Kick-Ass 2 - Vigilantismus als Popkulturphänomen: Gewaltästhetik und jugendliche Radikalisierung im gegenwärtigen Kino
Einleitung
Kick-Ass 2 betritt das Feld der Superheldenparodie nicht als harmloser Spaß, sondern als Reflexionsraum über die Ambivalenz von Gewaltrepräsentation und Ruhmsuche in einer medialisierten Gesellschaft. Der Film, erschienen 2013, steht damit stellvertretend für eine Welle von Genreproduktionen, die zwischen ironischer Distanz und expliziter Eskalation oszillieren. Er ist relevant, weil er die rezeptionsästhetischen Fragen moderner Popfilme - Wer wird zum Helden, und auf welche Kosten? - in ein Bild von Jugendlichkeit, Social-Media-Ökonomie und performativer Politik übersetzt.
Als Fortführung einer Vorlage, die aus dem Comic von Mark Millar und John Romita Jr. stammt, muss Kick-Ass 2 sich nicht nur gegenüber seiner literarischen Quelle behaupten, sondern auch gegenüber dem ersten Kinofilm, dessen Ton Matthew Vaughn bestimmt hatte. Die Fortsetzung macht diese Auseinandersetzung sichtbar: Sie zeigt, wie sich eine Idee von subversiver Superheldenfantasie in kommerzielle und narrativ eskalierende Bahnen bewegt.
Der gesellschaftliche Hintergrund der Veröffentlichung ist nicht zu vernachlässigen. 2013 lag der Diskurs über Gewalt in Medien und die Verantwortung von Künstlern und Produzenten besonders sensibelessent. Vor diesem Panorama gewinnt der Film auch außerhalb seiner dramaturgischen Kontingenzen an Bedeutung: Als Diskussionsgegenstand über Authentizität, politische Symbolik und die Gratwanderung zwischen Satire und Verherrlichung.
Kurzüberblick zur Produktion
Die Regie übernahm Jeff Wadlow, dessen bisheriges Schaffen Elemente von Jugendfilm, Horror und Action verbunden hatte. Wadlow bringt eine Handlungsprägnanz und einen direkten, manchmal raueren Schnittrhythmus in die Vorlage, was die Fortsetzung formal vom Vorgänger unterscheidet. Die filmische Handschrift verlegt den Fokus stärker auf unmittelbare emotionale Reaktionen und auf eine kollektivere Figurenkonstellation.
Die Produktion orientierte sich an den Konventionen großer Genreproduktionen, adaptierte die Bande zwischen Independent-Comicästhetik und Studio-Finanzierung und inszenierte das Spektakel in klaren, teilweise hyperrealen Bildern. Die Dreharbeiten und die Postproduktion legten Wert auf eine visuelle Balance zwischen Pop-Ästhetik und Gewaltästhetik, wobei die Choreographie der Actionsequenzen und die Soundgestaltung als zentrale Mittel der Tonbestimmung fungieren. Die Entstehung des Films war zudem von öffentlicher Debatte begleitet, als prominente Namen und Entscheidungen zur Darstellung von Gewalt diskutiert wurden.
Im Gesamtwerk steht Kick-Ass 2 als Versuch, eine etablierte Markenformel weiterzudenken: weniger als Rückkehr zum Status quo, mehr als exemplarischer Fall für die Transformation einer Comicvorlage ins zeitgenössische Kino. Die Fortsetzung markiert eine ästhetische und thematische Weitung, die das Franchise vom Einzelheldenstorytelling zu einer reflexiven Untersuchung von Gruppendynamiken und Medienlogik führt.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Aaron Taylor-Johnson tritt erneut als zentrale Identifikationsfigur auf. Seine Darstellung verweist auf die Unsicherheit eines Antihelden, der zwischen Wunsch nach Wirkung und moralischer Fragilität schwankt. Taylor-Johnson war zuvor in unterschiedlichen Rollen als junger Charakterdarsteller aufgefallen; hier fungiert er als Projektionsfläche für die Ambivalenz jugendlicher Selbstermächtigung.
Chloe Grace Moretz, die als eine der prägnantesten Figuren des ersten Films viel Aufmerksamkeit erlangt hatte, bleibt ein narrative Motor. Moretz’ Spiel bewegt sich zwischen kondensierter Brutalität und ambivalenter Verletzlichkeit, womit sie die problematischen Implikationen der Figur sichtbar macht. In ihrem bisherigen Werdegang hatte sie bereits mehrfach bewiesen, dass sie in der Lage ist, komplexe Adoleszenzfiguren zu tragen.
Das Ensemble umfasst weitere Stimmen des US-Kinos, die dem Stoff unterschiedliche Nuancen verleihen. Christopher Mintz-Plasse und Lyndsy Fonseca konsolidieren Nebenstränge, während erfahrene Charakterdarsteller wie Morris Chestnut und Donald Faison die Erzählung mit ruhigerer, oft institutioneller Präsenz kontrastieren. Die Besetzung arbeitet mit Kontrasten zwischen jugendlicher Impulsivität und erwachsener Autorität, was dramaturgisch die Konfliktdimensionen schärft.
Handlung (spoilerfrei!)
Die Fortsetzung entfaltet sich als Erweiterung des Grundkonflikts: Aus der Idee, dass normale Menschen zu symbolischen Rettern werden können, entstehen neue Konstellationen von Selbstinszenierung und Gegengewalt. Die Handlung verknüpft persönliche Motivationen mit kollektiven Dynamiken und bewegt sich entlang einer Serie von Konfrontationen, deren Eskalationslogik die treibende Kraft der Erzählung ist.
Im Mittelpunkt stehen Figuren, die zwischen Alltäglichkeit und Superheldenpose pendeln, und deren Entscheidungen die Frage nach Verantwortlichkeit und Vorbildfunktion aufwerfen. Der dramatische Konflikt entsteht weniger aus einem traditionellen Bösewicht-Helden-Schema als aus der Kollision verschiedener Vorstellungen von Gerechtigkeit, Rache und medialer Wirksamkeit. Tonal ist der Film von einer Mischung aus lakonischem Humor, komischer Überzeichnung und einer Härte geprägt, die das Genre zugleich satirisch nutzt und unterläuft.
Zentrale Themen und Motive
Kick-Ass 2 wirft mehrere miteinander verknüpfte Fragen in den Raum: Wie entsteht politisches Handeln, wenn es zur Schau gestellt wird? Welche Folgen hat die Ökonomisierung von Aufmerksamkeit für Begrifflichkeiten wie Mut und Solidarität? Der Film thematisiert die Verführbarkeit der Jugend durch Vorbildbilder, die Instrumentalisierung von Wut und die Gefahr, dass emanzipatorische Motive in ein performatives Spektakel umschlagen.
Philosophisch lässt sich das Werk als Untersuchung der Grenze zwischen Authentizität und Inszenierung lesen. Psychologisch rückt die Verarbeitung von Traumata und die Suche nach Selbstwirksamkeit in den Fokus. Gesellschaftlich setzt der Film an der Stelle von Medienlogik und Konsumkultur an: Superheldentum ist hier nicht nur ethisches Konzept, sondern Warenzeichen, dessen Veräußerung moralische und soziale Verwerfungen nach sich zieht.
Formal arbeitet der Film mit einer Ästhetik, die Popkulturreferenzen, Comicübersetzung und realistische Gewaltdarstellung verschränkt. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen dem Lustvollen am Spektakel und der ernsten Frage nach den Konsequenzen dieses Spektakels. Diese Dialektik macht Kick-Ass 2 zu einem relevanten Fall für die Analyse des gegenwärtigen Genrekinos, das sich zunehmend als Forum gesellschaftlicher Diskurse versteht.
Filmkritik von Carsten Moll
Einige Jahre nachdem sich der Highschool-Schüler Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson), befeuert durch Comicheftfantasien, selbst zum Superhelden Kick-Ass ernannt und medienwirksam einen Mafiaboss zur Strecke gebracht hat, grassiert in New York City ein wahrer Hype um den Jungen im grünen Gymnastikanzug. Zahlreiche Nachahmer ziehen in selbstgebastelten Kostümen durch die Straßen der Stadt, um sich selbstmächtig dem Verbrechen entgegenzustellen. Sogar eine Heldenliga namens „Justice Forever“ hat sich formiert und eifert voller Tatendrang ihrem Idol nach. Doch Kick-Ass hat nicht nur Fans: Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), Sohn des von Kick-Ass getöteten Mafiosos, sinnt auf Rache und erfindet sich als Superbösewicht und Erzfeind The Motherfucker neu.
Wie sein Vorgänger setzt auch Kick-Ass 2 ganz auf die kalkulierte Kombination von expliziter Gewalt und politisch inkorrekten Sprüchen. Der Alltag der Do-it-Yourself-Helden wird inszeniert als ein endloser Exzess aus krachenden Knochen und spritzendem Blut, der mit trockenen Onelinern kommentiert wird. Als Nachbarschaftswache, die Müll aufsammelt und betrunkene Teenager nach Hause eskortiert, gibt sich die Heldentruppe nur dem Dialog nach, vielmehr zeigt der Film sie als waschechte Vigilanten, die ausziehen, um gewaltsam Selbstjustiz zu üben.
Mit Dave Lizewski als Protagonisten, Erzähler und Kultfigur der Filmvigilanten schickt Regisseur und Drehbuchautor Jeff Wadlow einen vermeintlichen Ottonormalverbraucher in den Kampf gegen das Verbrechen auf den Straßen New York Citys. Doch die Harmlosigkeit, Humor und Normalität suggerierende Nerdiness von Dave und seinen Mitstreitern von „Justice Forever“ ist nur eine Pose, die den Blick auf die eigentlichen Abgründe des Films verstellt. Mit Kick-Ass, dem von seinen eigenen Privilegien gelangweilten Vorstadtkind, lässt Wadlow auch gleich eine ganze Menge Rassismen, Sexismen und Klassismen auf die Einwohner von New York los. Die eigene kulturelle Kompetenz, die der Film dabei so selbstverliebt mit seinen zahllosen Zitaten, Anspielungen, Metaebenen und selbstironischen Kommentaren demonstriert, schützt ihn letzten Endes nicht davor, die Muster und Konventionen zu reproduzieren, die er vorgibt zu kritisieren oder zu unterwandern.
Erschreckend an Kick-Ass 2 sind weniger die hohe Frequenz von Schimpfwörtern oder die drastische Gewaltdarstellung, sondern die Bewunderung und das Herz, das der Film für seine selbsternannten Helden aufbringen kann. Die meist in ein Gemetzel ausartenden Prügeleien richten sich einerseits gegen das mafiöse eine Prozent am oberen Ende der gesellschaftlichen Nahrungskette in Gestalt des Motherfuckers, der über die verdorbene Superkraft Kapital verfügt. Andererseits sind es Kleinkriminelle, Schläger und Junkies (die, wenn sie nicht schwarz oder asiatisch sind, zumindest in ethnisch gemischten Horden aufzutreten haben) auf den Hinterstraßen der Stadt, die von den Vigilanten aufgespürt und in zu Rockmusik choreografiertem Getümmel abgeschlachtet werden.
Welche Beziehungen zwischen diesen Welten und der suburbanen, von Weißsein und Heterosexualität geprägten Lebenswelt seines Titelhelden bestehen, dieser Frage geht der Film nicht nach. Stattdessen schickt er seinen Mittelschicht-Protagonisten wie einen Touristen aus einer zotigen Teeniekomödie in die moralischen Slums von New York City, um dort Überlegenheit zu demonstrieren. Mit Sympathie nimmt der Film diese Perspektive ein und gesteht seinem Helden so auch die Deutungshoheit über die Gewaltbilder zu: Wessen Tod hier echte Tragödie mit Konsequenzen ist und wessen Tod nur als cooler Effekt oder visueller Gag taugt, das ist hier immer eindeutig und richtet sich nach dem verqueren Gerechtigkeitsempfinden von Kick-Ass’ Schlägertrupp.
Kick-Ass 2 gibt sich als ein beständiges Verhandeln von Realitäten und ist dabei immer auf der Spur nach dem richtigen Leben. Zu einer überzeugenden Haltung findet der in Ton und Logik wirre Film dabei nie, er wirft sich lediglich von einer Pose in die nächste: Mal wird die Leinwand als Comicpanel gestaltet, dann ein todernstes Rachedrama aufgeführt, nur um später erneut bonbonbunten Gewaltslapstick zu zelebrieren. Der satirische Ansatz auf das Superheldengenre, den man durchaus unterstellen kann, läuft auch schon wie beim ersten Teil ins Leere: Die beiden konkurrienden Strategien der Überaffirmation von Comic-Absurditäten und die des realistischen Anspruchs, der sich ironisch von Vorbildern wie Batman und Spiderman distanziert, boykottieren sich gegenseitig, konsequent verfolgt wird keiner der Ansätze.
Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger
Nachdem „Kick-Ass“ sowohl als Comic als auch auf den Kinoleinwänden das Superheldengenre gehörig auf den Kopf gestellt hat, legen die Autoren Mark Millar und John S. Romita gemeinsam mit dem Sequel-Regisseur Jeff Wadlow noch mal eine Schippe drauf. „Kick-Ass 2“ behält sich zwar den komödiantischen Spirit des ersten Teils, ist in gewisser Weise jedoch düsterer, stellenweise brutaler und verschiebt vor allem seinen inhaltlichen Fokus von der Einzelperson Kick-Ass zu einer ganzen Truppe von Amateur-Superhelden.
Unter dem Kommando von Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) findet sich Dave (Aaron Taylor-Johnson) mit anderen Freizeithelden zusammen. Gemeinsam wollen sie die Welt zu einem besseren Ort machen. Nur Mindy alias Hit Girl (Chloë Grace Moretz) ist nicht mit von der Partie. Nach dem Tod ihres Vaters ist sie nun der Obhut von Marcus (Morris Chestnut) unterstellt, der aus dem kleinen Verbrecherschreck ein ganz normales High School Mädchen machen will. Während Kick Ass also auf Patrouille geht, versucht Mindy verzweifelt, sich für Boy Bands und das Tanzteam der Schule zu begeistern. Doch es gibt noch jemanden, der eine Metamorphose durchläuft. Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), ehemals Red Mist, ist durch den Tod seines Vaters derart traumatisiert, dass er endgültig auf die Seite des Bösen wechselt. Als Superschurke Motherfucker hat er nur ein Ziel: Kick-Ass zu vernichten.
Im Gegensatz zum vorhergehenden Film, der vornehmlich die Perspektive seiner männlichen Hauptfigur einnahm, ergänzt Jeff Wadlow in „Kick-Ass 2“ Daves Sicht der Dinge um die von Mindy. Die kleine Superheldin ist inzwischen 15 Jahre alt und somit mitten in der Pubertät. Und so wie jedes Mädchen muss auch Hit Girl herausfinden, was für eine Frau sie einst werden möchte. Für jemanden, der seine Kindheit mit Kampftraining und Verbrecherjagt verbracht hat, ist es freilich besonders schwer, sich mit der gängigen Vorstellung von Weiblichkeit anzufreunden. Durch ihren Gewissenskonflikt wird Mindy in „Kick-Ass 2“ gegenüber Dave zur deutlich komplexeren Figur. Der nämlich muss diesmal keine nennenswerte Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen, sondern lediglich lernen, für seine Handlungen und deren Konsequenzen die Verantwortung zu übernehmen. Chris ist wie es sich für den Antagonisten eines Superhelden gehört vor allem eins: undifferenziert böse. Der Motherfucker ist eine eindimensionale und vornehmlich komödiantische Figur, die primär durch ihre Funktion als Superschurke charakterisiert ist. Dennoch ist dem Bösewicht, ebenso wie Mindy und Dave, ein kompletter Handlungsstrang vergönnt. Jeff Wadlow, der auch das Drehbuch geschrieben hat, gelingt es, diese drei recht unterschiedlichen Geschichten zu einer gemeinsamen spannenden Spielfilmhandlung zu verbinden.
Wie auch der erste Teil, nimmt sich „Kick-Ass 2“ selbst nicht sonderlich ernst und stellt sich eindeutig als Komödie dar. Die Brutalität, mit der die Figuren zu Werke gehen, erfährt somit durchaus eine humoristische Verharmlosung. Die Trash-Ästhetik abstrahiert die omnipräsente Gewalt zu einem reinen Unterhaltungsmoment. Nicht immer funktioniert diese komödiantische Inszenierung, nicht immer wollen wir über die Geschehnisse auf der Leinwand lachen. Wenn sympathische Figuren auf schmerzvolle Art und Weise zu Tode kommen, erzeugt die humoristische Darstellung weniger Amüsement als vielmehr Ratlosigkeit. Eine weitere Schwachstelle der insgesamt überzogenen Darstellungsweise bilden die Szenen mit emotionalem Tiefgang. Hier verliert „Kick-Ass 2“ bedauerlicher Weise seine Selbstironie und ergeht sich in pathetischem Kitsch.
Dass „Kick-Ass 2“ unterm Strich dann aber doch funktioniert, liegt am Selbstbewusstsein des Konzepts. Der Film steht dazu, ein Fantasieprodukt zu sein und kritisiert gleichzeitig die Überhöhung anderer fiktiver Superhelden. Die Bezüge zu Batman, Spiderman und Co. sind zahlreich. Doch während Kick-Ass, Colonel Stars und Stripes und die restlichen Mitglieder der Truppe „Justice Forever“ den populären Comic-Figuren augenscheinlich nacheifern, nimmt der Film selbst letztendlich eine kritische Position ein. „Kick-Ass 2“ demaskiert das Superheldengenre auf verschiedenen Ebenen und demonstriert die Leere, die sich hinter dem Personenkult um einen nicht nur imaginierten, sondern vor allem auch realitätsfernen Retter verbirgt. Es gibt genug reale Probleme auf dieser Welt, scheinen uns die Schöpfer von „Kick-Ass 2“ zu sagen, für deren Bewältigung wir echtes Heldentum benötigen. Und echtes Heldentum wiederum ist von einer auffälligen Verkleidung, innovativen Gadgets und vor allem Prominenz vollkommen unabhängig.
Aber keine Sorge: „Kick-Ass 2“ lässt sich auch ohne die Berücksichtigung der moralischen Botschaft als funktionaler Kino-Blockbuster genießen. Die Filmmusik setzt dem ohnehin schon dynamischen Konzept die Krone auf und trägt dazu bei, dass dieses Sequel seinem Vorgänger hinsichtlich des Unterhaltungswerts in nichts nachsteht. Die Comic-Ästhetik, inklusive klassischer Sprechblasen statt Untertiteln, markiert den starken Bezug zur Vorlage, auch wenn diese sich deutlich brutaler gestaltet. Die Dialoge haben Pfiff und insbesondere Mindy bzw. Hit Girl bringt uns mit ihren frechen One-Linern immer wieder zum Lachen. Stellenweise senkt pubertärer Fäkalhumor ein wenig das Niveau, doch in Anbetracht der vielen guten Gags lassen sich diese Szenen als Ausrutscher verzeihen. „Kick-Ass 2“ kennt keine Tabus, gibt sich keine Mühe politisch korrekt zu sein, tut aber auch das so selbstbewusst, dass der Seitenhieb auf rassistische oder sexistische Stereotypen im Superheldengenre stets sichtbar bleibt. Im Umgang mit seiner weiblichen Superheldin ist der Film der klassischen Comic-Verfilmung einen großen Schritt voraus. Selten gab es eine derart starke und vor allem komplexe Heldin auf der Kinoleinwand. Mindy ist nicht auf die Rettung durch einen starken Mann angewiesen. Sie ist Herrin ihres eigenen Lebens und lässt sich von niemandem diktieren, wie oder wer sie zu sein hat.
Chloë Grace Moretz gibt gekonnt den weiblichen Teenager in der Selbstfindungskrise und auch Aaron Taylor-Johnson kann mit seiner sympathischen Darstellung des tollpatschigen Superhelden wieder überzeugen. Das Highlight des Sequels stellt jedoch ohne Frage Jim Carrey als Ex-Mafiosi und wiedergeborener Christ Colonel Stars and Strips dar und auch der Auftritt von Scrubs-Star Donald Faison als Dr. Gravity sorgt für Entertainment.
„Kick-Ass 2“ stellt als rund um gelungenes Sequel eine erfrischende Ausnahmeerscheinung dar. So bleibt nur zu hoffen, dass die Drohung am Ende des Films zum selbstironischen Teil des Konzepts gehört: „Das ist hier kein Comicheft. Das ist das wahre Leben. Eine Fortsetzung gibt es nicht.“

