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Step Up: All In

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kritiken.de Redaktion 07.08.2014
Step Up: All In© Constantin Film Verleih GmbH
A ca. 1723 Worte Lesezeit ca. 6 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Step Up: All In - Choreografierte Stadterzählung zwischen Gemeinschaft und Kommerz

Einleitung

Step Up: All In tritt an als summa der Step Up-Reihe, ein filmischer Abschluss, der bekannte Figuren und ikonische Motivik der Franchise zusammenführt. Relevanz gewinnt der Film nicht allein durch die Kontinuität seiner Erzählung, sondern durch die Art und Weise, wie er Tanz als narrative und ästhetische Triebfeder nutzt: Bewegung fungiert hier nicht nur als Spektakel, sondern als Mittel zur Verhandlung von Zugehörigkeit, Ambition und Identität in einer mediatisierten Gegenwart.

In einer Zeit, in der Popkultur und Wettbewerbssendungen die Vorstellungen von Erfolg und Anerkennung stark prägen, erscheint Step Up: All In als dokumentarischer Fingerzeig auf ein Zeitalter, das Performance zur Währung erklärt. Der Film spiegelt die Ökonomie der Sichtbarkeit - die Anforderungen an Durchhaltevermögen, die Ökonomie von Crewloyalität versus Karriereegoismus und die fortwährende Frage, wie Authentizität in einer zunehmend kommerzialisierten Kultur bewahrt werden kann.

Bei dieser Betrachtung ist auch die Regiehaltung von Bedeutung. Trish Sie, deren Wurzeln in Choreographie und Musikvideo liegen, führt das material in eine Bildsprache, die eng an die Ästhetik der zeitgenössischen Pop- und Tanzkultur gebunden ist. All In ist insofern repräsentativ für einen Typus von Blockbuster, der weniger auf narrativen Einfallsreichtum als auf die Synchronisierung von Körpern, Kamera und Soundscape setzt - ein Spiegel der visuellen Kultur, in der wir uns bewegen.

Kurzüberblick zur Produktion

Step Up: All In entstand als fünfter Teil einer erfolgreichen US-amerikanischen Tanzfilmreihe, die seit Mitte der 2000er Jahre kommerziell signifikant ist. Regie führte Trish Sie, deren Handschrift geprägt ist von präziser choreografischer Logik, musikvideoartiger Rhythmik und einer Vorliebe für kontrastreiche Lichtdramaturgie. Diese filmische Sprache zielt darauf, Tanzsequenzen als szenische Höhepunkte zu inszenieren, die narrative Brüche übertönen können.

Die Produktionsumstände sind typisch für eine etablierte Franchise: ein moderates bis solides Budget, das visuelle Opulenz und aufwendige Tanznummern ermöglicht, gekoppelt mit der kalkulierten Rückberufung bekannter Gesichter aus den Vorgängern, um Loyalität des Publikums zu sichern. Als kommerzielles Produkt versucht All In, die Balance zu halten zwischen dem Anspruch, als eigenständiger Film zu funktionieren, und der Verpflichtung, eine etablierte Mythologie fortzuschreiben.

Innerhalb des Gesamtwerks markiert Step Up: All In eine Art Klammerstück: Es vereint Motive und Figuren früherer Episoden und fungiert als Konvergenzpunkt für die übergreifende Erzählung der Reihe. Die filmische Strategie liegt weniger in narrativen Innovationen als in der sukzessiven Verdichtung des Stils und der wiederholten Thematisierung von Crewdynamiken, Wettkampf und urbaner Ästhetik.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung liest sich wie ein Who is Who der Tanzszene und der Step Up-Geschichte. Briana Evigan, bekannt geworden als Protagonistin von Step Up 2, bringt ihre Erfahrung in der Darstellung einer harten, zugleich verletzlichen Tänzerin ein. Alyson Stoner, deren Karriere als Kindertänzerin und Schauspielerin früh begann, steht für die technische Vielseitigkeit und die filmische Kontinuität der Reihe. Adam G. Sevani hat als Moose eine der markantesten Figuren der Franchise geprägt - eine Rolle, die physische Virtuosität mit komödiantischer Leichtigkeit koppelt und damit zum Identifikationspunkt für das jüngere Publikum wurde.

Ryan Guzman fungiert in All In als einer der zentralen männlichen Leads, der die klassischeren Hollywood-Parameter von Heroismus mit der körperlichen Präzision eines Tänzers verbindet. Izabella Miko, mit internationaler Erfahrung als Tänzerin und Darstellerin, bringt eine kontemporäre, fast ballettisch geprägte Note in die Choreografien. Ergänzt wird das Ensemble durch eine Reihe profilierter Tänzer und Choreografen wie Stephen Boss, Misha Gabriel Hamilton, Phillip Chbeeb und Christopher Scott, deren Präsenz den Film weniger als Ensembleproduktion denn als Kuratierung tänzerischer Expertise erscheinen lässt.

Handlung (spoilerfrei!)

Die Handlung von Step Up: All In ist typisch für das Genre: Im Zentrum steht das subjektive Erleben einer Gruppe von Tänzern, die sich in der Metropole Los Angeles und auf der Bühne von Las Vegas behaupten müssen. Der dramatische Konflikt entsteht durch die Konkurrenzsituation - sowohl auf persönlicher als auch auf professioneller Ebene - und die Notwendigkeit, eine Crew zusammenzuhalten, während einzelne Mitglieder verlockenden Karrierewegen folgen.

Im Kern ist die Erzählung eine Serie von Prüfungen: Castings, Wettbewerbe und soziale Tests, die die Loyalität und die künstlerische Integrität der Protagonisten befragen. Die Form des Films folgt diesen Prüfungen in einer Abfolge von Trainingsmontagen, Proben und spektakulären Aufführungen, wobei der Spannungsbogen weniger durch komplexe Plotwendungen als durch eskalierende choreografische Herausforderungen erzeugt wird. Tonalität und Atmosphäre schwanken zwischen urbanem Realismus und hyper-ästhetisierter Showbiz-Ästhetik.

Zentrale Themen und Motive

Step Up: All In stellt Fragen nach dem Verhältnis von Gemeinschaft und Individualismus. Der Film arbeitet mit dem Spannungsfeld, das entsteht, wenn künstlerischer Ehrgeiz auf die Erfordernisse des Marktes trifft: Wie bleibt man authentisch, wenn Sichtbarkeit zur Bedingung des Erfolgs wird? Wie lassen sich solidarische Praktiken in einer Branche aufrechterhalten, die Einzelpersonen häufig zu Konkurrenzverhalten zwingt?

Ein weiteres wiederkehrendes Motiv ist die Stadt als Bühne. Los Angeles und Las Vegas funktionieren nicht bloß als Kulissen, sondern als kulturelle Aggregatzustände - Räume, in denen Träume, Kommerz und Inszenierung aufeinandertreffen. Tanz wird hier zur Sprache, die Subjektpositionen formt und verschiebt; der Körper wird als soziales Dokument gelesen, das Herkunft, Ambition und Zugehörigkeit verkörpert.

Schließlich lohnt die Betrachtung der ästhetischen Politiken: All In reflektiert, oft unbeabsichtigt, den Status von Bewegung als medialer Rohstoff. Choreografie wird gleichzeitig als Mittel zur Selbstverwirklichung und als Produkt ökonomischer Verwertung dargestellt. In dieser Ambivalenz liegt die kritische Produktivität des Films - er zeigt, wie Performance zum Mechanismus persönlicher Erzählungen wird und wie diese Erzählungen in der Kulturindustrie neu verhandelt werden.

Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Mit nun fünf Filmen ist „Step Up“ das aktuell erfolgreichste Tanz Franchise. Durchaus erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sich die Filme voneinander inhaltlich kaum unterscheiden. Doch die Mischung aus Coming of Age und Love Story sowie zahlreichen ausgedehnten Hip Hop Choreographien scheint zu funktionieren. Der neueste Film der Reihe wird wohl für besonders große Freude sorgen, bringt er doch die Lieblinge der vorangegangen Filme zusammen. Nein, Channing Tatum aus dem ersten Teil ist leider nicht mit von der Partie, dafür aber zahlreiche Figuren aus dem zweiten und dritten sowie der Held des vierten Films.

Sean (Ryan Guzman) ist mit seiner Crew „The Mob“ inzwischen in L.A. angelangt, wo sie bei einem Casting nach dem anderen für schlecht bezahlte Werbegigs vortanzen. Doch der Erfolg lässt auf sich warten, weshalb „The Mob“ frustriert das Feld räumen. Nur Sean bleibt und hält an seinem Traum fest. Eine Castingshow auf VH1 verspricht schließlich die Rettung zu sein. „Vortex“ heißt die Sendung, bei der Teilnehmer ein originelles Tanzvideo einschicken können, um in die engere Auswahl für einen dreijährigen Bühnenvertrag in Las Vegas zu kommen. Jetzt muss Sean nur noch eine neue Crew zusammenstellen, innerhalb weniger Wochen eine Show eintrainieren und sich mit der harten Konkurrenz auseinandersetzen. Ob das gut geht?!

Dies ist natürlich eine rhetorische Frage, immerhin handelt es sich um einen Tanzfilm und nicht um ein Arthausdrama. Dennoch sollen Details hier selbstredend nicht verraten werden. „Step Up: All In“ orientiert sich dramaturgisch an den vorhergehenden Teilen. Es wird kräftig geprobt, dazwischen geflirtet und kurz vor der finalen Performance noch ein Drama inszeniert. Die Dialoge sind schwülstig, meist gestelzt und schlecht gespielt. Ja, mit dem Schauspiel kann „Step Up: All In“ wahrlich keinen Blumentopf gewinnen.

Noch stärker als die vorhergehenden, trennt dieser Film die Performances von der Haupthandlung, so dass sie als tänzerische Zäsuren fast wie in einem Musical erscheinen. Dafür wird nun wieder ein stärkerer Fokus auf den Tanz selbst gelegt, der erneut verschiedene Hip Hop und Break Dance Stile zu einem beeindruckenden Mix kombiniert. Erfreulicher Weise werden die Choreographien hier nicht durch Schnitte zerstückelt, sondern für einige Sekunden ausgetanzt, so dass der Zuschauer einen Eindruck von den Fähigkeiten der Performer erlangen kann. Ryan Guzman und seine Mitstreiter mögen vom nächsten Darsteller-Oscar weit entfernt sein, aber auf der Tanzfläche macht ihnen so leicht keiner was vor.

Der heimliche Star des Films ist einmal mehr Adam G. Sevani als Moose, der tausend mal mehr Charme versprüht als der makellose Sean, der in seinen schwächsten Momenten wie seine eigene Karikatur erscheint. Auch das Wiedersehen mit Andie (Briana Evigan), der Heldin aus „Step Up to the Streets“, ist ein gelungenes Highlight, wirft jedoch die Frage auf, weshalb die übrigen Filme der „Step Up“-Reihe trotz des eindeutig weiblichen Zielpublikums so stark auf männliche Hauptfiguren bauen. Auch in „Step Up: All In“ sind die Männer in der Überzahl und werden darüber hinaus mit den deutlich interessanteren Choreographien ausgestattet, während die Damen meist nur leicht bekleidet mit dem Hintern wackeln. Auch die vermeintliche Konkurrenzsituation zwischen Andie und Sean, die sich um die Leitung der neuen Crew streiten, ist keine Demonstration eines Kräftegleichgewichts, sondern nur das Vorspiel zum typischen „Step Up“-Liebesplot.

Dabei spielt Konkurrenz in „Step Up: All In“ eine zentrale Rolle. Ging es in „Dirty Dancing“, der Mutter aller Tanzfilme, noch primär darum, sich selbst als Tänzerin zu beweisen, kommt auch „Step Up: All In“ wie viele seiner Vorgänger nicht ohne das „Battle“ aus, den Wettkampf zweier oder mehrerer Tanzgruppen. Zu harten Bässen werden aggressive Minen aufgesetzt und Ästhetik durch Drohgebärden ersetzt. Von der Magie des Tanzes, die Sean im Voice Over anfangs noch beschreibt, ist hier eigentlich nichts mehr zu spüren. Das Castingshow-Spektakel in Las Vegas ist schließlich von der Inszenierung der Hunger-Spiele in „Die Tribute von Panem“ nicht weit entfernt. Das Setting in der verrücktesten Stadt der USA, dem Disneyland für Erwachsene, erinnert an das quietschbunte Capitol der Romanverfilmungen und auch Moderatorin Alexa würde sich mit Outfit und Attitüde nahtlos in dieses pervertierte Umfeld einfügen.

Die Parallelen sind jedoch von Regisseurin Trish Sie offensichtlich bewusst konstruiert, quasi für all jene, die noch immer nicht verstanden haben, dass die Hunger-Spiele eine Metapher für unsere Reality- und Casting-Shows sind. Wenn schließlich die übertriebene Suite der Tanzcrew mehr an die Atmosphäre von „Die Tribute von Panem“ als an das dargestellte Ceasar’s Palace Hotel erinnert, kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass hier ein direkter Bezug zum Kultfranchise vorliegt. „Step Up: All In“ zelebriert also nicht das Konkurrenzdenken, sondern stellt es ebenso in Frage wie Castingshows und andere mediale Werkzeuge, die uns suggerieren, die Besten sein zu müssen.

Diese vorbildliche Botschaft mal beiseite gelassen, hätte man sich mit „Step Up: All In“ etwas mehr Mühe geben können, um den einen oder anderen Contnuity-Fehler zu vermeiden und der gesamten Inszenierung etwas mehr Charme zu verleihen. Darauf zu vertrauen, dass die Tanzperformances die schwache Story und die noch schwächeren Dialoge schon ausgleichen würden, ist ein wenig zu einfach gedacht. Das Konzept geht nicht ganz auf und auch waschechte Tanzfilmfans haben ein bisschen mehr Substanz und Qualität verdient. Doch zugegeben: Die erneut minutenlange, finale Bühnenshow entschädigt für einiges!

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