Die Unfassbaren 2 - Illusion, Betrug und die Ästhetik der digitalen Täuschung auf der Leinwand
Einleitung
Die Fortsetzung eines populären Heist-Universums stellt stets die Frage nach Ausweitung und Sinn: Die Unfassbaren 2 nähert sich diesem Problem nicht als bloße Verlängerung eines Gags, sondern als Spiegel moderner Mechanismen von Aufmerksamkeit und Kontrolle. In einer Ära, in der Öffentlichkeit zunehmend zu einer formbaren Ressource wird, interessiert sich der Film weniger für die plausiblen Mechaniken des Verbrechens als für die Bedingungen seiner Wahrnehmung. Genau darin liegt seine Relevanz: Er markiert eine Schnittstelle zwischen klassischem Illusionskino und zeitgenössischer Reflexion über Daten, Kapital und Inszenierung.
Regisseur Jon M. Chu übernimmt die Leitung eines Stoffes, der schon im Vorgänger als Mischung aus Showmanship und Kriminalstück angelegt war. Seine Handschrift führt das Franchise weg vom raueren Ton des ersten Teils und hin zu einer stärker choreografierten, visuell durchkomponierten Form der Erzählung. Das Resultat ist ein Film, der seine Tricks nicht nur als narrative Figuren, sondern als Stilmittel betrachtet - als choreografierte Bewegungen der Kamera, des Schnitts und der Montage.
Im gesellschaftlichen Kontext von 2016, geprägt von globaler Vernetzung, wachsender Skepsis gegenüber Finanzinstitutionen und dem Aufstieg von Technologieunternehmen als Machtfaktoren, spielt Die Unfassbaren 2 mit Themen, die das Publikum bereits im Digitalzeitalter beschäftigen: Wer kontrolliert die Sichtbarkeit, und wem gehört die Wahrheit, wenn Bilder und Zahlen manipulierbar sind? Die Fortsetzung artikuliert diese Fragen durch die Sprache des Thrillers und des Varietés zugleich.
Kurzüberblick zur Produktion
Die Unfassbaren 2 entstand als Großproduktion eines etablierten Studios und setzte die Absicht um, das bestehende Franchise visuell und narrativ zu skalieren. Regie führte Jon M. Chu, bekannt geworden durch Arbeiten, die auf Bewegung und musikalische Rhythmik setzen. Diese filmische Intuition für Timing und Choreografie prägt sichtbar die Action- und Enthüllungssequenzen des Films. Produziert unter dem Dach eines internationalen Verleihes, zielt die Inszenierung auf ein globales Publikum und nutzt hierfür opulente Schauplätze und aufwendige Setpieces.
Budgetär ist die Produktion deutlich größer angelegt als ihr Vorgänger: Die Mittel ermöglichen aufwendigere Illusionen, mehr Lokations und komplexere VFX-Arbeit, was sich in einer polierten Oberflächenästhetik niederschlägt. Das Ergebnis liest sich weniger als ein nüchterner Kriminalfilm denn als eine aufwändige Show-Inszenierung, in der Kamerabewegung und Schnitttechnik die eigentlichen Kunstgriffe sind. Innerhalb des Franchise fungiert der Film als Versuch, die Bühnenmagie des ersten Teils in ein internationales Spektakel zu überführen und zugleich die Erzählung zu öffnen.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Das Ensemble bleibt der Motor der Erzählung. Jesse Eisenberg setzt seine spezifische Spielweise als J. Daniel Atlas fort: ein nervös präziser, intellektuell arroganter Bühnenmagier, dessen Sarkasmus und Manipulationslust die Figur beständig am Publikum ausrichtet. Mark Ruffalo übernimmt erneut die Rolle des Dylan Rhodes, der als ermittelnder Polizist zwischen Skepsis und Faszination pendelt und damit die notwendige moralische und narrative Gegenkraft zu den Showelementen liefert.
Woody Harrelson fungiert weiterhin als der lakonische Manipulator Merritt McKinney, dessen secenische Lockerheit und improvisatorische Präsenz kleine emotionale Mittepunkte setzen. Dave Franco als Jack Wilder repräsentiert die jugendliche Energie und das Talent des Ensembles, während Lizzy Caplan als Lula May eine Neubesetzung einbringt, die dem Team eine rauere, unberechenbare Note verleiht. Daniel Radcliffe tritt gegen den Strich seiner früheren Imageprägungen als Walter Mabry an und übernimmt die Funktion eines Gegenspielers, dessen Verhältnis zu Technologie und Macht die erzählerischen Kontraste verschärft. Michael Caine bleibt als eine Gestalt aus der Welt der Mäzene und alten Sicherheiten eine ruhige, historisch aufgeladene Präsenz.
Handlung (spoilerfrei!)
Der Film setzt das Motiv des Ensembles von Bühnenmagiern fort, die ihre Kunst mit krimineller Raffinesse verbinden. Die zentrale Prämisse ist einfach gehalten: Die Protagonisten sehen sich mit einer neuen, größeren Herausforderung konfrontiert, die nicht nur ihr Können auf die Probe stellt, sondern auch die Bedingungen ihres Handelns hinterfragt. Im Zentrum stehen die Vorbereitungen und Ausführungen von Coups, die zunehmend auf internationalen Bühnen gespielt werden und in denen das Zusammenspiel von Täuschung, Technologie und öffentlicher Bühne die dramatischen Momente generiert.
Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Zusammenprall zweier Ordnungen: derjenigen, die im Verborgenen agieren und ihre Illusionen kultivieren, und jener Institutionen und Individuen, die Wahrheiten durch Aufklärung herstellen wollen. Die Spannung wird nicht allein aus der Frage nach dem Erfolg eines Coups gezogen, sondern aus der moralischen und strategischen Ambivalenz, die solche Aktionen auslösen. Tonal bleibt der Film schnell, spielerisch und kokett mit den Erwartungen des Publikums - ein Thriller, der zugleich Varieté ist.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Sichtbarkeit, Kontrolle und Verantwortung. Was heißt es heute, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen und zu instrumentalisieren? Die Unfassbaren 2 untersucht, wie Illusionen als Form der Kritik und zugleich als Instrument der Macht fungieren können. Magie wird zur Metapher für die ökonomischen und technologischen Tricks, mit denen Realität konstruiert oder verschleiert wird.
Wiederkehrende Motive sind Spiegelungen, Dopplungen und das Spiel mit Perspektiven: Filmische Kameraführung und Schnitt simulieren das, was die Figuren auf der Bühne vollführen. Die Mise-en-scène betont die performative Dimension von Wahrheit, während die Handlung die ethische Frage stellt, ob das Publikum, das sich berauschen lässt, ebenfalls Teil der Komplizenschaft ist. Daneben tritt eine kritische Reflexion über die Rolle von Institutionen und den möglichen Missbrauch datengetriebener Macht - ohne je in ein analytisches Lehrstück zu kippen, verbleibt der Film in der Sprache des Thrillers und der Show.
Filmkritik von Peter Osteried
Beim zweiten Streich sind die Unfassbaren besser
Vergnüglich war der erste Film auf alle Fälle, die innere Logik der Geschichte durfte man aber nicht genauer unter die Lupe nehmen. Ganz zu schweigen von den Zaubertricks der vier Magier, die mehrheitlich so gestaltet wurden, dass jedweder Anspruch daran, dies könne auch wirklich umgesetzt werden, flöten ging. Das Sequel reißt sich hier mehr am Riemen. Zwar gibt es ein paar unglaubliche Momente, dann aber auch die Auflösung, wie diese bewerkstelligt wurden.
18 Monate sind vergangen, seit die Horsemen verschwunden sind. Aber nun tauchen sie wieder auf, da sie eine Produktpräsentation einer Firma sprengen und aufzeigen wollen, wie die Privatsphäre der Nutzer ausgespäht wird. Doch die Horsemen werden selbst zu Opfern eines Tricks und finden sich alsbald in Macao wieder, wo sie vor eine Wahl gestellt werden. Entweder stehlen sie etwas, das der Auftraggeber haben will, oder sie werden alle sterben.
Tatsächlich ist das Ganze sogar etwas komplexer als das – wenn auch nicht allzu sehr. Aber wie bei einem guten Zaubertrick versteht es Die Unfassbaren 2, den Zuschauer immer wieder zu überraschen. Hier wird mehr als einmal das sprichwörtliche Kaninchen aus dem Hut gezaubert – auch und besonders in der Nachklappe. Manches wirkt dabei zwar konstruiert, führt aber zu einem runden Schlusspunkt, von dem aus weitere Geschichten in alle Richtungen gehen können. Hier werden mehr oder minder lose Enden des Vorgängers aufgenommen und allen Figuren eine Form von Abschluss gewährt – ausgenommen die von Isla Fisher gespielte Hanley, die im zweiten Teil nicht mehr dabei ist.
Wie schon der Vorgänger erinnert auch Die Unfassbaren 2 an die Mission: Impossible-Filme, nur, dass die Hauptfiguren auch noch die ganz großen Bühnen wollen. Bei der Umsetzung ihrer elaborierten Pläne haben aber offenbar Ethan Hunt und sein Team Pate gestanden. Natürlich strapaziert das die Glaubwürdigkeit, aber der Unterhaltungswert ist dafür hoch. Zumal man hier sehr viel stimmiger als noch beim ersten Teil erzählt, so dass sich eine homogenere Struktur ergibt, bei der man es versteht, selbst Figuren in die Geschichte einzubauen, von denen man das nicht mehr erwartet hätte.
Eine recht schräge Idee ist es, Woody Harrelson diesmal eine Doppelrolle spielen zu lassen. Der hat dabei sichtlich Spaß, was sich auch auf den Zuschauer überträgt, der gerne darüber hinwegsieht, wie stereotyp die Bruderrolle gestaltet ist. Das ist ein Vorzeigeschurke, der um des Hassens Willen hasst. Aber Harrelson macht ihn dennoch interessant, weil die Dynamik mit den übrigen Figuren knackig ausgefallen ist.
Die Unfassbaren 2 ist nicht der ganz große Wurf, aber eine spannende und flott erzählte Geschichte, bei der man sich köstlich amüsiert. Damit erweist sich der Film auch als Blaupause für eine ganze Reihe, denn nach diesem Auftritt kann man die Horsemen in praktisch jede Richtung führen. Dies ist ein spaßiges Franchise, das nicht bedeutungsschwanger und mit Gravitas daherkommt, sondern Humor und Action in den Vordergrund stellt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gerne mehr davon – auch und gerade, weil es angenehm ist, Sommerkino mit mehr oder minder normalen Menschen abseits kostümierter Helden und Action-Heroen geboten zu bekommen.

