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Barbershop: The Next Cut

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kritiken.de Redaktion 11.08.2016
Barbershop: The Next Cut© Warner Bros. GmbH
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Barbershop: The Next Cut - Komödie als kollektives Spiegelbild urbaner Verwerfungen

Einleitung

Barbershop: The Next Cut stellt sich nicht nur als Fortsetzung einer populären Franchise vor, sondern beansprucht die Rolle eines sozialen Echozimmers, in dem Lachen und Sorge zugleich artikuliert werden. Der Film, im August 2016 in die Kinos gekommen, verwebt die vertraute Sitcom-Logik der Reihe mit dem Impetus, aktuelle städtische Konflikte sichtbar zu machen. Damit ist er relevant als Beispiel dafür, wie populäres Kinokino den Anspruch annimmt, Gemeinschaftskrisen zu verhandeln, ohne die Mandate von Unterhaltung und Kommerz zu verraten.

Innerhalb der Filmreihe fungiert The Next Cut als Brücke zwischen nostalgischer Vertrautheit und einem versuchten tonal shift hin zu ernsteren Fragen. Die Barbershop-Reihe hat stets vom kollektiven Mikrokosmos einer Friseur-Öffentlichkeit gelebt, in der Anekdote, Streit und politische Diskussion eng nebeneinander existieren. In dieser dritten Episode wird die räumliche Enge des Salons zum dramaturgischen Instrument, das intime und öffentliche Debatten gleichsam bündelt.

Zeitgeist und gesellschaftlicher Hintergrund sind untrennbar mit dem Film verbunden. In einer Phase, in der Debatten über Waffengewalt, Community-Policing und maskuline Rollenbilder in urbanen afroamerikanischen Communities virulent waren, versucht The Next Cut, die Komödie als Vehikel für eine ernsthaftere Auseinandersetzung zu nutzen. Der Film drängt nicht auf einfache Antworten, sondern bietet der diskursiven Energie des Barbershops eine strukturierte Bühne.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Malcolm D. Lee, ein Filmemacher, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Ruf als Stücker und Kurator afroamerikanischer Ensemblegeschichten erarbeitet hat. Lee bewegt sich zwischen romantischer Komödie, Familienensemble und satirischem Kommentar. Seine Handschrift zeichnet sich durch eine Balance aus Leichtigkeit und Sozialbezug aus, eine Vorliebe für dialoggetriebene Szenen und eine Arbeit mit großen Besetzungen, die er rhythmisch zu einem kollektiven Ganzen zusammenführt.

Barbershop: The Next Cut ist als Studioproduktion angelegt und profitiert von den Konventionen kommerziellen Erzählkinos: klare Genrezuschreibung, starbesetzte Ensembleführung und ein dramaturgischer Bogen, der Publikumserwartungen erfüllt. Gleichzeitig bemüht sich die Produktion um Authentizität im Setting und um eine Balance zwischen situativer Komik und thematischer Schwere. In der Filmographie Lees steht der Film zwischen früheren Ensemblearbeiten und späteren, ebenfalls gesellschaftlich relevanten Komödien, und er erweitert das Motiv des barbershop als narrativem Versammlungsort.

Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie Produktion und Besetzung das Franchise weiterführen: Die Rückkehr zentraler Figuren wird genutzt, um Kontinuität zu erzeugen, während neue Stimmen und Cameos dem Stoff Aktualität verleihen. Die formale Inszenierung bleibt dabei auf Ökonomie der Mittel bedacht - der Salon als Hauptschauplatz verlangt eine präzise choreografierte Kameraarbeit und ein schnelles, pointiertes Schnittregime, um die Energie der Dialoge zu bewahren.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Ice Cube fungiert erneut als zentrale Identifikationsfigur des Friseursalons. Als prägende Projektionsfläche der Reihe verkörpert er die Rolle des Ladeninhabers - eine Figur, die pragmatische Verantwortung, familiäre Erwartung und unternehmerischen Druck verbinden muss. Ice Cube bringt seine stoische Präsenz und seinen timing-sicheren Humor ein, die die Figur zu einem Ankerpunkt der Gemeinschaft machen.

Cedric the Entertainer steht dem als alter Hegemon des Salons gegenüber. Sein komödiantisches Kapital liegt in der Fähigkeit, väterlichen Zynismus und Warmherzigkeit zu verknüpfen. Regina Hall gehört zur Riege der Schauspielerinnen, die dem Ensemble emotionale Tiefe verleihen; sie repräsentiert die professionelle, oft belehrende Stimme in der Gemeinschaft, die zwischen Fürsorge und Konfrontation pendelt. Die Besetzung ist darüber hinaus durch eine Mischung aus gestandenen Comedians, Rappern und jungen Schauspielern geprägt. Dieses Nebeneinander schafft eine Spannweite von Perspektiven - vom lokalverwurzelten Weisen bis zur lauten, popkulturellen Stimme - und spiegelt so die Vielstimmigkeit urbanen Alltags wider.

Gastauftritte und Cameos verankern den Film zusätzlich im zeitgenössischen kulturellen Feld. Figuren werden nicht als psychologisch ausgefeilte Existenzen angelegt, sondern als Typen und Stimmen, die im Salon aufeinanderprallen und so eine Art kommunikativen Pulk erzeugen. Diese Arbeit mit Typen ist eine klassische Methode des Ensemblekomödienkinos, sie erlaubt schnelle Charakterkodierung und fördert die Wirksamkeit der Dialoge.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von einem Friseursalon, der als sozialer Brennpunkt funktioniert. Die dramatischen Konflikte ergeben sich aus äußeren Bedrohungen und inneren Spannungen - wirtschaftliche Zwänge, sich verändernde Nachbarschaftsstrukturen und die latente Bedrohung durch Gewalt lassen die vertraute Ordnung des Salons ins Wanken geraten. Gleichzeitig bleiben Alltagsszenen, Schlagabtausche und Freundschaftsrituale zentrale Motoren der Handlung.

Im Zentrum stehen die Betreiber und Stammgäste des Salons, deren Beziehungen untereinander und zur Gemeinde die narrative Achse bilden. Der Ton oszilliert zwischen komödiantischer Leichtigkeit und ernsthafter Besorgnis; die Atmosphäre ist geprägt von einer durchgehend dialogischen Dynamik, die dem Zuschauer das Gefühl gibt, Zeuge einer öffentlichen Diskussion zu sein. Der Film bleibt dabei im Großen und Ganzen zugänglich und verwendet die komödiantischen Mittel, um ernste Themen anschlussfähig zu machen.

Zentrale Themen und Motive

Barbershop: The Next Cut fragt nach Gemeinschaft in Zeiten von Gewalt und Unsicherheit. Der Salon fungiert als Mikrokosmos, in dem Fragen nach Verantwortung, Solidarität und der Rolle von Männern in der Gesellschaft verhandelt werden. Wie verbindet man persönliche Fürsorge mit kollektiver Aktion? Welche Formen des Zorns sind legitim, welche destruktiv? Diese Fragen werden nicht abstrakt präsentiert, sondern in Form konkreter, oft alltäglicher Dilemmata, die den Figuren abverlangt werden.

Ein weiteres zentrales Motiv ist das der Öffentlichkeit des Alltäglichen. Der Schnitt- und Gesprächsraum eines Barbershops wird als öffentlicher Platz imaginiert, an dem Meinungen entstehen, Machtverhältnisse sichtbar werden und Netzwerke geknüpft sind. Der Film thematisiert somit auch Medien der Kommunikation - vom Klatsch bis zur politischen Mobilisierung - und zeigt, wie informelle Räume zu Orten der Meinungsbildung werden können.

Schließlich arbeitet der Film mit dem Spannungsverhältnis von Humor und Dringlichkeit. Komik dient hier nicht nur der Entspannung, sondern als pragmatisches Instrument, um konfliktreiche Themen anschlussfähig zu machen. Dieses Arrangement eröffnet dem Zuschauer die Möglichkeit, sich auf mehreren Ebenen auf das Filmgeschehen einzulassen - als Unterhaltung und als Aufforderung zum Nachdenken über städtische Solidarität und Verantwortung.

Filmkritik von Peter Osteried

Dieser Besuch im Barbershop ist nicht nur komisch

Zwölf Jahre sind seit dem letzten Besuch in Calvins Barbershop vergangen. Dank der Bemühungen von Ice Cube, der die Figur nicht einfach ziehen lassen wollte, gibt es nun den dritten Teil, der von Spike Lees Cousin Malcolm inszeniert wurde. Der hat Barbershop: The Next Cut nicht nur zu einer Liebeserklärung an Chicago gemacht, sondern einen erstaunlich bissigen, ehrlichen, den Finger auf die Wunde legenden Film abgeliefert, der einen Kommentar auf das heutige Amerika abgibt.

Calvins Barbershop gibt es immer noch, aber einiges hat sich in den letzten Jahren getan. Die Finanzkrise ist an dem Viertel nicht spurlos vorübergegangen, weswegen Calvin seinen Laden mit einem Beauty Shop verschmelzen musste. Aber das Leben ist nicht leichter geworden – und sowohl die Gegend, als auch der Laden stehen auf dem Spiel. So müssen Calvin und seine Freunde beides retten – indem sie den Laden zu neutralem Gebiet erklären, auf dem sich Gangmitglieder mit Respekt zu begegnen haben.

Die Stärke dieses dritten Teils ist, dass er zwar Humor besitzt – und teilweise auch recht kruden –, aber ihn mit ernsten Themen auflädt. Natürlich wird viel gequatscht, aber dazwischen wird über Dinge gesprochen, die wirklich etwas bedeuten. Es gibt Komik, aber sie ist nicht das ausschlaggebende. Die besten Momente hat diesbezüglich Cedric the Entertainer, der zusammen mit Ice Cube zu den Rückkehrern der bisherigen Teile gehört. Waren die Filme früher vor allem überdreht, schräg und darum komisch, so hat man die Gelegenheit bei diesem verspäteten Sequel genutzt, um eine Geschichte zu erzählen, die sich nicht davor scheut, einen bissigen Kommentar auf die moderne, amerikanische Gesellschaft abzuliefern – aus einer schwarzen Sicht heraus.

Das wirkt zum Teil etwas arg selbstbezogen, aber zugleich schafft es der Streifen auch, eine Ehrlichkeit aufzubauen, die dem ganzen Stoff guttut. So funktioniert er, indem er mit echter Tiefe aufwarten kann. Das macht Barbershop: The Next Cut zu einer ungewöhnlichen Komödie, eigentlich eher auch zu einer Mischung aus Komödie und Drama, die nicht nur das Herz auf dem rechten Fleck hat, sondern die emotionale Klaviatur perfekt bedient. Damit hebt sich die Produktion wohltuend von anderen Komödien ab – und das auch recht überraschend, da man zwar durchaus Botschaften erwarten kann, aber sie hier in einer Verpackung daherkommen, die so viel mehr ist.

Barbershop: The Next Cut ist aufwühlendes, ehrliches, authentisches, witziges und emotionales Kino, das auch dann funktioniert, wenn man die ersten Teile nicht gesehen hat.

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