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Bad Moms 2

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kritiken.de Redaktion 09.11.2017
Bad Moms 2© Bildrechte beim jeweiligen Verleiher / Promotional Material (siehe Impressum)
A ca. 1423 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Bad Moms 2: Komödie als Gegenbild zur perfekten Mutter - Subversion im Feiertagsformat

Einleitung

Die Fortsetzung Bad Moms 2, international als A Bad Moms Christmas bekannt und im November 2017 in den Kinos gestartet, versucht das heikle Kunststück, die anarchische Energie des ersten Teils in das wohlvertraute Gewand der Weihnachtssaison zu transponieren. Relevanz entsteht hier nicht allein durch die Fortführung einer erfolgreichen Komödie, sondern durch die Kombination aus kommerziellem Kalkül und einem zeitgenössischen Blick auf Mutterschaft, öffentlichem Image und emotionaler Arbeit. In einer Ära, in der die Diskussionen um Care-Arbeit, Sichtbarkeit und Erwartungsdruck an Frauen neu geführt werden, bietet der Film ein populäres, widersprüchliches Echo jener Debatten.

Die filmische Sprache der Reihe trägt die Handschrift der Autor-Regisseure Jon Lucas und Scott Moore, die als Autoren von abrasiven Mainstream-Komödien bekannt sind. Ihre Herangehensweise bewegt sich zwischen satirischer Überzeichnung und dem Bedürfnis, Massengeschmack zu bedienen. Bad Moms 2 steht deshalb exemplarisch an der Schnittstelle von subversivem Potenzial und konventioneller Hollywood-Unterhaltungslogik: Die subversiven Ansätze des ersten Films - das Aufbrechen echter Tabus über Elternschaft und Selbstverwirklichung - werden hier in ein weihnachtliches Rahmenprogramm integriert, das zugleich sentimentale Erwartungen erfüllt.

Angesichts der Veröffentlichung im Spätherbst 2017 wirkt der Film wie ein Produkt und Kommentar seiner Zeit. Die öffentliche Debatte über Geschlechterrollen erhielt gerade neuen Nachhall, und die populäre Komödie reagiert darauf weniger als Programm als vielmehr als atmosphärischer Spiegel. Bad Moms 2 nutzt die weihnachtliche Ikonografie, um privat gelebte Konflikte in eine größere kulturelle Bühne zu stellen - ohne dabei die Konturen der Komödiensituation aus den Augen zu verlieren.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Entstehung von Bad Moms 2 folgt dem Muster vieler zeitgenössischer Fortsetzungen: Studiogetragen, zielgruppenorientiert und mit einem klaren Veröffentlichungsfenster vor dem Feiertagsgeschäft. Die Regie liegt wiederum bei Jon Lucas und Scott Moore, die bereits die erste Verbindung von rauem Humor und zugänglicher Figurenzeichnung etablierten. Ihre Handschrift zeichnet sich durch einen schnellen Schnitt, auf Pointen getrimmte Dialoge und eine Neigung zu überzeichneten Charakterkonstellationen aus, die im Ensemblekomödien-Genre gut funktioniert.

Produziert als kommerzielle Komödie für ein breites Publikum, orientiert sich das Projekt an bewährten Mechaniken: bewährte Hauptdarstellerinnen, Cameo-besetzungen und ein Produktionsdesign, das vertraute suburban-hausmütterliche Räume mit festlicher Opulenz koppelt. Budget und Studiointeressen sind auf einen sicheren Ertrag ausgelegt, weshalb narrative Experimente stets im Spannungsverhältnis zur kommerziellen Erwartung stehen. Innerhalb der Filmographie der Regisseure markiert der Film eine Fortsetzung ihres Versuchs, weibliche Protagonistinnen in ein Genre zu transferieren, das lange Zeit von männlichen Perspektiven dominiert war.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Stärke von Bad Moms 2 liegt maßgeblich im Ensemble: Mila Kunis, Kristen Bell und Kathryn Hahn kehren als das ungleiches Trio zurück, dessen Dynamik den Ton der Serie bestimmt. Kunis, die mit Sitcom-Erfahrung in That '70s Show begann und seitdem auch ernstere Rollen wie in Black Swan spielte, repräsentiert hier die pragmatische, erschöpfte Mutter, deren Komik aus dem Zwiespalt zwischen Anspruch und Realität erwächst. Kristen Bell, mit Wurzeln in Veronica Mars und einer jüngeren Popularität durch The Good Place, liefert die synthetische Leinwand für pointierte, ironische Bemerkungen. Kathryn Hahn, die sich in Neben- und Hauptrollen durch komödiantische Risiko- und Reibeigenschaften profiliert hat, fungiert als emotionaler und komischer Katalysator.

Die Ergänzung durch etablierte Charakterdarstellerinnen wie Christina Applegate, Jada Pinkett Smith, Annie Mumolo und Susan Sarandon verschiebt das Ensemble in Richtung Generationendialog. Applegate bringt ihre Erfahrung aus Sitcom und Tragikomödie als Gegenfigur für soziale Normen ein. Jada Pinkett Smith, die zwischen Genrefilmen und intensiveren Rollen pendelt, akzentuiert die komödiantische Bandbreite des Films. Annie Mumolo, als Coautorin von Bridesmaids vertraut mit female-driven comedy, und Susan Sarandon, deren Filmografie von Thelma & Louise bis Dead Man Walking reicht, verleihen dem Reigen eine Fertigkeit in nuancierter Präsenz, die auch die größten Gags erdet.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film folgt den drei Protagonistinnen durch eine komödiantisch zugespitzte Episode in der Vorweihnachtszeit: Familientreffen, schulische Verpflichtungen und die permanente Erwartung, das Feiertagsbild der perfekten Familie zu liefern, bilden den dramatischen Rahmen. Der zentrale Konflikt entsteht aus der Kollision persönlicher Bedürfnisse mit gesellschaftlichen Normen - vor allem aus dem Druck, Familieninszenierungen zu meistern und zugleich persönliche Grenzen zu behaupten.

Die Erzählung setzt bewusst auf Ensemblekomik und situative Eskalationen. In diesem Setting sind die Figuren weniger als archetypische Entwicklungsbögen konstruiert denn als Motoren für komische Situationen und emotionale Reaktionen. Der Ton des Films balanciert zwischen der derben, teilweise derben Komik des Vorgängers und einer versöhnlicheren, weihnachtlich gefärbten Bisogna-sich-umarmen-Atmosphäre.

Zentrale Themen und Motive

Bad Moms 2 verhandelt zentrale Fragen moderner Mutterschaft: Wer trägt die emotionale Last der Familie und in welchem Maße ist Selbstfürsorge politisch? Der Film legt den Finger auf die nervösen Diagramme von Erwartung und Realität - von der performativen Perfektion auf Schulveranstaltungen bis zur privat geführten Erschöpfung. Komödiantisch überspitzt, geht es immer wieder um Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Arbeit, um die Spannung zwischen individueller Freiheit und sozialen Rollen.

Auf einer formalen Ebene interessiert der Film die Spannung zwischen Popkultur als Fluchtort und als Reflexionsraum. Er verwendet weihnachtliche Symbole nicht nur als dekorative Kulisse, sondern zuweilen als ironische Brechung: Festlichkeit wird zum Prüfstein für familiäre Authentizität. Philosophisch eröffnet das Werk damit die Frage, ob Befreiung in der Selbstinszenierung oder in der Solidarität liegt. Psychologisch zeigt die Komödie, wie Humor als Verteidigungs- und Verarbeitungsmechanismus fungiert - als Mittel, um Scham, Überforderung und Rivalität in eine kollektive Erfahrung zu transformieren.

Bad Moms 2 ist weniger ein kulturtheoretisches Manifest als eine populäre Studie über Ambivalenz: Die filmische Sprache ist auf Gelächter ausgerichtet, doch das Lachen trägt stets einen Rest von Nachdenklichkeit. In dieser Doppelbewegung - Komik als Ventil, Sentimentalität als soziale Versöhnung - liegt die eigentliche Wirkung des Films, die sich weniger in radikaler Kritik als in der Bestandsaufnahme unserer Erwartungen an Mütterlichkeit manifestiert.

Filmkritik von Bianka Piringer

Weihnachten, wenn die Großmutter stört

Es ist gerade ein Jahr her, seit sich die fidelen Freundinnen Amy (Mila Kunis), Kiki (Kristen Bell) und Carla (Kathryn Hahn) von der gesellschaftlichen Erwartung, die perfekten Mütter zu sein, befreiten. Es war ja auch mal Zeit, die Auswüchse des Kuchenbackens für den Schulbasar und der nervigen Elternversammlungen zurückzustutzen. Nun geht es für die sogenannten schlechten Mütter, die auch mal wieder ohne die Kinder feiern wollten, in die nächste Bewährungsprobe. Welches Datum im Jahreskreislauf ist am besten geeignet, Müttern vor lauter Stress und Versagensängsten den Schweiß auf die Stirn zu treiben? Richtig, das Weihnachtsfest, das ja besonders in Amerika, aber nicht nur dort, als ultimative Glitzer-Konsum-Familienparty mit Wohlfühlzwang bereits im adventlichen Vorfeld inszeniert wird.

Die alleinerziehende zweifache Mutter Amy möchte aber dieses Weihnachten gemütlich angehen und am liebsten Fast Food vom Chinesen bestellen. Ein Sakrileg, ein Tabubruch ist das in den Augen ihrer dominanten Mutter Ruth (Christine Baranski), die mit dem Vater kurz vor dem Fest hereinschneit und das Zepter übernimmt. Sie dekoriert Amys Haus um und putzt die Tochter herunter, weil sie sich nicht genug Mühe gibt, den Kindern ein unvergessliches Weihnachten zu bescheren.

Die Regisseure Jon Lucas und Scott Moore machen sich einen Heidenspaß daraus, Amy, Kiki und Carla jeweils mit ihren schrecklichen Müttern zu konfrontieren. Der Generationenkonflikt wird dabei sozusagen als die Kehrseite des wunderbaren Familienzusammenhalts, der an Weihnachten regiert, aufgerollt. Darf eine gute Tochter die eigene Mutter enttäuschen, darf sie den Kindern Unfrieden am Fest zumuten und die Großmütter vorenthalten? Die Antwort lautet Jein, denn zuerst steuert die bissige Komödie auf den großen Clash zu, nur um dann doch den weihnachtlichen Geist siegen zu lassen, allerdings mit einem pfiffigen Augenzwinkern.

Cheryl Hines spielt Kikis Mutter Sandy als herrliche Karikatur einer klammernden Frau, die sich im Leben ihrer Tochter einnisten will. Christine Baranski beeindruckt mit ihrer kalten Rücksichtslosigkeit der Tochter gegenüber und die große Susan Sarandon lässt als Carlas Mutter Isis ahnen, woher die Tochter ihre unangepasste, rebellische Ader hat. Isis kommt nur vorbei, weil sie wieder einmal Geld braucht. Die lebenslustige Frau macht sich auch an den gutgebauten Stripper Ty Swindel (Justin Hartley) heran, in den sich gerade die Tochter verguckt hat.

Es gibt Passagen in dieser überwiegend gelungenen Komödie, in denen die Mütter den Töchtern die Show stehlen und sie regelrecht brav und unscheinbar aussehen lassen. Auch in der Großeltern-Generation steht längst die Befreiung der Frau aus dem engen gesellschaftlichen Rollenkorsett an. Und diese starken Persönlichkeiten hier brauchen nur einen kleinen Schubs – oder den Rückhalt des Großmütter-Trios -, um fröhlich über die Stränge zu schlagen.

Weihnachten kann als das Fest der Liebe auch ganz schön sexy sein, das weiß man aus der Dessouswerbung, die rund um dieses Datum gerne die Plakate im Stadtbild ziert. Amy, Kiki und besonders die wilde Carla entdecken ihrerseits die erotische Eigenschaft von Weihnachtsmännern. Die Tabubrüche in diesem Film sind letztlich harmlos und bleiben humorvolle kleine Grenzüberschreitungen. Das Prinzip des harmonischen Familienfests bleibt trotz solcher Lockerungsübungen unangetastet.

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