst: Lichtfunktionalität als technisches, kulturelles und symbolisches Element. Die wiederkehrende Metapher des Hellen versus Dunklen lässt sich als Meditation über Kontrolle interpretieren - über die Illusion, dass Technik und Routine menschliche Verwundbarkeit vollständig bannen könnten. Der Film spricht damit eine moderne, mediengeprägte Verletzlichkeit an, in der das Vertraute zum Ort der Bedrohung wird.

Schließlich arbeitet Lights Out mit dem Motiv der Kindheitserinnerung als Träger von Trauma. Die Vergangenheit kehrt nicht als abstraktes Motiv zurück, sondern als gestaltete Präsenz, die die Gegenwart kontaminiert. In filmischer Hinsicht führt das zu einem Spiel mit Perspektiven: Erinnern und Sehen determiniert die Kameraführung, die Montage und den rhythmischen Puls der Narration. So entsteht ein Horror, der weniger auf äußeren Effekten als auf der Suggestion und der strukturellen Logik von Angst basiert.

Filmkritik von Peter Osteried

Hütet euch vor dem nächsten Stromausfall!

Es ist eine Urangst, mit der Lights Out spielt. Die Angst vor der Dunkelheit, vor dem, was sich darin verbergen mag, hat Menschen von jeher Schauer über den Rücken gejagt. Filmisch lässt sich das wunderbar einsetzen, umso mehr, wenn man wie Regisseur David F. Sandberg, der hier auf Grundlage eines gleichnamigen Kurzfilms arbeitet, auf den Einsatz von CGI weitestgehend verzichtet.

Rebecca (Teresa Palmer) nimmt sich ihres kleinen Bruders Martin (Gabriel Bateman) an, da ihre Mutter nicht länger ihre Anti-Depressiva nimmt und wieder begonnen hat, mit einer imaginären Freundin zu sprechen. Doch von dieser Freundin geht eine Gefahr aus – eine, die nur in der Dunkelheit agiert. Wenn das Licht an ist, kann dieses Monster sich nicht bewegen, doch wo immer auch Schatten sind, stellt es eine Bedrohung dar. Dieser sind nun ach Rebecca und Martin ausgesetzt, da das Monster sie aus dem Weg räumen will.

Die Idee ist natürlich nicht neu. Man fühlt sich an Darkness Falls erinnert – und auch der war längst nicht der erste Film, der damit spielte, dass man nur im Lichtkegel in einer relativen Sicherheit vor dem Bösen da draußen ist. Originell ist das nicht, aber zumindest effektiv, da Sandberg weiß, wie er aus seinen Gruselmomenten das Maximalmögliche herausholt. Er arbeitet nicht mit Splatter und Gore, sondern mit Stimmung und Atmosphäre. Die Schwärze, die fast allumfassend ist – selbst beleuchtete Räume strömen eine Finsternis aus – sorgt für wohlige Schauer, weil man ebenso wie die Protagonisten immer danach sucht, wo man die Kreatur als nächstes sieht.

Ein wenig spielt Sandberg mit der Vorstellung, dass alles, was man an Übernatürlichem sieht, nur dem Wahnsinn der von Maria Bello gespielten Mutter entspringt. Dass man ihre Warte einnimmt, dass vielleicht auch ihre Kinder in einer Art Massenpsychose so von ihr beeinflusst sind, dass sie dasselbe sehen. Aber schon früh zeigt sich, dass für diese Ambivalenz kein Platz ist. Zu viele Szenen lassen sich ohne das übernatürliche Element nicht erklären. Das unterscheidet Lights Out von einem exzellenten Horrordrama, wie es der australische Babadook gewesen ist. Stattdessen erzählt Sandberg sehr geradlinig, ohne größere Schnörkel oder Ecken und Kanten.

Das gilt auch für die Hintergrundgeschichte rund um das Monster, die essenzielle Fragen offen lässt. Im Grunde ist es aber auch irrelevant, was es mit dieser Kreatur auf sich hat. Ihre bloße Existenz ist Antrieb dieser Geschichte und gruselig genug, um über die knappe Laufzeit das Interesse des Publikums zu halten.

Das gewisse Etwas fehlt jedoch, dass aus Lights Out nicht nur einen guten, sondern sogar einen großartigen Film hätte machen können. Eine stärkere Konzentration auf die Figuren, ein subtileres Eindringen des Bösen, ein interessanterer Background, all das hätte diesem Schocker geholfen. Nichtsdestotrotz ist Lights Out spannende und gute Genre-Unterhaltung. Zwar hinterlässt sie keinen bleibenden Eindruck, aber sie unterhält von der ersten bis zur letzten Minute.

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