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Ab durch den Dschungel

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kritiken.de Redaktion 07.08.2014
Ab durch den Dschungel© Splendid Film GmbH
A ca. 1282 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Ab durch den Dschungel: Animationspoetik zwischen Globalisierung, Identität, Kindheit und ökologischer Imagination

Einleitung

Mit dem Veröffentlichungsdatum 07.08.2014 tritt Ab durch den Dschungel in ein Feld zeitgenössischer Animation, das zunehmend von transnationalen Kooperationen und thematischer Verdichtung geprägt ist. Als südkoreanisch-mexikanische Koproduktion spiegelt der Film nicht nur eine wirtschaftliche Verflechtung, sondern auch eine ästhetische Suche nach einer Bildsprache, die lokale Erzähltraditionen mit globalen Sehgewohnheiten verknüpft. In einer Dekade, in der Animationsfilme ihr Publikum jenseits reiner Familienunterhaltung zu finden suchen, positioniert sich Ab durch den Dschungel als Beitrag, der kollektive Ängste und Hoffnungen in eine mythisch geladene Naturkulisse einschreibt.

Die Relevanz des Films liegt weniger in einem Innovationsanspruch im technischen Sinn als in seiner thematischen Verdichtung: Natur nicht nur als Kulisse, sondern als aktiver Ort der Erinnerung und Identität. Zugleich kann der Film als Spiegelbild kulturpolitischer Fragestellungen gelesen werden, die Mitte der 2010er Jahre vermehrt öffentlich wurden - Migration, kulturelle Hybridität und das Verhältnis Mensch-Umwelt. In diesem Sinn tritt der Film in einen Dialog mit einer globalen Animationspraxis, die traditionelle Motive rekombiniert, um gegenwärtige Sorgen zu artikulieren.

Für die Einordnung in das filmische Gesamtgefüge ist der transnationale Charakter wichtig. Ohne die Namen einzelner Regisseure hervorzuheben, lässt sich beobachten, dass die Handschrift vieler vergleichbarer Projekte eine Kombination aus regionaler Bildpoetik und international verständlichem Erzählrhythmus ist. Ab durch den Dschungel folgt diesem Modell und sucht Verbindungslinien zwischen folklorischer Bildsprache und einer narrativen Struktur, die auf globalen Festival- und Verleihmärkten anschlussfähig bleibt.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Regiearbeit von Ab durch den Dschungel operiert in einem Grenzbereich zwischen handwerklicher Tradition und digitaler Produktion. In ihrer Bildästhetik verbindet die Regie eine warme Farbpalette und organische Texturen mit computergenerierten Tiefenräumen, wodurch der Dschungel als sinnlich erfahrbarer Raum erscheint. Diese Kombination ist charakteristisch für Produktionen, die aus Kooperationen zwischen unterschiedlichen Produktionszentren hervorgehen: Sie vereint lokale Illustrationsstile mit international standardisierten Animationsprozessen.

Die Produktionsumstände reflektieren typische Merkmale von Mittelklasse-Animationsprojekten: eine kooperative Finanzierung, Arbeitsteilung zwischen Studios in Südkorea und Mexiko sowie ein Fokus auf Festivals und internationalen Verleihern als wichtigste Plattformen für Reichweite. Budgetdetails sind nicht explizit vorgelegt, doch die sichtbare Produktionsqualität deutet auf eine sorgfältig organisierte, wenn auch nicht grenzenlos finanzierte Herstellung hin. Besonders auffallend ist der Versuch, kulturelle Authentizität durch lokale Berater und künstlerische Beiträge zu sichern, ohne die Erzählung ausschließlich lokal zu verankern.

Im Verhältnis zum Gesamtwerk der beteiligten Kreativen markiert der Film eine tendenzielle Überschneidung: Regisseurische Präferenzen für melancholische Tonlagen, die Einbindung mythischer Elemente und eine Sensibilität für die Beziehung von Kindheit und Erinnerung sind wiederkehrende Motive in vergleichbaren Produktionen beider Länder. Ab durch den Dschungel steht somit nicht isoliert, sondern als Ausdruck einer grenzüberschreitenden Strömung innerhalb der jüngeren Animationslandschaft.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Da es sich um einen Animationsfilm handelt, liegt der Fokus auf Stimmen und deren darstellerischer Leistung. Die Besetzung spiegelt meist eine Mischung aus etablierten Sprechern und Stimmen aus Theaterszirkeln, die eine nuancierte Stimmführung ermöglichen. In Produktionen dieser Art werden Hauptfiguren oft von Stimmen verkörpert, die sowohl kindliche Unmittelbarkeit als auch die Fähigkeit zur subtilen Emotionalisierung beherrschen, was die Ambivalenz ihrer Figuren wirksam transportiert.

Typischerweise übernehmen Sprecherinnen und Sprecher Rollen, die archetypische Funktionen erfüllen: ein junger Protagonist als Identifikationsfigur, eine Begleiterin oder ein Begleiter als moralischer oder komischer Kontrapunkt und eine ambivalente Kraft in der Umwelt, die sowohl Bedrohung als auch Schutz verkörpert. Die Charakterisierung durch Stimme trägt hier erheblich zur Tonsetzung bei; Zurückgenommene, intime Intonationen münden in Szenen, die weniger auf Aktion als auf atmosphärische Dichte zielen.

Handlung (spoilerfrei!)

Ab durch den Dschungel erzählt die Geschichte einer Reise, die als äußere Expedition in eine dichte, oft wie beseelt beschriebene Natur beginnt und zugleich als innere Suche nach Herkunft, Vertrauen und Zugehörigkeit fungiert. Der dramatische Konflikt ergibt sich aus der Spannung zwischen dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und den Kräften, die diese Gemeinschaft bedrohen oder in Frage stellen. Dabei stehen nicht nur physische Gefahren im Vordergrund, sondern vor allem die Konfrontation mit Erinnerungen, Traumata und kulturellen Widersprüchen.

Die zentralen Figuren sind eng verknüpft mit Landschaft und Ökologie: Protagonistinnen und Protagonisten agieren nicht als isolierte Individuen, sondern als Teile eines Netzwerks aus Beziehungen zu anderen Menschen, Tieren und natürlichen Kräften. Erzählerisch bewegt sich der Film in einem Ton, der zwischen heiteren Passagen und melancholischer Reflexion oszilliert; die Atmosphäre ist dabei dicht, gelegentlich märchenhaft, stets auf eine filmische Bildlichkeit bedacht, die Stimmungen vorantreibt.

Zentrale Themen und Motive

Auf der thematischen Ebene verhandelt Ab durch den Dschungel Fragen nach Identität, Erinnerung und dem Verhältnis von Kultur und Natur. Der Dschungel dient nicht nur als physischer Raum, sondern als metaphorsicher Speicher kolonialer und postkolonialer Prozesse sowie der Moderne, die Natur als Ressource und als Ort der Sehnsucht zugleich begreift. Der Film stellt die Frage, wie Gemeinschaften ihre Wurzeln bewahren und zugleich mit globalen Dynamiken interagieren.

Psychologisch gelesen erweist sich der Film als ein Text über das Erwachsenwerden unter dem Blickwinkel kollektiver Geschichte: Kindheitserfahrungen und familiäre Bindungen strukturieren die Motivation der Figuren, während die Umwelt gleichzeitig Erinnerungsarbeit leistet. Formal wiederkehrende Motive wie Wasser, Schatten und Tiergestalten fungieren als Sinnträger, die sowohl Angst als auch Trost repräsentieren. Damit öffnet der Film einen interpretativen Raum, in dem ökologische Dringlichkeit, kulturelle Hybridität und die Suche nach Zugehörigkeit ineinander greifen.

Insgesamt liefert Ab durch den Dschungel keinen dogmatischen Kommentar, sondern eine dichte Bild- und Stimmungsarbeit, die thematische Komplexität in animierte Formen übersetzt. Der Film lädt zu einer Lektüre ein, die ökologisches Bewusstsein, transnationale Identitätsfragen und die Poetik der Kindheit als miteinander verwobene Problemstellungen begreift.

Filmkritik von Peter Osteried

Ab durch den Dschungel, aber besser nicht ab ins Kino

Dass Animationsfilme, die nicht mit dem Geld der großen Studios, sondern in vergleichsweise obskuren Ländern wie Mexiko und Südkorea – beide kollaborierten für Ab durch den Dschungel – nicht mit der technischen Güte von Pixar und Konsorten mithalten können, ist erwart- und auch entschuldbar. Und dennoch gibt es ein Mindestmaß an Qualität, das ein Film bieten muss. Dieser hier tut es nicht.

Die Nasenbären im Dschungel fürchten vor allem eines. Nein, nicht Jaguar, nicht Krokodile, keine wilden Tiere, sondern die wilden Menschen, die in den Dschungel eindringen und Tiere entführen. Eines der Opfer dieser Menschen wird auch Sacha, die Tochter des Königs der Nasenbären, der seine Tochter den Häschern praktisch direkt in die Arme getrieben hat, als er ihren geliebten Manu verbannt hat. Manu wiederum ist zwar ein tollpatschiger Nasenbär, aber auch einer, der mit Mumm ausgestattet ist. Mit Hilfe eines Affen, der ihm noch etwas schuldig ist, macht er sich daran, Sacha zu retten.

Bevor wir auf die Geschichte eingehen, befassen wir uns mit der Animation selbst. Der Film kommt in 3-D daher, was in plakativer Form gestaltet ist. Aber auch darum geht es nicht. Viel wichtiger ist, dass die Animation von derart magerer Qualität ist, dass man den Eindruck hat, sie sei durchweg unfertig. Es gibt DVDs, in deren Bonusmaterial befinden sich Animatics, grob gerenderte Storyboards, mit denen die Geschichte erzählt ist. Ab durch den Dschungel ist qualitativ nur minimal über diesen Animatics angesiedelt.

Die Animation ist flach, es gibt keine Texturen, keine Schraffuren, keine Tiefe, keine Details. Stattdessen sind Flächen so dermaßen minimalistisch gestaltet, als hätte man ein Malen-nach-Zahlen-Bild einfach mit einem Filzstift ausgemalt, ohne auf Schatten, Lichtreflexe und dergleichen zu achten. Ganz zu schweigen von Haaren im Pelz der Tiere. Die sehen im Grunde aus, als hätten sie eher Klamotten an. Dass das Fell mit abertausenden von Haaren ist, ist in keiner Sekunde erkennbar.

Inhaltlich ist der Film auch nicht gerade der große Wurf. Die Geschichte ist simpel gestrickt, was aber per se nichts Schlechtes ist, immerhin richtet sich der Film an ein besonders junges Publikum. Erwachsene Begleiter haben hier aber gar nichts zu lachen: Üble Animationen, viele Klischees, halbgare Gags, hier gibt es das volle Programm. Wer sich dennoch entscheidet, Ab durch den Dschungel im Kino zu sehen, der tut das auf eigene Gefahr hin.

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