kritiken.de Filme
Filme

No way out - Gegen die Flammen

kritiken.de
kritiken.de Redaktion 03.05.2018
No way out - Gegen die Flammen© StudioCanal Deutschland
A ca. 1287 Worte Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden  📋 Inhalt

No way out - Gegen die Flammen: Heldentum, Schuld und die Ästhetik des Feuers

Einleitung

No way out - Gegen die Flammen ist mehr als ein episodisches Katastrophenstück; der Film versucht, die Ambivalenz zwischen öffentlichem Heldentum und persönlicher Zerbrechlichkeit auszuleuchten. Angesiedelt in der Tradition des realistischen Dramas, sucht die Inszenierung nach einer Balance zwischen dokumentarischer Klarheit und filmischer Monumentalität. Diese Mischung macht den Film für Zuschauer und Kritiker gleichermaßen relevant, weil er Fragen nach Verantwortung und Erinnern an reale Tragödien mit dem Bedürfnis nach großer Leinwandwirkung verknüpft.

Im Kontext des gegenwärtigen Kinos steht der Film für eine Tendenz, reale Katastrophenereignisse nicht nur als Spektakel, sondern als Anlass zur sozialen Reflexion zu nutzen. Die Entscheidung, menschliche Handlungsspielräume und die Unberechenbarkeit der Natur gleichberechtigt zu zeigen, spricht eine zeitgenössische Sensibilität an: Es geht nicht allein um das Bild des Feuers, sondern um die Bilder, die wir uns von Solidarität und Sterblichkeit machen.

Der Ton des Films ist ernst und gelegentlich elegisch; er sucht Nähe zu seinen Figuren und vermeidet einfache Insignien heroischer Selbstaufopferung. In dieser Zurückhaltung liegt seine Stärke: Der Film will nicht nur applaudieren, sondern verstehen, wie Entscheidungen unter Druck entstehen und welche Risse sie in Gemeinschaften hinterlassen.

Kurzüberblick zur Produktion

Regie führte Joseph Kosinski, der für zuvor inszenierte Arbeiten eine bildstarke, fast skulpturale Bildsprache entwickelt hat. Bekannt geworden durch Science-Fiction-Ästhetik, nutzt er hier seine visuellen Mittel, um ein naturgewaltiges Phänomen zu fassen und gleichzeitig intime Momente der Figurenarbeit herauszuarbeiten. Kosinskis Handschrift zeigt sich in präzisen Kompositionen, in der choreographischen Behandlung von Bewegung und in einer Kameraführung, die große Räume zugleich nahbar macht.

Die Produktion bewegt sich innerhalb des Studiosystems mit der üblichen Mischung aus aufwändiger Technik und Rückgriff auf praktische Dreharbeiten. Bemerkenswert ist die sichtbare Priorität auf Authentizität: Trainingssequenzen und Einsatzaufnahmen wirken sorgfältig recherchiert und legen nahe, dass die Herstellung in enger Kooperation mit Fachkräften und betroffenen Gemeinden erfolgte. Ökonomisch positioniert sich der Film als mittleres bis großes Drama, das ohne exzessive CGI-Exzesse durch die physische Präsenz von Menschen und Feuer Spannung erzeugt.

In Kosinskis Gesamtwerk markiert No way out - Gegen die Flammen eine Verschiebung von futuristischen Szenarien hin zu einem realistischen, beinahe dokumentarisch grundierten Humanfilm. Die Schnittmenge aus Monumentalität und Binnenpsychologie zeigt ein Regiekino, das größere soziale Fragen in menschliche Details übersetzt.

Die Hauptdarsteller & Hauptdarstellerinnen

Die Besetzung verbindet erfahrene Charakterdarsteller mit jüngeren Talenten. Josh Brolin übernimmt die Rolle der Führungsfigur, deren stoische Autorität und innere Brüche zur dramaturgischen Achse werden. Brolin bringt seine typische Mischung aus massiver Präsenz und zurückhaltender Emotionalität ein, die den Konflikt eines Anführers, der entscheiden muss, ohne Gewissheit zu besitzen, glaubhaft macht.

Miles Teller steht für die Perspektive eines jungen Rekruten, dessen Enthusiasmus und Zweifel das Publikum in die Ausbildungs- und Einsatzwelt hineinziehen. Teller fungiert als Repräsentant einer Generation, die zwischen Traditionsbewusstsein und persönlicher Selbstverortung navigiert. Jeff Bridges liefert die Erfahrung eines alten Haudegens, dessen Rolleninsistenz auf stille Autorität und moralische Komplexität setzt. Jennifer Connelly übernimmt die Rolle der Angehörigen und damit die Außenperspektive auf Männerwelten, die von Gefahr dominiert sind; ihre Präsenz verankert das Geschehen im Alltag jenseits des Einsatzgeschehens.

Die übrigen Ensemblemitglieder, darunter James Badge Dale und Taylor Kitsch, erfüllen das Projekt der Authentizität durch eine glaubhafte Kameradschaftsdynamik. Zusammen formen sie eine Formation, deren Verhältnisse untereinander mindestens so entscheidend sind wie die äußere Bedrohung.

Handlung (spoilerfrei!)

Der Film erzählt von einer Spezialeinheit, die mit Waldbränden konfrontiert ist und deren tägliche Routinen sich aus Ausbildung, Gemeinschaft und der ständigen Bereitschaft zur Gefährdung zusammensetzen. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen dem Anspruch, Menschen und Infrastruktur zu schützen, und der Tatsache, dass Feuer unberechenbar ist und sich jeder Kontrolle entziehen kann.

Die Dramaturgie entfaltet sich entlang der Vorbereitung auf Einsätze, der Entwicklung persönlicher Bindungen innerhalb der Einheit und der Konfrontation mit einem immer intensiver werdenden Naturereignis. Zentrale Figuren sind die eingangs beschriebenen Führungspersonen und junge Rekruten, ergänzt durch Familienangehörige, die den Preis emotional sichtbar machen. Der Ton des Films bewegt sich zwischen drängender Gegenwart und nachdenklicher Trauer, wobei Atmosphäre und Sounddesign entscheidend zur Wirkung beitragen.

Zentrale Themen und Motive

No way out - Gegen die Flammen stellt Fragen nach dem Verhältnis von Pflicht und Selbstschutz, nach den Bedingungen kollektiver Solidarität und nach der Konstruktion von Erinnerung. Der Film arbeitet mit dem Motiv des Feuers nicht nur als physischer Bedrohung, sondern als moralischem Prüfstein: Wer trifft Entscheidungen, wie werden sie getroffen, und wie wird nach einem Ereignis kollektiv mit Schuld und Trauer umgegangen?

Philosophisch berührt der Film das Verhältnis von Mensch und Natur, indem er die Hybris sichtbar macht, mit der Menschen versuchen, unberechenbare Kräfte zu domestizieren. Gesellschaftspolitisch lässt sich die Erzählung als Kommentar auf institutionelle Verantwortlichkeiten lesen, auf die Weise, wie Gemeinschaften und Staat auf Katastrophen reagieren. Psychologisch interessiert das Werk an dem, was Menschen in Extremsituationen zusammenhält oder auseinanderreißt: Kameradschaft, Ritualisierung von Leistung und die stillen Belastungen, die nach dem Einsatz nachhallen.

Formal bleibt der Film dabei ambivalent zwischen Epik und Intimem: Feuer wird zum ästhetischen Element, das mal als roher, zerstörerischer Paradigmenwechsel erscheint, mal als melancholisch aufgeladenes Bild, das Abschied und Verlust materialisiert. In dieser Dialektik liegt der filmische Versuch, tragische Ereignisse respektvoll zu dramatisieren, ohne sie zu instrumentalisieren.

Filmkritik von Peter Osteried

„No Way Out“: Für den Zuschauer gibt es nur ein Entkommen – nicht reingehen

Es ist die wahre Geschichte der Granite Mountain Hotshots, die hierzulande vermutlich weniger bekannt ist. Entsprechend dümmlich ist der deutsche Titel, der im Grunde das Ende vorwegnimmt – abgesehen davon, dass es eben doch ein Mann raus aus der Flammenhölle schafft.

Die Truppe von Eric Marsh (Josh Brolin) bekämpft Wildfeuer in Arizona. Zu den sagenumwobenen Hotshots gehören sie aber nicht. Das sind Feuerwehrmänner, die direkt am Brandherd eingesetzt werden, während Marshs Leute mit Schneisen und Gegenfeuern arbeiten. Doch die Truppe bekommt ihre Chance, als die neue Feuersaison beginnt. Doch der Einsatz mitten im Inferno fordert seinen Tribut – und das nicht nur in Hinblick auf das Privatleben der Männer.

Joseph Kosinski hat mit diesem Film der Science Fiction abgeschworen. Ein böser Fehler, denn wo dort sein Auge für brillante Bilder punkten konnte, bietet er hier nur sehr Bodenständiges. Tatsächlich ist es so, als hätte er alles verlernt, denn er bietet im Grunde nicht mehr als ein x-beliebiger Fernsehfilm. Gerade Brände können auch spektakulär sein, sie müssen aber auch entsprechend gefilmt werden. Hier jedoch hat man ständig das Gefühl, beim Durchzappen im Fernsehen beim falschen Film hängengeblieben zu sein.

Die Figuren sind zwar echten Menschen nachempfunden, verhalten sich aber nicht wie solche. Tatsächlich sind sie zu Klischees verkommen, die von den Autoren nach Lust und Laune eingesetzt werden. Oder anders gesagt: Die Geschichte gibt vor, wie diese Figuren zu sein haben. Das ist das Gestalten einer Geschichte nach strengem Baukastenprinzip, ohne dass Esprit oder ein Gefühl für Charakterisierung aufkäme.

Die gebotenen interpersonellen Konflikte sind auch schal und leer. Konkurrenten, die zu Freunden werden, ein Chef und sein Rookie, die irgendwie sehr gleich sind, Streit zuhause, das ist alles so uninspiriert dargeboten, dass man schlichtweg das Interesse an NO WAY OUT – GEGEN DIE FLAMMEN verliert.

Man ist bei diesem Film unbeteiligt. Dass hier das Schicksal vieler Männer entschieden wird, interessiert im Grunde nicht. Man sieht dem allem zu, ein Gefühl für die Menschen – oder gar Teilnahme an ihrem Leben – stellt sich aber nicht ein. Unterm Strich ist es einfach egal, wie diese Geschichte endet, weil sie uns in keiner Sekunde berührt.

Dies ist ein unspektakulärer Feuerwehrfilm, der Filmfans allenfalls damit minimal amüsieren kann, dass die Besetzung fast samt und sonders in Marvel-Filmen unterwegs war: Josh Brolin (gerade Thanos in AVENGERS: INFINITY WAR und bald Cable in DEADPOOL 2), Taylor Kitsch (Gambit in WOLVERINE: ORIGINS), Jeff Bridges (der Schurke in IRON MAN), Miles Teller (Mr. Fantastic in FANTASTIC FOUR) und Jennifer Connelly (SPIDER-MAN: HOMECOMING) geben sich hier die Klinke in die Hand.

Newsletter

Einmal pro Woche die besten Essays, Analysen und Kritiken – direkt in Ihr Postfach.

kritiken.de