Absolutely Fabulous - Der Film: Satire der Selbstinszenierung zwischen Modeexzess und alternder Glamourkultur im postironischen Zeitalter
Einleitung
Kaum eine britische Fernsehkomödie der 1990er Jahre hat ein so markantes kulturelles Echo hinterlassen wie Absolutely Fabulous. Die Kinofassung aus dem Jahr 2016 tritt damit in die Verantwortung, eine kultische Vorlage zu transformieren, ohne deren subversive Schärfe zu verwässern. Relevanz gewinnt der Film weniger durch ein narratives Comeback denn durch seine Reflexion darüber, wie sich Ruhm, Mode und weibliche Öffentlichkeit in Zeiten sozialer Medien verändert haben. In dieser Produktverwandlung trifft nostalgische Wiederbelebung auf die Aktualität eines Mediendiskurses, der Alter, Konsum und Selbstvermarktung neu verhandelt.
Die Rückkehr der Figuren Edina Monsoon und Patsy Stone auf die große Leinwand ist zugleich ein kulturhistorischer Befund: Was vormals als anarchische, televisuelle Satire über Eitelkeit und Mediengier funktionierte, muss sich nun gegen eine vernetzte Prominentenkultur behaupten, deren Mechanismen tief in Alltag und Identität eingedrungen sind. Als Adaptation fordert der Film das Publikum zum Abgleich von Erinnerung und Gegenwart auf. Er prüft, ob die anarchische Energie der Vorlage in ein stärker auf Glamour und Spektakel ausgerichtetes Kino übersetzbar ist.
Innerhalb des britischen Films lässt sich das Projekt als ein Moment der Selbstbezüglichkeit lesen: Ein Ensemble aus etablierten Schauspielerinnen, Modeikonen und Poppersönlichkeiten tritt in Erscheinung, um nicht nur Figuren, sondern auch die Mechanismen von Berühmtheit zu spiegeln. In dieser Verquickung von Fiktion und Celebrity-Kultur liefert der Film Material für eine medienästhetische Lektüre - jenseits einfacher Nostalgie, aber auch ohne die Feindseligkeit einer rigorosen Revision.
Kurzüberblick zur Produktion
Regie führte Mandie Fletcher, eine Regisseurin, die mit der Originalserie verbunden ist und deren komödiantisches Timing sowie Inszenierungsgefühl sie in die Lage versetzt, die ansonsten episodische Dynamik in ein Spielfilmmodell zu übersetzen. Die Handschrift Fletcher s ist geprägt von einer Balance zwischen satirischer Überzeichnung und der Wahrung charakterlicher Kontinuitäten - ein Balanceakt, der bei der Überführung einer Fernsehikone ins Kino essentiell ist.
Die Produktion operiert auf der Schnittstelle zwischen britischem Fernsehen und kommerziellem Kino und setzt bewusst auf ein starbesetztes Ensemble, das neben den Hauptdarstellerinnen eine Reihe prominenter Gastauftritte versammelt. Diese Struktur ist dramaturgisch nicht nur Dekoration, sondern Teil eines reflexiven Spiels mit der Idee von Berühmtheit. Budgetäre Details und Studiokonstruktionen treten hinter dieses ästhetische Kalkül zurück; wichtiger ist die Absicht, die scharfe, kleinen Formate prägende Komik auf das größere Format zu übertragen und dort die visuelle Opulenz der Modewelt zu nutzen.
Im Gesamtwerk von Fletcher und in der Rezeptionsgeschichte von Absolutely Fabulous markiert der Film einen späten, emphatischen Versuch der Adaptation. Er stellt weniger eine radikale Neudeutung dar als eine Verstärkung der Serienmotive - Glamour, Konsum, toxische Freundschaft - in filmischem Maßstab.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Im Zentrum stehen Jennifer Saunders als Edina Monsoon und Joanna Lumley als Patsy Stone - Figuren, die sich in das kollektive Gedächtnis als archetypische Verkörperungen exzessiver Weiblichkeit eingeschrieben haben. Saunders, nicht nur als Darstellerin, sondern auch als Schöpferin der Vorlage, bringt die spezifische sprachliche und rhythmische Komik der Serie mit in die Kinoversion. Lumley bleibt die klirrend perfekte Partnerin im komischen Verbrechen - ihre Darstellung lebt von einer kalkulierten Mischung aus Zynismus und verinnerlichter Dekadenz.
Julia Sawalha und June Whitfield, die in der Vorlage Saffron und die ältere Generation repräsentieren, bilden weiterhin das notwendige Gegenstück aus Vernunft, Moral und familiärer Normalität. Ihre Präsenz stabilisiert die überdrehte Komik, schafft Kontrapunkte und ermöglicht die satirische Zuspitzung der Hauptfiguren.
Hinzu kommt eine prominente Reihe von Darstellerinnen und Darstellern aus Mode- und Popwelt wie Cara Delevingne, Gwendoline Christie, Rebel Wilson, Jon Hamm und zahlreiche weitere Namen, die als Cameos fungieren. Die Besetzungspolitik ist dabei mehr als ein Gimmick: Sie spiegelt die Thematik des Films selbst - die Verschmelzung von Mode, Prominenz und medialer Selbstdarstellung - und erweitert die Textur der Satire durch die Anwesenheit realer Popkulturfiguren.
Handlung (spoilerfrei!)
Der Film verdichtet die episodische Abfolge der Fernsehserie zu einer stringenten Kinonarration, in der alte Muster der Figuren ins Zentrum einer größeren Krise gestellt werden. Die Handlung konfrontiert Edina und Patsy mit den Konsequenzen ihrer Lebensweise, zieht sie aber zugleich in ein Geschehen, das den öffentlichen Blick, Sensationslust und eine Reihe von Missverständnissen bündelt. Die Struktur folgt dem gängigen Prinzip der Komödie: Eskalation, Verfolgung und eine Reihe von set-piece Momenten, die komödiantische Energie in visuelle Höhepunkte übersetzen.
Als dramatischer Konflikt fungiert weniger ein einzelnes, großes Ereignis als die andauernde Spannung zwischen Selbstausdruck und sozialem Preis. Die zentralen Figuren sind dabei unzweifelhaft die vertrauten Protagonistinnen, deren Beziehung zueinander als Katalysator für die Handlung dient. Ton und Atmosphäre bewegen sich zwischen boulevardeskem Überschwang und einem Ironiegehalt, der die Absurdität von Mode- und Medienroutinen bloßlegt.
Zentrale Themen und Motive
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Alter, Sichtbarkeit und dem Verhältnis zwischen Selbstbild und öffentlicher Wahrnehmung. Der Film stellt die Frage, wie weibliche Identität in einer Kultur des Konsums und der ständigen Selbstinszenierung verhandelt wird. Dabei bleibt das Thema Freundschaft zentral: Die toxische Ko-Abhängigkeit von Edina und Patsy ist weniger privates Drama als gesellschaftliche Allegorie - ein Bild dafür, wie Bedürfnisse nach Bestätigung und Vergnügen in eine medialisierte Ökonomie eingespeist werden.
Weitere Motive sind die Verdopplung von Mode und Maskerade, die Mode als soziale Rüstung zeigt, und die Rolle des Humors als Abwehrmechanismus und analytisches Instrument. Der Film verhandelt außerdem nostalgische Erinnerung - die Serie als Referenzpunkt - gegen die Unruhe einer Gegenwart, die schneller medial transformiert als die Figuren ihrer eigenen Selbstwahrnehmung folgen können.
Formal interessant ist die Art und Weise, wie das Kino die Serie erweitert: Kostüm, Montage und die Verwendung von Cameos fungieren nicht nur als Reizüberflutung, sondern als methodische Mittel, um das Thema der Sichtbarkeit zu verstärken. So wird die Komödie zu einem Spiegel der Mechanismen, die sie zugleich kritisiert und nutzt.
Filmkritik von Peter Osteried
„Mag ihr Leben auch lebenswert gewesen sein, lesenswert ist es nicht.“
Die britische Fernsehserie lief von 1992 bis 2012, brachte es in dieser langen Zeit aber nur auf fünf Staffeln und ein paar Specials. Als die Show noch neu war, passte alles irgendwie auch besser, weil das Benehmen der beiden Hauptfiguren gut zu ihnen passte. Nun, da sie das Großmutteralter erreicht haben, wirkt es aber nur noch peinlich.
Edina Monsoon (Jennifer Saunders) ist eine in die Jahre gekommene Publizistin, die längst nicht mehr die großen Namen vertritt. Außerdem ist sie pleite, weswegen sie dringen Geld benötigt, aber der Vorschuss für ihre Memoiren, mit dem sie gerechnet hatte, kommt nicht. Weil auch ihr Buch nicht kommt. Stattdessen erfährt sie von ihrer Freundin Patsy Stone (Joanna Lumley), dass Kate Moss einen neuen Publizisten sucht. Auf einer Party will sich Edina an das Model heranmachen, stürzt sie aber versehentlich in die Themse. Da Kate Moss nicht gefunden wird, gilt sie als tot – und Edina und Patsy machen sich aus dem Staub.
Der Humor von Absolutely Fabulous – Der Film ist in erster Linie albern. Dumpf. So sehr, dass man nicht den Hauch eines Sinnes für feinen Humor haben darf. Andernfalls erweisen sich die 90 Minuten als zähe, langweilige Melange, bei der einfach nichts zusammenpassen mag.
Das größte Problem ist jedoch, dass die beiden Hauptfiguren unglaublich unsympathisch sind. Sie trinken ständig, sie sind egoman, sie interessieren sich nicht im Mindesten für andere, sie benehmen sich grotesk und sie jagen jüngeren Männern hinterher. Letzteres ginge noch, wenn man nicht mit Gewalt versuchen würde, Joanna Lumley jung aussehen zu lassen. Tatsächlich sieht sie dadurch aus wie eine Travestie ihrer Selbst. Es ist hochpeinlich, dass die beiden Figuren ihrer Jugend hinterherhecheln. Sie wirken dabei verzweifelt. Das ist kein guter Ausgangspunkt, um Humor zu bieten.
Ein paar Lacher gibt es dann aber schon, was vor allem mit den Nebenfiguren zu tun hat. Sehr schön ist der Auftritt von Sherlock-Miterfinder Mark Gatiss, der als Edinas Lektor einen der besten Sprüche des Films abbekommen hat. Darüber hinaus gibt es Dutzende von Cameos mehr oder minder bekannter Leute. Mehr oder minder deswegen, weil einige davon in Großbritannien deutlich populärer sind als im Rest der Welt. Ob man Stella McCartney oder Jerry Hall hierzulande einfach so erkennen würde? Wohl eher nicht, dann schon eher Emma Bunton, die einstmals Baby Spice war. Und auch Gwendoline Christie kennt man – weniger wegen Captain Phasma in Star Wars: Episode VII, als vielmehr durch ihre Game of Thrones-Rolle. Christie ist auch das Zentrum einer der wenigen gelungenen Szenen des Streifens.
Alles in allem ist Absolutely Fabulous – Der Film eine ziemlich nervige Angelegenheit, die wohl allenfalls jenen gefällt, die auch glühende Verehrer der Serie sind. Aber da die hierzulande völlig obskur ist, dürften nicht viele Zuschauer ins Kino gelockt werden.

