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The Great Wall

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kritiken.de Redaktion 12.01.2017
The Great Wall© Universal Pictures Germany GmbH
A ca. 1370 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

The Great Wall: Monumentaler Pop-Spektakel zwischen chinesischer Bildsprache und globaler Kinoökonomie als kulturelles Experiment

Einleitung

The Great Wall tritt in eine moderne Debatte ein, die weit über seine Handlung hinausweist: das Zusammenspiel von nationaler Bildsprache, globaler Kapitalmacht und dem Anspruch, ein blockbustertaugliches Kinoereignis zu schaffen. Als groß angelegter Beitrag zur Liaison zwischen Hollywood-Studios und chinesischer Filmindustrie markiert der Film einen Moment, in dem Produktionsbedingungen, ästhetische Traditionen und Marktinteressen gleichermaßen sichtbar werden. Genau hier liegt seine filmhistorische Relevanz.

Für den Regisseur bedeutet dieses Projekt eine Fortsetzung und zugleich eine Umkehrung seiner bisherigen Arbeit. Zhang Yimou, lange Zeit vor allem für formal streng komponierte, farbsinnliche Werke und historische Dramen bekannt, verlagert seine Gestaltungsprinzipien auf ein anderes Spielfeld: die visuelle Monumentalität des modernen Mainstreamkinos. Die Frage, die sich dabei anschließt, lautet weniger, ob Zhang seine Signatur behalten kann, als wie sich ästhetische Eigenheiten in die Logik internationaler Blockbusterproduktion übersetzen lassen.

Zeitgeistlich steht The Great Wall am Schnittpunkt geopolitischer und kultureller Konstellationen der 2010er Jahre. Der Film ist Teil einer größeren Welle von Koproduktionen und von Versuchen westlicher Studios, am chinesischen Markt zu partizipieren. Zugleich spiegelt er die wachsende Sensibilität für Repräsentation und kulturelle Aneignung, die Diskussionen über Besetzung und Authentizität auf der weltweiten Bühne ausgelöst haben. In dieser Hinsicht ist der Film weniger neutrales Unterhaltungskino als ein Symptom und ein Diskussionsgegenstand zugleich.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Zhang Yimou, ein Regisseur, dessen frühere Filme wie Raise the Red Lantern und Hero ihn zur zentralen Figur des chinesischen Autorenkinos gemacht haben. Zhang bringt in The Great Wall manche seiner wiedererkennbaren Elemente mit - sorgfältige Bildkomposition, choreografische Präzision, eine starke Farbdramaturgie - und setzt sie in einem industriellen Rahmen um, der von Studio- und Marktanforderungen geprägt ist.

Produziert wurde der Film als groß angelegte internationale Koproduktion unter Beteiligung westlicher Studios und chinesischer Partner. Das Projekt arbeitete mit einem hohen Budget und setzte umfangreiche visuelle Effekte und aufwendige Produktionssets ein, um die Physis einer mythisierten Mauer und die darin angesiedelten Schlachten darzustellen. Auffällig ist, wie traditionelle Produktionsästhetik und digitale Effekttechniken zusammengeführt werden - ein Spannungsverhältnis, das sich durch das gesamte Projekt zieht.

Innerhalb von Zhangs Gesamtwerk nimmt The Great Wall eine Sonderstellung ein: Es ist sein sichtbarster Schritt in die kommerzielle Arena globaler Unterhaltung, ohne dass er seine formalen Vorlieben völlig aufgibt. Der Film fungiert damit als Brücke zwischen dem nationalen Kino, das Zhang geprägt hat, und den universellen Codes des Blockbusters.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Im Zentrum steht Matt Damon, ein internationales Face der Branche, der in The Great Wall die Rolle des ausländischen Söldners übernimmt. Damon bringt seine vertraute Leinwandautorität und die Erwartungshaltung eines westlichen Publikums mit, wodurch seine Präsenz als Vermittlerfigur zwischen zwei Filmkulturen fungiert.

Pedro Pascal, zuletzt bekannt geworden durch verschiedene Serien- und Nebenrollen, übernimmt eine Nebenfigur, die dem Protagonisten auf dem Weg zur Mauer als Gefährte dient. Sein Spiel bietet Kontrast und Nuance in einem Ensemble, das auf große Gesten und klare Figurenzeichnungen setzt.

Tian Jing tritt als zentrale militärische Figur auf, deren Disziplin und taktische Kontrolle der institutionellen Ordnung der Mauer Gestalt verleihen. Andy Lau, ein Star mit großer Popularität in der chinesischen Filmwelt, bringt autoritäre Gelassenheit und politische Signifikanz in die Rollenaufstellung; seine Figur steht für strategische Kompetenz und nationale Verantwortung. Willem Dafoe fungiert als charismatischer Außenstehender mit ambivalenter Moralität und erinnert damit an frühere Archetypen des Abenteuerkinos.

Das Ensemble wird ergänzt von jungen chinesischen Darstellern wie Eddie Peng, Lu Han und Zhang Hanyu, die lokale Starpower und unterschiedliche Register der physischen Präsenz einbringen. Gemeinsam formen sie ein heterogenes Kollektiv, das das Spannungsfeld zwischen individuellen Heldenfiguren und kollektiver Disziplin auslotet.

Handlung (spoilerfrei!)

Ohne in Einzelheiten zu gehen, lässt sich sagen: Die erzählerische Prämisse verbindet eine mythische Bedrohung mit der Frage nach der Verteidigung einer Grenze und der Einheit einer Gemeinschaft. Der dramatische Konflikt ergibt sich aus dem Zusammentreffen fremder Einzelakteure mit einer hochgradig organisierten militärischen Ordnung, die sich gegen eine apokalyptische Gefahr stellt. Diese Konstellation erlaubt sowohl spektakuläre Gefechtssequenzen als auch Momente interkultureller Interaktion und persönlicher Moralentscheidungen.

Die zentralen Figuren sind insofern klar typisiert: Außenseiter, die in eine fremde Ordnung eintreten; militärische Führer, die Verantwortung und Ritualisierung des Kollektivs repräsentieren; und eine Reihe von Kämpferinnen und Kämpfern, deren Körperlichkeit und Disziplin den visuellen Kern der Erzählung bilden. Tonalität und Atmosphäre oszillieren zwischen heroischer Opulenz und einem dichten, häufig bedrohlichen Setting, das auf eine anhaltende Spannung baut.

Zentrale Themen und Motive

Der Film stellt Fragen nach Zugehörigkeit, Loyalität und dem Verhältnis von Individuum zu Institution. Auf der metaphorischen Ebene lässt sich die Mauer als Sinnbild für kulturelle Abgrenzung und kollektiven Schutz lesen, zugleich aber auch als Projekt, das Identität stabilisiert und kontrolliert. Die Fremdenfigur fungiert als Katalysator für Reflexionen über Wissenstransfer, Hybride Praktiken und die Bedingungen einer Zusammenarbeit über kulturelle Schranken hinweg.

Philosophisch eröffnet The Great Wall Überlegungen zu Angstkulturen und der Produktion von Bedrohung; monströse Elemente im Film lassen sich als Projektionen kollektiver Furcht deuten. Gesellschaftlich tangiert der Film Fragen von Repräsentation und Globalisierung - wie erzählt man Geschichte, wenn Produktionslogiken und Publikumserwartungen aus verschiedenen Welten zusammenlaufen? Psychologisch interessiert das Werk an Mechanismen von Führung, Opferbereitschaft und Gruppendynamik unter extremen Bedingungen.

Formal bleibt bemerkenswert, wie Zhang Yimou seine Vorliebe für choreografierte Bewegung und kräftige Bildabstufung in eine großflächige, digital unterstützte Ästhetik übersetzt. Diese ästhetische Entscheidung ist selbst ein Kommentar dazu, wie traditionelle filmische Mittel in den Dienst einer globalen Bildökonomie gestellt werden.

Filmkritik von Peter Osteried

Die Great Wall wurde errichtet, um Monster abzuwehren

Episch sind an The Great Wall nur die Actionszenen. Die sind immerhin zahlreich, das muss man dieser chinesisch-amerikanischen Ko-Produktion schon lassen. Aber irgendwo mussten die 150 Millionen Dollar Budget ja auch einfließen. Größter anderer Kostenfaktor dürfte Matt Damon gewesen sein, der in diesem historischen Setting reichlich fehl am Platz erscheint.

Die Söldner William (Matt Damon) und Tovar (Pedro Pascal) kommen nach China, weil sie dort Schwarzpulver erlangen und damit nach Hause zurückkehren wollen. In einer Nacht werden sie von einem Monster attackiert, das William jedoch töten kann. Die abgeschlagene Klaue nimmt er mit. Sie leistet ihm schon bald gute Dienste, denn an der Chinesischen Mauer werden die beiden gefangen genommen, berichten aber von der schauerlichen Kreatur, der sie sich stellen mussten. Worum es sich dabei handelt, erfahren beide schon wenig später, als die monströsen Tao Tei auf die Mauer zustürmen. Können sie nicht abgewehrt werden, wird sich diese Plage über die ganze Welt ergießen.

Dass Matt Damon vor allem angeheuert wurde, um den Film auch für ein westliches Publikum interessant zu machen, versteht sich von selbst. Beschwerden darüber, man würde „whitewashing“ betreiben und die Heldenfigur eines chinesischen Epos ethnisch falsch besetzen, kann man aber getrost knicken. Weil es einerseits nur ums Geld geht und andererseits ein Film mit Monstern, die die Chinesische Mauer erstürmen wollen, alles andere als faktisch akkurat ist.

Amüsanter ist da schon, dass die Tao Tei vor 2000 Jahren auf der Bildfläche erschienen und als Geisel eines habgierigen Kaisers agierten. Seitdem plagen sie die Menschheit, die ihrer Gier noch immer nicht entsagt hat. Was für eine schöne, antikapitalistische Botschaft, geradezu passend für einen chinesischen Film. Wenn es nicht auch bei The Great Wall darum ginge, kräftig Reibach zu machen.

Wenn das gelingt, dann nur, weil Regisseur Zhang Yimou zumindest ein Auge dafür hat, Action packend in Szene zu setzen. Eigentlich kann er auch sehr komplexe und vielschichtige Geschichten erzählen, eine solche sucht man hier aber vergebens. Tatsächlich ist kaum eine Geschichte vorhanden. Stattdessen ergeht man sich in einer Actioneinlage nach der anderen. Erst an der Mauer, später dann in der Hauptstadt des Reichs. Große Unterschiede finden sich da jedoch nicht, setzt man doch in erster Linie auf exzellent getrickste Monster und schöne Kampf-Choreographien. Wer nicht mehr als das sehen will, der ist bei The Great Wall ganz gut aufgehoben.

An sich ist das aber mager, was umso mehr gilt, da das Skript nicht nur von Carlo Bernard und Doug Miro, sondern auch von Tony Gilroy ist. Und der ist erwiesenermaßen gut, nicht nur bei Arthaus, sondern auch bei Action, aber retten konnte er scheinbar auch nichts mehr.

So bleibt ein gut 90-minütiges Mini-Epos, dem mehr Laufzeit durchaus gutgetan hätte, in der jetzigen Form aber nichts als schön gemachte Effekte zu bieten hat. Immerhin ist das was fürs Auge, es wäre aber angesichts der Ressourcen und der beteiligten Künstler weit mehr drin gewesen.

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