Rampage: Spektakel und Anthropozän - Monsterkino als Projektionsfläche moderner Technik- und Gewaltfragen
Einleitung
Rampage tritt in eine lange Tradition des amerikanischen Katastrophen- und Monsterkinos ein, zugleich aber als Produkt einer Ära, in der Big-Budget-Spektakel und populäre Stars die Rahmenbedingungen bestimmen. Der Film ist relevant, weil er nicht nur ein weiterer Eintrag in der Videospieladaption-Landschaft ist, sondern weil er mit der Figur des Einzelnen, der Naturverbundenheit und der instrumentellen Logik von Konzernen spielt - Motive, die in den späten 2010er Jahren anschlussfähig sind an reale Debatten über Biotechnologie, Privatisierung von Forschung und die Medialisierung von Gewalt.
Im Zentrum steht die starbesetzte Figuration eines blockbustertauglichen Helden, dessen emotionale Achse das Publikum durch die Zerstörungsszenarien führen soll. Solche Konstruktionen sind typisch für ein Kino, das auf Identifikation durch Präsenz der Darstellenden setzt und die Zuschauer durch empathische Ankerpunkte durch visuelle Extreme trägt. Rampage fungiert damit als Paradebeispiel dafür, wie Gegenwartskino gegenwartspsychische Befürchtungen in einer für das Mainstreampublikum zugänglichen Form spiegelt.
Die Tonalität des Films ist bewusst populär - lauter, schneller, effektreicher - dennoch eröffnet er Räume, in denen sich Fragen nach Verantwortung und Zugehörigkeit stellen. Als journalistischer Einstieg interessiert hier weniger das Fragezeichen, ob der Film unterhält, sondern wie er seine Bilder und Narrative formt - welche kulturellen Botschaften im Gerangel von Mensch, Tier und Technologie transportiert werden.
Kurzüberblick zur Produktion
Regie führte Brad Peyton, ein Regisseur, der sich in den vergangenen Jahren als verlässlicher Handwerker des kommerziellen Spektakels etabliert hat. Peyton zeichnet sich durch eine Neigung zu großskalierten, physischen Setpieces aus und hat mit ähnlichen, publikumsstarken Produktionen bereits Erfahrung gesammelt. Seine Handschrift liegt weniger in subtiler Regieästhetik als in der Konstruktion von Spannungslinien, die robuste Cleanshots und kinetische Kadenzen miteinander verbinden.
Rampage entstand als Studioproduktion mit entsprechendem Budget für visuelle Effekte und aufwändige Zerstörungssequenzen. Die Adaption eines populären Videospiels stellte die Produktion vor die Herausforderung, Bekanntes zu transformieren und zugleich cinematische Koordinaten zu schaffen, die ein modernes Kinopublikum ansprechen. Die Einbindung umfangreicher visueller Effekte und motion-capture-Arbeit war zentral - das Augenmerk lag darauf, die skalierten Kreaturen als glaubhafte, filmische Präsenz zu verankern.
Innerhalb des Schaffens von Peyton und seines wiederkehrenden Hauptdarstellers lässt sich Rampage als Fortsetzung einer Ästhetik der großen Geste lesen - ein Film, der auf die Formel von personalisierter Emotionalität plus Zerstörung vertraut und damit den Platz des Directors als Kurator von Spannungsdynamiken im Blockbusterkino zementiert.
Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen
Im Zentrum der Dramaturgie steht Dwayne Johnson, dessen star persona aus körperlicher Präsenz, humoristischer Tauglichkeit und unaufgeregter Empathie auch hier als Identifikationsfläche dient. Johnsons Karriere, geprägt von Actionfranchises und familienfreundlichen Abenteuern, macht ihn zur programmatischen Besetzung für einen Protagonisten, der sowohl Schutzinstinkt als auch handfeste Durchsetzungskraft verkörpern muss.
Naomie Harris bringt ihrem Part die nötige wissenschaftliche Seriosität und eine ruhige innerliche Schärfe bei, die in Kontrast zu den lauten Zerstörungsbildern steht. Ihre bisherigen Rollen in Agenten- und Beziehungsdramen geben ihr die Erfahrung, komplexere emotionale Nuancen auch in einem effektorientierten Kontext zu halten. Malin Åkerman übernimmt hier die Rolle der betriebswirtschaftlichen und öffentlichen Interessenvertretung - eine Figur, die das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und ethischer Verantwortung markiert.
Jeffrey Dean Morgan, Joe Manganiello, Jack Quaid und weitere Ensemblemitglieder liefern das unterstützende Gerüst, das die unterschiedlichen sozialen und institutionellen Reaktionen auf die Katastrophe modelliert. Viele der Nebenrollen sind so angelegt, dass sie weniger individuelle Tiefenpsychologien ausloten als exemplarische Positionen innerhalb einer eskalierenden Krise darstellen - Militär, Medien, Forschung und Konzernmacht treffen als narrative Pole aufeinander.
Handlung (spoilerfrei!)
Rampage entfaltet sich als Actionthriller, in dem aus einem wissenschaftlichen Zwischenfall mehrere monströse Bedrohungen hervorgehen, die Städte verwüsten und die Ordnung unterminieren. Im Mittelpunkt des Films steht das Verhältnis eines Menschen zu einem Tier - eine Vertrautheit, die gegen die Mechanismen von Instrumentalisierung und Überwachung gestellt wird. Der dramatische Konflikt ergibt sich aus dem Zusammentreffen privater Bindungen und staatlich-korporativer Eingriffe, die unterschiedlich motiviert versuchen, die Situation zu kontrollieren oder zu vernutzen.
Die zentrale Figur agiert dabei als Vermittler zwischen emotionaler Verantwortung und pragmatischer Krisenbewältigung. Die Tonalität wechselt zwischen Adrenalinschüben, die der Zerstörungslogik des Genres folgen, und leiseren Momenten, in denen Bindung und Verlust thematisiert werden. Atmosphärisch pendelt der Film zwischen urbaner Panik und den isolierten, intimen Begegnungen, die seiner menschlichen Kernhandlung Luft verschaffen.
Zentrale Themen und Motive
Rampage setzt sich implizit mit Fragen der Kontrolle und der Verfügbarkeit von Natur auseinander. Der Film fragt danach, was passiert, wenn technologische Eingriffe außer Kontrolle geraten - nicht als abstraktes Gedankenexperiment, sondern als dramatisches Feld, auf dem Verantwortung, Gier und Schutzbedürfnis kollidieren. Die Gegenüberstellung von individueller Nähe zu einem Tier und der kalten Logik ökonomischer Verwertung erzeugt einen moralischen Spannungsbogen, der das Monster nicht nur als physische Bedrohung, sondern auch als Reflexionsfläche über menschliche Werte begreifbar macht.
Weiterhin verhandelt der Film die Rolle von Medien und Militär in modernen Krisen - wie Bilder produziert, gelenkt und instrumentalisiert werden, welche Narrative dominieren und welche Stimmen marginalisiert bleiben. In dieser Hinsicht ist Rampage weniger ein bloßes Spektakel als ein Text, der populäre Ängste über Technologie, Kontrolle und die Zerbrechlichkeit urbaner Sicherheit aufnimmt und in einer zugänglichen, wenn auch nicht immer subtilen, Bildsprache zurückspiegelt.
Ohne Anspruch auf philosophische Systematik bietet der Film damit eine Bühne für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Motiven - Anthropozän, Corporatocracy und die Sehnsucht nach einfachen Heldenlösungen - und verweist auf die Ambivalenz, die entsteht, wenn Menschlichkeit in Technologien, Märkte und Medien eingespannt wird.
Filmkritik von Peter Osteried
„Rampage“: Größer ist besser – und nichts ist größer als The Rock
Dwayne Johnson ist einer der wenigen Superstars, die Hollywood heutzutage noch hat. Er kann im Dämmerschlaf befindliche Franchises wie JUMANJI neu beleben, reißt andere wie FAST & FURIOUS an sich und ist künftig auch das Zugpferd der G.I. JOE-Filme. Dass er nun auch mit RAMPAGE sein Publikum unterhält, ist da nur die natürliche Konsequenz.
Der Primatenforscher Davis Okoye (Dwayne Johnson) kommt mit seinen Mitmenschen nicht so gut zurecht, dafür aber mit Tieren – und ganz besonders mit dem ungewöhnlich intelligenten Gorilla George, den er großgezogen hat. Eines Experimentes wegen mutiert der Affe jedoch und wird zum wild umhertobendem Monster. Dabei ist er nicht das einzige Tier, mit dem experimentiert wurde. Schon bald machen die ungewöhnlichsten Raubtiere die USA unsicher, während Okoye mit einer in Ungnade gefallenen Gentechnikerin nach einem Gegenmittel sucht, um die Katastrophe noch abwenden zu können.
Der auf einem alten Computerspiel basierende Film ist nicht unbedingt das Originellste, was das Kino in den letzten Jahren zu bieten hatte, er punktet aber einerseits mit dem wie immer gut aufgelegten Johnson, der sehr genau weiß, wie er seine beeindruckende Physis in Actionmomenten ins rechte Licht rücken muss. Andererseits ist der Streifen aber auch ein Effektspektakel, das schon alleine damit unterhalten kann. Hier kracht es an allen Ecken und Enden und die Kämpfe der mutierten Monstertiere haben es echt in sich, zumal man hier noch den Bonusaspekt hat, dass man bei George mitfühlt und ebenso wie Johnsons Figur will, dass der Silberrücken ein Happyend erhält.
In erster Linie ist RAMPAGE eine richtig große Ladung Spaß. Sicher, es ist die Art Spaß, bei der man über die Logik der Geschichte gar nicht erst nachdenken sollte, aber dazu kommt man eh nicht, weil die spektakulären FX-Sequenzen einen mitreißen und ganz und gar in die Welt dieses Films ziehen.
Für etwas ältere Zuschauer gibt es zudem noch den Nostalgie-Bonus, denn wenn man das Game früher mal gezockt hat, dann macht der Film gleich noch mehr Spaß. Amüsant ist dabei in der Retrospektive, wie primitiv die Graphik des Games aussah und wie überwältigend realistisch das alles im Film daherkommt. Mit RAMPAGE schickt sich Johnson an, gleich noch das nächste Franchise anzustoßen. Der Mann kann sich vor Filmen, die in Serie gehen, kaum noch retten. Aber gut, solange er den Spaß, den er beim Machen hat, auch auf den Zuschauer überträgt, ist das nicht das Schlechteste.

