kritiken.de Filme
Filme

Vaterfreuden

kritiken.de
kritiken.de Redaktion 06.02.2014
Vaterfreuden© Warner Bros. Pictures Germany
A ca. 1328 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Vaterfreuden: Komische Studie zur modernen Vaterschaft und den Prekären Maskulinitäten des Alltags

Einleitung

Mit Vaterfreuden betritt ein Film das Feld der deutschen Mainstreamkomödie, der weniger auf populäre Gags als auf die Verfeinerung eines zeitgenössischen Rollenbilds setzt. In einer Zeit, in der öffentliche Debatten über Gleichberechtigung, Familienmodelle und emotionale Arbeit zunehmend in den Fokus rücken, liest sich diese Komödie als Versuch, die Unsicherheiten der männlichen Identität in ein komödiantisches Format zu übersetzen. Damit gewinnt der Film eine Relevanz, die über den unmittelbaren Unterhaltungswert hinausgeht.

Vaterfreuden reiht sich ein in eine Reihe zeitgenössischer deutscher Filme, die mit dem vertrauten Tonfall der Komödie gesellschaftliche Nervenlandkarten abtasten. Der Film nutzt die Zugänglichkeit des Genres, um Alltagskonflikte sichtbar zu machen: Erwartungen an Partnerschaft, die ökonomischen Bedingungen familiärer Sorge und die performative Dimension von Männlichkeit. Der Anspruch liegt weniger in der Neukonzeption dieser Fragen als in der narrativen Verdichtung ihrer Widersprüche.

Im Kontext der Filmkarriere seines wohl prominentesten Hauptdarstellers fungiert Vaterfreuden als Spiegel einer künstlerischen Weiterentwicklung hinter und vor der Kamera. Die Produktion spricht ein Publikum an, das Komödien als sozialen Kommentar akzeptiert und zugleich eine konventionelle, emotional verlässliche Erzählung erwartet. Dies schafft den produktiven Spannungsraum, in dem der Film arbeitet: zwischen Erwartbarkeit und reflektierter Reibung.

Kurzüberblick zur Produktion

Vaterfreuden entstand im Umfeld der kommerziell orientierten deutschen Kinoproduktion der frühen 2010er Jahre. Die Inszenierung bewegt sich innerhalb des ästhetischen Kanons des Genres: klare Bildführung, betont dialogzentrierte Szenen und eine Dramaturgie, die auf pointierte Wendungen und identifikationsfähige Figuren setzt. Angaben zu Budget und Studio variieren je nach Quelle, doch der filmische Umgang mit Setting und Ausstattung verweist auf eine Produktion mit mittlerer Finanzkraft, die sich an einem breiten Kinopublikum orientiert.

Der Regisseur, der zugleich eine prominente Rolle übernimmt, bringt eine Handschrift ein, die sich durch unmittelbare, auf Schauspiel und Timing bauende Komik auszeichnet. Auffällig ist die Konzentration auf kleine Gesten und Missverständnisse als komödiantische Motoren. Diese Formensprache positioniert den Film in einem Werkzusammenhang, der zunehmend von einer Kombination aus leichter Ironie und ernsthafter Themenbehandlung geprägt ist. So gewinnt die Produktion Gewicht als Teil einer Karriere, die das Verhältnis von Popularität und künstlerischer Positionierung auslotet.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Matthias Schweighöfer, als zentraler Darsteller, erscheint hier in seiner vertrauten Rolle des zugänglichen Protagonisten, dessen Charme und Unsicherheit die erzählte Welt zusammenhalten. Seine Leinwandpersona, eine Mischung aus sympathischer Tollpatschigkeit und latentem Verantwortungsbewusstsein, dient dem Film als Identifikationsfläche. Friedrich Mücke bringt als Gegenpol eine andere Facette jüngerer deutscher Männlichkeit ein. Seine bisherige Arbeit hat ihn als Vielseitigen in komödiantischen wie dramatischen Feldern etabliert, weshalb er im Zusammenspiel mit Schweighöfer eine produktive Dynamik erzeugt.

Isabell Polak übernimmt eine der weiblichen Hauptrollen und fungiert als emotionale und moralische Achse der Geschichte. Ihre Figur ist weniger Füllsel als ein notwendiges Korrektiv für die männlichen Perspektiven. Alexander Khuon, Moritz Grove und Luise Bähr tragen differenzierte Nebenfiguren bei, die das soziale Umfeld der Protagonisten plastisch machen. Tom Beck und Natalia Belitzki ergänzen das Ensemble durch Rollen, die zwischen Unterstützung und Provokation oszillieren. Insgesamt arbeitet das Schauspielensemble mit einer Mischung aus etablierten TV-Gesichtern und Theaterschauspielern, was dem Film sowohl Zugänglichkeit als auch eine gewisse Professionalität verleiht.

Handlung (spoilerfrei!)

Vaterfreuden erzählt aus der Perspektive eines Mannes, der sich unerwartet mit den Anforderungen von Familiengründung und Vaterschaft konfrontiert sieht. Der Film folgt dem klassischen Komödienbogen: Aus einer Ausgangssituation erwachsen Missverständnisse, Zuspitzungen und schließlich ein erzählerisches Momentum, das die Figuren zu Entscheidungen zwingt. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen individueller Freiheit und der Übernahme von Verantwortung sowie die Frage, wie Männer und Frauen in Beziehungen miteinander verhandeln, wer welche Rolle übernimmt.

Die zentralen Figuren sind nicht als Archetypen konstruiert, sondern als Menschen in Übergängen: ein Protagonist, der sich mit seinen eigenen Erwartungshaltungen auseinandersetzt, und ein Umfeld, das ihn in unterschiedliche Richtungen drängt. Ton und Atmosphäre des Films bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen leichter Melancholie und spritziger Situationskomik. Die Kameraarbeit bevorzugt mittlere Einstellungen und Nahaufnahmen, um Reaktionen sichtbar zu machen; die Montage setzt auf rhythmische Schnitte, die komödiantische Pausen herausarbeiten.

Zentrale Themen und Motive

Im Zentrum von Vaterfreuden stehen Fragen nach Identität, Verantwortungsübernahme und den performativen Seiten von Geschlechterrollen. Der Film verhandelt, wie Erwartungen an Männlichkeit internalisiert werden und wie diese Erwartungen in alltäglichen Entscheidungen manifest werden. Dabei rückt das Thema Fürsorge in den Vordergrund: nicht als naturalistische Eigenschaft, sondern als erlernte Praxis, die soziale und ökonomische Bedingungen voraussetzt.

Philosophisch verschiebt der Film die Debatte von normativen Bildern hin zu einer pragmatischen Betrachtung von Rollenverteilung. Er stellt nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur Diskussion, sondern thematisiert auch die emotionale Arbeitsleistung, die Vaterschaft erfordert. Gesellschaftlich verweist Vaterfreuden auf die Diskrepanz zwischen idealisierten Familienbildern und der Realität multipler Lebensentwürfe. Psychologisch interessiert sich der Film für Unsicherheit als Motor von Komik: Die Lachquelle ist oft die Perspektive auf das Unvermögen, sich selbst neu zu definieren.

Vaterfreuden lohnt sich als Analyseobjekt für jene, die die Komödie nicht nur als Flucht, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse verstehen. Der Film bietet weniger radikale Antworten als Eindrucksfragmente einer Gegenwart, die auf der Suche nach neuen Arrangements von Arbeit, Liebe und Sorge ist. In diesem Sinne ist die Komödie eine Form, mit der prekäre kollektive Befindlichkeiten in eine erzählerisch begreifbare Form überführt werden.

Filmkritik von Peter Osteried

Sind Vaterfreuden bei einer schweren Geburt angebracht?

Nach Starbuck und Der Lieferheld sollte man meinen, dass alle Samenspendergags abgegrast seien, aber bevor weitere Remakes dieser Stoffe kommen, möchte auch Matthias Schweighöfer noch die letzte Spermie aus diesem Stoff heraus wringen. Dafür hat er auch gleich selbst auf dem Regiestuhl Platz genommen. Herausgekommen ist ein fader Komödienmix nach dem Baukastenprinzip.

Als Samenspender kann man zwar nicht gutes Geld verdienen, aber die Kasse zumindest aufbessern. Darum hilft Felix (Matthias Schweighöfer) auch gerne mal aus. Was aus seinen Spermien wird? Interessiert ihn nicht. Zumindest solange nicht, wie er theoretisch immer noch Vater werden kann. Aber als ein unglücklicher Zwischenfall mit einem Frettchen dazu führt, dass Felix zeugungsunfähig wird, denkt er doch darüber nach, wie ein Leben als Vater wäre. Nun sind seine Möglichkeiten aber natürlich begrenzt. Des Rätsels Lösung: Er muss mit der Frau anbandeln, die dank seiner Samenspende schwanger geworden ist.

Dass die Gags bei einer derartigen Geschichte unter die Gürtellinie gehen, versteht sich von selbst. Dass sie nur selten zünden, ist auch nicht weiter überraschend. Man hat ja schließlich schon mehrere seelenlose Schweighöfer-Komödien gesehen.

Manchmal versucht der Film die Kehrtwende. Da wird von Komödie ganz plötzlich in Richtung Drama geschielt, aber der Tiefgang ist nur behauptet, nie vorhanden. Stattdessen muss man miterleben, wie zwei völlig ohne gegenseitige Chemie agierende Hauptdarsteller sich mühen, glauben zu machen, dass hier doch die Funken sprühen würden. Allein, sie tun es nicht. Das Techtelmechtel zwischen Samenspender und Spendenempfängerin ist frei von jedem Gefühl. Wenn überhaupt, dann frönt Vaterfreuden dem Kitsch, aber das ist nun auch wahrlich nichts, mit dem dieser Film punkten könnte.

Sein Publikum wird der Streifen aber sicherlich wieder finden. Wie Til Schweiger hat es auch Schweighöfer verstanden, mit 08/15-Stoffen den größten gemeinsamen Nenner zu finden, so dass ein Publikum, das nicht mehr als seichte, alberne Unterhaltung erwartet, auch entsprechend bedient wird. Schade nur, dass Filmfördergelder auch immer wieder in solche Werke fließen.

Das übrige Ensemble schlägt sich auch nicht besser als die Hauptdarsteller. Besonders Friedrich Mücke als Felix‘ Bruder hat eine enervierende Art am Leib. Man kann nicht umhin, als ihm das beißwütige Frettchen auf den Hals zu wünschen. Die einzig wirklich guten Szenen des Films sind Isabell Polak, die naturwitzig ist. Das hat sie in der RTL-Sendung Böse Mädchen immer wieder bewiesen.

Vaterfreuden ist Massenware vom Fließband, frei von jedem Esprit, heruntergekurbelt, ohne dass auch nur ein Jota Passion oder Originalität spürbar wäre. Mit dieser Art Film kann man in Deutschland durchaus Erfolge feiern, ein an und für sich ganz guter Schauspieler wie Schweighöfer verschwendet sich aber an diese belanglose Dutzendware. Es ist verständlich, dass er erfolgreiche Filme machen und auch in ihnen mitwirken will, ein bisschen mehr Mut in seiner Rollenwahl würde ihm aber gut zu Gesicht stehen. Wahrscheinlicher ist aber, dass er uns auch nächstes Jahr wieder mit ähnlich gelagerten Quatsch beglücken wird …

Newsletter

Einmal pro Woche die besten Essays, Analysen und Kritiken – direkt in Ihr Postfach.

kritiken.de