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Störche - Abenteuer im Anflug

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kritiken.de Redaktion 27.10.2016
Störche - Abenteuer im Anflug© Warner Bros. GmbH
A ca. 1470 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

Störche - Abenteuer im Anflug: Animationskomödie, die Konsumwelt, Bürokratie und kindliche Sehnsucht verknüpft

Einleitung

Mit dem Kinostart von Störche - Abenteuer im Anflug am 27.10.2016 trat ein auf den ersten Blick harmloses Animationsprodukt in einen kulturellen Diskurs, der weit über Familienunterhaltung hinausreicht. Die Komödie nutzt das Format des Animationsfilms, um zeitgenössische Widersprüche sichtbar zu machen - zwischen digitalisiertem Konsumismus und der nostalgischen Sehnsucht nach verbindlichen sozialen Formen wie Familie und Fürsorge. Gerade deshalb ist der Film relevant: Er funktioniert nicht nur als Kindervorstellung, sondern als Reflexionsfläche für Vorstellungen von Arbeit, Effizienz und Emotionalität im 21. Jahrhundert.

Die Regiearbeit ist Ergebnis einer ungewöhnlichen Liaison zweier Handschriften - einerseits die des erfahrenen Comedy-Autors und Regisseurs, andererseits die eines Animationsveteranen - was dem Film seine doppelte Tonalität verleiht. Diese Mischform erklärt, warum Störche zugleich auf schnelle Gags und auf sorgfältig arrangierte visuelle Set-Pieces setzt. In dieser Dialektik liegt eine seiner produktiven Spannungen: Der Film bewegt sich zwischen handwerklicher Präzision der Animation und einem komödiantischen Impuls, der aus dem Live-Action-Kosmos stammt.

Gesellschaftlich lässt sich Störche - Abenteuer im Anflug als Spiegel aktueller Debatten lesen. In einer Phase, in der Logistik und Lieferketten zum Sinnbild unserer globalen Ökonomie geworden sind, verwandelt die Erzählung eine uralte Mythenfigur in ein Symbol moderner Dienstleistungskultur. Die Komödie hinterfragt damit auf spielerische Weise, wie ökonomische Rationalität und sentimentale Bedürfnisse sich heute zueinander verhalten - und welche Formen von Zugehörigkeit und Verantwortung dabei verloren oder neu erfunden werden.

Kurzüberblick zur Produktion

Störche - Abenteuer im Anflug entstand unter dem Dach der Warner Animation Group und wurde von Warner Bros. vertrieben. Die Produktion markiert einen Versuch des Studios, familienkompatible Unterhaltung mit einem moderneren, satirischen Blick auf Arbeitswelt und Konsum zu verbinden. Mit einem geschätzten Budget von rund 70 Millionen Dollar bewegt sich der Film im Mittelfeld zeitgenössischer Computeranimationsproduktionen - genug Raum, um eine aufwendige 3D-Ästhetik und dichte Nebenfiguren zu realisieren, ohne die Ressourcen eines großen Franchise-Projekts.

Regisseure waren Nicholas Stoller und Doug Sweetland - eine Zusammenarbeit, die die Ambitionen des Films erklärt. Stoller bringt seine Erfahrung aus der Comedy- und Sitcom-Welt ein; er ist bekannt für Arbeiten, die temperamentvolle Figurenkonstellationen und dialogische Schlagfertigkeit in den Vordergrund stellen. Sweetland, geprägt durch seine Arbeit bei Pixar und durch Kurzfilme, steuert die animative Expertise und ein feines Gespür für Timing und Bildkomposition bei. Das Ergebnis ist ein Film, der handwerklich solide animiert ist und dessen komödiantische DNA sowohl aus dem Schraubstock von Situationskomik wie auch aus präzisen visuellen Setups entsteht.

Im Gesamtwerk der Beteiligten nimmt Störche einen pragmatischen, aber signifikanten Platz ein - als Brückenschlag zwischen erwachsenenorientierter Comedy und familienaffiner Animation. Für das Studio ist er ein Beispiel für den Versuch, neue Stoffe außerhalb etablierter Marken zu entwickeln und zugleich einen breiten Publikumsgeschmack zu bedienen.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Andy Samberg ist die zentrale Stimme des Films - ein Performer, der seine Karriere als Sketch- und Comedy-Talent bei Saturday Night Live begründete und später mit der Serie Brooklyn Nine-Nine zum festen Bestandteil des populären TV-Humors wurde. In der Animation nutzt Samberg seine markante, leicht entfremdete Stimme, um eine Figur zu formen, die zugleich überangepasst und innerlich rebellisch ist - ein Archetypus moderner Servicearbeit, der versucht, zwischen Loyalität zum System und individuellem Gewissen zu navigieren.

Kelsey Grammer bringt eine ganz andere vokale Autorität ein. Bekannt aus langen Rollen wie in Cheers und Frasier, hat Grammer eine Stimme, die mit Nuancen von Elite, Führungsanspruch und gelegentlicher Lächerlichkeit geladen ist. Seine Besetzung signalisiert auf filmischer Ebene die Wandlung von Führungsfiguren in Corporate-Charaktere - charismatisch, bürokratisch und mit einer Spur pathischer Überheblichkeit. Beide Stimmen arbeiten komplementär: Samberg als emotionaler Kern, Grammer als personifizierte Struktur des Systems.

Neben diesen prominenten Stimmen gibt es ein Ensemble aus Sprechern, die die Welt bevölkern - Zustelltrupps, Bürohengste und Kinderfiguren -, deren gemeinsame Aufgabe darin besteht, dem Film rhythmisch-szenischen Schwung zu verleihen und die satirische Schärfe gegenüber Verwaltung und Kommerz weiter zu schärfen.

Handlung (spoilerfrei!)

Die erzählerische Prämisse ist einfach und doch narrativ fruchtbar: Die titelgebenden Störche haben ihre traditionelle Rolle als Boten neuer Leben hinter sich gelassen und arbeiten nun in einer rationalisierten Lieferwirtschaft, die Paketlogistik und Effizienz über alles stellt. Ein unerwartetes Ereignis - ein Baby, das mitten in diesen Apparat gerät - setzt einen Motor in Gang, der alte Regeln aufbricht und Figuren dazu zwingt, neue Entscheidungen zu treffen.

Im Zentrum stehen eine loyale, aber ambitionierte Figur aus dem Zustelldienst und ein menschliches Kind, dessen Anwesenheit die alte Aufgabe der Störche wiederbelebt. Der dramatische Konflikt entspinnt sich aus dem Widerstreit zwischen betrieblicher Ordnung und persönlicher Verantwortung. Handlung und Ton oszillieren zwischen temporeicher Roadmovie-Logik, slapstickhaften Eskapaden und Momenten sentimentaler Anverwandlung.

Die Atmosphäre des Films ist insgesamt hell und kinetisch - visuelle Gags, schnelle Schnitte und eine komödiantisch getriebene Inszenierung dominieren. Zugleich schafft die Bildsprache wiederkehrende Motive von Heim und Zugehörigkeit, die den sentimentalen Unterton tragen, ohne in rührselige Simplifizierung zu verfallen.

Zentrale Themen und Motive

Störche - Abenteuer im Anflug verhandelt mehrere überlappende Themenfelder. An erster Stelle steht die Frage nach der Ökonomisierung zwischenmenschlicher Beziehungen - wie verändert die Logik von Effizienz und Dienstleistung intimste soziale Bindungen? Der Film stellt die Lieferung von Waren der Lieferung von Kindern gegenüber und liest so elterliche Fürsorge als eine Praxis, die leicht zur Ware werden kann.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Innovation - die Störche selbst symbolisieren eine verlorene Gabe, die in einer digitalisierten Welt keinen Platz mehr hat. Aus dieser Spannung entstehen Fragen nach Identität und Aufgabe: Was definiert einen Beruf jenseits seiner funktionalen Rolle? Welche Verantwortung tragen Institutionen, wenn individuelle Bedürfnisse nicht mehr in ihre Kalkulation passen?

Schließlich arbeitet der Film mit Motiven der Found-Family und der Rehabilitation von Empathie - nicht als didaktische Moral, sondern als narrativer Motor, der Figuren zu Entscheidungen bewegt, die ökonomische Logik unterwandern. In dieser Kombination aus Satire und Sentimentalität eröffnet der Film einen reflexiven Raum - er lädt dazu ein, über die Bedingungen unserer Fürsorgegesellschaft nachzudenken, ohne die Heiterkeit einer Kinderkomödie zu opfern.

Filmkritik von Peter Osteried

So kommen die Babys auf die Welt: „Störche – Abenteuer im Anflug“

Es ist eine phantasievolle Welt, die Nicholas Stoller, der vor ein paar Jahren den Muppets ein Comeback beschert hat, hier erschaffen hat. Mit Störche – Abenteuer im Anflug hat er einen sehr witzigen Film erschaffen, der in einer Art Fabelwelt stattfindet. Denn hier ist es ganz normal, dass Babys in einer Fabrik produziert und von Störchen geliefert werden. Es ist aber ebenso normal, dass Kinder auch weiterhin entstehen, als die Störche ihren Job an den Nagel hängen. Eine scheinbare Diskrepanz, die aber in einer irren Filmwelt wie dieser passend erscheint.

Seit 18 Jahren liefern die Störche keine Babys mehr aus. Sie haben sozusagen umgeschult: Jetzt werden Pakete geliefert. Die Firma leiten soll ab Montag der Storch Junior, aber nur dann, wenn er über das Wochenende ein Problem beseitigt. Allerdings gelingt das Junior nicht. Im Gegenteil: Er verschlimmert es noch, so dass er schon bald ein Baby am Hals hat, das er zusammen mit der jungen Frau Tulip an dessen Familie liefern muss. Ohne dass sein Boss davon Wind bekommt.

Stoller hat einen verqueren Sinn für Humor. Er hat Ideen, die aus dem Rahmen fallen. Sei es das Wolfsrudel, das in den wildesten Formationen hinter seinen Opfern herjagt, oder aber ein Kampf von Storch und Mensch gegen eine Gruppe von Pinguinen, bei dem alle darauf bedacht sind, nur ja keinen Lärm zu machen. Aber selbst Kleinigkeiten sind es, die bei Störche – Abenteuer im Anflug so wundervoll funktionieren. Etwa die „Spielsachen“, mit denen Juniors Chef Hunter hantiert. Die sind nämlich eigentlich kleine Vögel, die bei dem Kapitalismus-Storch nicht viel zu lachen haben.

Der Film hat immenses Herz. Er ist süß. Nicht nur, weil Babys süß sind, sondern weil sie niemals süßer sind als in einem Animationsfilm. Wenn sie mit ihren großen Augen die Welt bestaunen, dann staunt man als Zuschauer mit. Darüber hinaus gibt es für die Eltern der kleinen Zuschauer auch eine Botschaft: Verschwendet eure Zeit nicht an euren Job, lasst nicht zu, dass ihr eure Kinder nicht aufwachsen seht, seid da, um mit ihnen etwas zu unternehmen.

Das ist nur ein Nebenaspekt, aber ein schöner, der in diesem turbulenten Kinospaß bestens aufgehoben ist. Gefällig ist auch die Synchronisation, da man hier weitestgehend darauf verzichtet hat, irgendwelche minderbegabten Promis einzuspannen, die noch nie im Leben etwas mit Schauspiel zu tun hatten. Stattdessen kommen gestandene Synchronsprecher wie Sebastian Schulz (Turk in „Scrubs“) und Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin) zum Einsatz, unterstützt von Nora Tschirner, die für quirlige Rollen einfach prädestiniert ist. Nur einer fällt etwas aus dem Rahmen: Rick Kavanian, der hier den kleinen, unsympathischen Taube Nuss spielt. Der Sprachduktus, der hier für die Figur gewählt wurde, ist – gelinde gesagt – nervend. Aber gut, die Rolle ist klein, so dass es nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

Unterm Strich ist Störche – Abenteuer im Anflug ein flottes, herziges, immens lustiges Animationswunder für die ganze Familie.

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