The Expendables 3 als nostalgische Muskelmaschine - Aktion, Markt und die Inszenierung älterer Heldenfiguren
Einleitung
Mit The Expendables 3 erreicht ein Franchise seine selbstreflexive Phase, in der Nostalgie und Kommerz einander nicht nur begegnen, sondern einander prüfen. Der Film tritt an, die Ikonographie des actionkinos der 1980er und 1990er Jahre zu rekodieren und zugleich zu modernisieren. Dabei steht weniger die reine Handlung im Vordergrund als die Frage, wie Erinnerung, Alter und Vermarktung von Heldenbildern heute miteinander verhandelt werden.
Als dritter Teil einer Reihe, die Sylvester Stallone als Produzenten und Leitfigur verbindet, fungiert The Expendables 3 als Spiegel für das Genre: Er reflektiert die ästhetischen Codes der Vergangenheit und zeigt die Spannungen, die entstehen, wenn diese Codes in einen zeitgenössischen, globalen Kinomarkt transferiert werden. Die Relevanz des Films liegt daher nicht nur in seiner Funktion als reines Unterhaltungsprodukt, sondern auch als Dokument eines Moments, in dem die ältere Generation von Actionstars ihre Präsenz neu justiert.
Der Film erschien zu einer Zeit, in der Franchise-Denken und nostalgische Wiederbelebungen das Kino prägten. Gleichzeitig rückt die Debatte um Altersästhetik, Authentizität und Ersatz durch jüngere Performer in den Vordergrund. The Expendables 3 operiert an dieser Schnittstelle und erzählt weniger von Eroberung als von der Selbstverortung eines Genres, das seine eigenen Helden in die Gegenwart überführen muss.
Kurzüberblick zur Produktion
The Expendables 3 wurde unter der Regie von Patrick Hughes realisiert, einem Regisseur, der zuvor mit enger, atmosphärisch dichten Genrefilmen Aufmerksamkeit erregte und hier in einem größeren kommerziellen Kontext arbeitete. Hughes bringt eine visuelle Präzision mit, die sich in kompakten Einstellungen und einer klaren Kameraführung ausdrückt, während das Projekt als Ganzes stark von Produzentenentscheidungen und Marktmechanismen geprägt ist.
Die Produktion verband das etablierte Produktionsvehikel der Reihe mit den Anforderungen eines internationalen Actionmarkts. Studio-Interessen, Zielgruppenüberlegungen und die Notwendigkeit, ein breiteres Publikum zu erreichen, hatten Einfluss auf Tonalität und Ausrichtung. Auffällig sind die Entscheidungen, die Ensemblestruktur weiter zu öffnen und jüngere Darsteller einzuführen - ein Eingeständnis an die kommerzielle Logik, die Fortbestand und Erneuerung zugleich verlangt.
Im Gesamtwerk der Reihe markiert der dritte Teil eine Zwischenetappe: er erweitert die Besetzung und lässt zugleich erkennen, wie franchisefähige Actionästhetik im 21. Jahrhundert weiterentwickelt werden muss. Als Industrieprodukt verdeutlicht er die Spannungen zwischen künstlerischer Handschrift und marktwirtschaftlicher Kalkulation.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Die Besetzung von The Expendables 3 liest sich wie ein Abriss moderner Actiongeschichte. Sylvester Stallone und Jason Statham sind die verlässlichen Pole des Ensembles, Stallone als die Rolle, die das Franchise trägt, Statham als die physische Ergänzung mit präziser Kampfdarstellung. Beide sind Repräsentanten einer Generation von Darstellern, deren Schauspiel vor allem über Präsenz, Timing und Körperausdruck vermittelt wird.
Jet Li, Dolph Lundgren und Randy Couture treten als vertraute Stützen auf, ihre Präsenz erinnert an die choreografischen Stärken klassischer Actionfilme. Parallel dazu treten neue Gesichter auf, die jüngere Actionästhetiken repräsentieren und eine andere Körplichkeit in die Gruppe bringen. Mel Gibson und Antonio Banderas verkörpern in diesem Kontext prominente Gegenspieler beziehungsweise ambivalente Figuren, die dem Ensemble neue Spannungen hinzufügen. Harrison Ford und Arnold Schwarzenegger liefern zusätzliche, bewusst gesetzte Auftritte, die das Meta-Spiel des Franchise zwischen Tribute und Fortführung betonen.
Die Entscheidung, neben etablierten Altstars auch jüngere Athleten und Schauspielerinnen zu integrieren, signalisiert den Versuch, den Film generationenübergreifend zu positionieren. Die Rollen sind dabei weniger psychologische Studien als archetypische Funktionen innerhalb eines Ensembles - Vertrauensanker, Provokateure, Ersatz und Herausforderung zugleich.
Handlung (spoilerfrei!)
Ohne in Plotdetails zu verfallen, lässt sich The Expendables 3 als Missionfilm beschreiben, der ein eingespieltes Team mit einer veränderten Realität konfrontiert. Die Dramaturgie kreist um die Frage, wie eine Gruppe von Veteranen auf neue Bedrohungen und institutionelle Zwänge reagiert. Der dramatische Konflikt entsteht aus der Spannung zwischen Loyalität und notwendiger Erneuerung, zwischen persönlicher Bindung und professioneller Pflicht.
Zentrale Figuren sind die Leitpersonen des Ensembles, deren Interaktion den Film strukturiert. Ton und Atmosphäre oszillieren zwischen der demonstrativen Härte klassischer Action und einem bewussten Abstand, der Reflexionen über Identität und Relevanz des Heldentums zulässt. Die Inszenierung setzt auf strikt choreografierte Einsätze, Teamdynamik und die dramatischen Auswirkungen von Entscheidungen, ohne den narrativen Rahmen unnötig zu verkomplizieren.
Zentrale Themen und Motive
Im Zentrum des Films stehen Fragen nach Alter, Erbe und Erneuerung. The Expendables 3 stellt die Erfahrung des Alterns im Actionkino zur Disposition und lotet dabei sowohl sentimentale als auch nüchterne Dimensionen aus. Das Motiv der Verarbeitung von Vergangenem - Ruhmestaten, Schuld, Loyalität - durchzieht die Figurenkonstellation und verwandelt sie in ein Feld von Prüfungen für das Genre selbst.
Eine gesellschaftliche Dimension liegt in der ökonomischen Logik des Films: Wie werden Helden als Marken behandelt, und wie reagiert ein Markt darauf, wenn seine Ikonen altern? Philosophisch formuliert geht es um Identität unter Bedingungen von Austauschbarkeit. Psychologisch offenbart der Film, wie Körperlichkeit und performative Kompetenz in den Dienst einer kollektiven Erzählung gestellt werden.
Formal verbindet der Film Praktisches und Konstruiertes: choreografierte Gewalt, technisch präzise Montage und eine Musikdramaturgie, die Reminiszenzen provoziert, ohne sich ausschließlich darauf zurückzuziehen. Die wiederkehrende Frage bleibt, ob Nostalgie als ästhetische Ressource ausreicht, um ein zeitgenössisches Publikum zu adressieren, oder ob sie transformiert werden muss, um Bedeutung zu behalten.
Filmkritik von Christopher Diekhaus
Schaulaufen der Actionstars in „The Expendables 3“
Selbstverständlich war er nicht. Der weltweite Publikumserfolg, den Actionveteran Sylvester Stallone mit seinen beiden „Expendables“-Filmen um eine kompromisslose Söldnertruppe einfahren konnte. Nachvollziehbar aber schon, da die programmatisch besetzten Old-School-Streifen geschickt mit den nostalgischen Erinnerungen der Zuschauer an das Krawallkino der 1980er Jahre spielen. Alte und neuere Stars auf einem Haufen, ein bedingungsloses Ehrgefühl, klare Fronten, reichlich Feuerkraft und selbstironische Scharmützel – die Markenzeichen der Actionreihe sind unumstößlich, scheinen sich jedoch ein wenig abzunutzen, wie der nunmehr dritte Teil beweist, der etwas ungelenk zwischen Frischzellenkur und Konservatismus hin- und herschwankt.
Wie in den Vorgängern auch läutet eine halsbrecherische Befreiungsaktion das filmische Geschehen ein. Dieses Mal eilen Barney Ross (Sylvester Stallone) und seine Mitstreiter rund um Lee Christmas (Jason Statham) dem inhaftierten Doc (Wesley Snipes) zu Hilfe. Einem früheren Kompagnon, der sich auf einem Gefangenentransport befindet. Nach erfolgreichem Abschluss der bleihaltigen Unternehmung zieht es die Söldnertruppe schnurstracks nach Somalia, wo sie einen skrupellosen Waffenhändler dingfest machen soll. Erstaunt muss Barney feststellen, dass es sich bei der Zielperson um Conrad Stonebanks (Mel Gibson) handelt, ein in Ungnade gefallenes, totgeglaubtes Gründungsmitglied der Expendables. Wider Erwarten läuft der Einsatz völlig aus dem Ruder und endet für einen der verschworenen Gefährten beinahe tödlich. CIA-Kontaktmann Drummer (Harrison Ford) will Stonebanks‘ Flucht allerdings nicht auf sich sitzen lassen und verlangt von Barney, den Kriegsverbrecher aufzuspüren. Daraufhin nimmt der Expendables-Anführer schweren Herzens eine Kursänderung vor: Er entlässt sein altes Team, das er nicht leichtfertig ins sichere Verderben schicken will, und rekrutiert eine neue Crew, die aus deutlich jüngeren, technikaffinen Kämpfern besteht.
Grundsätzlich ist es absolut begrüßenswert, wenn Filmemacher bei einem Sequel bemüht sind, frische Impulse zu setzen. Hier wirkt sich die eher schwach motivierte Neuausrichtung (Warum bekommt Barney nach all den gefährlichen Missionen ausgerechnet jetzt handfeste Gewissensbisse?), die Stallone und seine Mitautoren Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt präsentieren, jedoch eher störend aus. Nicht nur, dass der Film nach seinem fulminanten Doppelauftakt plötzlich in den Leerlauf schaltet und die restlichen Expendables in den Hintergrund drängt. Im Vergleich mit den abservierten Recken fällt das Auftreten der neuen Mannschaft (zu der unter anderem „Twilight“-Star Kellan Lutz und die Kampfsportlerin Ronda Rousey zählen) auch noch merkwürdig profillos aus. Was einerseits an den wenig eindrücklichen Darbietungen der Schauspieler liegt. Aber ebenso der flachen Figurenzeichnung anzulasten ist. Erschwerend kommt hinzu, dass „The Expendables 3“, ähnlich wie Teil zwei, zu einem regelrechten Starauflauf mutiert, weshalb es den jungen Darstellern per se nicht leichtfällt, sich ernsthaft zu behaupten.
Deutet sich zunächst ein krasser Generationenwechsel an, bei dem Barney in einer durchaus amüsanten Szene sogar mit den „technischen Wundern“ des 21. Jahrhunderts vertraut gemacht wird, reißen Stallone und Regisseur Patrick Hughes („Red Hill“) das Ruder irgendwann jedoch erneut herum. Die alten Weggefährten sind für den Expendables-Chef alles andere als verzichtbar und dürfen daher rechtzeitig zurückkehren, um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Spätestens im finalen Dauergefecht kommt der Film also wieder bei seinen Wurzeln an, lässt es sich in den letzten Einstellungen aber nicht nehmen, Barney als integrative Vaterfigur zu zeigen, die beide Welten – Jung und Alt – verbindet.
Für einige Aufregung unter den hartgesottenen Fans der Reihe sorgte im Vorfeld der Produktion die Ankündigung, dieses Mal eine Jugendfreigabe erzielen zu wollen. Den blutig-rücksichtslosen Stil der vorangegangenen Filme sucht man im dritten Teil demnach vergeblich, wobei schnell deutlich wird, dass die zumeist ordentlich in Szene gesetzten Kampfhandlungen (etwas störend sind bloß die mitunter bescheidenen Computereffekte) auch so recht gut funktionieren. Zerplatzende Köpfe und Blutfontänen braucht es nicht, um das wilde und belanglose Treiben halbwegs unterhaltsam zu gestalten.
Anders als bei „The Expendables 2“ sind die Macher zudem zurückhaltender mit parodistisch anmutenden Einlagen, was nicht heißt, dass trockene Oneliner gänzlich fehlen. Die augenzwinkernde Selbstbeschau ist allerdings bei weitem nicht so exzessiv wie in der letzten Runde, wo Chuck Norris den ihn umgebenden Internethype aufgreift oder Arnold Schwarzenegger die Musealität der altgedienten Actionstars konstatiert. Richtig komisch wird es nun vor allem dann, wenn wir dem von Antonio Banderas verkörperten Scharfschützen Galgo dabei zusehen dürfen, wie er Barney und Co mit seinem pausenlosen Geplapper und seiner unbändigen Energie fast zur Weißglut bringt. Auf der anderen Seite des tonalen Spektrums steht Bösewicht Mel Gibson, dessen überzogen-diabolisches Spiel letztlich hervorragend zu der reichlich überdrehten Geschichte passt. In gemeinsamen Szenen zieht Stallone, fast schon folgerichtig, stets den Kürzeren.
Auch wenn die enttäuschenden Kritiken aus den USA anderes vermuten lassen, ist „The Expendables 3“ nicht unbedingt schlechter als die ersten beiden Kapitel der betont altmodischen Actionreihe. Allein die Prämisse scheint für Stallone selbst nicht mehr ganz griffig zu sein, wie der schlingernde Kurs des dritten Abenteuers unterstreicht.

