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The Equalizer 2

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kritiken.de Redaktion 16.08.2018
The Equalizer 2© Bildrechte beim jeweiligen Verleiher / Promotional Material (siehe Impressum)
A ca. 1414 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

The Equalizer 2 - Rache, Ritual und die Ethik des Einzelnen im urbanen Zeitalter

Einleitung

Als Fortsetzung eines Populärfilms mag The Equalizer 2 auf den ersten Blick ein weiteres Kapitel im Geschäft mit markanten Actionfiguren sein. Doch Antoine Fuquas Rückkehr zu Robert McCall - einem Protagonisten, den Denzel Washington bereits 2014 etablierte - legt ein größeres Interesse an moralischer Komplexität und an der Frage offen, wie Gewalt und Fürsorge in einer fragmentierten Gesellschaft zusammengehen. Der Film behauptet seinen Platz nicht allein als Handlungsquelle für spektakuläre Sequenzen, sondern als Reflexionsraum über Verantwortung, Loyalität und die Grenzen staatlicher Ordnung.

In der gegenwärtigen Kinoökonomie, die Fortsetzungen und bekannte Marken bevorzugt, fällt The Equalizer 2 insofern auf, als er eine bekannte Ikone der Gegenwartskultur nicht nur reproduziert, sondern nach innen dreht: die Figur des einsamen Rächers wird weniger zur Showfigur als zum Untersuchungsobjekt eines Inneren, das aus Gewohnheit und Code besteht. Diese Introspektion spiegelt zugleich die seltene Situation wider, in der Denzel Washington - ein Schauspieler, der oft Einmalrollen wählt - eine Rolle wiederbelebt und ihr eine fortlaufende Biographie zugesteht.

Der Film ist damit relevant als Symptom und als Kommentar: Symptom eines Kinos, das Sicherheit in Franchises sucht, Kommentar zu einem Zeitgeist, in dem Vertrauen in Institutionen brüchig erscheint und der Ruf nach eigenmächtiger Gerechtigkeit an Resonanz gewinnt. Fuquas Inszenierung operiert in diesem Spannungsfeld - nicht als bloße Rechtfertigung von Gewalt, sondern als dramatische Vermessung ihrer Motive und Kosten.

Kurzüberblick zur Produktion

Antoine Fuqua, Regisseur von Training Day und dem ersten The Equalizer, bringt seine gewohnt unpathetische Handschrift in die Fortsetzung. Seine Regiearbeit zeichnet sich durch einen Hang zu präziser, handwerklich sauberer Gewaltdarstellung aus - sie ist choreographiert, nie reißerisch - und durch eine Vorliebe für atmosphärische Urbanität. Fuqua interessiert sich für moralische Grautöne; er arbeitet gerne mit Figuren, die einem eigenen Ehrenkodex folgen, und er bindet Action an Charakterstudien.

Die Produktion entstand in Hollywood-Kreisen mit Columbia Pictures/Sony als Studio im Rücken. Als Fortsetzung eines erfolgreichen Thrillers wurde das Projekt mit einem mittleren Studiobudget realisiert - Berichte sprechen von einem Budget im Bereich von etwa 60 bis 65 Millionen US-Dollar - und zielte auf ein breites Publikumssegment. Die Tatsache, dass ein namhafter Hauptdarsteller seine Rolle erneut übernimmt, verleiht dem Film Statur und macht ihn zugleich zu einem seltenen Beispiel für ein amerikanisches Starvehikel, das auf die Persona seines Protagonisten baut.

Im Werk Fuquas steht The Equalizer 2 als konsequente Fortsetzung thematischer Vorlieben: die Ästhetik der amerikanischen Großstadt, die moralische Zerrissenheit von Männern in Machtpositionen und die Untersuchung von Gewalt als Ritual. In seiner filmographischen Linie fügt sich der Film neben Training Day und Southpaw als weiteres Kapitel in einer Karriere, die zwischen Mainstream-Entertainment und ernsthafter Genrearbeit pendelt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Denzel Washingtons Robert McCall ist das Zentrum des Films. Washington setzt hier auf Zurückhaltung - Präsenz statt Show, innere Empörung statt markiger Posen. McCall ist ein Mann geordneter Rituale, dessen äußere Ruhe ein Geflecht persönlicher Prinzipien verbirgt. Washington, dessen Karriere von Figuren getragen wird, die moralische Autorität ausstrahlen, bringt in diese Verkörperung seine Erfahrung mit Rollen, die zwischen Gesetz und Außenseitertum oszillieren.

Pedro Pascal, zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt aus Serien wie Narcos und Game of Thrones, fungiert als kontrastierende Gestalt. Pascal hat die Fähigkeit, Ambivalenz mit einer leicht nervösen Energie zu füllen - hier tritt er als Bindeglied einer anderen Welt auf, die McCall herausfordert. Bill Pullman, wiederum, ist ein klassischer Charakterdarsteller, dessen Aura von Vertrautheit und institutioneller Verantwortung dem Ensemble eine zusätzliche Ebene verleiht. Zusammen bilden die Darsteller ein Trio, das unterschiedliche Facetten von Loyalität, Pflichtgefühl und persönlichem Verlust repräsentiert.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film folgt Robert McCall, einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter, der sein Leben nach festen Regeln ausgerichtet hat und in der Anonymität einer Großstadt nach Gerechtigkeit für diejenigen sucht, die sich nicht selbst zu helfen wissen. Die narrativen Impulse entspringen einem dramatischen Konflikt, der McCalls persönliches Netzwerk berührt und ihn aus seiner durchaus kontrollierten Isolation reißt.

Im Zentrum stehen persönliche Beziehungen, alte Verpflichtungen und die Konfrontation mit Kräften, die moralische Grenzen verschieben. Zentrale Figuren sind McCall selbst, Personen aus seinem nahen Umfeld und Gegenspieler, die ihn zu Entscheidungen zwingen. Ton und Atmosphäre bleiben überwiegend düster und konzentriert - ein urbaner Thriller, der auf eine ruhige, fast ritualisierte Bildsprache setzt und gelegentlich in harte Aktion umschlägt.

Zentrale Themen und Motive

Im Kern stellt The Equalizer 2 Fragen nach dem Recht des Einzelnen, die Lücke zu füllen, wenn Institutionen versagen - und nach der Kostenbilanz solch persönlicher Gerechtigkeit. Der Film thematisiert Loyalität als bindende Kraft und untersucht, wie alte Verbindlichkeiten den Horizont neuer Entscheidungen einengen. Gewalt wird nicht nur als Mittel der Handlung gezeigt, sondern als Ausdruck einer Ethik - einer persönlichen Gesetzgebung, die erzählt, wer der Handelnde sein will.

Weitere Motive betreffen Alter und Verantwortung: Wie verhält sich ein gealterter Kämpfer in einer Welt, die sich technologisch und moralisch gewandelt hat? Fuqua und sein Team rücken die Routine des Protagonisten in den Vordergrund - kleine Rituale, akribische Abläufe - als Gegenpol zum unberechenbaren Sturm äußerer Ereignisse. Zugleich lässt sich ein subtextuelles Echo auf gegenwärtige gesellschaftliche Diskussionen ausmachen - Misstrauen gegenüber Institutionen, die Suche nach unmittelbarer, persönlicher Gerechtigkeit und die Frage, inwieweit individuelle Entscheidungen kollektiv wirksam werden.

Insgesamt positioniert sich The Equalizer 2 nicht nur als Fortführung eines Actionstoffs, sondern als filmische Auseinandersetzung mit ethischen Dilemmata und der Frage, wie der Einzelne in einer komplexen, oft feindseligen Welt seine Handlungen rechtfertigt - oder vor sich selbst verantworten muss.

Filmkritik von Peter Osteried

„The Equalizer 2“: Wie der Punisher, aber mit Stil

Der erste Teil war ein beachtlicher Erfolg für Regisseur Antoine Fuqua und Hauptdarsteller Denzel Washington. Die moderne Version der Fernsehserie aus den 1980er Jahren orientierte sich dabei weniger an der Vorlage. Vielmehr machte man aus dem Equalizer eine Art Punisher, nur einen, der etwas mehr Stil hat – und der auch bei größter Action eigentlich nie ins Schwitzen gerät.

Robert McCall (Denzel Washington) ist der Equalizer, ein Mann, der seine beträchtlichen Fähigkeiten, die er sich als langjähriger Agent und Killer angeeignet hat, nutzt, um jenen zu helfen, die sich selbst nicht helfen können. Doch nun geht es nicht um Fremde, es geht um eine Freundin, die letzte, die McCall geblieben ist, und die nach Brüssel gegangen ist, um in einem fragwürdigen Selbstmord zu ermitteln. In ihrem Hotelzimmer wird sie umgebracht, weswegen McCall sich daran macht, diejenigen zu finden, die daran die Schuld tragen.

Der Film ist durchaus unterhaltsam, so wie es der Vorgänger auch schon war, aber an einer Sache leidet er – und das ebenso wie schon das Original. Die Spannung ist sehr, sehr oberflächlicher Natur, da McCall eine Kampfmaschine ist, die man schon eher als Naturgewalt bezeichnen muss. Er braucht selten länger als 30 Sekunden, um seine Gegner auszuschalten. Er wird so gut wie nie in einem Kampf getroffen. Grundsätzlich hat man den Eindruck, dass McCall unbesiegbar ist. Das bringt das Problem mit sich, dass sich in der Beziehung keine echte Spannung einstellt. Man fragt sich eher, wie McCall seine Gegner ausschaltet. Die Frage, ob er das kann, kommt gar nicht in den Sinn, und das auch nicht in den für ihn schwierigsten Szenen wie etwa dem Angriff vom Rücksitz des Autos aus.

Das minimiert die Wirkung des Films, den man als Übung in Stil über Substanz ansehen kann. Er sieht toll aus, er hatte schöne Set-Pieces und er hat knallharte Action. Aber die Spannung, die einem Kampf innewohnen sollte, fehlt im Grunde vollständig.

Langweilig ist der Film trotzdem nicht. Weil Denzel Washington als cooler Killer mit extremem Gerechtigkeitssinn ausgesprochen mitreißend spielt und die Action toll gemacht ist – vor allem gilt dies für das Finale in einer evakuierten Stadt, in der ein Sturm tost. Das bietet dann auch Bilder, die durchaus neu und originell sind. Beeindruckend ist zudem, mit welcher Härte man die Hauptfigur zeichnet, wie sich zeigt, als er einige der Schurken aus dem Weg räumt.

Die Geschichte ist für die Hauptfigur zudem persönlicher. Das macht es interessanter, auch wenn man gerade zum Ende hin erwartet hätte, dass McCalls Gegner ihm etwas mehr entgegenzusetzen hätten. Der Anfang erscheint indes ein wenig wirr, weil versucht wird, zu viele Handlungsebenen parallel zu jonglieren. Das sogar so sehr, dass man letztlich gar keine Erklärung mehr dafür bietet, wieso der alles in Bewegung setzende Mord eigentlich geschehen ist. Dafür eifert man in den Szenen, in denen McCall Menschen hilft, der Fernsehserie nach, da man hier eben in Kurzform zeigt, wie er auf die unterschiedlichsten Fälle reagiert. Alles in allem könnte THE EQUALIZER 2 sicherlich besser sein, in Sachen Action überzeugt der Streifen aber auf jeden Fall.

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