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Jem and the Holograms

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kritiken.de Redaktion 08.09.2016
Jem and the Holograms© Universal Pictures Germany GmbH
A ca. 1361 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Jem and the Holograms - Popkultur, Identität und das Versprechen digitalen Glamours

Einleitung

Die Verfilmung von Jem and the Holograms betritt ein Feld, das in den letzten Jahren wiederholt von Hollywood beackert wurde - die literal gewordene Nostalgie, die in modernen Formen neu ausgehandelt werden muss. Als Adaption einer kultigen 1980er-Jugendserie stellt der Film weniger ein simples Remake dar als ein Versuch, eine ikonische Spielwiese der Popästhetik in die Gegenwart zu überführen. Dabei wird deutlich, dass die Relevanz des Stoffes nicht allein in der Erinnerung an bunte Haarprachten und Synthie-Hooks liegt, sondern in seiner Fähigkeit, Fragen nach Reputation, medialer Konstruktion und Authentizität zu stellen.

Regisseur Jon M. Chu, der hier die visuelle Dramaturgie verantwortet, bringt seine Erfahrung aus Tanz- und Musikcinéma in ein Projekt ein, das zwischen Intimität und Showbusiness oszilliert. In der Auseinandersetzung mit der Figur der 'Jem' steht weniger die nostalgische Reprise als die Neuverhandlung eines Pop-Mythos im Zentrum: Wie entsteht eine Ikone im digitalen Zeitalter, und welche Brüche bleiben zwischen dem privaten Selbst und der öffentlichen Projektion?

Der Film ist deshalb ein Produkt seiner Zeit - er reflektiert ein Musikgeschäft, das von Viralität, Plattformlogiken und dem Zwang zur ständigen Sichtbarkeit geprägt ist. In dieser Perspektive konstituiert sich seine politische Dimension nicht über explizite Botschaften, sondern über die Art und Weise, wie er mediale Mechanismen inszeniert und damit die Bedingungen moderner Berühmtheit spiegelt.

Kurzüberblick zur Produktion

Jon M. Chu hat sich in seinem bisherigen Schaffen als Regisseur von kinetischen Musiksequenzen und choreografisch geprägten Erzählweisen profiliert. Seine Handschrift zeichnet sich durch eine sensorische Verdichtung aus - schnelle Schnitte, intensive Farbgebung und eine Nähe zum Körper als Träger musikalischer Energie. Diese Elemente finden in Jem and the Holograms eine neue Verwendung: Die musikalischen Momente dienen weniger der bloßen Präsentation von Songs als der Visualisierung medialer Transformationen.

Die Produktion des Films bewegt sich im Rahmen eines studiogetragenen Neustarts einer bekannten Marke. Dabei sind die üblichen Produktionsfragen spürbar - die Balance zwischen kommerzieller Zugänglichkeit und künstlerischer Eigenständigkeit, die Integration eines zeitgenössischen Sound-Designs und die Herausforderung, eine Fanbasis der Originalserie gleichzeitig zu bedienen und neue Zuschauer zu gewinnen. Die Entscheidung, die Figuren in ein zeitgenössisches Setting zu transferieren, prägt die Produktionsästhetik und bestimmt Kameraführung, Kostümierung und Soundtrack.

Im Werk von Chu nimmt dieser Film eine Zwischenposition ein: Er verknüpft seine Vorliebe für popkulturelle Spektakel mit dem Versuch, das Genre des Musikfilms in digitalen Zeiten zu thinken. Damit steht er neben anderen Arbeiten des Regisseurs als ein Experiment in der Frage, wie sich Bühne und Netz im Kino begegnen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Stefanie Scott als die junge Protagonistin, die zwischen persönlichem Anspruch und öffentlicher Projektion navigiert. Scott bringt die jugendliche Zerbrechlichkeit und zugleich die willensstarke Entschlossenheit mit, die diese Figur verlangt. An ihrer Seite formieren sich Hayley Kiyoko, Aubrey Peeples und Aurora Perrineau als Bandkolleginnen, deren unterschiedliche Backgrounds der Gruppe Textur und Spannweite verleihen. Kiyoko, die bereits als Musikerin und aufstrebende Popkünstlerin wahrgenommen wird, fungiert als Bindeglied zwischen Authentizität und Inszenierung.

Augenfällige, teils symbolisch besetzte Nebenrollen übernehmen Juliette Lewis und Molly Ringwald - zwei Schauspielerinnen, deren Karrieren unterschiedliche Epochen der Popkultur markiert haben. Ihre Präsenz liefert dem Film eine metapersonale Ebene: Ringwald als 80er-Ikone trifft auf die Rekontextualisierung dieser Ära, Lewis steuert eine rauere, professionellere Note bei. Ryan Guzman und Nicholas Braun füllen die männlichen Figuren, die zwischen Förderer, Produzent und möglichem romantischem Interesse fungieren. In Summe arbeitet der Cast mit dem Spannungsverhältnis von Newcomern und etablierten Gesichtern, um die Erzählung von Aufstieg und medialer Formung glaubwürdig zu stützen.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Musikerin und ihrer Freundinnen, die aus einem lokalen Umfeld heraus zu öffentlicher Aufmerksamkeit gelangen. Die Dramaturgie verknüpft die klassischen Elemente des Aufstiegsdramas - Proben, Tourvorbereitungen, Begegnungen mit der Industrie - mit den spezifischen Mechanismen des digitalen Zeitalters: Viralvideos, Online-Identity-Management und die Ökonomie von Klicks und Likes. Der zentrale Konflikt entspringt aus dem Widerstreit zwischen dem Bedürfnis nach künstlerischer Integrität und dem Druck, ein verkaufsfähiges Bild zu liefern.

Ton und Atmosphäre des Films schwanken zwischen glänzendem Showbiz-Ästhetizismus und Momenten leiser Beobachtung. Musikalische Einlagen werden dazu genutzt, interne Spannungen zu visualisieren, während intime Szenen den Blick auf das Innenleben der Protagonistinnen lenken. Die Erzählgeschwindigkeit bleibt dabei bewusst auf das Hier und Jetzt konzentriert - Vergangenheit wird angedeutet, selten ausgebreitet - sodass die Handlung vor allem in ihrem Jetzt Bestand hat.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum der filmischen Reflexionen stehen Fragen nach Identität, Kontrolle und der Medialität des Selbst. Der Film fragt, wie Persönlichkeit als Produkt formbar wird und welchen Preis Sichtbarkeit fordert. Er thematisiert die Spannung zwischen individueller Autorschaft und marktwirtschaftlicher Normierung, ohne dabei in moralische Reduktionen zu verfallen. Vielmehr eröffnet er eine Beobachtungslinie auf die Weise, wie junge Künstlerinnen das Feld von Projektion und Aneignung durchschreiten.

Hinzu kommt eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Nostalgie und Re-Interpretation. Das Motiv der holografischen Projektion funktioniert nicht nur als narrativer Kunstgriff, sondern als Metapher für die Simulakren unserer Zeit - Bilder, die schneller reproduziert als reflektiert werden. So liest sich der Film auch als Studie über die Bedingtheit von Authentizität in einer Kultur, die permanente Selbstdarstellung belohnt.

Insgesamt liefert Jem and the Holograms keine einfache Gebrauchsanweisung für die Popwelt, sondern eine vielstimmige Composition aus medialen Fragen, Identitätsbewegungen und der fortwährenden Neuverhandlung von Ikonen. Als Film ist er ein Moment der Auseinandersetzung mit dem, was es heute heißt, sicht- und hörbar zu werden - und damit ein Dokument seiner Zeit.

Filmkritik von Peter Osteried

Nie wieder Jem!

Jason Blum hat ein Erfolgsrezept. Er produziert für Universal Filme, die ein Budget von fünf Millionen Dollar haben. Sind namhafte Stars vor oder hinter der Kamera, erhalten sie eine geringe Gage, aber dafür eine Beteiligung. Ist der Film ein Erfolg – wie im Fall von Insidious oder Sinister -, machen alle den großen Reibach. Floppt er, hat kaum jemand etwas verloren. Bei Jem and the Holograms ging die Rechnung nicht auf.

Jerrica (Aubrey Peeples) und ihre Schwester Kimber (Stefanie Scott) sind Waisen. Seit sie zehn Jahre alt waren, leben sie bei ihrer Tante Bailey (Molly Ringwald). Mit ihren „Schwestern“ Shana (Aurora Perrineau) und Aja (Hayle Kiyoko) verstehen sie sich gut. Jerrica nimmt ein Musikvideo auf, das Kimber unter Jerricas Spitznamen Jem im Internet hochlädt – und es wird ein immenser Hit. Schon bald meldet sich Erica Raymond (Juliette Lewis) von Starlight Productions. Es sieht aus, als würde Jerricas Traum von der erfolgreichen Musikkarriere Wirklichkeit werden, als sie endlich mit ihren Schwestern auftritt, aber mit dem Erfolg kommen auch die Schwierigkeiten.

In den USA lief der Film erstaunlich schlecht. So schlecht, dass es noch kurioser ist, dass Universal überhaupt einen deutschen Kinoeinsatz ins Auge gefasst hat. Denn anders als in ihrer Heimat ist Jem and the Holograms hierzulande praktisch kaum bekannt. Die Grundlage bildet eine Zeichentrickserie, die Mitte der 1980er Jahre erfolgreich lief und auch heute noch ihre Fans hat. Das war aber wohl auch der Knackpunkt, wieso der Film in den USA überhaupt nicht abhob. Denn mit der Zeichentrickserie hat er kaum noch etwas gemein, abgesehen von dem Umstand, dass Jem mit ihren Schwestern Musik macht.

In der jetzigen Inkarnation hat Jem and the Holograms weniger mit dem Cartoon zu tun, sondern scheint eher von der Disney-Serie Hanna Montana inspiriert zu sein. Damit einher geht, dass der Film auf die falsche Zielgruppe zugeschnitten ist. Er müsste Mittdreißiger abholen, die auf dem Nostalgietrip sind. Tatsächlich versucht er, sich an ein junges Publikum zu wenden, stößt damit aber alle älteren Zuschauer vor den Kopf, denn was hier geboten ist, ist nicht weiter von Belang.

Die Probleme sind klischiert, während die Geschichte langatmig und ohne jedweden Esprit erzählt wird. Jede Idee, die hier geboten wird, wurde schon tausendfach durchexerziert. Es gibt keine Überraschung, keinen Hauch von Originalität, einfach gar nichts. Dass der Erfolg auch beste Freundinnen – gar Schwester – entzweien kann, ist nun wirklich nichts Neues. Und wird hier auch als Asbach Uralt präsentiert. Noch nicht mal bei den Songs kann dieser Streifen punkten. Dabei sollten die ins Ohr gehen und auch dort bleiben. Stattdessen sind sie kaum mehr als Hintergrundrauschen.

Jem and the Holograms ist einschläfernd, langweilig, ohne jedweden Esprit. Ein Musikfilm, der es schafft, nicht einen einzigen, anständigen Song zu bieten. Das ist irgendwie auch eine Leistung, nur keine gute.

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