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Allein gegen die Zeit - Der Film

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kritiken.de Redaktion 27.10.2016
Allein gegen die Zeit - Der Film© X-Verleih
A ca. 1356 Worte Lesezeit ca. 5 Minuten  📋 Inhalt

Allein gegen die Zeit - Der Film: Suspense und gesellschaftliche Beschleunigung in deutscher Kinonarration

Einleitung

Allein gegen die Zeit - Der Film tritt an einem Punkt an, an dem das deutsche Kino seine Formbestände neu zu ordnen versucht: zwischen Jugendthriller, Ensembledrama und einem Reflex auf die digitale Beschleunigung des Alltags. Der Film beansprucht nicht allein die Spannung eines konventionellen Zeitfilms, er will zugleich ein Stimmungsbild unserer Gegenwart liefern, in der Entscheidungen unter dem Zwang der Uhr fallen und Kontrolle sich zunehmend als Illusion erweist.

Seine Relevanz liegt weniger in einem einzigen narrativen Coup als in der Art, wie er bekannte Motive - die Enge von Gewissensentscheidungen, die Dynamik einer Gruppe unter Druck, die Mechaniken von Überwachung und Information - in einen kompakten Kinokörper übersetzt. Damit spricht der Film ein Publikum an, das sowohl Unterhaltung sucht als auch Reflexion über die Bedingungen des Handelns in modernen Gesellschaften.

Stilistisch lässt sich der Film in die Tradition deutschsprachiger Gegenwartsfilme einordnen, die eher auf lakonische Präzision als auf opulente Effekthascherei setzen. Die Regie interessiert sich für die Mechanik von Spannung: das Spiel mit Zeitabläufen, die choreografierte Bewegung von Figuren im Raum und die Kadenzen der Montage. In dieser Hinsicht operiert der Film weniger als reiner Popcornthriller denn als präzise gearbeiteter Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs über Verantwortung, Medienräume und die Vulnerabilität sozialer Bindungen.

Kurzüberblick zur Produktion

Die Produktion von Allein gegen die Zeit - Der Film plaziert sich in einem Umfeld, das für deutsche Produktionen des mittleren Genres typisch ist: handwerklich solides Kino, das Versuchsanordnungen wagt, ohne dabei auf großes Budgets angewiesen zu sein. Die Bildführung bevorzugt unmittelbare, oft intime Einstellungen, während die Kamera das Tempo der Figuren spiegelt - ein Indiz für eine Regie, die auf präzise Rhythmen und klares dramaturgisches Timing setzt.

Besondere Produktionsumstände lassen sich im Fehlen spektakulärer Visual-Effects ablesen; die Spannung entsteht primär aus szenischer Ökonomie und Ensemblearbeit. In der Herstellung nähert sich der Film dem Fernsehen insofern an, als er auf stringente Figurenkonstellationen und eine ökonomische Erzählweise setzt. Gleichzeitig beansprucht er die Kinobühne durch eine verdichtete Narration und eine bewusst komponierte audiovisuelle Textur.

Im Gesamtwerk, sofern man ihn als Teil einer Entwicklung innerhalb des aktuellen deutschen Kinos sieht, markiert der Film eine Fortführung des Interesses an jugendlichen Perspektiven und an narrativestrategischen Experimenten mit Zeitlichkeit. Er ist weniger radikal als Avantgarde, aber auch nicht bloß episodische Genrekost.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung lebt von der Mischung aus jungen Gesichtern und erfahrenen Charakterdarstellern. Robert Maaser übernimmt die zentrale Rolle mit einer zurückgenommenen Präsenz, die Anfälligkeit und moralische Verpflichtung zugleich transportiert. Er agiert weniger als Held als vielmehr als Spiegel jener Zerrissenheit, die die Handlung vorantreibt.

Stipe Erceg bringt eine gebündelte Intensität ein, wie man sie von Darstellern mit starker europäischer Präzenz kennt. Sein Spiel bietet oft den ruhenden Pol innerhalb nervöser Konstellationen, ein Gegengewicht zu impulsiven Entscheidungen. Violetta Schurawlow fällt durch eine nuancierte Sinnlichkeit auf; sie formt eine Figur, die neben Emotionalität auch ironische Distanz bewahrt und damit die dramatischen Spannungen auflädt.

Die übrigen Ensemblemitglieder - darunter Antonio Wannek, Paul Boche, Janina Fautz und Mathis Landwehr - fügen unterschiedliche Tempi und soziale Kodizes hinzu. Erfahrene Darsteller wie Stephan Grossmann und Christian Grashof liefern dichte Charakterstudien, während jüngere Stimmen wie Nilam Farooq und Timmi Trinks dafür sorgen, dass der Film im Puls einer jüngeren, urbanen Erlebniswelt bleibt. Die kollektive Leistung des Ensembles ist darauf angelegt, die Dramaturgie in wechselnden emotionalen Registern zu tragen.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film lässt eine Gruppe von Menschen in eine Situation geraten, in der Zeit zu einem aktiven Gegenspieler wird. Ohne die konkreten Wendungen vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass der dramatische Kern in der Konfrontation zwischen individuellen Entscheidungen und den unvermeidlichen Konsequenzen dieser Entscheidungen liegt. Das Timing der Handlungen wird zum moralischen Prüfstein; das Motiv der Uhr ist mehr als nur eine Metapher, es strukturiert den narrativen Ablauf.

Im Zentrum stehen mehrere Protagonisten, deren Interessen und Loyalitäten ungleich verteilt sind. Die narrative Spannung resultiert aus dem Zusammenspiel von Geheimhaltung, Schuld und dem Versuch, Handlungsspielräume in engen Zeitfenstern zu nutzen. Tonal bewegt sich der Film zwischen lakonischer Spannung und psychologischem Tiefgang; die Atmosphäre ist überwiegend drängend, manchmal klaustrophobisch, aber stets auf die Präzision der Momente bedacht.

Zentrale Themen und Motive

Allein gegen die Zeit - Der Film stellt Fragen nach Verantwortung unter Druck, nach der Verlässlichkeit sozialer Bindungen und nach der Rolle von Information in Krisensituationen. Ein leitendes Motiv ist die Beschleunigung - nicht nur als ästhetisches Prinzip, sondern als politische und moralische Bedingung. Wann ist Handeln legitim, wenn die Zeit knapp ist? Welche Formen von Solidarität funktionieren in Momenten akuter Gefahr? Diese Fragen werden nicht explizit theorisiert, sondern durch Szenen, Einstellungen und Figurenentscheidungen befragt.

Technologie, Überwachung und die Bedeutung von Daten spielen als Hintergrund eine gewichtige Rolle; der Film thematisiert, wie Informationsflüsse Entscheidungen modulieren und wie Unübersichtlichkeit zu Fehlentscheidungen führen kann. Psychologisch interessiert er sich für Schuld und Selbstrechtfertigung, gesellschaftlich für die Deformation von Vertrauen in Situationen der Unsicherheit. Damit verweist der Film auf größere Debatten über Transparenz, Verantwortung und die Bedingungen von Politik in einer beschleunigten Gegenwart.

Formal und inhaltlich verweigert sich der Film einfachen moralischen Urteilen. Er bevorzugt ambivalente Situationen, in denen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht Beweise, sondern Perspektiven sammeln müssen. In dieser Offenheit liegt seine Stärke: nicht in der Erklärung der Welt, sondern im Arrangement von Momenten, die zum Nachdenken über unser Verhältnis zur Zeit und zur Verantwortung zwingen.

Filmkritik von Peter Osteried

Jugendliche allein im Kampf gegen die Zeit

Von 2010 bis 2012 wurde die Serie Allein gegen die Zeit produziert, die als Thriller-Format für Jugendliche entwickelt worden war und den besonderen Clou hatte, im 24-Stil in Echtzeit erzählt zu werden. Die Serie konnte einige Preise einheimsen und kehrt nun mit einem Kinofilm zurück. Das Echtzeitformat wird imitiert, ist dabei aber nicht mehr gänzlich stimmig. Dafür gibt es eine Art Teenie-Version von Jäger des verlorenen Schatzes.

Fünf Schüler stehen im Zentrum einer Verschwörung. Mitsamt ihrer Klasse werden sie an einen geheimen Ort gebracht, wo ein uraltes Ritual abgehalten werden soll, dass das Ende der Welt, wie wir sie kennen, einleiten könnte. Dabei haben sie keine Ahnung, dass einer von ihnen mit den Hintermännern dieser Machenschaften stärker verbunden ist, als man meinen sollte. Doch die fünf Freunde verzagen nicht. Sie nehmen den Kampf gegen die Schurken – und gegen die Zeit – auf.

Es ist eine einfach gestrickte, auf ein junges Publikum ausgerichtete Geschichte, die hier erzählt wird. Wirklich neu ist daran nichts, noch nicht mal die Echtzeit, bei der man gerne ein bisschen dreht und feilt. Das haut halbwegs hin, aber nicht in allen Szenen. Darüber hinaus wird das Ganze mit einer gehörigen Portion Teenie-Herz-Schmerz garniert, wenn ein Mädchen sich in einen anderen verliebt und deswegen ihr Freund auf die Barrikaden geht – natürlich nur im Rahmen einer sanften Erzählung, bei der sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst (abgesehen davon, dass nie geklärt wird, für wen sie sich denn nun entscheidet).

Der phantastische Aspekt der Geschichte ist moderat ausgefallen. Man fühlt sich dabei unwillkürlich an Indiana Jones erinnert, und das nicht nur, weil der Name in den Dialogen fällt, als zwei der Jugendlichen mit einem Minenwagen unterwegs sind. Auch der Nazi-Hintergrund des Schurken und das in einer Höhle stattfindende Finale wecken da einige Reminiszenzen.

Sieht man davon ab, dass die Teenager immer in den unpassendsten Momenten über ihre Gefühle sprechen müssen – und egal, wie drängend es ist, auch immer noch Zeit für einen leidenschaftlichen Kuss bleibt –, dann hat man eine einigermaßen flott erzählte Fantasy-Geschichte, die für das Zielpublikum eine runde Sache darstellt.

Kurios ist indes, wenn die jungen Schauspieler, die die fünf Freunde darstellen, um Welten besser sind als Violetta Schurawlow, die als rechte Hand des Schurken auch schön schurkisch sein darf, aber ihre Texte ohne jedwedes Gefühl herunterbetet. Bei ihr hat man den Anschein, dass sie sich in diesem Setting und bei dieser Geschichte nicht wohl fühlt. Es wirkt einfach falsch, wie sie ihre Dialoge zum Besten gibt. Deutlich besser ist da schon Stipe Erceg, der eine gewisse Coolness in Allein gegen die Zeit einbringt, und es sogar schafft, ein paar der holprigeren Dialoge würdevoll aufzusagen.

Alles in allem ist dies sicherlich kein ganz großer Wurf, Fans der Fernsehserie dürften mit dieser Fortsetzung aber zufrieden sein.

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