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Planet der Affen: Revolution

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kritiken.de Redaktion 07.08.2014
Planet der Affen: Revolution© Fox Deutschland
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Planet der Affen: Revolution - Epische Moral und Herrschaftsfragen im postapokalyptischen Affenreich des Menschen

Einleitung

Planet der Affen: Revolution setzt die Neuausrichtung einer ikonischen Franchise fort, die weniger an nostalgische Schauwerte als an gegenwärtige politische und ethische Fragen interessiert ist. Der Film verlagert die Spannung weg vom reinen Effektkino hin auf ein dramatisches Gefüge aus Führung, Misstrauen und dem Ringen um Legitimität. In diesem Sinne tritt er als Blockbuster mit feuilletonistischem Anspruch hervor, der populäre Unterhaltung mit reflexiven Bestimmungen über Gewalt und Gemeinschaft verbindet.

Als Fortführung der Reboot-Reihe knüpft der Film an die 2011 begonnene Erzählung an, liefert aber zugleich einen eigenen Ton: weniger Ursprungsmythos, mehr Machtanalyse. Diese Verschiebung macht den Film relevant in einer Phase, in der das Kino sich erneut verstärkt den Formen sozialer Polarisierung und der Fragilität zivilisatorischer Ordnungen widmet. Seine Relevanz ergibt sich daher nicht allein aus spektakulärer Tier-gegen-Mensch-Ästhetik, sondern aus dem Wunsch, die Mechanik von Konflikten nachzuspüren.

In der rezeptiven Landschaft des Jahres 2014 traf der Film auf ein Publikum, das von realen Ängsten geprägt war - von gesundheitlichen Krisen über geopolitische Spannungen bis zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber Institutionen. Dieser Zeitgeist liest sich hier nicht als platte Parallele, sondern als Hintergrundrauschen, das die filmische Untersuchung von Angst, Führung und Rache verstärkt.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Matt Reeves, der zuvor mit Arbeiten wie Cloverfield und Let Me In bereits ein Gespür für klaustrophobische Intensität und die Balance zwischen Genre und Charakterbewusstsein zeigte. Reeves bringt diese Handschrift in Planet der Affen: Revolution in eine größere, kompositorisch aufwändigere Form, in der epische Set-Pieces und intime Szenen miteinander verschränkt sind. Seine Regie setzt auf eine Nähe zu Figuren, selbst wenn diese digital gestützt sind, und auf eine Präzision in der Inszenierung von Gruppendynamiken.

Die Produktion gehört zu den großen Studiovorhaben seiner Zeit, koproduziert und vertrieben von einem der großen Studios und ausgestattet mit einem dementsprechend beachtlichen Budget, das hochwertige visuelle Effekte, umfangreiche Motion-Capture-Arbeiten und eine groß angelegte Produktionslogistik ermöglichte. Besonders hervorzuheben ist die Kooperation mit führenden Spezialisten für Performance-Capture und visuelle Effekte, die das kunstvoll ausgearbeitete Zusammenspiel von realen Schauspielern und digitalen Figuren ermöglicht. Die kluge Kombination aus praktischen Sets, naturnaher Beleuchtung und digitaler Verfeinerung verleiht dem Film eine griffige physische Präsenz.

Im Werk Reeves’ markiert der Film einen Schritt hin zu größeren, dennoch nicht anonymen Spektakeln. Er steht in der Reihe moderner Blockbuster, die nicht nur durch Effekte, sondern durch eine konzentrierte Auseinandersetzung mit moralischen Dilemmata Aufmerksamkeit suchen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Andy Serkis dominiert die filmische Choreographie als Caesar, jene zentrale Figur, die in der Neufassung der Serie zur moralischen und emotionalen Achse des Films wird. Serkis’ Arbeit im Bereich der Performance-Capture hat längst die Grenzen zwischen körperlicher Darstellung und digitaler Repräsentation aufgehoben; hier dient seine Präsenz als Brücke zwischen Empathie und Unerbittlichkeit.

Toby Kebbell liefert als Koba eine kontrastierende Gegenschar zu Caesars Ethos. Kebbell zeichnet eine Figur, deren Aggression und Narben aus einem anderen Verständnis von Gerechtigkeit entstehen, und macht so die inneren Spannungen der Affen-Gemeinschaft sichtbar. Jason Clarke verkörpert den menschlichen Vermittlertypus, dessen Versuche zur Verständigung den dramatischen Kern menschlicher Verantwortlichkeit ausloten.

Keri Russell fungiert als menschliche Ankerfigur, deren Skepsis und Fürsorge die Fragilität zivilisatorischer Arrangements spiegeln. Gary Oldman als Dreyfus repräsentiert die andere Seite der menschlichen Existenz nach dem Zusammenbruch staatlicher Strukturen - ein Soldat, dessen Erfahrungshorizont ihn auf ganz andere Handlungslogiken verpflichtet. Judy Greer, Kodi Smit-McPhee und weitere Ensemblemitglieder formen die Zwischenräume, in denen Familien- und Gruppenbindungen sichtbar werden und die Kollisionen zwischen Individuum und Kollektiv stattfinden.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film verhandelt das Zusammentreffen zweier Gemeinschaften in einer Welt, die durch einen verheerenden Virus stark dezimiert ist. Auf der einen Seite stehen die intelligenten Affen, die unter der Führung Caesars eine neue Ordnung auszubilden versuchen. Auf der anderen Seite kämpfen überlebende Menschen ums Überleben und um die Rekonstruktion praktischer Institutionen. Zwischen beiden Gruppen entsteht ein prekärer Pakt, dessen Zerbrechlichkeit den dramatischen Konflikt des Films bestimmt.

Im Zentrum des Geschehens steht das Ringen um Vertrauen, die Prüfungen von Loyalität und die Frage, wie Erinnerung an erlittene Gewalt zukünftige Entscheidungen formt. Die zentralen Figuren fungieren weniger als Archetypen denn als Kontingenzpunkte: Führungsfiguren müssen ihre Legitimation ständig neu aushandeln, während einfache Begegnungen über Leben und Tod entscheiden können. Tonalität und Atmosphäre balancieren zwischen naturrealistischer Bedrohlichkeit und einer fast mythischen Strenge, die das Geschehen zu einer Parabel über Macht und Moral formt.

Zentrale Themen und Motive

Planet der Affen: Revolution stellt Fragen nach der Natur politischer Ordnung und der Entstehung von Feindschaft. Der Film interessiert sich für die Mechanismen, die aus verletzter Würde politische Gewalt legitimieren, und für die Schwierigkeit, Gewaltspiralen zu durchbrechen. Er problematisiert Führerschaft nicht als bloße Eigenschaft einzelner, sondern als abhängig von Erzählungen, Ritualen und Symbolen, die Gemeinschaften zusammenhalten oder entzweit aus ihnen Machtansprüche ableiten.

Auf philosophischer Ebene läuft die Erzählung auf grundlegende Fragen hinaus: Was begründet Recht auf Macht? In welchem Maße ist Gewalt Folge von struktureller Verdrängung und persönlicher Verletzung? Psychologisch betrachtet untersucht der Film Traumata als Katalysatoren für Radikalisierung, während er gleichzeitig Empathie als mögliches Gegenmittel ins Spiel bringt. Gesellschaftlich lässt sich die Allegorie als Spiegel für aktuelle Ängste lesen - vor Epidemien, vor Zerfall und vor dem Vertrauensverlust in Institutionen.

Formal ist die Produktion ein Lehrstück dafür, wie visuelle Technik und erzählerische Dichte zusammenwirken können, um komplexe Fragestellungen in einem populären Genre zu verhandeln. Die Bildsprache, die Raumgestaltung und das Spiel mit Blicken und Lauten verwandeln eine spektakuläre Prämisse in eine dichte Meditation über Macht, Verletzlichkeit und die Bedingungen des Zusammenlebens.

Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

„Jurassic Park“ und „Avatar“ ließen einst die Augen der Blockbuster-Fans leuchten. Sie zeigten bahnbrechende technische Errungenschaften: lebensechte computeranimierte Dinosaurier bzw. eine im wahrsten Sinne des Wortes neue Dimension des Mainstream-Erzählkinos. Derartige Kinoerlebnisse sind heute rar geworden: Irgendwie haben wir alles schon einmal gesehen. Doch obwohl wir die mit dem Motion-Capture-Verfahren belebten Menschenaffen schon aus „Planet der Affen - Prevolution“ kennen, raubt uns der Nachfolger „Planet der Affen – Revolution“ tatsächlich erneut den Atem. Und das ist etwas Besonderes.

Und so ist es die erste Viertelstunde des Films, ausschließlich im Reich der Affen angesiedelt und ohne gesprochene Dialoge, die am stärksten fesselt. Mimik, Gestik und die frappierend realistische Haptik der Tierhaare lassen die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen und bringen den Zuschauer zum Staunen. Auch wenn hier vieles aus der Trickkiste stammt, wirken diese Szenen niemals künstlich, sondern berühren auf eine besondere Weise, durch die Mischung aus der Faszination für außergewöhnliche Leinwandwesen und Ehrfurcht vor der technischen Meisterleistung.

Doch wie schon der erste Teil des Reboots, handelt auch „Planet der Affen –Revolution“ nicht ausschließlich von Affen, sondern vom Spannungsverhältnis der Tiere mit ihren „Schöpfern“ und zugleich größten Feinden. Ohne die Forschung der Menschen hätten Cesar (Andy Serkis) und sein Gefolge niemals jene Stufe der Intelligenz erreicht, die ihnen nun Architektur, Schriftsymbolik und vor allem die (nonverbale) Kommunikation ermöglicht. Gleichzeitig jedoch hegen die Affen, unter ihnen viele ehemalige Labortiere, ein berechtigtes Misstrauen gegenüber der menschlichen Spezies. Und so sorgt das plötzliche Auftauchen einer Wandergruppe für große Aufregung.

Zehn Jahre sind im Filmuniversum des „Planet der Affen“-Reboots seit dem Ausbruch der Tiere und des verheerenden Virus vergangen. Die Menschheit ist inzwischen nahezu ausgerottet und so wie die intelligenten Affen sich um den Aufbau und die Stabilisierung ihrer eigenen Zivilisation bemühen, kämpfen die verbliebenen Menschen für den Wiederaufbau der ihrigen. Das Drehbuch von Mark Bomback, Rick Jaffa und Amanda Silver konstruieren die menschliche und tierische Spezies klar als Parallelwelten. In jeder Gruppe finden sich die gleichen „guten“ und „schlechten“ Charaktere, die entweder für oder gegen ein friedliches Miteinander der beiden Rassen eintreten. Dabei wirken die menschlichen Figuren überraschender Weise platter als ihre Affenkollegen, die hier wohl die eigentlichen Identifikationsfiguren darstellen sollen. Jason Clark als Vermittler Malcolm, Sohn Alexander (Kodi Smit-McPhee) und Lebensgefährtin Ellie (Keri Russell) nehmen zwar Schlüsselrollen für die Geschichte ein, bleiben jedoch eindimensionale Nebenfiguren einer Geschichte, die – wie der Titel schon verrät – vom Aufstieg einer ganz anderen Zivilisation berichtet.

Nicht nur an der Tiefe der menschlichen Figuren hat das Drehbuch gespart, auch die Handlung verzichtet auf originelle Ideen und bedient sich ungeniert althergebrachter Plotkonzepte. Dass beispielsweise Ellie als Ärztin zur Schlüsselfigur der Völkerverständigung werden wird, ahnen wir schon beim ersten Blick auf Cesars schwer kranke Frau. Die Vorhersehbarkeit derartiger Entwicklungen sägt beträchtlich am Spannungsbogen. Auch die Parallelkonstruktion der Bösewichte, jener Figuren, die durch Kurzsichtigkeit und Egoismus schließlich einen Krieg zwischen Menschen und Affen auslösen, ist als solche zu offensichtlich. Der Film badet im Drama des singulären Unruhestifters, der ganze Völker ins Verderben stürzt, und vernachlässigt darüber das interessantere und vor allem komplexere Thema der Geschichte.

Dem Plot liegt ein Paradoxon zu Grunde: Die Spezies Affe strebt nach einer evolutionären Entwicklung, die sie schließlich zu eben jenen Wesen machen wird, von denen sie sich zuvor befreit hat. Je menschlicher die Affen werden, desto „unmenschlicher“ - also unmoralischer, bösartiger und egoistischer - werden sie, woraus sich für den Zuschauer zwangsläufig die Frage nach der Definition von „Menschlichkeit“ ergibt. Aus den biologischen Klassifizierungen Mensch und Affe werden ideologische Kategorien, Gesellschaftssysteme, die sich mit Hilfe derselben moralischen Leitlinien organisieren. Diese auch narrativ etablierte Parallelstruktur beider Systeme spiegelt die Absurdität realer Kriegssituationen wider, wenn sich die Kategorien „Affe“ und „Mensch“ zunehmend als arbiträr erweisen.

Widmete „Planet der Affen – Prevolution“ den Beziehungen seiner Figuren und dem persönliche Drama der Hauptfigur (James Franco als Will Rodman) noch große Aufmerksamkeit, ist der Nachfolgefilm deutlich weniger „privat“. Es geht hier nicht mehr um eine kleine Hand voll glaubwürdiger Charaktere, sondern um einen größeren, einen politischen Konflikt. Vielleicht liegt es an dieser Fokusverschiebung, dass sich „Planet der Affen – Revolution“ trotz zahlreicher Actionszenen deutlich in die Länge zieht. Es sind eben doch persönliche Konflikte und ergreifende Einzelschicksale, die den Zuschauer an eine Geschichte fesseln und selbst ein Schlachten-Epos braucht überzeugende Figuren, mit denen das Publikum mitfiebern kann. Von dieser Sorte gibt es in „Planet der Affen – Revolution“ leider zu wenige. So lebensecht die Affen auch wirken, so gerne wir die Hand nach ihrem Fell ausstrecken wollen, so wenig können sie letztlich als Identifikationsfiguren durch den Film tragen.

So bleibt „Planet der Affen – Revolution“ vor allem ein visuelles Spektakel, das sein Publikum mit verblüffend realistischen Animationen und packenden Actionsequenzen fesselt, inhaltlich und dramaturgisch jedoch weniger überzeugen kann.

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