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Suicide Squad

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kritiken.de Redaktion 18.08.2016
Suicide Squad© Warner Bros. GmbH
A ca. 1519 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Suicide Squad - Spektakel der Verfallsästhetik und die Ambivalenz moderner Gewaltrepräsentation im konsumgesellschaftlichen Zeitalter

Einleitung

Als 2016 Suicide Squad in die Kinos kam, traf er auf ein Publikum, das längst daran gewöhnt war, Superheldenfilme als kulturelle Großereignisse zu lesen. Das Projekt versammelte nicht nur Figuren, die zuvor in Comics als Außenseiter und Querulanten fungierten, sondern stellte sie ins Zentrum eines Studiospektakels, das zugleich Entertainment und Imagepflege verkörperte. Die Relevanz des Films liegt weniger in einer originären philosophischen Botschaft als im Versuch, die dunklen Ränder des Comic-Universums in die Grammatik des modernen Blockbusters zu überführen.

Innerhalb des sich formierenden DC Extended Universe fungiert Suicide Squad als Versuch, das Franchise zu erweitern, ohne die Figuren in klassisch heroische Bahnen zu zwingen. Die Entscheidung, eine Truppe von Antihelden und Schurken zum Protagonistenensemble zu machen, spiegelt das Interesse des Kinos der 2010er Jahre an Ambivalenz und moralischer Grauzone wider - ein Trend, der Superheldengenres von innen zu wenden suchte.

Der kulturelle Hintergrund des Films - veröffentlich im Jahr politischer Polarisierung und fortwährender medialer Aufladung - macht ihn zu einem Spiegel seiner Zeit. In einer Ära, in der medial geprägte Ikonografie, Personalisierung und Markenbildung öffentliche Debatten dominieren, inszeniert Suicide Squad Gewalt und Moral als spektralen Konsumartikel. Der Film ist damit nicht nur ein Popkulturevent, sondern eine Fallstudie dafür, wie Unterhaltung Industrie, Politik und publizistische Aufmerksamkeit miteinander verknüpft.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie bei Suicide Squad führte David Ayer, zuvor bekannt für seine urbanen Milieustudien und rauen Polizeidramen wie End of Watch, Fury und Street Kings. Ayer bringt aus seinem Oeuvre eine Neigung zur Darstellung institutioneller Härte und zur Verdichtung von Männlichkeitsbildern mit - Züge, die er hier mit der opulenten Bildsprache des Superheldenkinos zu koppeln versucht. Seine Handschrift zeigt sich in der Betonung von Kameraradikalität und einem Hang zu aggressiven Tonalitäten, auch wenn das Studioformat die endgültige Form des Films mitbestimmt.

Produziert wurde Suicide Squad von Warner Bros. in Kooperation mit DC Entertainment; das Budget belief sich auf hohe zweistellige bis niedrige hundert Millionenbeträge - Schätzungen sprechen von rund 175 Millionen US-Dollar. Die Produktion war von intensiver Studioeinmischung und Anpassungen in der Postproduktion begleitet, was zu Diskussionen über unterschiedliche Schnittfassungen und die Differenz zwischen Regieintention und Kinofassung führte. Stilistisch markiert der Film eine Gratwanderung zwischen persönlicher Handschrift und franchiseorientierter Kalkulation.

Im Gesamtwerk von Ayer steht Suicide Squad für die größere Herausforderung, ein von Popkultur und Fanerwartungen umkreistes Projekt zu realisieren. Es ist zugleich ein Schritt des Regisseurs ins visuelle Spektakel, ohne die vertrauten Themen von Loyalität, Gewalt und Kontrolle gänzlich aufzugeben.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Das Ensemble ist bewusst heterogen besetzt und balanciert Starpower mit Charakterdarstellern. Will Smith, bereits ein globaler Name durch Filme wie Men in Black und I Am Legend, bringt sein etabliertes Action-Starpaket in die Rolle des Deadshot - eine Figur, deren Professionalität und innere Zerrissenheit im Mittelpunkt steht. Margot Robbie, nach The Wolf of Wall Street auf dem Weg zu einer international sichtbaren Schauspielerin, definiert mit Harley Quinn eine Figur, die zwischen chaotischer Ekstase und verletzlicher Personae oszilliert und damit zum ikonischen Zentrum des Films avanciert.

Jared Leto, als Joker besetzt, liefert die populistisch aufgeladene Variante eines bekannten Comic-Altersgenossen und polarisiert durch performative Exzentrik und mediale Inszenierung. Viola Davis verkörpert Amanda Waller, eine bürokratisch-kalte Machtfigur, die das Konstrukt der Task Force X organisiert; ihr Background als präzise arbeitende Charakterdarstellerin liefert der Rolle die notwendige Autorität. Joel Kinnaman als Rick Flag repräsentiert die militärisch-disziplinierte Gegenkraft innerhalb der Gruppe, während Cara Delevingne als Enchantress den okkulten Gegenspieler repräsentiert. Ergänzt wird das Feld durch Namen wie Jai Courtney, Adewale Akinnuoye-Agbaje und Scott Eastwood, deren Erfahrungswerte aus Action- und Genrefilmen die Gruppendynamik ergänzen.

Handlung (spoilerfrei!)

Die erzählerische Prämisse ist knapp: Die Regierung formt eine Sondereinheit aus verurteilten Superschurken und Auftragsmördern - die sogenannte Task Force X - und setzt sie unter Zwang für geheime Operationen ein, wobei das Versprechen auf Straferlass die Motivation bildet. Im Zentrum stehen die konfliktreichen Beziehungen zwischen den Figuren, die sich unter extreme Bedingungen behaupten müssen. Der dramatische Konflikt entsteht aus dem Spannungsfeld zwischen persönlicher Motivation, Loyalität zu Mitstreitern und äußeren Machtinteressen.

Ton und Atmosphäre des Films sind durch eine hyperstylisierte Bildsprache geprägt: knallige Farben, schnelle Schnitte und ein soundsetzender Pop- und Rock-Soundtrack bestimmen die Wahrnehmung. Die Erzählung pendelt zwischen Momenten der bitteren Komik, aggressiven Actionszenen und Passagen, die das Innenleben der Figuren nur angedeutet offenbaren. Das Verhältnis von Gruppendynamik zu individuellen Schicksalen bildet den narrativen Kern.

Zentrale Themen und Motive

Suicide Squad stellt mehrere grundlegende Fragen, ohne sie pathetisch zu formulieren: Was bedeutet Freiheit für jene, deren soziale Position sie in die Rolle der Ausgestoßenen gedrängt hat? Wie instrumentalisieren Staaten Gewalt und moralische Verantwortung, wenn die Mittel zu schmutzig erscheinen, um sie offen zu vertreten? Als zentrales Motiv fungiert die Idee von Verwaltbarkeit - Menschen werden hier als Ressourcen in einer staatlichen Sicherheitslogik betrachtet.

Philosophisch öffnet der Film Themenfelder wie Schuld, Strafe und mögliche Erlösungsschichten, wobei Erlösung stets unter dem Vorbehalt der instrumentellen Verwendbarkeit steht. Psychologisch rückt die Performativität von Identität in den Vordergrund: Figuren inszenieren sich, maskieren Verletzungen und nutzen Rollen als Schutzmechanismus. Visuell wird dies durch Kollisionen aus Popästhetik und Verfallsästhetik ausgedrückt - Kostüme und Make-up als Ausdruck innerer Fragmentierung.

Gesellschaftlich kommentiert der Film die Faszination des Publikums für ikonische Gewaltfiguren und die Rolle der Medien bei der Konstruktion von Berühmtheit - selbst wenn diese Berühmtheit destruktiv ist. Auf einer Metaebene lässt sich außerdem eine Spannung zwischen auteurspezifischer Darstellung und franchiseorientierter Vermarktung lesen - eine Spannung, die die ästhetische Identität des Films prägt.

Filmkritik von Peter Osteried

Probleme mit der Suicide Squad

Die Vorfreude wuchs fast ins Unermessliche. Die Trailer waren cool, das Konzept ist knackig, die Besetzung top. Wer Suicide Squad hört, der erwartet einen Superheldenfilm, der eben mal nicht nur ein Superheldenfilm ist, da die Protagonisten alle eiskalte Killer sind. Schade nur, dass der Film nicht dem entspricht, was man erwartet hat.

Amanda Waller will ein spezielles Team zusammenstellen, das im Dienste der USA die besonders dreckigen Fälle lösen soll. Oder anders gesagt: Wenn ein Metawesen richtig Stunk macht, dann soll die Suicide Squad für Ruhe sorgen. Dafür werden die Schurken Deadshot, Harley Quinn, Killer Croc, Slipknot, Diablo und Captain Boomerang rekrutiert, die man alle damit auf Linie bringt, dass man ihnen eine Bombe implantiert, die hochgeht, wenn Befehle missachtet werden. Die erste Bewährungsprobe steht schon bald an, als nichts weniger als das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht.

Man merkt Suicide Squad die chaotische Produktionsweise und die Kämpfe hinter den Kulissen an. Die hat Regisseur David Ayer weitestgehend verloren. Dies ist der Film, den das Studio wollte. Ein paar Knochen hat man Ayer jedoch zugeworfen, der komplette Anfang entspricht aber nicht dem Wunsch des Regisseurs. Zwar durften seine Szenen, mit denen er die Mitglieder der Suicide Squad einführt, im fertigen Film bleiben, aber: Schon in den ersten 15 Minuten davor werden die einzelnen Mitglieder in Vignettenform vorgestellt, was zu einer erzählerischen Zerfaserung im ersten Akt führt.

Zudem ist das nun doppelt vorhanden und sorgt schon gleich am Anfang zu einer Art von Stillstand, die kurioserweise dadurch kontrastiert wird, dass unglaublich schnell und chaotisch geschnitten ist. Suicide Squad ist darum auch ein anstrengender Film.

DC hat hier mit demselben Problem zu kämpfen, das auch die Marvel-Filme plagt: Die Schurken sind schwach. Hier ist es die von Cara Delevingne gespielte Enchantress, eine Hexe aus einer anderen Dimension, die alte Zustände wiederherstellen und dabei die Menschheit auslöschen will. Das Finale fühlt sich dabei fast so an, als sei man versehentlich in einen Ghostbusters-Film gestolpert.

Einiges funktioniert jedoch. Will Smith ist als Deadshot das Zentrum der Geschichte. Margot Robbie als Harley Quinn ist herrlich überzogen. Jay Courtney strahlt als Captain Boomerang mit fettem Aussie-Slang Coolness aus – allerdings nur in ein paar Szenen, denn mehr als ein Stichwortgeber ist seine Figur nicht. Weiterhin ist der Feuerteufel Diablo interessant, weil er auch eine persönliche Geschichte hat. Das geht den anderen Figuren weitestgehend ab. Joel Kinnaman ist als Anführer Rick Flag farblos, Viola Davis als Amanda Waller schlichtweg unsympathisch und Jared Leto als Joker einfach verschwendet. Er hat kaum etwas zu tun. In den wenigen Minuten, in denen er dabei ist, ist er wiederum völlig überzogen, ein ständig lachender Irrer, dem jedwede Subtilität, aber auch echte Bedrohlichkeit abgeht. Dies ist kein Vergleich zu Heath Ledger, der der Figur in The Dark Knight reichhaltige Facetten abgewinnen konnte. Für Fans gibt es wenigstens einen kurzen Moment mit Joker und Harley, der an das in Comic-Kreisen berühmte Gemälde von Alex Ross angelehnt ist. Auch andere kleine Gags für Fans finden sich zuhauf.

Aber es gibt leider auch einiges, das nicht richtig hinhaut. Problematisch ist das Team an sich, das innerhalb etwa eines Tages nicht nur freundschaftliche Bande zueinander knüpft, sondern sich sogar in Gesamtheit freiwillig auf ein Himmelfahrtskommando begibt. Das ist bei einigen Figuren wie Deadshot glaubhaft, bei anderen wirkt es jedoch an den Haaren herbeigezogen.

Die Auftritte von Batman und Flash sind kurz, aber hübsch anzusehen. Die Haupthandlung bleibt indes mager, erscheint erst als eine Art The Raid mit Superkräften, später dann als Ghostbusters-Verschnitt. Das ist nicht das, was die Trailer einst versprochen haben. Genau das ist die größte Sünde dieses Streifens: Dass er dem Unterhaltungswert zum Trotz nicht wirklich abliefern kann.

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