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BFG - Big Friendly Giant

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kritiken.de Redaktion 21.07.2016
BFG - Big Friendly Giant© Constantin Film Verleih GmbH
A ca. 1276 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

BFG - Big Friendly Giant als stille Allegorie über Fremdheit, Empathie und die Politik der Träume

Einleitung

BFG - Big Friendly Giant erscheint als ein Film, der weniger auf spektakuläre Action als auf behutsame Annäherung setzt. Steven Spielbergs Adaption des Roald-Dahl-Klassikers verweist auf eine wiederkehrende Beschäftigung des Regisseurs mit kindlicher Wahrnehmung und dem Dialog zwischen Mensch und Fremdem. In einer Zeit, in der populäre Unterhaltung oft zwischen Blockbuster-Formeln und nostalgischen Remakes oszilliert, versucht dieser Film, den intimen Kern einer Kindergeschichte filmisch zu bewahren, ohne sie vollständig dem Kitsch zu opfern.

Die Relevanz des Films liegt nicht nur in seiner literarischen Herkunft, sondern in der Art, wie er gegenwärtige Sehgewohnheiten herausfordert: Durch die Kombination aus Motion-Capture-Technik und traditioneller Schauspielkunst entsteht eine Bildwelt, die zugleich technisch ambitiös und emotional zurückgenommen ist. Statt auf lautes Pathos setzt der Film auf leise Momente der Verwandlung, in denen Nähe geschaffen wird zwischen zwei Figuren, die aus unterschiedlichen Welten stammen.

Spielberg flicht hier Aspekte seines langen filmischen Interesses an Kindheit, Verlust und Sinnsuche zusammen. Vom verlorenen Jungen in E.T. bis zu den träumerischen Fluchten in Hook wird in seinem Werk immer wieder die Frage sichtbar, wie Erwachsene die Welt der Kinder spiegeln oder verstellen. BFG positioniert sich in diesem Kontinuum als Versuch, die moralischen und ästhetischen Spannungen eines literarischen Fundaments in das visuelle Vokabular des 21. Jahrhunderts zu übersetzen.

Kurzüberblick zur Produktion

Hinter dem Projekt steht eine Kooperation zwischen Amblin und einem großen Hollywood-Studio, die dem Stoff die finanziellen und technischen Mittel bereitstellte, die seine Ambitionen verlangen. Die Produktion zeichnete sich durch den intensiven Einsatz von Performance-Capture-Technik und aufwändigen digitalen Sets aus, zugleich wurde auf traditionelle Inszenierungsmittel nicht verzichtet. Das Budget bewegte sich im Bereich eines mittelgroßen Familienfilms, was die Balance zwischen handwerklicher Sorgfalt und kommerzieller Erwartung verdeutlicht.

Die Adaption orientiert sich an Roald Dahls Erzählton, muss aber zugleich eine Entscheidung über die Gewichtung seiner dunkleren und liebenswürdig-unsäglichen Elemente treffen. Als integraler Bestandteil von Spielbergs Werk ist BFG weniger ein Bruch als eine Fortsetzung seiner Neigung, phantastische Figuren zu humanisieren und sie in vertraute emotionale Strukturen einzubetten. Die filmische Handschrift zeichnet sich durch eine sorgfältige Lichtführung, präzise Kompositionen und einen Rhythmus aus, der Ruhe über Effekthascherei stellt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Mark Rylance, ein Schauspieler mit starkem Theaterhintergrund und einer Karriere, die sowohl im klassischen Repertoire als auch im Kino Anerkennung gefunden hat, verkörpert die titelgebende Figur. Seine Arbeit lebt von Zurückhaltung und einer feinen Gestik, die sich besonders für die Übersetzung in Performance-Capture anbietet: Hier geht es nicht um monumentale Gesten, sondern um die Nuancen, die das Ungeheure verständlich machen. Ruby Barnhill, als junges Filmgesicht, nimmt die Rolle der kindlichen Protagonistin ein und fungiert als emotionaler Anker des Films. Ihre Präsenz gibt dem Erzählraum einen menschlichen Maßstab.

Rebecca Hall, Penelope Wilton, Bill Hader und Jemaine Clement ergänzen das Ensemble und liefern Stimmen und Präsenz, die zwischen Autorität, Fürsorge und komödiantischer Distanz changieren. Während Hall und Wilton vertraute Register aus dem britischen Schauspielrepertoire einbringen, sorgen Hader und Clement mit einem komischen Timbre für kontrastierende Klangfarben. Die Besetzung verbindet britische Theatralität mit Hollywoods Stimmenvielfalt und schafft dadurch eine tonale Vielstimmigkeit, die dem Film seine Balance zwischen Ernst und Leichtigkeit verleiht.

Handlung (spoilerfrei!)

Im Kern erzählt der Film von einer unwahrscheinlichen Freundschaft: Ein einsames Kind trifft auf ein fremdes Wesen, das nicht in die Welt der Menschen gehört. Aus dieser Begegnung entwickelt sich ein zartes Bündnis, das Fragen von Vertrauen, Schutz und Verständigung in den Vordergrund rückt. Der dramatische Konflikt entsteht weniger aus einer simplen Gut-gegen-Böse-Dichotomie als aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten und der Notwendigkeit, Räume füreinander zu schaffen.

Die zentralen Figuren sind die junge Protagonistin, deren kindliche Perspektive den Zuschauer leitet, und der Riese, dessen Andersartigkeit sowohl Gefahr als auch Fürsorge bedeutet. Atmosphärisch balanciert der Film zwischen märchenhafter Wärme und gelegentlicher Bedrohung; Ton und Bild suchen immer wieder die Nähe zur Kindlichkeit, ohne die Problematik des Fremdseins zu trivialisieren. Die Erzählweise bleibt dabei eher episodisch und eindrücklich als sensationell und überfrachtet.

Zentrale Themen und Motive

BFG thematisiert Fragen nach Fremdheit, Empathie und der Sprache des Andersseins. Die Figur des Riesen steht symbolisch für das, was Gesellschaften oft ausgrenzen: Unvermitteltes, Unverstandenheit, eine andere Art von Moral. Der Film fragt, wie Verständigung möglich ist, wenn die Formen des Ausdrucks unterschiedlich sind, und wie Schutz und Zivilität organisiert werden können, ohne die Differenz zu nivellieren.

Ein zentrales Motiv ist die Macht der Vorstellungskraft und des Erzählens. Träume, Geschichten und geteilte Bilder fungieren als Brücken zwischen den Welten, die filmische Darstellung betont die Subjektivität von Wahrnehmung: Licht, Ton und kompositorische Nähe strukturieren, wer glaubwürdig erscheint und wem Vertrauen geschenkt wird. Darüber hinaus zeigt sich eine politische Dimension: In einer Zeit gesellschaftlicher Fragmentierung legt der Film nahe, dass Anerkennung des Fremden und behutsame Neugier zivilisatorische Tugenden sind.

Formal interessiert sich der Film für die Spannungsverhältnisse von Größe und Intimität. Die filmische Arbeit an Maßstab und Raum - wie eine überdimensionale Figur in einem menschlichen Milieu sitzt, wie Räume geteilt werden - ist weniger Effekthascherei als ästhetische Reflexion über Verhältnisbestimmungen. In dieser Hinsicht ist BFG ein Versuch, ein literarisches Bild in filmische Sensationen zu übersetzen, ohne dessen moralische und emotionalen Konturen zu verwässern.

Filmkritik von Peter Osteried

Der BFG ist kein E.T.

Es ist nicht das erste Mal, dass Roald Dahls Geschichte verfilmt wurde – aber niemals zuvor mit solchem Aufwand, wie ihn Steven Spielberg betrieben hat. Für den Regisseur ist dieser Film zugleich so etwas wie eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Er entfesselt einmal mehr das Kind in sich selbst, um eine kindgerechte Geschichte zu erzählen, die vor Phantasie sprüht, aber letzten Endes doch kein neuer E.T. – Der Außerirdische ist.

Das Waisenmädchen Sophie lernt den Big Friendly Giant, kurz: BFG, kennen, der sie mehr oder minder versehentlich mitnimmt und zu sich nach Hause bringt. Wie sich herausstellt, ist der Riese eine durchaus ungewöhnliche Erscheinung. Denn unter seinesgleichen ist er ein Außenseiter. Und das nicht nur, weil er kleiner ist, sondern weil er sich auch weigert, Kinder zu fressen.

Bei dieser Kombination erwartet man eigentlich Großes. Auf der einen Seite der besonders in den USA sehr beliebte Roman von Roald Dahl, auf der anderen Steven Spielberg und Drehbuch-Autorin Melissa Matheson, die zusammen schon E.T. so liebenswert gemacht haben. Aber bei BFG: Big Friendly Giant will der Funke nicht so ganz überspringen. Das Problem ist dabei nur schwer auf den Punkt zu bringen, denn technisch gesehen kann man diesem Werk nichts vorwerfen. Aber es fehlt das wichtigste Element, das gerade Spielbergs Filme so auszeichnet: Emotion. Man betrachtet das Geschehen und ist milde unterhalten, aber eine emotionale Verbindung mit den beiden Hauptfiguren entsteht nicht. Dafür wirkt das alles zu unwirklich. Mehr noch: Dafür geht es einfach um zu wenig. Um nicht zu sagen: um nichts.

Technisch ist BFG: Big Friendly Giant brillant. Das Motion-Capture und die CGI sind makellos. Ein paar Bilder sind sogar großartig. Wenn der BFG durch die Straßen schleicht und sich tarnt oder wenn der Sprung durch das Wasser den Weg in eine andere Welt weist. Aber solche Momente, die ein Gefühl von Magie heraufbeschwören, sind einfach zu selten. Dabei schlagen sich die Beteiligten durchaus gut. Auch die junge Ruby Barnhill als Sophie ist bestens gecastet. Sie schafft es, dass ihre Figur inmitten all der Giganten nicht verschwindet.

Die Kameraarbeit ist schön, die Musik von John Williams einschmeichelnd, und die Geschichte eigentlich süß. Aber letzten Endes muss man konstatieren, dass Spielberg hier allenfalls einen durchschnittlichen Film abgeliefert hat. Das mag im Vergleich zu den Werken anderer immer noch viel sein, hier ist es aber im Grunde zu wenig. Weil man weiß, wozu der Regisseur normalerweise fähig ist. Aber vielleicht ist es auch so, dass die Zeit, in der Spielberg Popcorn-Kino für Kids gemacht hat, einfach vorbei ist.

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