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Looping

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kritiken.de Redaktion 25.08.2016
Looping© Salzgeber & Company Medien
A ca. 1311 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Looping: Eine präzise Studie über Wiederholung, Identität und die Ästhetik des Zurückkehrens

Einleitung

Looping, erschienen am 25.08.2016, positioniert sich als ein leises, aber hartnäckiges Kapitel des zeitgenössischen deutschen Kinos - ein Drama, das weniger durch spektakuläre Wendungen als durch sein formales Interesse an Wiederholung und Fortdauer besticht. Der Film beansprucht nicht das große erzählerische Versprechen, sondern interessiert sich für Schleifen im Inneren von Figurenleben - für die Momente, in denen Handlung sich zurückspult und die Gegenwart wie auf einem schiefen Tonband wiederkehrt. Gerade weil er sich einem Alltag verschreibt, der sich im Kreis zu drehen scheint, wird Looping zu einer Reflektion über Erinnerung, Gewohnheit und die Bedingungen des Erwachsenwerdens.

In seiner ästhetischen Haltung liegt die Relevanz des Films: Looping stellt Fragen nach Ursache und Wiederholung, nach der Möglichkeit von Veränderung und nach den filmischen Mitteln, mit denen Subjektivität abgebildet werden kann. In einer Zeit, in der mediale Wiederholungen durch soziale Netzwerke und algorithmische Reproduktion zur Tagesordnung gehören, liest sich der Film als ein nüchterner Kommentar zur Persistenz von Mustern - persönlich wie gesellschaftlich. Dabei bleibt die Erzählung bewusst lokal und intim; sie sucht nicht die große Metapher, sondern das präzise, punktuelle Porträt.

Ohne sich in plakative Sozialdiagnosen zu verlieren, lässt Looping Raum für Assoziation - und fordert das Publikum dazu auf, die Schleifen im eigenen Blick zu entdecken. Diese Haltung verortet den Film in einer jüngeren deutschen Filmszene, die weniger auf direkte Problemdramaturgie setzt als auf psychologische Zustandsbeschreibung und auf die Sinnlichkeit filmischer Mittel.

Kurzüberblick zur Produktion

Looping präsentiert sich als klassische Drama-Produktion des unabhängigen deutschen Kinos - eine Arbeit, die auf Intimität und sorgfältige Inszenierung setzt. Die Regiearbeit zeichnet sich durch eine zurückgenommene Handhabung von Kamera und Montage aus - sie bevorzugt langsame Einstellungen, wiederkehrende Bildkompositionen und eine Montage, die das Gefühl des Kreislaufs formt. Auf diese Weise entsteht eine Handschrift, die weniger auf Regiekunst als auf atmosphärische Konsequenz baut.

Zur Produktionsgeschichte liegen keine lauten Hintergründe vor; es handelt sich nicht um einen enormen Studioblockbuster, sondern um eine ensemblegetriebene Produktion, die mit begrenzten Mitteln arbeitet und die Ressourcen auf Schauspiel und Bildsprache konzentriert. Gerade diese Sparsamkeit erzeugt eine Stärke: Der Film wirkt fokussiert, bis in die Tonspur hinein sorgfältig arrangiert. In seinem Gesamtschaffen nimmt Looping die Position eines ruhigen, aber bestimmten Beitrags ein - ein Film, der weniger darauf angelegt ist, ein breites Publikum mit spektakulären Momenten zu erreichen, als ein kritisches, aufmerksames Publikum zu fordern.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum des Films steht ein Ensemble junger Schauspielerinnen, angeführt von Jella Haase, deren Arbeit seit ihrem Durchbruch in populären Produktionen der deutschen Gegenwartskultur eine bemerkenswerte Bandbreite aufweist. Haase bringt eine Mischung aus roher Energie und nuancierter Innenlichkeit mit - eine Qualität, die ihr erlaubt, Figuren zu tragen, die zugleich verletzlich und tückisch in ihrer Selbstbehauptung sind. Neben ihr finden sich Darstellerinnen wie Lana Cooper, Marie-Lou Sellem, Gro Swantje Kohlhof und Luisa-Céline Gaffron, die das Ensemble zu einem vielstimmigen Korpus machen.

Das Casting verbindet junge Charakterdarstellerinnen mit erfahrenen Nebendarstellern - Namen wie Markus Hering, Christian Kuchenbuch und Henning Peker sorgen für texturierte Nebenfiguren, die das Beziehungsgeflecht der Hauptfiguren spiegeln. Die Besetzung arbeitet weniger mit Gesten des Effekts als mit kleinen, beharrlichen Entscheidungen - mit Blicken, Pausen, Atemrhythmen -, die das wiederholende Thema des Films auf schauspielerischer Ebene spiegeln. Insgesamt tritt das Ensemble als Kollektiv auf, in dem einzelne Biografien weniger in dramatischen Expositionen offengelegt werden als in einer Folge von Situationen, die sich beharrlich wiederholen und so Charakterzüge freilegen.

Handlung (spoilerfrei!)

Looping erzählt von einer Gruppe von Menschen, deren Alltage in wiederkehrenden Mustern verankert sind. Die Dramaturgie entfaltet sich nicht in klassischen Aktstrukturen, sondern in sich überlagernden Episoden - Momentaufnahmen, die Figuren in bestimmten Wiederholungssituationen zeigen. Der dramatische Konflikt liegt weniger in einem äußeren, einmaligen Ereignis als in der inneren Spannung zwischen dem Wunsch nach Ausbruch und der Schwere etablierter Gewohnheiten.

Die zentralen Figuren sind junge Frauen, deren Lebensentwürfe aneinander gerieben und dadurch sichtbar werden. Beziehungen - familiär wie freundschaftlich - wirken durch das persistente Zurückkehren zu bestimmten Verhaltensweisen belastet. Ton und Atmosphäre des Films sind zurückgenommen, fast minimalistisch: eine kühle Farbgestaltung, sparsamer Einsatz von Musik und ein Präferenz für lange Einstellungen schaffen eine Stimmung, die eher zur Beobachtung als zur Identifikation einlädt. Die Narrative bleibt absichtsvoll offen - sie bietet keine einfachen Antworten, sondern legt Muster frei, die das Publikum nachklingen lassen.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum von Looping steht die Frage nach Wiederholung und Veränderung - die filmische Repräsentation von Kreisläufen, die sowohl tröstlich als auch erdrückend sein können. Der Film erkundet, wie sich Biographien in Mustern formieren und wie das Individuum auf diese Strukturen reagiert - ob durch Anpassung, Leugnung oder, seltener, durch den Versuch, die Schleife zu durchbrechen. Daraus ergibt sich eine philosophische Dimension: Ist Wiederholung zwangsläufig regressiv oder kann sie die Form eines bewussten Rituals annehmen, das Halt verschafft?

Gesellschaftlich verweist Looping auf Brüche und Kontinuitäten einer Gegenwart, in der Unsicherheit und ökonomische Restriktionen Lebenswege prägen. Psychologisch interessiert sich der Film für Traumata als sich wiederholende Elemente - für die Art, in der Vergangenheitspraxen die Gegenwart immer wieder rekonstituieren. Formal reflektiert Looping seine Themen durch Montage und Bildsprache - Wiederholte Einstellungen, Rückblenden und minimale Modifikationen von Szenenvarianten funktionieren wie ein filmischer Laborversuch zur Untersuchung von Differenz innerhalb von Gleichheit.

Ohne moralisch zu belehren zeichnet Looping ein feines Bild von Menschen, die sich in Mustern eingerichtet haben - und von der Schwierigkeit sowie der Notwendigkeit, diese Muster zu benennen, um ihnen vielleicht eines Tages zu entkommen. In dieser gelassenen Klarheit liegt die größte Stärke des Films: Er bleibt aufmerksam gegenüber der Mehrdeutigkeit der menschlichen Situation - und behält zugleich einen präzisen Blick für filmische Mittel, die das Thema der Wiederholung sinnlich erfahrbar machen.

Filmkritik von Peter Osteried

Looping ist das schöne Porträt dreier unterschiedlicher Frauen

Leonie Krippendorffs Langfilmdebüt ist ein kleines, sehr stimmiges Porträt, das von starken Frauenfiguren lebt, aber auch wundervoll intim inszeniert ist. Man merkt der Künstlerin an, dass sie als Fotografin begann, komponiert sie doch Bilder von einfacher, aber prägnanter Schönheit.

Die 19-jährige Leila (Jella Haase) lebt auf dem Rummel und ist verliebt, fühlt sich jedoch total einsam. Eine chaotische Nacht endet in der Notaufnahme, woraufhin sie sich in eine psychiatrische Klinik einweisen lässt. Dort lernt sie die schüchterne Frenja und die geheimnisvolle Ann kennen. Die drei Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein, kommen einander aber näher, unternehmen gemeinsame Exkursionen und genießen das Leben. Aber wie soll es weitergehen, wenn die Zeit in der Klinik endet?

Krippendorf bleibt immer nah an den Figuren. Sie bedrängt sie mit der Kamera, ohne je aufdringlich zu sein. Fast ist es so, als stünde man neben diesen Frauen, als sei man der Vierte im Bunde, wenn Leila, Frenja und Ann gemeinsam agieren. Die Figuren sind exakt gestaltet, glaubwürdig, authentisch, bisweilen geheimnisvoll und darum auch spannend. Für jede der drei Hauptdarstellerinnen hält Krippendorff Herausforderungen parat, gibt ihnen aber auch Material, mit dem sich wirklich arbeiten lässt.

Man merkt Looping an, dass Krippendorff sehr viel Zeit in die Entwicklung ihrer Figuren einfließen ließ. Sie lässt sich auch beim Erzählen Zeit, wodurch ihr Werk aber umso intensiver wird, je näher man dem Ende kommt. Krippendorff kann sich der Versuchung nicht ganz entziehen, ein Kunstprodukt zu erschaffen. Es ist eine gewisse Verliebtheit – in die eigenen Fähigkeiten, in die Bilder, die sie erschaffen will, aber auch in ihre Hauptfiguren –, die hier zum Tragen kommt. Die extremen Nahaufnahmen akzentuieren das. Sie schaffen Nähe, zugleich aber auch eine gewisse Distanz, sind auf jeden Fall jedoch faszinierend anzusehen und so sehr eigener Stil dieser Filmemacherin, dass er immer mehr hinter der Geschichte zurücktritt. Was Selbstzweck hätte sein können, wird so zur gelungenen Performance, die sich ganz und gar der Darstellung der drei Schauspielerinnen verpflichtet.

Alles in allem ein sehenswerter und gelungener Film, dem als Erstlingswerk schon erstaunlich viel Feinschliff inne ist. Auf das nächste Projekt von Leonie Krippendorff, das den Titel Elefantenkinder trägt, darf man schon jetzt gespannt sein. Ein Highlight des Arthaus-Kinos.

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