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The Boss

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kritiken.de Redaktion 21.04.2016
The Boss© Universal Pictures Germany GmbH
A ca. 1384 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

The Boss: Eine komische Studie über Macht, Identität und das Remake des amerikanischen Erfolgs

Einleitung

The Boss betritt die Leinwand als ein Phänomen der gegenwärtigen Starökonomie: ein Film, der seine Energie vor allem aus der Präsenz einer Hauptdarstellerin und der kalkulierten Verschränkung von Komik und Sozialkommentar zieht. In einer Zeit, in der Komödien zunehmend als Vehikel für Prominenz und Markenerhalt fungieren, bietet dieser Film eine Gelegenheit, die Mechaniken moderner Machtinszenierung im Popkino zu betrachten. Er ist nicht nur eine weitere Melissa McCarthy-Nummer, sondern ein Knotenpunkt, an dem Starpersona, Regisseursignatur und zeitgenössische Diskurse über Erfolg und Skandal aufeinandertreffen.

Die Relevanz des Films liegt weniger in der Erfindung neuer comic-formaler Mittel als in der präzisen Mobilisierung vertrauter Figurenkonstellationen: die Antiheldin, die stürzende Unternehmerin, das fragile Geflecht aus Familie und Gefolgsmannschaft. Als spektakuläres Produkt des Mainstreamkinos spiegelt The Boss die Ambivalenz eines Kulturraums wider, der gleichermaßen Bewunderung und Misstrauen gegenüber Erfolg kultiviert. Der Film spielt mit der Erwartungshaltung eines Publikums, das an schillernde, fehlerhafte Protagonistinnen gewöhnt ist, und fragt stillschweigend nach den Kosten dieser Erwartung.

Formal und thematisch ist The Boss in ein größeres Feld einzuordnen, das seit den 2010er Jahren von Komödien dominiert wird, welche sich mit Machtverhältnissen, Femininität und Kommerzialisierung auseinandersetzen. Das Werk beansprucht dabei keinen philosophischen Tiefgang, sondern arbeitet mit pointierten Situationen und einer auf Figurengestalt ausgerichteten Energie, die sich in der Regie und der Montage niederschlägt. In seiner Tonalität verbindet der Film derbe Slapstickmomente mit sentimentalen Bindungen und einer markanten Figurenzentriertheit, die ihn als typisches Produkt der Ära kennzeichnet.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Ben Falcone, dessen Handschrift sich durch eine enge Zusammenarbeit mit seiner Hauptdarstellerin auszeichnet und der sich als Regisseur von Starvehikeln etabliert hat. Falcone favorisiert ein komödiantisches Prinzip, das auf Improvisation, physische Komik und einer großzügigen Spielwiese für seine Ensemblebesetzung setzt. Seine Filmsprache ist weniger formal avantgardistisch als wirkungsorientiert: Timing, Reaktion und die Konstruktion kurzer, prägnanter Setpieces stehen im Vordergrund.

Die Produktion präsentiert sich als Studiokomödie mit einem mittleren Budgetrahmen und einer klaren Ausrichtung auf ein breites Publikum. Ausstattung, Locations und Produktionsdesign verfolgen das Ziel, eine vertraute, leicht hyperbolisierte Welt zu schaffen - die visuelle Schärfung von Luxus, Absturz und Neuanfang dient hier weniger realistischer Beobachtung als der Unterstützung komödiantischer Situationen. Im Produktionskontext ist The Boss Teil einer Serie von Filmen, in denen Falcone und seine Co-Akteure wiederholt zusammenarbeiten; diese Kontinuität erzeugt eine Art Werkraumästhetik, in der wiederkehrende komödiantische Strategien ausgefeilt werden.

In Falcones Gesamtwerk markiert der Film eine Konsolidierung seines Regiestils: Die Inszenierung legt Gewicht auf die zentrale Performanz der Hauptrolle, während das Ensemble als Echo und Ergänzung fungiert. The Boss steht damit nicht allein, sondern reiht sich in eine Reihe ähnlicher Projekte ein, die gleichermaßen auf Starchemie und massenkompatible Komik setzen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Melissa McCarthy dominiert das Feld als Verkörperung eines Typs, den sie in ihrer Karriere mehrfach ausgearbeitet hat: die selbstbewusste, laute, aber verletzliche Frau, deren Komik aus einem Zusammenspiel von physischer Expressivität und sprachlicher Schärfe entsteht. Bekannt geworden durch Fernsehformate und Ensembles wie Bridesmaids, nutzt McCarthy hier ihre etablierte Persona, um eine Figur zu zeichnen, die zugleich charismatisch und brüchig wirkt. Ihre Performance ist das dramaturgische Zentrum, um das sich die übrigen Charaktere arrangieren.

Kristen Bell fungiert als Kontrastfigur; ihre bisher bekannten Rollen - von der Detektivin in Veronica Mars bis zur singenden Prinzessin in Animationsfilmen - bringen eine andere, kontrolliertere Comictradition mit. Im Film bildet sie das emotionale Gegengewicht zur exzessiven McCarthy-Figur. Peter Dinklage, dessen Reputation insbesondere durch die nuancierte Darstellung komplizierter Figuren in seriöseren Kontexten begründet ist, übernimmt eine komödiantisch pointierte Nebenrolle, die seine Fähigkeit zur Verdichtung von Präsenz ausnutzt. Kathy Bates liefert eine weitere gewichtige Unterstützung aus dem dramatischen Genre und bringt dem Ensemble eine markante Autoritätsgestalt ein.

Das Ensemble, zu dem auch einflussreiche Komikerinnen wie Cecily Strong und Kristen Schaal zählen, fungiert als Resonanzraum für die Hauptfigur. Viele der beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler ziehen aus vorherigen, teils ikonischen Arbeiten ihre jeweiligen Interpretenpraktiken, die hier in serviceorientierten, teils kurzschlüssigen Rollen kontrapunktisch verwoben werden. In diesem Zusammenspiel geht es weniger um psychologische Tiefenschichten als um die komische Ausleuchtung sozialer Rollen und Machtverhältnisse.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne ins Detail zu gehen, lässt sich die Handlung als die Erzählung einer öffentlichen Figur beschreiben, deren Karriere einen spektakulären Einschnitt erfährt. Der dramaturgische Konflikt speist sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher Persona und privatem Anspruch, daraus resultierenden Machtverschiebungen und der Notwendigkeit, neue Allianzen zu schmieden. Im Zentrum steht die Wiederaneignung von Agency - ob auf kalkulierter, manipulativer oder unerwartet sozialer Weise bleibt Teil der filmischen Erzählung.

Die zentralen Figuren bilden ein Ensemble aus der titelgebenden Protagonistin, ihrer ehemaligen Vertrauten sowie einer Handvoll Nebenfiguren, die wirtschaftliche, familiäre und soziale Interessen verkörpern. Die Tonalität schwankt zwischen kantigem Humor, der aus verbalen Attacken und körpersprachlichen Übertreibungen entsteht, und Momenten vorsichtiger Emotionalität, in denen Bindungen und Verantwortlichkeiten angesprochen werden. Atmosphärisch setzt der Film auf eine helle, oft überzeichnete Bildwelt, die Komik und Pathos gleichermaßen zulässt.

Zentrale Themen und Motive

The Boss stellt Fragen nach der Ethik des Erfolgs und nach der Darstellung von Macht in einer mediengestützten Gesellschaft. Der Film operiert mit Motiven der Inszenierung - wie Performance, Marke und Selbstdarstellung - und untersucht, wie diese Elemente intime Beziehungen und ökonomische Entscheidungen beeinflussen. Zugleich beleuchtet er die Dialektik von Fall und Wiederaufstieg, wobei nicht die moralische Belehrung im Vordergrund steht, sondern die Beobachtung der Mechanismen, die eine solche Transformation ermöglichen oder verhindern.

Auf einer philosophischen Ebene geht es um die Spannung zwischen Instrumentalisierung und Fürsorge: Wie wird Führungswillen, insbesondere in weiblicher Gestalt, sozial interpretiert und bewertet? Welche Rolle spielen Loyalität und Gemeinschaft in einem Umfeld, das auf Konkurrenz und Individualisierung setzt? Psychologisch zeigt der Film, wie Verletzlichkeit hinter rhetorischer Härte verborgen werden kann und wie Humor als Abwehr- und Bewältigungsstrategie fungiert. The Boss bewegt sich damit an der Schnittstelle von Gesellschaftsanalyse und Star-komik, ohne dabei Lehrstück zu werden - vielmehr bietet er ein Panorama von Machtpraktiken, das zur Reflexion über das Verhältnis von Erfolg, Ethos und Identität anregt.

Filmkritik von Peter Osteried

Für diesen Boss möchte man echt nicht arbeiten!

Mittlerweile mutet Melissa McCarthy wie ein One-Trick-Pony an. Im Grunde spielt sie seit Jahren dieselbe Rolle: Eine nervige, sexuell aggressive, sich in Fäkalsprache artikulierende Frau, der jedwede Liebenswürdigkeit abgeht. In den Filmen von Paul Feig – darunter Brautalarm – mag das noch einigermaßen funktionieren, in allen anderen verkommt die Rolle zur Masche, die nicht mehr trägt.

Wegen des Handels mit Insiderinformationen wandert die erfolgreiche Unternehmerin Michelle Darnell (Melissa McCarthy) ins Gefängnis. Sie sitzt ihre Zeit ab und möchte dann den Weg der Rechtschaffenheit beschreiten. Michelle geriert sich als Sünderin, die ihre Lektion gelernt hat, doch sie muss schnell merken, dass alte Angewohnheiten nicht so leicht abzulegen sind und einige von denen. Zumal Ronald (völlig verschwendet: Peter Dinklage) noch ein Hühnchen mit ihr zu rupfen hat.

Tatsächlich mutet es so an, als würde McCarthy, die hier wie schon bei Tammy von ihrem Ehemann Ben Falcone inszeniert wurde, versuchen, die immer gleichen formelhaften Rollen auch selbst zu gestalten – allerdings ohne Erfolg. Dazu kommt, dass Falcone auch mitspielt, wieder mal als ein Mann, der sich den sexuellen Avancen der aggressiven McCarthy entziehen muss. Vermutlich finden sie die damit einhergehende Metaebene unendlich witzig, für den Zuschauer bleibt davon jedoch nichts übrig. Stattdessen hat man das Gefühl, denselben Film schon wieder zu sehen.

McCarthys Rollen, aber auch ihre Filme gleichen sich. Ihren Rollen ist gemein, dass sie so dermaßen unsympathisch angelegt sind, dass eine Rehabilitierung fast nicht möglich ist. Auch hier gelingt es nicht. Ihre Michelle Darnell bleibt weiterhin unsympathisch, womit The Boss – Dick im Geschäft vollends der Boden unter den Füßen davongezogen wird. Da passt es dann auch, dass McCarthy sich immer dann, wenn der verbale Humor versiegt, auf billigen Slapstick verlässt. Sie mag glauben, das Publikum finde es komisch, wenn eine dicke Frau stolpert, der Reiz solchen Humors hat sich aber schon zu Stummfilmzeiten erschöpft.

Die wenigen guten Momente des Films sind im Grunde die, wenn McCarthys Figur verbal ausflippt und sich ein Opfer sucht. Das ist zwar nicht dazu angetan, die Figur dem Zuschauer näherzubringen, aber die Dialoge haben hier zumindest ein paar Pointen, auch wenn einige davon ohnehin schon im Trailer verbraten wurden. Unterm Strich gilt wohl: Wer Melissa McCarthys frühere Filme, und darunter vor allem die richtig schlechten, mochte, der wird hier auch seinen Spaß haben. Alle anderen sollten dem neuesten Streich des ehemaligen Gilmore Girls-Stars am besten fernbleiben.

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