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RoboCop

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kritiken.de Redaktion 06.02.2014
RoboCop© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih
A ca. 1552 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

RoboCop - Posthumanes Gewissen und die Ökonomie der Sicherheit im Zeitalter privatisierter Gewalt

Einleitung

Die Neufassung von RoboCop aus dem Jahr 2014 setzt einen Klassiker des Science-Fiction-Kinos in ein anderes Licht und verlangt von ihrem Publikum, Fragen neu zu verhandeln, die das Original bereits provokativ vorlegte. Als zeitgenössisches Actionkino tritt der Film nicht allein als Unterhaltung in Erscheinung, sondern als Spiegel aktueller Debatten über Überwachung, Privatisierung und die technisch vermittelte Form des Gewaltmonopols. Seine Relevanz liegt weniger in der ikonischen Gestalt des maskierten Gesetzeshüters als in der erneuten Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Maschine und Markt.

Regisseur José Padilha, zuvor bekannt geworden durch die brasilianischen Polizeidrama-Tetralogie und insbesondere Tropa de Elite, bringt eine Handschrift mit, die rohe soziale Realität mit staatstragenden Gewaltmechanismen verbindet. Seine Herangehensweise verlegt das Narrativ weg von der bei Paul Verhoeven satirisch zugespitzten Dystopie hin zu einem nüchterneren, technokratisch durchdrungenen Blick auf die Moderne - ein Blick, der die Funktionalität von Institutionen und die Rationalität des Kapitals in den Mittelpunkt stellt.

Der Film positioniert sich damit im Zeitgeist einer Ära, in der Sicherheitsfragen von globaler Politik bis zur Lokalverwaltung diskutiert werden. Die Spannung zwischen öffentlichem Auftrag und privatwirtschaftlicher Effizienz, das Misstrauen gegenüber medialer Inszenierung und die Verwischung der Grenze zwischen Mensch und Apparatur werden hier als symptomatische Konflikte unserer Gegenwart dargestellt. Padilha verwebt diese Themen ohne die explizite Ironie des Originals, was dem Stoff eine andere moralische Dichte verleiht.

Kurzüberblick zur Produktion

RoboCop 2014 ist als großes Studioprojekt konzipiert worden und steht damit in der Tradition moderner Franchise-Produktionen, die originäre Stoffe neu interpretieren. Unter der Regie von José Padilha verschmolz die Produktion amerikanische Mainstream-Mechanismen mit einer Regisseursvision, die von dokumentarischer Schärfe geprägt ist. Technisch ist der Film ein umfangreiches VFX- und Stunt-Unterfangen - ein Versuch, die physische Präsenz einer kybernetischen Figur mit gegenwärtigen Mitteln glaubwürdig zu überführen.

Die Produktionsumstände zeigen den üblichen Balanceakt zwischen künstlerischer Prägung und kommerziellem Anspruch. Ein namhaft besetztes Ensemble und die Rückkehr einer etablierten Marke sollten sowohl eine breite Zielgruppe ansprechen als auch einem ernsteren, politisch aufgeladenen Zugang zu RoboCop Raum geben. Innerhalb des Gesamtwerks von Padilha markiert dieses Projekt eine Öffnung Richtung Hollywood, ohne seine prioritäre Thematisierung von Macht- und Gewaltstrukturen preiszugeben.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Joel Kinnaman trägt die zentrale Rolle als Alex Murphy - ein Polizist, dessen physische Integrität verletzt und dessen Identität neu verhandelt wird. Kinnaman, zuvor international bekannt geworden durch die Serie The Killing, liefert die stille, oft interiorisierte Präsenz, die eine Figur zwischen menschlichem Kern und maschineller Funktionalität glaubhaft macht. Abbie Cornish ist als Clara Murphy die emotionale Verankerung des Dramas - eine Figur, die Erinnerung und familiäre Bindung vertritt und so den humanen Gegenentwurf zur technologischen Instrumentalisierung bildet.

Gary Oldman interpretiert den Wissenschaftler, der das strukturelle Bindeglied zwischen medizinischer Wiederherstellung und technischer Instrumentalisierung bildet. Oldmans Erfahrung als vielschichtiger Charakterdarsteller erlaubt es dem Film, die Ambivalenz wissenschaftlicher Verantwortung zu beleuchten. Michael Keaton übernimmt die Rolle des mächtigen Unternehmensmanagers und symbolisiert die ökonomische Logik hinter der militarisierten Innovation. Seine Präsenz ruft die lange Tradition Hollywoods hervor, Wirtschaftsmacht als moralischen Faktor im Narrativ zu inszenieren.

Samuel L. Jackson fungiert als medialer Kommentator - eine Figur, die die Vermittlungsmechanismen von öffentlicher Meinung und Medienrhetorik karikiert und zugleich als Spiegel für die performative Seite der Sicherheitspolitik dient. Die Nebenrollen, darunter Schauspieler wie Jackie Earle Haley, Michael K. Williams und Miguel Ferrer, ergänzen das Ensemble mit profilierten Charakteren, die institutionelle und kriminelle Formierungen der Erzählung repräsentieren.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film beginnt in vertrauter Manier mit dem Zusammenprall persönlicher Verletzung und technischer Möglichkeit. Ein Beamter des Gesetzes erleidet ein traumatisches Ereignis, das seinen Körper zerstört und zugleich eine technische Lösung ermöglicht - die Re-Konstruktion als kybernetischer Vollstrecker. Aus dieser Prämisse entwickelt sich ein dramatischer Konflikt, der auf mehreren Ebenen geführt wird: zwischen individueller Erinnerung und programmiertem Handlungszwang, zwischen öffentlichem Auftrag und privaten Interessen.

Die zentrale Figur steht im Spannungsfeld aus persönlicher Rehabilitation und institutioneller Instrumentalisierung. Die Konfrontation entfaltet sich gegen den Hintergrund urbaner Unsicherheit, hochentwickelter Überwachungstechnologien und einer omnipräsenten Medienlandschaft, die das Geschehen kommentiert und zugleich moduliert. Tonal liegt der Film im Bereich des actiondominanten Thrillers mit dunklen, manchmal klinischen Untertönen - Atmosphäre und Tempo dienen der Zuspitzung ethischer Fragen, nicht allein der spektakulären Kulisse.

Zentrale Themen und Motive

Im Mittelpunkt des Films stehen Fragen nach Identität und Autonomie in einer Welt, in der Körper käuflich, Funktionen programmierbar und Sicherheitshandeln privatisiert sind. Die Maschine wird hier zum moralischen Prüfstand - nicht nur als Instrument, sondern als Agent mit Resten menschlicher Subjektivität. Daraus resultieren grundsätzliche Überlegungen zu Verantwortlichkeit - wer haftet für Handlungen, die durch die Verschmelzung von Mensch und Algorithmus entstehen?

Ein weiteres Leitmotiv ist die Ökonomie der Sicherheit. Der Film problematisiert die Logik, nach der Schutzleistungen in marktförmige Strukturen überführt werden - eine Entwicklung, die demokratische Kontrollmechanismen schwächt und ethische Entscheidungen aus der öffentlichen in die private Sphäre verschiebt. Parallel dazu arbeitet der Film die Rolle der Medien heraus - wie Inszenierung, Rhetorik und Zuschauerwirksamkeit politische Entscheidungen nicht nur begleiten, sondern formen.

Schließlich verhandelt RoboCop die psychologische Dimension der Verletzbarkeit und des Erinnerns. Die Präsenz von Erinnerung in einem augmentierten Körper stellt die Frage, inwiefern das Menschliche gegen technische Determinismen behauptet werden kann. Diese thematischen Stränge machen den Film zu einem Beitrag der Populärkultur, der weniger mit einfachen Antworten als mit provokativen Dilemmata arbeitet - ein Film, der die Gegenwart befragt, indem er die Figur der Zukunftskapazität an den Rand der Gegenwart stellt.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Heilsbringer „RoboCop“

„RoboCop“ zählt fraglos zu den Klassikern des Science-Fiction-Films. Bis heute wird Paul Verhoevens erste rein amerikanische Regiearbeit kultisch verehrt und nicht selten als ein Markstein des Genres gehandelt. Für großes Aufsehen sorgte der Streifen nicht zuletzt aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellungen. In dieser Hinsicht dürfte José Padilhas Remake – auch für ihn das erste Hollywood-Engagement – allerdings keine Diskussionen auslösen, geht die Aktualisierung im Streben nach Massentauglichkeit doch stets auf Nummer sicher. Dass sich im neuen „RoboCop“ zudem die visionäre Kraft der Ursprungsgeschichte rund um Polizei-Cyborg Alex Murphy nicht einstellen will, hat einen ganz einfachen Grund: In unserer vom technischen Fortschritt geprägten Welt sind wir quasi bei der Verschmelzung von Mensch und Maschine angelangt. Weniger furchteinflößend sind die Konsequenzen dieser Entwicklung freilich nicht.

Der Großkonzern „OmniCorp“ ist im Jahr 2028 Markführer auf dem Gebiet der Robotertechnologie und setzt seine Kriegs- und Polizeimaschinen weltweit ein. Außer in den USA, wo sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen automatisierte Sicherheitskräfte ausgesprochen hat. Firmenchef Raymond Sellars (Michael Keaton) will sich damit jedoch nicht abfinden und kämpft verbissen für ein Umdenken. Als Lösung entwickelt er die Idee eines Überpolizisten – halb Mensch, halb Roboter – und beauftragt Dr. Norton (Gary Oldman) mit dessen Anfertigung. Für den menschlichen Teil fasst der Wissenschaftler den rechtschaffenen Cop Alex Murphy (Joel Kinnaman) ins Auge, der die ausufernde Kriminalität in Detroit bekämpft hat und bei Ermittlungen gegen korrupte Kollegen von einer Autobombe irreparabel verwundet wurde. Schweren Herzens stimmt seine Ehefrau Clara (Abbie Cornish) dem geplanten Eingriff zu und macht damit den Weg für den RoboCop frei.

Den satirischen Unterton des Originals greifen Padilha und Drehbuchautor Zetumer gleich zu Beginn des Films auf, wenn der demagogische Fernsehmoderator Pat Novak (Samuel L. Jackson) die Vorzüge der OmniCorp-Roboter anpreist und die Amerikaner für ihre Angst vor den Maschinen verhöhnt. Die Bilder einer Live-Schalte nach Teheran unterstreichen dann allerdings die Zweifelhaftigkeit seiner Ausführungen. Dinosauriern gleich, stampfen die automatisierten Sicherheitskräfte durch die Stadt und scannen die verängstigten Bürger, die sich auf den Straßen versammeln müssen. Keineswegs friedlich, sondern rabiat und verstörend wirkt hier das Auftreten der OmniCorp-Maschinen.

Auf den kritisch-überspitzten Prolog folgt eine gradlinige Einführung in die Welt des Protagonisten. Der Zuschauer erfährt von Murphys Ermittlungen, lernt seine Familie kennen und wird Zeuge des folgenreichen Anschlags, der den Polizisten aus seinem gewohnten Leben reißt und den Startschuss für die eigentliche Geschichte gibt. Besonderes Augenmerk legen die Macher dabei auf die ethischen und rechtlichen Probleme, die mit der Verwandlung des Cops in einen Cyborg einhergehen. Sellars ist ausschließlich an weiteren Gewinnen interessiert und will die Angst vor den Robotern zerstreuen, indem er den Menschen ein Wesen schenkt, das effizient wie eine Maschine funktioniert, zugleich aber auch über ein Gewissen verfügt und so für seine Handlungen haftbar gemacht werden kann. Angetrieben vom unnachgiebigen Konzernchef, entwickelt Dr. Norton in der mit Rückschlägen behafteten Testphase eine Frankenstein-ähnliche Beziehung zu Alex, dessen Identität er eigentlich erhalten will. Kurz vor der öffentlichen Präsentation des RoboCops ist er aber gezwungen, Murphys Erinnerungen und Empfindungen abzuschalten, da sie ihn zu überfordern drohen.

Eben diese Entscheidung, die den Boden für die effizienten Ermittlungserfolge des Superpolizisten bereitet, ihn jedoch seiner Menschlichkeit beraubt, liefert die emotionale Grundlage für den weiteren Handlungsverlauf. Anders als es seine Schöpfer vorsehen, fängt Alex nämlich an, sich an sein früheres Ich zu erinnern und den Hintermännern des folgenschweren Anschlags nachzuspüren. Temporeicher, aber deutlich fahriger als zuvor hetzt der Film nun von einem Schauplatz zum nächsten und drängt dabei Figuren wie Murphys Ehefrau zunehmend an den Rand. Wirklich greifbar wird das persönliche Dilemma der Hauptfigur dabei nur sporadisch, was auch dem eher begrenzten Mienenspiel des Hauptdarstellers (ganz anders Peter Weller im Original) geschuldet ist. Zwischen die nun Überhand nehmenden Actionszenarien streut Padilha weitere Auftritte des Meinungsmachers Novak, deren satirische Stoßrichtung allerdings eher plump gerät. Schön anzuschauen ist schließlich der krachende Showdown, bei dem der Regisseur noch einmal tief in die Effektkiste greifen darf. Alles in allem ein würdiger Abschluss für eine passable Neuinterpretation ohne ganz große Glanzpunkte

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