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Bad Moms

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kritiken.de Redaktion 22.09.2016
Bad Moms© Tobis Film
A ca. 1340 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Bad Moms als moderne Komödie: Elternschaft, Rebellion und Konsumkritik im suburbanen Panorama

Einleitung

Bad Moms tritt an als vermeintlich leichte Komödie, doch ihr Reiz liegt weniger in reinen Gags als in der präzisen Beobachtung eines kulturellen Zustands. Der Film fängt das kollektive Erschöpftsein einer Generation von Müttern ein, die zwischen Berufsanforderungen, sozialer Selbstdarstellung und dem moralischen Druck perfekter Elternschaft zerrieben werden. Als Leinwandereignis von 2016 traf er einen Nerv - nicht allein wegen seiner Witze, sondern wegen der Zuspitzung eines Alltags, der längst politisch geworden ist.

Im filmischen Kosmos von Jon Lucas und Scott Moore rückt Bad Moms eine weibliche Erlebniswelt ins Zentrum, während die Regisseure zugleich ihre Handschrift bewahren: ein Hang zum raubeinigen Humor, der mit zugänglicher Sentimentalität verbunden ist. Die Komödie operiert auf zwei Ebenen - sie entertaint und analysiert zugleich - und zeigt, wie populäres Kino aktuelle Geschlechterdebatten in die massenkompatible Narration übersetzt.

Die Relevanz des Films ergibt sich aus seinem Zeitpunkt. In einer Phase, in der digitale Selbstdarstellung, die ökonomische Unsicherheit vieler Haushalte und die Debatten um Care-Arbeit öffentliche Aufmerksamkeit erlangen, fungiert Bad Moms als Spiegel und Sprechrohr. Er verschafft einem Tabu Raum: Der Wunsch, aus normativen Erwartungskorsetten auszubrechen, ohne dafür moralisch verurteilt zu werden.

Feuilletonistisch betrachtet bietet der Film weniger eine radikale Revision von Familienbildern als eine pointierte Bestandsaufnahme. Seine Dringlichkeit liegt in der Sprache der Komödie - in Überzeichnung, Exzess und der paradoxen Intimität, die entsteht, wenn private Erschöpfung zur gemeinsamen Erfahrung wird.

Kurzüberblick zur Produktion

Bad Moms wurde 2016 von Jon Lucas und Scott Moore inszeniert, einem Duo, das zuvor vor allem als Drehbuchautoren für Mainstream-Komödien bekannt wurde. Ihre Regieführung setzt auf stringente Erzählökonomie, schnelle Schnitte und eine ästhetische Mischung aus suburbaner Gemütlichkeit und nocturner Ausbruchsfreude. Produziert wurde der Film im Umfeld der aufstrebenden Studiostruktur STX Entertainment, die damals verstärkt auf kommerziell ausgerichtete Autorenfilme setzte.

Das Budget des Films war vergleichsweise moderat, was die Regisseure zu ökonomischer Effizienz zwang - der Humor wird durch Situationskomik und Schauspiel gestützt, nicht durch pompöse Setpieces. Diese Produktionsbedingungen förderten eine Nähe zur Alltagsrealität der Figuren, die wiederum die Glaubwürdigkeit der satirischen Zuspitzungen erhöht. In der Filmografie der Regisseure markiert Bad Moms einen Schritt in Richtung ensemblefokussierter, weiblich besetzter Komik - ein Nebenschauplatz ihrer ansonsten männlich geprägten Autorenkarriere.

In der Breite des amerikanischen Komödienangebots positioniert sich Bad Moms als Produkt eines Marktes, der Abwechslung suchte: ein mainstreamtauglicher Film, der gleichzeitig ein spezifisches Publikum - junge bis mittelalte Mütter - adressiert und Kulturdebatten kommerziell verhandelt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Mila Kunis steht im Zentrum als Amy, eine Frau, deren akribisch organisierter Alltag zu kollabieren droht. Kunis bringt die notwendige Mischung aus Erschöpfung, stoischem Humor und latentem Trotz, die die Figur glaubwürdig macht. Ihre bisherigen Rollen in Komödie und Drama erlauben ihr, die Gratwanderung zwischen empathischer Protagonistin und impulsiver Rebellin zu halten.

Kathryn Hahn liefert als Carla das komödiantische Herzstück; ihr physisches Spiel und ihre Timing-Fähigkeit strukturieren viele der heftigsten Lachmomente, ohne die Figurenpsychologie zu trivial zu machen. Kristen Bell ergänzt das Trio mit einer nervösen Energie, die Kikis Performativität als Rolle im Alltag entlarvt. Christina Applegate als PTA-Anführerin verkörpert die Institution der Perfektion: kühl, kontrolliert und kalkuliert - eine Figur, die weniger als Bösewicht denn als Symbol gesellschaftlicher Normen funktioniert. Jada Pinkett Smith, als eine weitere Verbündete der Protagonistin, bringt eine selbstbewusste Latinität in das Ensemble, die die Diversität suburbaner Lebensrealitäten andeutet.

Die Nebendarstellerinnen und -darsteller, von Oona Laurence als Tochter bis zu Emjay Anthony, schaffen eine glaubwürdige soziale Umgebung; Cameos und Nebenfiguren werden gezielt eingesetzt, um die satirischen Kontraste zwischen bürgerlicher Fassade und gelebter Unordnung zu vertiefen.

Handlung (spoilerfrei!)

Bad Moms erzählt von Müttern, die, erschöpft vom Perfektionsdruck, beschließen, den vorgezeichneten Pfad zu verlassen. Der Konflikt entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen individuellen Bedürfnissen und kollektiven Erwartungen - personifiziert im Kampf gegen eine rigorose Elternvereinigung, die Normen und Regeln diktiert. Dieser Konflikt triggert eine Reihe von Aktionen, die sowohl komisch als auch befreiend gelesen werden können.

Die zentralen Figuren entwickeln sich entlang eines Musters der Solidarität - Freundschaft wird zur Gegenpolitik. Tonal oszilliert der Film zwischen harscher Satire und warmherziger Versöhnung; die Atmosphäre bleibt überwiegend leicht, ohne dabei die existenziellen Belastungen der Figuren zu verleugnen.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt Bad Moms Fragen nach Autonomie und Anerkennung. Wer definiert guten Elternschaft? Welche Rolle spielt Konsum und Selbstdarstellung in modernen Familienbildern? Der Film behandelt die Arbeit am eigenen Image als kulturelle Last - ein Thema, das in Zeiten sozialer Medien an Schärfe gewonnen hat.

Psychologisch arbeitet der Film mit dem Motiv der Erschöpfung als politischem Zustand: Burnout wird nicht nur als individuelles Versagen, sondern als Folge ungleicher gesellschaftlicher Erwartungen inszeniert. Moralische Rigorosität, repräsentiert durch institutionelle Figuren, kollidiert mit dem Bedürfnis nach Selbstfürsorge und spontaner Freude - ein Konflikt, der sich komisch entlädt, zugleich aber ernsthafte Fragen über Care-Arbeit und soziale Ungleichheit aufwirft.

Formal nutzt Bad Moms die Konventionen der Buddy-Komödie: Freundschaft als antidotisches Prinzip gegen normative Gewalt. Ästhetisch setzt der Film auf Kontraste - grelle Partys gegen ordentliche Küchen, laute Ausbrüche gegen gepflegte Smalltalks - und macht so das Sichtbare zum Thema. In seiner Kombination aus Satire und Empathie bietet Bad Moms eine Momentaufnahme dessen, wie populäres Kino gesellschaftliche Spannungen aufnimmt und in akzeptable, zum Nachdenken anregende Unterhaltung verwandelt.

Filmkritik von Peter Osteried

Durchwachsene Comedy mit den Bad Moms

Wenn die Autoren von Hangover eine neue Komödie präsentieren, dann ist zumindest eines zu erwarten: Die Gags zielen auch unter die Gürtellinie. Darüber hinaus erweist sich hier jedoch noch etwas Anderes. Wo einmal Comedy-Gold gefunden wurde, ist nicht unbedingt erneut mit einem Erfolg zu rechnen. Oder anders gesagt: Hangover war witzig, Bad Moms ist das jedoch nur sporadisch.

Amy (Mila Kunis) ist eine überbeanspruchte Mutter: Im Job wird sie ausgenutzt, ihr Mann lässt sich bedienen und die Kinder brauchen immer irgendetwas. Als sie bei einem Elternabend dann noch von Gwendolyn (Christina Applegate) eingespannt werden soll, platzt ihr der Kragen. Zusammen mit ein paar anderen Müttern lässt sie es künftig krachen, legt sich mit Gwendolyn an und beschwört damit Konsequenzen für ihre Tochter herauf. So bleibt ihr nur eines: Amy muss sich um den Vorsitz der Elternvereinigung bewerben, der noch von Gwendolyn gehalten wird.

Die Geschichte ist alles andere als neu. Im Grunde hat man hier eine Teenie-Komödie, nur dass sie mit Müttern in ihren 30ern und 40ern erzählt wird. Tatsächlich erinnert der Streifen an Girls Club, da dieselben Mechanismen zum Tragen kommen, ergänzt nur um die Komponente, dass die Hauptfiguren sich auch noch um ihre Kinder kümmern müssen. Die Elternvereinigung ist dabei der Ersatz für die High School an sich. Christina Applegate spielt die Queen Bee, die mit eigener Entourage über die anderen Eltern herrscht. Aber schon da stolpert Bad Moms ganz gewaltig. Weil sich erwachsene Menschen nicht auf diese Art und Weise von einer arroganten, aufgeblasenen Tussi behandeln lassen würden. Was Mila Kunis‘ Figur hier macht, wäre schon sehr viel früher passiert.

Aber gut, das muss man als Grundlage der Geschichte hinnehmen, die ansonsten in ihrer Humor-Darbietung sehr durchwachsen ist. Manche Gags funktionieren, andere verpuffen total. Hinzu kommt, dass das Konzept der Autoren nicht aufgeht. Weil sie zu eindimensional erzählen. Die Mütter sind allesamt gestresst und überbeansprucht, der alleinerziehende Vater, gespielt von Jay Hernandez, scheint jedoch alles im Schlaf regeln zu können. Abgesehen von seiner Figur werden Männer zudem in ein extrem schlechtes Licht gerückt, was zur Schwarzweißerzählung dieser Geschichte noch beiträgt.

Tatsächlich hätte es hier schon das Potenzial gegeben, eine interessante Geschichte mit pointierten Dialogen zu erzählen, aber die Autoren schaffen es nicht. Sie ergehen sich in alberner Situationskomik und Dialogen, die zum Fremdschämen einladen. Man fragt sich mitunter, wie die Schauspielerinnen diese nur so nonchalant darbieten konnten.

Am Ensemble liegt es nicht, dass Bad Moms nur leidlich funktioniert. Die Besetzung ist durch die Bank gut, die beste Rolle hat jedoch Kristen Bell als Hausfrau und Mutter erhalten, die so einsam ist, dass praktisch jedes Wort aus ihrem Mund ein einziger Hilfeschrei ist. Daraus zieht Bell tatsächlich einiges an komischem Potenzial.

Rein technisch gibt es an Bad Moms nichts zu mäkeln. Die Komödie ist gut umgesetzt und flüssig erzählt, nur die Geschichte gibt halt nicht genug her.

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